Wie andere Unternehmen auch, fördert die Deutsche Welle die körperliche Ertüchtigung ihrer Mitarbeiter. Der Verein DW Sport plus, der früher die Betriebssportgruppe des Senders war, hat jedoch eine Besonderheit: Jeder kann Mitglied werden, ohne DW-Mitarbeiter zu sein. Zudem erhält der private Verein größere Summen von der Deutschen Welle. In einem Jahr überstieg der Zuschuss sogar die Ausgaben des Vereins. Der mit Steuergeldern unterstützte Verein bietet u.a. Golf für Jedermann zum Spottpreis an.
Allein in den Jahren 2000 bis 2003 und 2006 erhielt der private Verein von dem öffentlich-rechtlichen Sender Deutsche Welle Gelder in Höhe von 141.451,68 Euro. Im Jahr 2003 überstieg der Zuschuss der Deutschen Welle die Gesamtausgaben des Vereins. Dieser war in dem Jahr finanziell so gut aufgestellt, dass er sogar über zwei Festgeldkonten verfügte. Im Jahr 2005 hatte der Verein 66.436,84 Euro auf einem Festgeldkonto angelegt – dennoch bezuschusste die Deutsche Welle den Verein im Folgejahr mit weiteren 37.000 Euro aus öffentlichen Mitteln. Dabei hätte es eigentlich Grund zum Sparen gegeben: Die Deutsche Welle verbuchte in dem Jahr einen Verlust in Höhe von mehr als 27 Millionen Euro.
Dem Protokoll der Jahresmitgliederversammlung des Vereins vom 25. November 2002 ist zu entnehmen, wie sich der heutige stellvertretende Intendant und Verwaltungsdirektor der Deutschen Welle, Reinhard Hartstein, auf der Versammlung äußerte: „Im Hinblick auf die dramatische Haushaltssituation der DW sei er besonders froh, hier mal etwas Positives verkünden zu dürfen, nämlich die Erhöhung des jährlichen Zuschusses der DW an DW Sport plus e. V. von € 22.000,- auf € 30.000 ,-“, heißt es dort.
Seit 2007 sind den Protokollen der Jahresmitgliederversammlungen des Vereins DW Sport plus dann keine Zahlen zu Zuschüssen von der Deutschen Welle mehr zu entnehmen. Nur im Protokoll vom 14. Dezember 2009 findet sich die knappe Angabe, der Verein sei „finanziell gut aufgestellt“.
Im selben Protokoll ist auch von der Gründung einer neuen Golfgruppe die Rede. Deren Golfkurse sind nach MEEDIA-Informationen mit einem Preis von 110 Euro für zehn Termine à 80 Minuten extrem preiswert und seien laut einem Mitglied "wie geschenkt". Auch die Sportschützen-Gruppe des Vereins, die vom Gesamtverein DW Sport plus subventioniert wird, ist bestens ausgestattet. Sie schaffte nach MEEDIA-Recherchen eine Luftpistole, ein Luftgewehr und ein Kleinkalibergewehr der Olympioniken-Edelmarke Anschütz an.
Auf Anfrage wollte die Deutsche Welle, die direkt aus Steuermitteln finanziert wird, nicht mitteilen, in welchem Jahr sie den Verein DW Sport plus in welcher Höhe bezuschusst hat. Hierbei handele es sich um „Betriebsinterna“. Man sehe sich insofern „nicht veranlasst“ entsprechende Fragen zu beantworten, so Johannes Hoffmann, Pressesprecher der Deutschen Welle gegenüber MEEDIA. Auch der Verein DW Sport plus – Vorsitzender ist DW-Justitiar Peter Niepalla – gibt hierüber keine Auskunft.
Fragen wirft auch ein Darlehen auf, dass die Deutsche Welle dem privatrechtlichen Verein DW Sport plus noch bis 2012 gewährt hat. Auf Anfrage nahm man bei der Deutschen Welle keine Stellung zu der Frage, in welcher Höhe, zu welchem Zweck, zu welchen Konditionen und aus welchen Mitteln das Darlehen gewährt wurde. Hierbei handele es sich ebenfalls um „Betriebsinterna“, obwohl der Verein DW Sport plus nicht Teil der Deutschen Welle ist.
Der Verein DW Sport plus kümmert sich dabei nicht nur um Betriebsinterna. Vor einigen Jahren hatte der Chor des Vereins einen Auftritt beim traditionellen Maiempfang der SPD in Bergisch Gladbach. Erik Bettermann, seit 2001 Intendant der Deutschen Welle, war vor seiner Zeit als Intendant SPD-Politiker in Bremen und stellvertretender Bundesgeschäftsführer in der SPD-Parteizentrale in Bonn. Auch hierzu wollte man bei der Deutschen Welle keine Stellung nehmen. In das auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorherrschende Spar-Diktat mag die großzügige Alimentierung eines Sportvereins jedenfalls nicht so Recht passen.
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Letzte Kommentare
18.08.10 13:52
S. Michael Westerholz
Ab wann bzw. ab welchen Beträgen erlauben die SchreiberInnen Brummund, Weber und Leyendecker dem Kollegen Oppong denn die Auseinandersetzung mit der DW? Ein Sender, der aus Zwangsgebühren finanziert wird, hat öffentlich Rechnung zu legen. Und die von Oppong genannten Beträge sind offensichtlich nicht für den Zweck geflossen, für den sie bestimmt waren. Oppong hat recherchiert, wie immer sauber. Ihm werden Auskünfte verweigert - das ist ganz bestimmt nicht Gesetzes-konform, ebenso wie die Darlehensgewährung an den Sportverein: Dass auch darüber geschwiegen wird, dürfte leider schlechte Gründe haben.
30.07.10 09:18
Wolfgang Schäfer
Ein durch Zwangsgebühren finanzierter Sender hat ein Minus von 27 Millionen EUR und verschenkt dennoch einem privaten Sportverein 37000 EUR.
Was ist daran belanglos? Wo fängt bei den geschätzten Kommentatoren die Relevanz an?
Ist es nicht die vornehmste Aufgabe eines Journalisten derartiges zu recherchieren und zu veröffentlichen?
29.07.10 16:30
Stefan Winterbauer
Was ist denn das hier? Hat der DW Sport Club jetzt auch eine anonyme Kommentar-Troll-Abteilung eröffnet?
29.07.10 14:30
Peter Dr. Brummund
Was machen Sie eigentlich sonst den ganzen Tag, ausser sich mit Belanglosigkeiten zu beschäftigen oder mit Dreck zu spritzen? Das hat doch mit Medien-Journalismus nichts zu tun.
29.07.10 12:04
Hans-Dieter Weber
Teile die Ansicht meiner Vor-Kommentatorin. Hat sich der Autor, offensichtlich Erfinder des investigativen Journalismus in belanglosen Fällen, schon selbst als Patent angemeldet?