Die Bild-Berichterstattung über die Loveparade-Tragödie sorgte für viel Kritik. Mehr als 230 Beschwerden gingen bis zum Freitag beim Presserat gegen das Boulevard-Blatt und seinen Web-Ableger Bild.de ein. Im Nachrichten-Magazin Focus verteidigt Chefredakteur Kai Diekmann seine Berichterstattung. "So wenig, wie ein Notarzt in solchen Situationen seine Arbeit aus Gründen der Erschütterung einstellen kann, können sich Medien ihrer Berichtspflicht enthalten."
Der Chefredakteur findet es jedoch verständlich, "dass nach einem solchen Unglück viele Menschen aufgewühlt sind".
Bild.de hatte Fotos abgedeckter Leichen gezeigt, auf denen aber noch Gliedmaßen zu sehen waren. Besonders das Titelfoto der Bild am Montag nach der Katastrophe sorgte für viel Kritik. Auf einer Großaufnahme wurden die gedrängten und gequetschten Menschen gezeigt. "Viel eindringlicher als jede Erklärung von Polizeiexperten oder Panikforschern wird an diesem Foto schlagartig deutlich, wie hilflos der Einzelne in solchen Situationen ist. Diekmann geht jedoch davon aus, dass der Presserat sämtliche Beschwerden "zurückweisen" wird.
Am vergangem Wochenende wurde immer mehr Kritik an der Medienberichterstattung über die Katastrophe von Duisburg laut. In einem Stück in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung schrieb Stefan Niggemeier, dass "eine bemerkenswerte Selbstgerechtigkeit" durch viele Berichte über die Loveparade schimmere.
Der Duisburger Medienwissenschaftler Christian Schicha dagegen ist erschüttert, wie der Oberbürger Adolf Sauerland zum "Ventil" der negativen Berichterstattung wird. "Den Veranstalter kennt man kaum, den kann man nicht fassen. Herr Sauerland hat sich eben auch mehrfach im Vorfeld geäußert, wie toll und großartig das Event ist. Und jetzt wird seine Körpersprache etwa in 'Spiegel TV' in Zeitlupe gezeigt, um die Verlegenheit zu dokumentieren", sagte er im Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger. "Die 'Bild' zeigt ihn mit weit aufgerissenen Augen, um seine Hilflosigkeit zu demonstrieren. Das ist ein ungewöhnlicher Vorgang und meiner Meinung nach grenzwertig."
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