Mit dem iPhone auf Kriegspfad: Die New York Times lässt ihre Journalisten den Krieg in Afghanistan dokumentieren. Der Fotograf Damon Winter geht bei der Berichterstattung allerdings neue Wege. Keine teure Spiegelreflex mit Dutzenden Objektiven, sondern das iPhone ist das bevorzugte Arbeitsgerät. Das Apple-Smartphone scheint sich, vorerst nur in der US-Presse, zum bevorzugten Arbeitsgerät zu etablieren. Radioreporter fangen damit O-Töne ein und schneiden direkt auf dem Gerät. Die teure Technik bleibt liegen.
Eine Faustregel unter Fotografen lautet: „Nicht die Kamera macht die Bilder, sondern der Fotograf.“ Bedeutet zum einen: Die Technik kann noch so gut sein, wenn der Fotograf es nicht ist. Zum anderen: Benutze das, was du hast, um deine Geschichte zu erzählen. Nirgends wird ein solcher Leitspruch mehr strapaziert als im Krieg. James Dao und Damon Winter folgen im Auftrag der New York Times dem 1. Battalion der 87. Infantrie in Afghanistan. Und bloggen regelmäßig über ihre Erlebnisse an der Front.
Was verblüfft: James nutzt das iPhone 4 als Arbeitsgerät. Er schätzt die Authentizität: „Selbst die Soldaten knipsten sich gegenseitig mit ihren Telefonen. Da fiel ich weniger auf als mit meinem großen Equipment.“ Die geschossenen Bilder haben ihren ganz eigenen Charme. Ohne stilisierten Fokus. Ohne Bewegungsunschärfe. Sehr direkt, unmittelbar und authentisch. So, als würde der Fotograf komplett in seiner Umgebung aufgehen und nicht weiter auffallen. Damon Winter nimmt seine Bilder übrigens über die Hipstamatic-App auf.
Das Programm simuliert alte Retro-Kameras auf dem High-Tech-Smartphone, inklusive virtuellem Blitz und Sucher. Dabei werden die Bilder konsequent über- oder unterbelichtet und erhalten einen schwer zu beschreibenden und unverschämt charmanten Retro-Look samt Farbstich und Rahmen. Nutzer können mit verschiedenen Linsen, Film-Sorten und Blitzen experimentieren. Wer es einmal ausprobiert hat, verfällt sofort dem Charme von Hipstamatic. Die App macht aus der Not eine Tugend und ergänzt die suboptimale Foto-Technik im iPhone mit einer cleveren Kreativ-Software. Sie hat sogar ein Geschäftsmodell. Zunächst einmal muss sie mit 1,59 Euro bezahlt werden (lohnt sich). Danach kann man innerhalb der App Linsen- und Kamera-Pakete für je 79 Cent nachkaufen.
Zumindest in den USA entwickelt sich das iPhone abseits seiner Telefoniefunktion immer mehr zum mobilen Arbeitsgerät. So nutzt Neal Augenstein, Radioreporter bei Washingtoner Radiosender WTOP, nur noch das iPhone, um O-Töne für das laufende Programm einzuholen. “Früher habe ich mit Adobe Audition auf einem Laptop geschnitten, ein Comrex zum Pegeln benutzt, mit dem Marantz PMD620 aufgenommen und ein Sure SM63 für Interviews benutzt. Jetzt liegt mein Notebook seit Wochen unbenutzt im Kofferraum. Jetzt kann ich alles innerhalb von zehn Minuten bearbeiten und direkt in die Redaktion schicken”, erklärt der langjährige Radioreporter. Als Aufnahme-App verwendet er VeriCorder's VC Audio Pro.
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