Die Hoffnungen sind groß: Pünktlich zum Schumi-Comeback setzt Merian auf das Mainstream-Thema der Stunde und bringt ein Formel eins-Sonderheft. Die Ausgabe ist aber keine klassische Saisonvorschau, sondern entstand offenbar in Kooperation mit Mercedes. Für das populäre Sport-Thema brach die Jalag-Zeitschrift sogar mit einer alten Tradition: Mit Michael Schumacher ist erst zum zweiten Mal in der 62-jährigen Geschichte ist ein Promi auf dem Cover. Diese Ehre wurde zuvor nur dem Papst zuteil.
Dass gerade das ansonsten eher als kontemplativ geltende Magazin aus dem Hamburger Jahreszeiten Verlag eine Extra-Heft zur Formel eins macht, findet der Chefredakteur wenig überraschend. "Es ist eine Fehlwahrnehmung, dass Merian eine Reisezeitschrift sei", sagt Andreas Hallaschka. "Angefangen hat die Zeitschrift als monothematisches Heft. Erst im Laufe der Jahre wurden die Reise-Themen immer wichtiger".
Natürlich ist das neue F1-Heft kein Reiseführer geworden, der die besten Hotels und Restaurants abseits der Rennstrecken vorstellt, sondern ein klassisches Magazin mit vielen Stories rund um das Highspeed-Spektakel. "Wir beschäftigen uns mit dem Phänomen Formel 1, seinen Mythen und Legenden." Genauer gesagt allerdings: mit der Rennsportgeschichte von Mercedes und dem Mythos der Silberpfeile.
In seinem Editorial schreibt Hallaschka von "unserem Partner Mercedes Benz". Diese Nähe zu einem F1-Team sieht man dem Heft auch an. Auf den Cover finden sich ausschließlich Daimler-Themen. Die Teaser lauten: "Michael Schumacher: Warum er wieder für Mercedes fährt", "Inside Mercedes: Hinter den Kulissen der Formel eins", "Dieter Zetsche: Der Daimer-Chef über die Zukunft des Autos" und "Die Rückkehr der Silberpfeile".
Hallaschka und der Jahreszeitenverlag hoffen mit dem massenkompatiblen Thema auch auf einen massenhaften Verkauf des Heftes. Zufrieden wäre man in Hamburg Winterhunde mit 100.000 bis 120.000 abgesetzen Exemplaren. Die dürften vor allem von Schumi-Fans und Mercedesfahrern erworben werden, denn Anhänger anderer Teams werden ihre Themen im Heft vergebens suchen: Dass die Grundfarbe der Formel eins silber ist, dürfte Ferraristi eher verstimmen. Selbst dem Hauptsponsor des Mercedes-Teams Petronas ist eine eigenen Story gewidmet.
Mit ihrem Formel eins-Heft kehrt die Chefreaktion zu ihren journalistischen Wurzeln zurück. Ende der 80er Jahre gehörte Hallaschka zur Gründungsredaktion von Gruner + Jahrs allerdings kurzlebigem Monatsmagazin Sports. Danach wurde er Sport-Chef des Stern. Sein Merian-Stellvertreter Hansjörg Falz war unter anderem Ressortleiter bei Springers Sport Bild. "Wir konnten endlich mal wieder ein Heft über ein Thema machen, dass uns seit einigen Jahrzehnten bereits begeistert."
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Letzte Kommentare
12.03.10 09:21
Alexander Becker Website
Lieber Herr Kraut,
die Formulierung "Mit ihrem Formel eins-Heft kehrt die Chefreaktion zu ihren journalistischen Wurzeln zurück" bezieht sich auf die thematischen Wurzeln des Chefredakteurs und seines Stellvertreters. Beide arbeiteten lange als Sport-Journalisten. Deshalb geht der Absatz auch weiter mit "Ende der 80er Jahre gehörte Hallaschka zur Gründungsredaktion von Gruner + Jahrs allerdings kurzlebigem Monatsmagazin Sports. Danach wurde er Sport-Chef des Stern. Sein Merian-Stellvertreter Hansjörg Falz war unter anderem Ressortleiter bei Springers Sport Bild."
Danke & Gruß
Alexander Becker (MEEDIA)
10.03.10 11:15
Karl Kraut
Ich kenne das neue Merian-Sonderheft (noch) nicht. Aber so, wie Sie's beschreiben, handelt es sich dabei doch mehr oder weniger um ein Advertorial, um eine Form des Corporate Publishing (der Daimler AG) unter dem Markennamen "Merian".
Wenn dem tatsächlich so sein sollte: Wieso sehen Sie hier eine "Rückkehr zu journalistischen Wurzeln", wie Sie schreiben?
Bisher ließ sich weder die Traditionsmarke "Merian" noch die übrigen journalistischen Stationen des Cherfredakteurs A. Hallaschka mit Corporate Publishing in Verbindung bringen. Wobei obendrein zur Debatte stehen dürfte und müsste, was denn Corporate Publishing mit den "Wurzeln des Journalismus" im allgemeinen zu tun hat.