Die Technik-Welt in den USA ist begeistert von einer brandneuen iPad-App namens Flipboard. Die App arrangiert Inhalte, die via Twitter und Facebook veröffentlicht werden in der Art eines klassischen Print-Magazins. Der Effekt ist in der Tat erstaunlich attraktiv und könnte die Art und Weise verändern, wie Social Media auf Tablet PCs konsumiert wird. Hinter Flipboard stehen namhafte Branchenexperten und Investoren. Der Verlagswelt erwächst hier aber ein neuer Konkurrent um die Anzeigengelder im Internet.
Wie viele gute Ideen ist das Konzept von Flipboard relativ simpel. Das Programm nimmt die chronologisch sortierten und optisch nicht gerade attraktiv aufbereiteten Inhalte, die bei Twitter und Facebook einlaufen und arrangiert sie sehr ansprechend im Layout eines klassischen Magazins. Statt eines verkürzten, nichtssagenden Links bei Twitter, sieht man so bereits das verlinkte Foto und einen Anriss des Textes.
Auf diese Weise präsentiert Flipboard Web-Inhalte der eigenen Twitter- und Facebook-Kontakte als eine Art Social-Media-Magazin. Das Ganze sieht hervorragend aus und es entsteht ein ungemein charmanter Mix aus persönlichen und allgemeinen Inhalten. So kann es durchaus geschehen, dass das Flipboard-Cover beim Aufrufen der App vom Urlaubsfoto eines Freunde geziert wird, das dieser bei Facebook veröffentlicht hat. Der Aha-Effekt ist hoch und es macht großen Spaß, persönlich relevante Inhalte so attraktiv und professionell aufbereitet anzusehen.
Darüber hinaus lässt sich Flipboard zu einer personalisierten Zeitung ausbauen. Man kann Twitter-Feeds von Nachrichten-Organisationen, Blogs oder Medien hinzufügen oder löschen. Oder man fügt Themen-Kanäle wie “Technik”, “Stil”, “Politik”, “Film und vieles mehr hinzu. Flipboard zeigt dabei jeweils nur die ersten Sätze eines Textes. Wer die kompletten Texte lesen will, wird innerhalb der App zur Original-Website weitergeleitet, kann von dort aber jederzeit zurück zu Flipboard springen.
Das ist ein Zugeständnis an die Erzeuger von Inhalten, die Programme wie Flipboard argwöhnisch betrachten dürften. Immerhin lebt die App von Inhalten anderer Anbieter. Bei Privatpersonen ohne kommerzielles Interesse dürfte das egal sein, professionelle Medien aber könnten fürchten, hier einen neuen Konkurrenten im Kampf um das knappe Anzeigengeld zu bekommen.
Denn auch Flipboard will sich, oh Wunder, mit Anzeigen finanzieren. Die Gründer Mike McCue und Evan Doll haben aber auch hier eine gute Idee. Jedenfalls für sich. Das Magazin-Layout von Flipboard erlaubt es, ganzseitige, grafisch ansprechende und interaktive Anzeigen zu schalten, die weitaus attraktiver wären, als herkömmliche Web-Werbung. Außerdem ist langfristig geplant, einige Inhalte, gemeinsam mit den Produzenten als Paid-Content anzubieten.
Die beiden Macher sind keine Unbekannten in der Web- und Technikwelt. Mike McCue war der Gründer von Tellme, einem Unternehmen, das Web-Inhalte am Telefon vorliest und das für angebliche 800 Millionen Dollar 2007 von Microsoft gekauft wurde. Sein Partner bei Flipboard, Evan Doll, war vorher Ingenieur bei Apples iPhone-Team. Gerade hat Flipboard eine Finanzierungsrunde über 10,5 Mio. Dollar abgeschlossen. Zu den Investoren gehören namhafte Firmen wie Kleiner Perkins Caufield & Byers, Index Partners und Business Angel Jack Dorsey, der auch zu den ersten Investoren bei Twitter zählte. Flipboard ist seit Mittwoch im App-Store von Apple erhältlich. die Anmeldungen bei Facebook und Twitter funktionieren aber zeitweise nicht. Wegen des großen Nutzeransturms sind die Server überlastet.
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