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Vergewaltigungs-Vorwurf gegen Assange zurückgezogen

Wikileaks-Chef wittert "Schmutz-Kampagne"

Julian Assange ist eine der geheimnisvollsten Figuren der Web-Welt. Über den Vordenker der Whistleblower-Plattform Wikileaks ist so gut wie nichts bekannt. Angeblich wird er vom Verteidigungsministerium der USA gejagt. Auch hinter zurückgezogenen Vergewaltigungsvorwürfen aus Schweden vermutet Assange das Pentagon. Gegenüber Al Dschasira sprach Assange von einer "Schmutz-Kampagne". Wikileaks wurde bekannt, als sie ein Video des Angriffs eines US-Kampfhubschraubers im Irak veröffentlichte.

Zwei Schwedinnen behaupteten laut Medienberichten, der Wikileaks-Gründer habe sie vergewaltigt und sexuell genötigt. Eine Anzeige wurde zwar nicht erstattet, kurzzeitig wurde in Schweden aber offenbar ein Haftbefehl gegen Assange ausgestellt, der aber schnell wieder aufgehoben wurde. Der Verdacht auf Vergewaltigung sei unbegründet, hieß es von der schwedischen Justiz.

Wikileaks und Assange vermuten nun eine Verschwörung des US-Verteidigungsministeriums hinter den falschen Vorwürfen. "Wir sind vor schmutzigen Tricks gewarnt worden, nun haben wir den ersten", twitterte Wikileaks. Assange selbst gab via Twitter zu Protokoll: "Die Anklagen entbehren jeder Grundlage und der Zeitpunkt, da sie publik werden ist zutiefst beunruhigend."

Vor kurzem erst landete Wikileaks einen erneuten Mega-Scoop, indem die Plattform mit Hilfe dreier Medien (New York Times, Guardian, Spiegel) umfangreiche Geheimprotokolle des Kriegs in Afghanistan veröffentlichte. Staatsanwälte in den USA prüfen laut dem Wall Street Journal, Strafanzeige gegen Wikileaks zu stellen. Ganz egal, ob die falschen Vergewaltigungsvorwürfe nun aus Richtung des Pentagon gestreut wurden oder nicht - die aktuelle Geschichte ist ein weiteres Mosaiksteinchen im Mythos des geheimnisvollen Julian Assange.

Bereits vor dem Afghanistan-Coup gab es Gerüchte, dass Assange vom Pentagon gejagt werde. Was weiß man überhaupt über den geheimnisvollen Mann mit den weißen Haaren und der hohen Stirn mit dem Namen Julian Assange? Gesicherte Informationen über ihn gibt es im Prinzip gar keine. Was im Web kursiert ist, dass er 1971 in der australischen Stadt Townsville geboren wurde, Physik und Medizin studiert hat und zu einer australischen Hacker-Gruppe namens "International Subversives" gehörte. Er soll bereits eine ganze Reihe von australischen Regierungs- und Firmen-Websites gehackt haben - natürlich nur um gefährliche Sicherheitslücken aufzudecken. Angeblich, ein Wort, das man im Zusammenhang mit Assange ständig benutzen muss, hat er später als investigativer Journalist für australische und britische Zeitungen gearbeitet. Welche Zeitungen genau? Unbekannt. Er gilt als Mit-Begründer von Wikileaks, obwohl er selbst in einem Interview einmal gesagt hat, er würde sich selbst nicht als Mitgründer bezeichnen.

Assange soll mit Rucksack und zerschlissenem Reisepass zwischen Afrika, Australien und Europa hin und her pendeln. Er übernachtet angeblich immer bei Sympathisanten von Wikileaks und erzählt gerne Geschichten, dass man ihn wahlweise angegriffen hat, verhaften wollte oder seinen Pass beschlagnahmt hat. Angeblich spricht er bevorzugt am Telefon und benutzt nie eine Nummer zweimal. Wieder so ein Agentenfilm-Klischee. Wie sich Assange finanziert, wer Wikileaks wirklich gegründet hat, wie Wikileaks arbeitet - das alles ist nach wie vor unbekannt. So entstand in den Medien Stück für Stück Bild eines geheimnisumwitterten, einsamen Kämpfers für die gute Sache.

Zu diesem Bild passt, dass sich Assange in dem aktuellen Fall mit dem falschen Vergewaltigungsvorwurf per Telefon-Interview von seinem Urlaub in Nordschweden mit dem arabischen TV-Sender Al Dschasira zu Wort meldet. In dem Telefon-Interview bezeichnet Assange die Anschuldigungen gegen in als Teil einer "Schmutz-Kampagne" gegen seine Person. Unterdessen geht die Veröffentlichung von Dokumenten bei Wikileaks weiter. Aktuell wurden dort auch die Dokumente zur Loveparade-Katastrophe von Duisburg hochgeladen, deren Veröffentlichung die Duisburger Stadtverwaltung zunächst juristisch zu verhindern suchte. Hier war allerdings nicht Wikileaks Auslöser des Skandals, sondern das Weblog Xtranews, das die Dokumente zuerst veröffentlichte. 

Hinweis: Dies ist eine aktualisierte Version eines älteren MEEDIA-Artikels über Julian Assange. Die frühere Version trug die Überschrift "Der geheimnisvolle Herr Assange".

Stefan Winterbauer

23.08.2010
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