Einen Tag vor der Betriebsversammlung sind erste Einzelheiten der Sparmaßnahmen für die WAZ-Zeitungsgruppe bekannt geworden. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, sieht die Empfehlung der Hamburger Unternehmensberatung Schickler den Abbau von 261 Stellen vor. Allein in den Lokalredaktionen sollen 209 Arbeitsplätze wegfallen. Es ist aber noch nicht bekannt, ob die Geschäftsführung den Empfehlungen in allen Punkten folgt.
Die WAZ-Regionalblätter machen 2008 insgesamt mehr als 10 Millionen Euro Verlust. Das Konzept der Unternehmensberater, die die Abläufe bei den Zeitungen untersucht hatten, hätte zur Folge, dass mehr als 30 Prozent der Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verlieren. Dies wird unter anderem dadurch erreicht, dass an allen Orten, an den mehrere WAZ-Titel Lokalredaktion haben, nur noch eine erhalten bleiben soil. Wie MEEDIA erfuhr, soll dies stets der jeweilige Marktführer sein. Dies ist in aller Regel die "WAZ". Lokalredakteure der "Westfälischen Rundschau" sowie der "Neuen Rhein Neuen Ruhr Zeitung" würden dann nicht mehr gebraucht. Journalisten-Verbände hatten in diesem Zusammenhang schon davor gewarnt, dass durch solche Maßnahmen die Pressevielfalt in der Region gefährdet werde.
Unter der Headline "Gruselfilm in der Lichtburg" fasst die "SZ" die wichtigsten Fakten zusammen, die der Belegschaft am Freitag im Essener Kino "Lichtburg" präsentiert werden:
- Von den 890 Stellen in der Zeitungsgruppe sollen 261 wegfallen, davon 209 in den Lokalredaktionen
- In den ersten drei Quartalen 2008 hat nur die "WAZ" einen Gewinn erwirtschaftet (20 Millionen Euro). "Westfälische Rundschau", "Neue Ruhr Neue Rhein Zeitung" und "Westfalenpost" machten zusammen 30 Millionen Euro Verlust
- Der Stellenabbau soll durch Altersteilzeit (150 Mitarbeiter) und Teilzeitverträge sozial abgefedert werden
- Die neue zentrale Mantelredaktion ("Content Desk") soll 85 Stellen erhalten, die einzelnen Zeitungen sollen im Gegenzug nur noch 14 statt 60 Redakteure im Mantel beschäftigen, die Artikel von der Zentrale beziehen und lediglich für das jeweilige Blatt anpassen
- Die Produktion einer Lokalseite soll künftig nur noch 300 Euro, die einer Mantelseite 500 bis 700 Euro kosten (statt bisher 1.500 Euro)
Geschäftsführung und Betriebsräte verhandeln derzeit noch über Details. Vom Ziel "Höhere Qualität zu niedrigeren Kosten" will die WAZ-Führung aber nicht abweichen.
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