Axel Springer will erklärtermaßen expandieren, ein Kauf-Interesse am Nachrichtensender N24 bestehe aber nicht mehr. Die Vorstellungen von ProSiebenSat.1 hätten in Sondierungsgesprächen nicht überzeugt, so Döpfner bei der Bilanz-Pressekonferenz des Verlags. Stattdessen setzt Döpfner große Hoffnungen in Tablet-PCs, wie das kommende iPad, warnte aber gleichzeitig vor Monopol-Tendenzen bei Apple. Er begrüße es, wenn im Segment der neuen Geräte ein Wettbewerb auch um Konditionen entstehe.
"Ich glaube, dass da eine sehr spannende Phase beginnt, die mit einem inhaltlichen Wettbewerb wie auch einem Wettbewerb um die Konditionen die Chance bietet, visuell attraktiven Journalismus anzubieten - und damit vielleicht auch das Internet in eine neue ästhetische und kreative Phase zu führen", so Döpfner. Bisher hätten viele Webseiten ja "ausgesehen wie Flugblätter aus den siebziger Jahren", sagte der Konzernchef weiter. "Da haben wir jetzt wirklich ganz andere Möglichkeiten, die wir schnell mit eigenen Angeboten nutzen wollen. Wir bereiten das vor." Ob nun aber Bild oder Welt oder gar beide Titel zusammen den Start machen werden, wollte Döpfner noch nicht preisgeben.
Obwohl Döpfner auf dem iPhone einen großen Erfolg feiern kann und dort binnen eines Monats mehr als 100.000 Apps gegen Gebühr verkaufte, will er sich nicht allein an Apple binden. Im Gegenteil: Der Verlagsboss wünscht sich Wettbewerb. "Wir freuen uns, dass es bereits eine gewisse Wettbewerbssituation mit anderen Tablets gibt – ob mit Amazon, Microsoft oder Google", so Döpfner. Ihn ärgert vor allem, dass sich Apple derzeit als Quasi-Monopolist auf dem Markt der Apps herausnehmen kann, zu entscheiden, welche Inhalte überhaupt an die Kundschaft kommen darf und welche nicht.
Wir erinnern uns: Apple hat etwas gegen erotische Inhalte auf seinem iPhone. Der US-Konzern sperrte für kurze Zeit die App des Stern ohne Vorwarnung, weil in einer Bildergalerie halbnackte Brüste zu sehen waren. Mit der Bild-App wiederum können die Nutzer das "Bild-Girl" durch Schütteln des Telefons Schritt für Schritt ausziehen. Doch so barbusig, wie die Girls schon in der gedruckten Bild daherkommen, sind sie auf dem iPhone nicht. Damit Apple die Bild-App nicht zensiert, leistet die Berliner Redaktion vorauseilenden Gehorsam – und legt Lichtblitze über die Oberweite der Damen.
"Die eigentlich läppische Diskussion um barbusige Mädchen auf der Bild-Plattform hat nichts mit Frage der journalistischen Freiheit zu tun, sie war aber durchaus ein kleines Symbol-Event", mahnte Döpfner nun. Der Vorfall sei "hoch interessant, weil hier ein Player handelte, der gar nichts mit der Definition der Inhalte zu tun haben sollte". Die Sache müsse "als grundsätzliches Ereignis mit größter Aufmerksamkeit" von der Branche beobachtet werden.
Viel besser gefiel Döpfner, wie Telekom-Chef René Obermann jüngst auf der Cebit angekündigte, seine Unternehmen sehe sich als digitaler Kiosk und nicht als digitaler Verleger. "Ich glaube, das ist eine ganz wichtige Unterscheidung, denn es ist wichtig, dass sich die Infrastruktur- und Hardwarepartner nicht als Inhaltegestalter verstehen", sagte Döpfner. Ihn freue, dass es in der Geräteklasse des anstehenden iPads "eine gewisse Angebotsvielfalt" gebe und hoffe, "dass es sich die Player nicht mehr leisten können, monopolartige Verhältnisse zu etablieren, bei denen der Monopolist sagen kann, welche Inhalte ihm missfallen".
Wirklich heikel werde die Diskussion aus seiner Sicht beim Thema Gewalt, das Apple ähnlich restriktiv behandeln könnte, wie die Erotik. Döpfner fragte: "Was wäre mit der Kriegsberichterstattung, wenn man Gewalt im Journalismus grundsätzlich verbieten würde?"
Döpfner kündigte in Berlin für das laufende Jahr ein Wachstum im digitalen Geschäft an, ohne konkret zu werden. Der Springer-Verlag hat jedenfalls wieder die Möglichkeit, zu wachsen. Die Bilanz 2009 weist einen Rückgang der Verschuldung von 370 auf 193 Millionen Euro aus. Finanzvorstand Lothar Lanz erklärte dazu: "Axel Springer verfügt über erhebliche Spielräume zur Finanzierung des weiteren Wachstums", auch weil die Kreditlinie bis 2010 auf 1,5 Milliarden Euro gesichert sei.
In jedem Fall nicht mehr im Sichtfeld sei jedoch der Newskanal N24. "Was N24 betrifft: nein!", sagte Döpfner auf Nachfrage. "Die Vorstellungen und Konditionen, die man sich da bei eventuellen Veränderungen vorstellt, die haben uns in Sondierungsgesprächen nicht überzeugt." Grundsätzlich wäre N24 aber eine sinnvolle Erweiterung des Konzerns. Döpfner kündigte an, stattdessen das eigene Geschäft mit Bewegtbildern ausbauen zu wollen.
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