"Tagesthemen"-Moderator Tom Buhrow steht unter Beschuss. Seine hochdotierten Nebeneinkünfte schmecken seinen Kollegen gar nicht. In einem offenen Brief an Buhrow schreiben leitende ARD-aktuell-Redakteure an den Chefsprecher, seine Extra-Jobs schadeten "dem Ansehen der 'Tagesthemen'". Kritik kommt auch aus dem NDR-Rundfunkrat: Laut Focus.de forderten einige Mitglieder, dass Top-Angestellte ihre Nebenhonorare offenlegen sollten.
Der Vorsitzende des ARD-Programmbeirats, Tino Kunert, sagte der "BamS": "Nicht alles, was vielleicht rechtlich erlaubt ist, ist auch moralisch akzeptabel."
"Das Mindeste wäre eine Bekanntmachung in den Aufsichtsgremien der Rundfunkanstalten", schreibt der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle in einem Beitrag für "Bild am Sonntag". "Konsequent und noch besser wäre die Veröffentlichung der Nebenverdienste."
Für "mehr Transparenz" sprach sich auch Hans Leyendecker in der "Süddeutsche Zeitung" aus. Und er stellt die Kernfrage: "Kommt Buhrow ... mittlerweile privat auf seinen ansehnlichen Stundenlohn, weil er der Buhrow oder weil er der Buhrow von den Tagesthemen ist..."
Ausgelöst wurde die Lawine der Entrüstung durch einen Bericht des NDR-Medien-Magazins "Zapp" am vergangenen Mittwoch. In dem Beitrag ging es um die Nebenverdienste prominenter Moderatoren von ARD und ZDF. Demach hätten unter anderem auch Claus Kleber (ZDF), Petra Gerster (ZDF) Michael Antwerpes (ARD) und ARD-Börsenmoderatorin Anja Kohl für PR-Auftritte üppige Honorare eingestrichen.
In Buhrows Fall geht es um Auftritte für eine Bank und einen Schaumwein-Produzenten, für die seine Agentur fünfstellige Honorare berechnet hat. – Moralisch höchst zweifelhaft, urteilen leitende Redakteure von ARD-aktuell. In ihrem Brief fordern sie Buhrow laut stern.de auf, "sein Handeln zu überdenken", da es der Glaubwürdigkeit der "Tagesthemen" schade. Im übrigen halten sie die Höhe der Honorare für unangemessen. Die Unterschriften von Tom Buhrows direkten Vorgesetzten Kai Gniffke und Thomas Hinrichs fehlen übrigens; sie hatten die Nebentätigkeiten ihres Moderators ordnungsgemäß genehmigt.
Dass vor allem Buhrow in die Schusslinie der Kritiker geraten ist, dürfte vor allem an seiner exponierten Stellung liegen – als Moderator des ARD-Flaggschiffs "Tagesthemen"-verkörpert er mehr als andere den Anspruch der ARD aktuell auf Seriosität. Stern.de hält gedoch einen weiteren Grund für wahrscheinlich: Es heiße, "Buhrow interessiere sich nicht sonderlich für seine Sendung, sei nicht immer gut vorbereitet und zu oft abwesend". Deshalb sei er im Kollegenkreis unbeliebt.
Stern.de zitiert den Sprecher des Hessischen Rundfunks, Tobias Häuser mit den Worten: "Ich halte das für eine Neid-Debatte". ZDF-Sprecher Alexander Stock glaubt, das Thema werde "hochgejazzt". Nichtsdestotrotz arbeitet laut Focus.de zumindest der NDR an einem Verhaltenskodex im Umgang mit Nebentätigkeiten seiner Mitarbeiter, der "moralisch-ethische Maßstäbe" festlege.
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Letzte Kommentare
27.06.09 10:55
Peter Stöckl
nach dem Arbetisrecht hat der Arbeitnehmer seine Arbeitskraft uneingeschränkt dem Arbeitgeber zur Verfügung zu stellen. Herr Buhrow scheint durch seine Vorgesetzten Herrn Kai Gnifke und Thomas Hindrichs nicht voll ausgelastet zu werden. Wie kann es sonst sein, dass diese Herrn die Ausübung
von Nebentätigkeiten "ordnungsgemäß" genehmigen?
Was verstehen diese herrn unter ordnungsgemäß?
Welches Interesse veranlasst diese Herrn Nebentätigkeiten zu zulassen. Die Interesseb des
Fernsehens können es wohl nicht sein.
Wie können diese Personen ohne finanzielle Auflagen an das Fernsehen die Freigabe von Neben-
tätigkeiten gegenüber den Fernsehzuschauern ver-
antworten? Die Herrn Buhrow, Gniffke und Hindrichs
missachten das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit!
