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Claus Strunz über "Abendblatt 3.0"

"Mehr Motivation geht nicht"

Claus Strunz, Chefredakteur des "Hamburger Abendblatts", ist im Interview mit MEEDIA kaum noch zu bremsen vor Begeisterung über seine Initiative "Abendblatt 3.0". Er setzte "Channel Manager" ein, jubelt über Abo- und PI-Zuwächse und "Journalismus first". Das "Abendblatt" will er künftig als Online-Angebot verstanden wissen, das auch eine Zeitung im Angebot hat. Privat macht er um Web 2.0 -Dienste wie Facebook und Twitter aber einen Bogen.

Wofür steht die "3" bei "Abendblatt 3.0"?

Für drei Gründe: 1. Die Zukunft in einer Zahl. Erinnern Sie sich noch an die 80er Jahre – damals gab es „Kino 2000“, „Disco 2000“, „Blume 2000“. Und plötzlich war das Jahr 2000 schon da. „Abendblatt 3.0“ heißt auch „Abendblatt 3000“. 2. Drei Säulen tragen das inhaltliche Konzept in Print und Online: Lokales vertiefen, Regionales ausbauen, bundesweite Bedeutung stärken. 3. Natürlich kommt 3.0 nach 2.0. Damit verbunden ist die konsequente Umsetzung von „Journalismus first“. Das „Hamburger Abendblatt“ wird ab sofort nicht mehr als Zeitung geführt, die einen Online-Auftritt bietet, sondern als Online-Angebot, das auch eine Qualitätszeitung im Portfolio hat.

Alle Redakteure sollen sich zuerst um das Online-Angebot kümmern und anschließend um die Zeitung. Wie soll das in der Praxis geregelt werden?

Jeder Redakteur, der von einem Termin zurückkommt oder eine Recherche beendet hat, bietet den Stoff zunächst Online an. Er kann, muss aber nicht online gehen. Danach schreibt er für Print. Früher konnten wir nur besser sein und mussten Rundfunk und TV oft die Schnelligkeit überlassen. Heute sind wir beides: Schneller und besser. Die Homepage von abendblatt.de sowie jeder aktuelle Channel erhält zwischen neun und 17 Uhr mindestens alle 30 Minuten eine neue Aufmachung. In den Ressorts Hamburg/Nord, Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und Vermischtes gibt es ab sofort „Channel Manager“, die ihren Kanal laufend aktualisieren. Was, wann, wo erscheint, entscheiden die Ressortleiter und die Chefredaktion, die für Print und Online verantwortlich sind.

Was erhoffen Sie sich von dieser Offensive?

Ziel ist es, mit einer voll integrierten Multimediaredaktion die Weiterentwicklung des „Hamburger Abendblatts“ voranzubringen. Schon jetzt beschäftigen sich dank „Abendblatt 3.0“, dem konsequenten Vertreiben von Information und Unterhaltung auf beiden Vertriebswegen, mehr Menschen als jemals zuvor mit den Inhalten, die in unserer Redaktion geschaffen werden.

Welche Neuigkeiten soll der geplante Relaunch der Website bringen?

Die ersten Schulterblicke zeigen: Mehr Information auf einen Blick, schnellere Vertiefungen, noch überzeugendere Präsentation von Bewegtbild. Lassen Sie sich überraschen.

Wollen Sie online neue, junge Zielgruppen ansprechen, die für die gedruckte Zeitung verloren gehen?

Wir wollen grundsätzlich möglichst viele Menschen unabhängig von ihrem Alter nachhaltig an die Marke „Hamburger Abendblatt“ binden. Dafür bieten wir sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag und einmal als Qualitätszeitung auf Papier die besten Stoffe Hamburgs und des Nordens, und an manchen Tagen sogar die besten der Republik. Auf welchem Vertriebsweg sich unsere Leser diese Informationen holen, werden Sie sich von uns nicht vorschreiben lassen. Ganz offenbar spricht aber nach wie vor auch eine Menge für die Zeitung auf Papier. Jedenfalls haben wir 2008 fast zehn Prozent mehr Abonnements verkauft als im Vorjahr.

Welche Ressentiments mussten Sie in der Redaktion für das Projekt überwinden?

Gar keine. Wir haben „Abendblatt 3.0“ gemeinsam entwickelt. Viele Ideen vieler Kolleginnen und Kollegen sind eingeflossen. Jetzt führen wir das mit vereinten Kräften zum Erfolg.

Sie müssen sehr glücklich sein mit so einer Redaktion. Wie wollen Sie verhindern, dass sich nach einem Marketing-Feuerwerk zu Beginn, bald wieder althergebrachte Verhaltensweisen einschleichen?

Die Rückfallgefahr liegt bei null Prozent. Für viele Journalisten ist es das erste Mal in ihrer Karriere, dass die Auflage steigt. Am ersten Tag der Channel Manager lagen wir 25 Prozent über dem normalen Wert bei den Page Impressions. Immer mehr Menschen beschäftigen sich immer länger und immer öfter mit unseren Texten. Erfolg produziert Erfolg. Mehr Motivation geht nicht.

Die Frage, die jeder altgediente Zeitungsmann stellt: Warum soll ich mir das "Abendblatt" kaufen, wenn Sie mir künftig alles gratis online sogar noch viel schneller servieren? Und bitte nicht mit der Haptik von Print kommen....

Kaufen Sie es doch einfach einmal – dann sehen Sie, dass sich Ihre Frage gar nicht stellt. Und wenn doch, beantworten wir sie mit dem Re-Design im zweiten Halbjahr.

Danke für den Kauf-Tipp. Ich habe es jüngst tatsächlich gekauft. Für die Beantwortung der Frage muss ich dann aber wohl auf den Relaunch warten. Wenn Sie nun schon im Internet den Sprung von Web 2.0 auf „Abendblatt 3.0“ verkünden - nutzen Sie eigentlich selbst die Möglichkeiten des Web 2.0? Sind sie zum Beispiel bei Facebook oder Twitter aktiv?

Nein, meine sozialen Netzwerke funktionieren bisher auch ohne zugeschalteten Turbo.

Was halten Sie denn von Twitter?

„Welt Kompakt“ ist da sehr erfolgreich…

Stefan Winterbauer

14.01.2009
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  • 12.01.2009 "Hamburger Abendblatt" ist keine Zeitung mehr

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