Bild, WAZ, Süddeutsche Zeitung: Die meistverkauften Zeitungen der Republik sind allseits bekannt. Doch welche Tageszeitungen verkaufen sich in ihrer Region am besten? Welches sind die erfolgreichsten Heimatzeitungen Deutschlands? MEEDIA wollte es wissen und wertete die Zahlen der IVW-Verbreitungsanalyse 2010 aus. Ergebnis: In den kreisfreien Städten ist die Wilhelmshavener Zeitung mit fast 22 verkauften Zeitungen pro 100 Einwohner am stärksten, in den Landkreisen liegt die Nordwest Zeitung im Ammerland vorn.
Für unsere exklusive Analyse haben wir wie erwähnt die IVW-Verbreitungsanalyse Tageszeitungen 2010 herangezogen. Hier werden alle zwei Jahre die Verkaufszahlen der deutschen Zeitungen bis auf die kleinsten Gemeinden heruntergerechnet. Um nachzuprüfen, welche Titel in ihrer Heimat am stärksten sind, haben wir die Verkaufszahlen der IVW-VA ins Verhältnis zur jeweiligen Einwohnerzahl der Stadt, des Kreises oder der Gemeinde gesetzt. Die Ergebnisse wurden dann noch in diese drei Kategorien - also kreisfreie Städte, Landkreise und Gemeinden - aufgeteilt und heraus kommen unsere Rankings der erfolgreichsten deutschen Heimatzeitungen.
Beginnen wir unsere Übersicht in den kreisfreien Städten. Die Nummer 1 heißt hier Wilhelmshavener Zeitung. Das Blatt verkauft sich in Wilhelmshaven täglich 17.675 mal. Bei einer Einwohnerzahl von 80.645 ergibt sich also eine Verkaufszahl von 21,9 pro 100 Einwohner. Auch auf dem zweiten Platz findet sich eine Zeitung aus Niedersachsen: Die Nordwest Zeitung setzt in Oldenburg 21,4 Blätter ab - auch ein Grund, warum sich Oldenburg in unserem Ranking der deutschen Zeitungsstädte so weit vorn platzierte.
Rang 3 der Tabelle geht an die Frankenpost, die in Hof auf 20,9 verkaufte Zeitungen pro 100 Einwohner kommt, ebenfalls über die 20er-Marke sprang noch die Wismarer Zeitung mit 20,3. Erstaunlich treu sind auch die Bremer bei ihrem Zeitungskonsum. Der Weser-Kurier verkauft sich dort 104.744 mal - bei 542.719 Einwohnern entspricht das 19,3 Zeitungen pro 100 Bremer. Die Hansestadt ist damit die einzige Stadt mit mehr als 250.000 Einwohnern, die den Sprung in die Top 25 geschafft hat. Zeitungen aus Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern gibt es aber weitere drei: die Lübecker Nachrichten, die Braunschweiger Zeitung und die Volksstimme aus Magdeburg.
Auch die Tabelle der erfolgreichsten Zeitungen in den Landkreisen wird von Blättern aus Niedersachsen angeführt. Die Nordwest Zeitung liegt hier vorn, sie verkauft im an Oldenburg angrenzenden Landkreis Ammerland 28.415 Zeitungen an 116.023 Einwohner, also 24,5 pro 100 Ammerländer. Auf Platz 2 folgt die ost-niedersächsische Elbe-Jeetzel-Zeitung, die im Landkreis Lüchow-Dannenberg auf 24,2 Verkäufe kommt, dahinter folgt der Weser-Kurier, der im - ebenfalls niedersächsischen - Landkreis Osterholz einen Wert von 23,8 erreicht.
Stärkste Heimatzeitung außerhalb Niedersachsens ist in den Landkreisen die Passauer Neue Presse. Im Landkreis Regen verkauft sie sich 17.549 mal - 22,1 mal pro 100 Einwohner. Der größte in der Top 25 vertretene Landkreis ist Kassel: Die Hessische/Niedersächsische Allgemeine setzt dort 44.908 Zeitungen an 237.753 Einwohner ab. Die Passauer Neue Presse ist in der Liste gleich viermal vertreten (Regen, Deggendorf, Freyung-Grafenau, Altötting), die Main-Post zweimal (Würzburg, Schweinfurt).
