Wechsel an der Spitze der "Welt"-Gruppe: Chefredakteur Thomas Schmid ist künftig "aktiver" Herausgeber von Springers Renommier-Zeitung. Jan-Eric Peters, derzeit Leiter der Springer-Journalistenschule und von 2003 bis 2006 bereits selbst "Welt"-Chefredakteur, wird das Blatt erneut führen. Dies teilte der Verlag am Donnerstag mit. Sowohl der 64-jährige Schmid als auch Peters, 44, sind langjährige Weggefährten von Vorstandschef Mathias Döpfner, der beide 1996 als Chefredakteur zur "Hamburger Morgenpost" holte.
Schmid gilt als politischer Kopf der blauen Gruppe und zählt zur Elite der Leitartikler. Mit seinem Versuch, die Debatte um die Rolle des Springer-Verlags bei den Studentenunruhen 1968 in diesem Jahr erneut aufzurollen, scheiterte er jedoch. Obwohl Schmid in dieser Zeit selbst zu den Protestlern gehörte, legten die Köpfe der Studentenbewegung auf ein von Springer angeregtes Tribunal keinen Wert und verweigerten die Diskussion mit dem später ins Lager der Konservativen gewechselten Journalisten.
Diese publizistische Dimension dürfte Schmid auch künftig als Herausgeber bedienen, denn sein Nachfolger ist gewiss kein politisches Schwergewicht. Bei der Verkündung der Personalien vor der "Welt"-Redaktion zeigte sich Schmid erleichtert, dass er sich künftig verstärkt als Schreiber und Kommentator betätigen könne. Diese Aufgaben, so klagte der Chefredakteur oft, hätten zuletzt nur noch zehn Prozent seiner Tätigkeit ausgemacht. Als aktiver Herausgeber soll der bald 65-Jährige weiterhin die Linie des Blattes vorgeben. Auch sein Büro in der Redaktion wird er behalten.
Jan-Eric Peters steht eher für Innovation. Als ehemaliger Chefredakteur der "Max", Gründungschef von "Welt kompakt" und umtriebiger Projektleiter des Ideenwettbewerbs "Scoop" sowie Betreuer von Zeitschriftenprojekten wie "Humanglobaler Zufall" soll er der "Welt" wohl neue Impulse verschaffen.
Der Generationswechsel an der "Welt"-Spitze erfolgt zum 15. Februar 2010. Nachfolger als Direktor der Axel Springer Akademie wird Peters derzeitiger Stellvertreter, Marc Thomas Spahl, 41. Vorstandschef Mathias Döpfner: „Die Ergänzung der Chefredaktion um die Funktion eines für die publizistische Ausrichtung der Gruppe verantwortlichen Herausgebers, der sich vollständig inhaltlich-journalistischen Fragen widmen kann, ist mit Blick auf die in den letzten Jahren sukzessive erweiterte Titel-Gruppe sinnvoll. Gleichzeitig schaffen wir in dieser Konstellation für die Redaktion noch bessere Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung und verstärkte Integration aller Print- und Online-Angebote. Thomas Schmid als Herausgeber und Jan-Eric Peters als Chefredakteur sichern ein Höchstmaß an Führungs-Kontinuität, im Falle von Thomas Schmid auch über die üblichen Altersgrenzen hinaus.“
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Letzte Kommentare
17.12.09 19:30
John Doe
Eine mutige wie überfällige Entscheidung von Dr. Döpfner. Nahezu gesamte Redaktion soll erfreut sein über diesen Schritt.
17.12.09 11:28
Georg Altrogge Website
@Michael Pantelouris: Das Autorenkürzel habe ich eingefügt. M.E. gibt es an der Einschätzung nichts auszusetzen. Politische Schwergewichte gibt es in der Branche nur sehr wenige; es ist keinesfalls ehrenrührig, wenn man nicht dazu gehört. Man kann trotzdem ein erfolgreicher Chefredakteur sein. Und das zeigt doch auch die künftige Aufteilgung bei der "Welt", wo ein aktiver Herausgeber Thomas Schmid auch auf Wunsch von Mathias Döpfner weiterhin die publizistische Linie vorgeben wird.
17.12.09 11:27
Michalis Pantelouris Website
Danke für den Nachtrag des Autorenkürzels. Damit hat sich der Anwurf meinerseits schonmal erledigt …
17.12.09 10:57
Michalis Pantelouris Website
Ich finde es ein bisschen armselig, ohne Autoren-Nennung über einen Kollegen zu schreiben, er wäre "gewiss kein politisches Schwergewicht". Warum denn nicht? Weil er vor zehn Jahren mal "Max" gemacht hat und der Verleger, der heute Meedia herausgibt, ihm damals nicht zugetraut hat, einen politischen "Stern"-Konkurrenten zu machen? Angesichts der Erfolgsgeschichte von Jep kann man wohl sagen, diese Einschätzung von Dirk Manthey war damals falsch. Was okay ist, jeder macht mal Fehler. Aber fast zehn Jahre später an einer falschen Einschätzung kleben zu bleiben, weil man keine Fehler eingestehen kann, und sie dann anonym in die Welt zu blasen ist unfair und unnötig. Und es egalisiert sich auch nicht deshalb, weil man hinterher sagt, er stehe "eher für Innovation."
17.12.09 10:48
Karl Fuchs
Wie will "Die Welt" endlich Geld verdienen? Eine Zeitung ohne Gewinn hat keine Zukunft. Und das wochenlange Verschenken von "Welt kompakt" in der Münchner U-Bahn kostet doch nur... Und welche finanziell erfolgreichen Zeitungen oder Zeitschriften hat Herr Peters geführt? Keine. Und Herr Diekmann wird "Medienmann des Jahres", obwohl die Auflage von Bild seit Jahren sinkt. Großer Erfolg, tolle Springer-Leute. Weiter so!