Die Krise geht auch an der Axel Springer AG nicht vorbei. Umsatz und Ergebnis sind 2009 gefallen. Die Erlöse gingen um 4,3 Prozent auf 2,6 Mrd. Euro zurück, der operative Gewinn von 486 auf 334 Mio. Euro. Doch das sind Rückgänge, über die Andere froh wären. Die starke Stellung von Bild hilft dem Konzern durch die schwere Zeit. Springer-Chef Mathias Döpfner spart dementsprechend nicht mit Eigenlob: "Kennen Sie ein vergleichbares Medienunternehmen, das so erfolgreich durch die Krise gesteuert ist?"
Zu verdanken hat Springer den glimpflichen Verlauf der Medienkrise im eigenen Haus vor allem zwei Faktoren: 1. der extrem starken und stabilen Stellung des nationalen Zeitungsgeschäfts, also vor allem der Bild-Zeitung. 2. Der erfolgreichen Digital-Strategie, die sich mittlerweile in klingender Münze in der Bilanz niederschlägt.
Die nationalen Zeitungen steuern alleine knapp 244 Mio. Euro (Vorjahr: 349 Mio. Euro) zum 334-Mio.-EBITDA des Konzerns bei. Der Löwenanteil davon entfällt wiederum auf die Bild-Gruppe. Die Bild-Zeitung konnte selbst in der Werbekrise ihre Anzeigen-Erlöse einigermaßen stabil halten. Das liegt daran, dass Bild viele Anzeigen von krisenfesten Branchen, wie Discountern, hat. Zudem sorgten Preiserhöhungen dafür, dass die Vertriebserlöse der heimischen Zeitungen trotz Auflagenerosion sogar minimal zulegten. In der Krise ist die Bild für Springer eine Burg. Kein anderer Verlag hat solch eine krisenfeste Cash-Cow in den eigenen Reihen.
Aber auch das digitale Zukunftsgeschäft entwickelt sich bei den Berlinern erfreulich. Der Digital-Umsatz legte 2009 um über 24 Prozent auf 470 Mio. Euro zu. Das operative Ergebnis wurde in diesem Unternehmensbereich auf 43 Mio. Euro sogar verdoppelt. Die "Kohle" im Digitalen kommt dabei weniger von journalistisch getriebenen Websites, sondern vor allem von Firmen wie dem Online-Vermarkter Zanox oder Online-Anzeigenmärkten wie Immonet. Nichtsdestotrotz: So einen dicken Anteil an digitalen Erlösen muss man als klassisches Medienhaus erst einmal erwirtschaften.
Weniger rosig sieht es bei den Zeitschriften und dem internationalen Geschäft aus. Die inländischen Magazine leiden stärker als die vertriebsstarken Zeitungen unter den Werbe-Rückgängen. Der Umsatz hier ging um 8,2 Prozent auf 517,8 Mio. Euro zurück. Der operative Gewinn lag immerhin noch bei 55 Mio. Euro nach 89 Mio. im Rekordjahr 2008. Vor allem wegen des Anzeigeneinbruchs in Osteuropa ging der Umsatz der Sparte Print International um fast 24 Prozent auf 311,7 Mio. Euro zurück. Sparmaßnahmen sorgten dafür, dass die Sparte mit einem EBITDA von 12,3 Mio. Euro trotzdem profitabel blieb.
Der Springer-Konzern zeigt sich tatsächlich krisenfest. Die Mischung aus strenger Kostenkontrolle bei stabilen Traditionsgeschäften (Bild) und klugem Ausbau der Digitalsparte ist wohl das Erfolgsrezept. Angesichts der guten Zahlen bräuchte Vorstandschef Döpfner gar nicht so oft auf auf das vermeintlich böse Google zu schimpfen. Es läuft ja auch so mit den Digital-Erlösen ganz prächtig. Es zeigt sich an der Springer-Bilanz aber auch, dass die Sprüche von einigen Web-Visionären, Medienkonzerne sollten endlich ihre Druckmaschinen abschalten, Quatsch sind. Bei aller Wichtigkeit der neuen Medien: Print ist, wenn es gut gemanagt wird, nach wie vor das Rückgrat eines Verlagshauses.
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