Die chinesische Zensur hat zu einem drastischen Rundumschlag ausgeholt und blockiert seit dem heutigen Dienstagmorgen sämtliche Web-2.0-Sevices. Twitter, Flickr, Live.com, Hotmail.com, YouTube, Blogger, auch das brandneue Bing und zahlreiche andere Netzangebote sind in der 1,3 Milliarden Einwohner zählenden Volksrepublik nicht mehr zu erreichen. Die Abschaltung steht offenbar in Zusammenhang mit dem 20. Jahrestag des Massakers auf dem Tiananmen-Platz am 4. Juni.
Auch die Schnittstelle von Twitter, die unter anderem von TweetDeck, Twhirl und Seesmic Desktop genutzt wird, ist nach Informationen von Techcrunch betroffen. Anscheinend wollen die chinesischen Behörden damit den freien dezentralen Informationsverkehr weitgehend einschränken. Web-2.0-Dienste werden von Oppositionellen und Bürgerrechtlern zur Verbreitung von Informationen und Organisation von Protesten genutzt.
Die chinesische Regierung hat bereits in der Vergangenheit im Vorfeld des Jahrestags vom 4. Juni die Internet-Nutzung signifikant eingeschränkt, um Unruhen zu verhindern. Bei dem Massaker auf dem "Platz des himmlischen Friedens" beendete das chinesische Militär am 4. Juni 1989 Monate andauernde friedliche Proteste von Studenten in einem Blutbad. Nach Schätzungen von Amnesty International starben damals zwischen 700 und 3.000 Menschen.
Das Ereignis ist in der Volksrepublik tabu. Eine öffentliche Debatte über das Massaker hat nie stattgefunden. Vor allem jüngere Chinesen haben kaum Kenntnis von den Vorgängen, die sich auf dem Tiananmen-Platz vor 20 Jahren ereigneten.
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