Unter der Schlagzeile "Auferstanden von den Quoten" sahen sich Mitarbeiter des WDR am Donnerstag mit einer ungewohnt kämpferischen Ausgabe ihrer Haus-Zeitung "WDR print" konfrontiert: Oben ballt die Zeichentrick-"Maus" die Faust, unten verkündet Intendantin Monika Piel die Abkehr von quotenfixiertem Unterhaltungs-TV. Die Ausgabe war aber ein täuschend echtes Fake. Sie prangert Missstände beim öffentlich-rechtlichen Riesen WDR mit beißender Satire an. Es geht um Quotenwahn und miese Arbeitsbedingungen.
Das in einer Auflage von 10.000 Stück verteilte Heft widmet sich ausführlich den Arbeitsbedingungen der freien Mitarbeiter, die nach Angaben der Gewerkschaft ver.di oft für weniger als 10 Euro pro Stunde arbeiteten. Im 1,35 Milliarden Euro-Etat seien nur 80 Millionen für freie Mitarbeiter übrig, die den Großteil der Inhalte lieferten.
Falsche Titelseite von WDR Print
Mehr Aufsehen dürften die satirischen Beiträge verursachen. Ein großer Teil der erfundenen Meldungen dürfte bei den gut 4.000 Mitarbeitern des größten ARD-Senders gut ankommen: Qualitätsfernsehen ab 20.15 Uhr, Quiz und Talk im Spätprogramm. Kündigung des Vertrages mit Günther Jauch wegen "überzogener Honorarforderungen", dafür ein neuer Job für Margarethe Schreinemakers: sie soll im Magazin "Ein Aufwasch" den Inhalt von vier billigen Service-Shows am Stück wegquasseln. Eine Idee, die boshafterweise der TV-Managerin Verena Kulenkampff zugeschrieben wird.
Intendantin Monika Piel als TV-Heldin Emma Peel
Auch für andere führende Köpfe haben die anonymen Macher der Fake-Ausgabe Pläne: Chefredakteur Jörg Schönenborn wird "erster gewählter Leiter" eines neuen, fiktiven, Lokalstudios Solingen; Volker Schaeffer, Leiter Aktuelle Kultur WDR 3 und 5, wechselt zum Regionalstudio Kleve, um dort die "kulturellen Beziehungen zu unseren niederländischen Nachbarn" zu fördern. Andere Meldungen sind weniger spaßig: Rainer Kampmann, der Leiter der Hauptabteilung Finanzen, wird an Affären aus seiner Zeit als Kämmerer der Stadt Gelsenkirchen erinnert, und der WDR streicht die Kooperation bei Radio- und Fernsehbeiträgen mit der WAZ-Gruppe. Die der Intendantin zugeschriebene Begründung: "Zu unserem Kurswechsel passt nicht, dass ein privater Medienkonzern unsere hochwertigen, gebührenfinanzierten Beiträge nutzen darf."
Neuer Job für Margarethe Schreinemakers: Sie soll
"Ein Aufwasch" moderieren
Monika Piel nahm die Satire jedenfalls nach außen mit Humor: "Einmal mehr ein klarer Beleg dafür, dass der WDR eine Menge kluger Köpfe hat", sagte sie – laut Süddeutscher Zeitung – im Intranet des Senders. Für den 8. Dezember hat sie zu einem "Come together" eingeladen, bei dem unterschiedliche Positionen ausgetauscht werden sollen. Fragt sich nur mit wem. Ob die anonymen Macher der Satire-WDR-Zeitung aus der Deckung kommen, ist unklar.
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