Der Deutsche Journalisten Verband hat eine Neuauflage seiner groß angelegten Studie "Arbeitsbedingungen freier Journalisten" vorgestellt. Dafür wurden 2008 rund 2.000 freie Journalisten in Deutschland ausführlich befragt und Vergleiche mit der entsprechenden Studie von 1998 gezogen. Demnach hat sich die Situation der Freien vor allem bei Mehrfachvergütungen und dem Urheberrecht deutlich verschlechtert. Nach wie vor arbeiten Freie im Schnitt länger und werden schlechter bezahlt als festangestellte Kollegen.
Bereits bei der ersten Studie 1998 haben nur 14,1 Prozent der Befragten angegeben, regelmäßig bei einer Mehrfachverwertung ihrer Beiträge bezahlt zu werden. In der aktuellen Studie ist dieser Wert auf 8,6 Prozent gesunken. Immerhin 37,8 Prozent geben an, teilweise für eine Mehrfachverwertung bezahlt zu werden aber über die Hälfte (53,6 Prozent) erhält bei einer Mehrfachverwertung niemals eine entsprechende Bezahlung. Besonders verbreitet ist die unbezahlte Mehrfachverwertung von journalistischen Beiträgen offenbar im Privatfunk. Hier haben 71,1 Prozent der Befragten angegeben, niemals eine Vergütung für Mehrfachverwertung zu erhalten. Ebenfalls knauserig beim Zahlen von Mehrfachverwertungen: Anzeigenblätter, Onlinemedien und Tageszeitungen.
Dem entspricht, dass die Mehrzahl der freien Journalisten angegeben hat, sich zwar überwiegend mit Honorarforderungen durchsetzen zu können, nicht aber mit Vertragsbedingungen zur Weiterverwertung von Beiträgen. Die meisten Medienunternehmen verlangen vertraglich die volle Kontrolle über die einmal bezahlten Beiträge der freien Journalisten. Die Bezahlung generell ist nach wie vor eher schlecht. Das durchschnittliche Monatshonorar eines freien Journalisten beträgt vor Abzug der Steuern und unter Einrechnung der Betriebskosten im Schnitt 2.147 Euro. Gehen da noch Einkommenssteuer und die Beiträge für die Künstlersozialkasse ab, bleiben rund 1.600 Euro pro Monat netto.
Dabei ist der Anteil derjenigen, die sehr wenig verdienen weiter hoch. 1998 waren es 37,5 Prozent der Freien, die unter 1.000 Euro pro Monat verdient haben, 2008 sind es 38,3 Prozent. 69 Prozent verdienen maximal 2.000 Euro pro Monat und 85 Prozent immerhin maximal 3.000 Euro. Über 4.000 Euro pro Monat verdienen lediglich 7,8 Prozent. Gesunken ist die durchschnittliche Wochenarbeitszeit, und zwar von 46 auf 44,1 Stunden. Damit arbeiten die Freien im Schnitt aber immer noch rund acht Stunden pro Woche mehr als die festangestellten Redakteure. Jedenfalls nach Tarif.
Jeder zweite freie Journalist arbeitet bei einer Zeitung (54,6 Prozent). 49,8 Prozent sind für Fachzeitschriften tätig. Es folgen Pressestellen (44,4 Prozent), Online-Medien (40,7 Prozent) und Rundfunkanstalten (31,9 Prozent). Die wenigsten Freien arbeiten für Nachrichten- (9,3 Prozent) oder Bildagenturen (8,2 Prozent). Auch in der Demographie der Freien hat sich etwas getan. Kurz gesagt: Freie Journalisten werden älter und weiblicher. Der Anteil der Frauen stieg von 35,4 Prozent 1998 auf 44,6 Prozent 2008. Nur noch 10,3 Prozent der Freien sind unter 30 Jahre alt (1998: 17,7 Prozent). Die Altersgruppe der 31- bis 40-Jährigen ist dafür von 21,6 auf 34,6 Prozent gestiegen. Der größte Teil der Freien (52,6 Prozent) ist mit 30 bis 50 Jahren sogar noch älter.
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