Von der Schleichwerbeaffäre um Blogs betroffene Unternehmen bekommen womöglich bald die Folgen der Linkkäufe (MEEDIA berichtete) zu spüren. Wie ein Google-Mitarbeiter in einer internen Mail ausführt, "verstößt die beschriebene Methode natürlich gegen unsere Richtlinien". Er fügte hinzu, dass es sich bei Beteiligten um "alte Bekannte" handle. Google werde "weitere Analysen und entsprechende Maßnahmen" prüfen. Mögliche Folge: Unternehmens-Webseiten könnten im PageRank herabgestuft werden.
Zu der veröffentlichten Keywordliste erklärt der Google-Sprecher: "Dort sind viele 'alte Bekannte' dabei, generell auf jeden Fall für weitere Analysen und entsprechende Maßnahmen sehr hilfreich!" Welche der 21 Firmen bereits bei Google wegen unerlaubter Suchmaschinenoptimierung durch gekaufte Verlinkungen aufgefallen waren, verriet der Sprecher nicht. Auch welche "Maßnahmen" der Konzern ergreifen werde, bleibt unklar. Das Wahrscheinlichste ist, dass die Linkkäufer im Google-PageRank heruntergestuft werden – in der Regel bewirkt dies empfindliche Traffic-Verluste.
Gegenüber MEEDIA beteuerten mehrere der in der Keywordliste genannten Firmen, nichts von den Linkkäufen gewusst zu haben. Sie hätten eine SEO-Agentur mit der Suchmaschinenoptimierung ihrer Webseiten beauftragt und seien nicht im Detail über deren Vorgehen informiert gewesen. Mit dem Hotelzimmer-Vermittler HRS distanzierte sich bereits eines der betroffenen Unternehmen öffentlich von der Blog-Schleichwerbeaffäre und mahnte seine SEO-Agentur ab.
Auswirkungen auf Blogosphäre
Während die Konsequenzen für die betroffenen Unternehmen in nächster Zeit sichtbar werden dürften, erwartet Sascha Pallenberg, der Betreiber von Netbooknews.de und Enthüller der Schleichwerbeaffäre, keine großen Auswirkungen auf die Blogosphäre. Zu MEEDIA sagte er: "Blogger müssen lernen, dass sie wichtiger für die werbeschaffende Industrie werden. Aber wer auf seiner Webseite transparent darlegt, wie er damit Geld verdient, wird keine Probleme bekommen." Von einem sogenannten Ehrenkodex, der vergleichbar mit dem Pressekodex sein könnte und mögliche Verhaltensrichtlinien für Blogger vorgibt, hält Pallenberg nichts.
Markus Beckedahl, Gründer von Netzpolitik.org, urteilte gegenüber MEEDIA: "Es war wichtig, dass Sascha Pallenberg die Schleichwerbeaffäre aufgedeckt hat. Aber nach seiner fulminanten Ankündigung hatte man einen größeren Skandal erwartet." Beckedahl geht nicht davon aus, dass sich nach dem Bekanntwerden des Falls vieles in der Blogosphäre ändern werde. Schleichwerbung zu platzieren, sei Praxis von einer so kleinen Anzahl an Blogs, dass es deshalb keine Auswirkungen haben werde.
Der Netzpolitik.org-Chef macht aber deutlich, dass man nicht von "der Blogosphäre" sprechen könne. Große Blogs mit einer hohen Reputation seien schwerer zu beeinflussen als kleine Blogs, wie sie in den Schleichwerbesumpf involviert sind. Dennoch appelliert er an alle, Werbung und Inhalte klar zu trennen. "Dieser Fall schärft hoffentlich das Bewusstsein dafür, dass so eine Praxis nicht in Ordnung ist."
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