Zum Schluss der Blick auf die Gemeinden. Auch hier finden sich an der Spitze viele Zeitungen aus Norddeutschland, auf Platz 1 mit den Lübecker Nachrichten aber kein Blatt aus Niedersachsen, sondern eins aus Schleswig-Holstein. In der Gemeinde Krummesse, in der Nähe von Lübeck, verkaufen die Lübecker Nachrichten 34 Zeitungen pro 100 Einwohner - oder auch 514 Zeitungen an die insgesamt 1513 Einwohner. Dahinter folgen der Ostfriesische Kurier in der Gemeinde Marienhafe, die Kieler Nachrichten in der Gemeinde Strande und das Flensburger Tageblatt in der Gemeinde Hürup. Größte Gemeinde in der Top 25 ist Bad Zwischenahn: Die Nordwest-Zeitung verkauft sich dort 26,2 mal pro 100 Einwohner.
Abschließend lässt sich also festhalten, dass in allen drei Rankings norddeutsche Zeitungen dominieren. Auf dem flachen Land scheinen also die treuesten Zeitungsleser zu wohnen. Die Einwohnerstruktur könnte mitverantwortlich dafür sein, sicher aber auch die geringere Bevölkerungsdichte, in der sich womöglich weniger Einwohner eine Zeitung teilen als in Ballungsräumen. Ein weiterer Faktor könnte auch die Versorgung mit dem Internet sein: Während in den Städten das Netz mit Hochgeschwindigkeitszugängen großer Konkurrent der Papiermedien geworden ist, fehlen auf dem Land oftmals schnelle Internet-Zugänge.
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Letzte Kommentare
09.08.10 18:24
Wolfgang Wegener Website
Also, dass unsere Zeitung hier, der Harzkurier, diese Analyse am 7. August als Topmeldung brachte ("Harzkurier gehört in Deutschland zu den erfolgreichsten Tageszeitungen"), versteht sich ebenso fast von selbst wie die Tatsache, dass ich die Quelle mit "ivw landkreis" erstmal selbst googlen musste. Man schiebe das auf die "glaubwürdige und umfassende" Berichterstattung im Vergleich zum Internet.
Diese Statistik lässt doch völlig außer acht, wieviele Zeitungen es pro Landkreis gibt und ist m. E. ungeeignet, Erfolg zu messen. Unser Landkreis Osterode ist einer der kleineren Deutschland, zwei Tageszeitungen wurden in den letzten Jahren eingestellt. Würden wir - was diskutiert wird - mit Northeim und Göttingen fusionieren, hätten wir auf einen Schlag 500 000 Einwohner statt 80 000. Würde durch diese rein administrative Maßnahme unsere so erfolgreiche Zeitung dann auf einen Schlag erfolglos?
Interessant wäre allenfalls die Zahl der Leser aller Tageszeitungen pro Landkreis: Ob da die Niedersachsen immer noch vor den Bayern stehen? Noch interessanter wäre die Entwicklung dieser Zahl: So verlor der Harzkurier in den letzten zehn Jahren doppelt so stark an Auflage wie unser Landkreis an Einwohnern.
Mit Harzer Glückauf
Wolfgang Wegener, Webmaster einer kommunalpolitischen Seite und Internetfan
02.08.10 15:37
Markus Ermert
@ Ulrich Schulze
Freies Wort und Frankenpost produzieren jeweils einen eigenständigen Zeitungsmantel und sind komplett eigenständige Tageszeitungen. Beide Titel bedienen sich - neben vielen anderen Quellen - auch der Inhalte der Stuttgarter Nachrichten und ihres Korrespondentenpools.
30.07.10 12:43
Sebastian Lopitz
Ich fürchte, die exorbitante Spitzenstellung der Lübecker Nachrichten in der Gemeinde Krummesse ist einer kommunalpolitischen Besonderheit geschuldet: der Ort Krummesse (aus dem ich stamme und über den ich eine Diplomarbeit geschrieben habe) ist zwar ein räumlich zusammenhängendes Dorf, das jedoch nur zu rund 2/3 eine selbstständige Gemeinde bildet.
Hier dürften die Verkaufszahlen für das gesamte Dorf ins Verhältnis zu den Einwohnerzahlen der Gemeinde gesetzt worden sein.
30.07.10 10:52
P. Grashoff Website
Oha, bei diesem Ranking haben die Frischköpfe aus dem Nordwesten der Republik die Nase vorn ...! Und sogar bei den großen deutschen Zeitungsstädten ist Bremen auf Platz 5! Weiter so!
29.07.10 21:29
Jens Schröder Website
@Ulrich Schulze: Bei der Einteilung in die drei Gruppen (Städte, Kreise, Gemeinden) habe ich mich an die offiziellen Einteilung der IVW-Verbreitungsanalyse gehalten.
Natürlich kenne ich auch alle Zahlen der Beispiele, die sie nennen. In allen Fällen (auch auf den Dörfern im Hochschwarzwald) hat es für die jeweiligen Zeitungen aber nicht zu einem Platz in unserem Ranking gereicht.