Nach dem verkündeten Aus von Zoomer.de zeigt es sich stärker denn je: Der Hype, den es noch vor zwei oder drei Jahren um Nachrichten-Websites mit User-Beteiligung gab, scheint zu Ende. Zoomer, aber auch Seiten wie Yigg.de, Webnews.de und Shortnews.de konnten bis heute nie den Massenmarkt erreichen, Projekte wie tausendreporter von stern.de drohen sogar zum Image-Schaden zu werden. MEEDIA hat sich die Zahlen und Inhalte der Mitmach-Websites angeschaut.
Entstanden ist der Hype um die Mitmach-News-Websites, auf denen User bestimmen, welche Nachrichten wichtig sind, durch das US-Vorbild digg. Das Angebot wurde vor gut vier Jahren von Kevin Rose geründet und hat sich über die Jahre zu einem richtigen Klickgiganten gemausert. Der Google AdPlanner weist für digg.com derzeit 21 Millionen monatliche Unique Visitors aus. Doch seit ca. einem Jahr zeigt die Kurve klar nach unten.
Ähnlich das Bild bei den deutschen Websites, die sich von digg inspirieren lassen haben. Die bekanntesten sind wohl Yigg.de, Webnews und als Sonderfall der Oldie ShortNews, den es schon seit fast zehn Jahren gibt. Alle drei Nachrichten-Communities haben sich trotz Anstrengungen nicht als relevantes Informationsmedium durchsetzen können und leiden ebenfalls unter Publikumsschwund. So wurden laut Google Trends bei shortnews.de innerhalb eines Jahres aus mehr als 80.000 täglichen Unique Visitors nur noch rund 40.000, Yigg.de fiel von über 40.000 auf ebenfalls rund die Hälfte. Einzig Webnews kann sich nach einem Zwischentief im vergangenen Herbst halbwegs stabil halten - allerdings auch auf keinem besonders hohen Niveau. Das Dilemma von Zoomer.de, Holtzbrincks Zwitter aus Nachrichten-Community mit Redaktion, ist ja allseits bekannt. Nach dem Stop der Werbung für Zoomer in Communities wie StudiVZ brachen die Zahlen zusammen:
Im Google AdPlanner, der aus verschiedenen Datenquellen hochgerechnete Nutzer-Zahlen für alle relevanten Websites der Welt ausweist, liegt ShortNews in Deutschland derzeit bei 610.000 Unique Visitors pro Monat, Webnews bei 510.000, Yigg.de bei 320.000 und Zoomer.de nur noch bei 100.000. IVW-Zahlen liegen nur für Webnews und Yigg vor: Webnews kam dort im Januar auf 1,175 Mio. Visits, Yigg.de auf rund 733.000. Zum Vergleich: Selbst nicht gerade als Internet-Giganten bekannte Sites wie die vom Bonner "General-Anzeiger" und dem Konstanzer "Südkurier" liegen klar vor beiden News-Communities. All diese Zahlen und Entwicklungen lassen letztlich nur einen Schluss zu: Auch im Internet will eine gigantische Mehrheit von Nutzern auf News-Websites nicht mitbestimmen, sondern überlässt die Relevanz-Einordnung lieber den Journalisten.
Auch ein Blick auf die aktuellen Homepages ist eher ernüchternd: Bei Yigg war die Top-Meldung bei unserem Besuch um 13.30 Uhr "Kollision im All: Russischer Weltraumschrott zerstört US-Satellit", gefolgt von "Twitter Friends T-Shirt - Ein cooles Community Mosaik Shirt". Bei Webnews war der Aufmacher immerhin das Fußball-Länderspiel, gefolgt von 10.000 neuen Kündigungen bei General Motors - einen Tag zuvor dominierte aber auch dort eine nicht wirklich relevante Meldung die Homepage: "Hindu-Partei will Kuh-Urin-Getränk auf den Markt bringen". ShortNews machte um 13.30 Uhr mit einem Schweizer "Zuschnellfahrer" auf, der sein Video auf YouTube stellte, auch Michael Jacksons Hautkrankheit und das Videospiel "Street Fighter 4" waren populär vertreten. Nutzt jemand also ausschließlich solche News-Communities, um sich zu informieren, bekommt er weite Teile des Weltgeschehens nicht mit.
Ganz bitter sieht es beim stern.de-Projekt tausendreporter aus, das nach dem Ende der Kooperation mit ShortNews entstanden ist und für das immerhin noch recht populär auf der stern.de-Homepage geworben wird: Das Angebot wird offenbar so wenig genutzt, dass am Mittwoch und Donnerstag 18 der 20 tausendreporter-Startseiten-News aus dem Blog eines einzigen Nutzers stammten. Er hat die stern.de-Site also zu einer Werbeseite für sein Blog umgewandelt. Die beiden weiteren tausendreporter-"Nachrichten" waren Pressemitteilungen aus dem offiziellen Blog der Firma Renault. tausendreporter ist also zur Lachnummer verkommen, von der sich eine angesehene Marke wie stern.de lieber heute als morgen trennen sollte.
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