Menschen mit dem gleichen oder höheren Bildungs-
niveau wie es Herr Buhrow aufweisen kann, die aber
nicht die Werbewirkswamkeit des Fernsehens in An-
spruch nehmen können, erzielen bei weitem nicht
die Honorare, die Herr Buhrow und Kollegen ange-
boten bekommen. Auch dürfte diesen Honoraren ver-
gleichsweise zu anderen Berufsgruppen (Architekten, Ingenieuren Ärzten usw.) wenig bis
kein Haftungsrisiko zugrunde liegen.
Der durch das Fernsehen erreichte Eigennutz dieser
betroffenen Personen ist unübersehbar und ohne
finanziellen Ausgleich an das Fernsehen ungerecht
und unsozial. Das Fernsehen, vertreten durch die
Vorgesetzten der Herrn Buhrow und Kollegen, hat
die Interessen der Fernsehzuschauer zu wahren und
nicht deren Ausnutzung, denn diese finanzieren
das Fernsehen.
Es kann nicht angehen, dass Einrichtungen, die vom
Steuerzahler oder Fernsehzuschauer bezahlt werden,
zum Eigennutz von einigen wenigen Personen ohne
Ausgleich benutzt werden. Das ist unsoziales Ver-
halten und keine Neiddiskussion.
22.06.09 15:56
Jürgen Wolff
Wenn Nachrichtensprecher bei Sekt-Henkel gegen gutes Geld moderieren mag man das vielleicht anrüchig finden - obwohl ich mich frage, wie oft in seinem Leben Tom Buhrow eine Geschichte zum Thema Sekt noch selbst recherchiert.
Viel schlimmer und das Gegenteil von ausgewogen ist längst das Geschäftsgebaren der Öffentlich Rechtlichen selbst - speziell im Hörfunk.
SWR1 oder SWR3, früher ein Genuss, kann man sich z.B. schon gar nicht mehr antun. Das Programm besteht mittlerweile zu 90% nur noch aus Beiträgen vor, während und nach mitveranstalteten Konzerten, selbstverständlich permanent jubelnd, nicht mal in einem Nebensätzchen kritisch und massiv garniert mit der Musik der eingekauften Künstler. Der größte Teil des Radioprogramms ist nur noch Selbstvermarktung.
Das sind nicht erwerbsorientierte Einzel-Moderatoren, sondern die ÖR-Sender als solches. Und diese offene Vermengung von "Berichterstattung" und kommerziellem Eigeninteresse ist, finde ich, erheblich problematischer als die privatwirtschaftliche Dampfplauderei einiger Moderatoren.
22.06.09 14:19
Jürgen Görgler
Leider findet derlei Mißachtung des Berufsethos bereits seit Jahren in Funk- und Printmedien statt, bedauerlichweiser mit zunehmender Tendenz. War es früher der "zufällige" Schwenk der Fernsehkamera über die Reklame im Fußballstatdium, ist man heute unverblümter und dreister. Eine objektive Berichterstattung ist in diesem Zusammenhang nicht durchgängig zu erwarten. Schlimm, dass eine breite Schicht der Bevölkerung dies nicht durchschaut und immer noch vorbehaltlos glaubt, was im Fernsehen berichtet wird oder irgendwo geschrieben steht. Buhrow + Co. dürften meiner Ansicht nach zumindest nicht mehr kritisch Stellung nehmen, wenn es um Managergehälter oder Schmiergelder geht. Sie absolvieren einen Drahtseilakt, wenn es um Moral und Glaubwürdigkeit geht.
22.06.09 13:05
Lutz Bucklitsch Website
Es wäre schön wenn sich etwas ändern würde. Doch ich habe meine Zweifel. Ich habe mir alle Listend er entsprechenden Agenturen angesehen. Wenn man alle Mitarbeiter freisetzen würde, dann gäbe es beim ZDF, ARD keine Ansager, Moderatoren etc. mehr, denn alle sind sie zu finden, alle verdienen ordentlich nebenbei.
Ich nenne es verlogen! Sprecher der Anstalten nennen es "Neiddebatte". Da sieht man, wie sicher diese Leute sind. Es bezahlt ja nur der Gebührenzahler ihre Arbeitsplätze. Solche Pressesprecher sollte man fristlos kündigen!
22.06.09 12:44
anne weiler
Auf jeden Fall hat er sich indirekt mit seinem Verhlaten für den Job als Ancorman der Tagesthemen diskreditiert - wenn Hanns joachim Friedrichs bei der Personalpolitik noch mitreden könnte. An seinen Maßstäben an journalistische Ethik wäre er gnadenlos gescheitert.
Die kritische Distanz zum Objekt der Beurteilung ist das Arbeitsmittel eines Journalisten.