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Donnerstag 11. März 2010 11:08

Wo Merian draufsteht, ist Mercedes drin

Die Zeitschrift Merian hat pünktlich zum Comeback von Michael Schumacher in der Formel 1 eine Sonderausgabe zum dem publikumswirksamen Thema herausgebracht. Doch im Sonderheft Formel 1 geht geht vor allem und einzig und allein um die Marke Mercedes und deren Silberpfeile. Die Ausgabe, die nun für fünf Euro am Kiosk verkauft wird, wirkt wie ein verkapptes Corporate-Publishing-Projekt. Dahinter steckt eine Anzeigen- und Vertriebskooperation zwischen dem Jahreszeiten Verlag und Mercedes.

Der Partner Mercedes habe keinen Einfluss auf die redaktionelle Gestaltung des Magazins genommen, erklärte Peter Rensmann, für Merian zuständiger Geschäftsführer beim Jahreszeitenverlag gegenüber MEEDIA. Die Partnerschaft sei zudem für jeden Leser ersichtlich im Editorial beschrieben. In der Tat weist Merian-Chefredakteur Andreas Hallaschka in seinem Editorial darauf hin, dass der "Partner Mercedes" den Autoren und Fotografen exklusiven Zugang zu höchst geheimen Hintergrundinfos gewährt habe.

Das fertige Zeitschriften-Produkt allerdings dürften auch Profis kaum von einem Kundenmagazin unterscheiden können. Egal ob Interviews (Daimler-Chef Zetsche), Fotostrecken ("Mächtige Motoren, mutige Männer") oder eine jubilierender Artikel über den Sponsor des Mercedes Rennstalls. Wo Merian draufsteht, ist Mercedes drin. Und zwar ausschließlich Mercedes. Dass andere Rennställe, wie Ferrari, in einem Sonderheft "Formel 1 - die Saison 2010" mit keinem einzigen Artikel gewürdigt werden, ist schon bemerkenswert. Auch ein kritischer Blick auf die aktuellen Finanzierungsprobleme des Rennzirkus oder den Absprung von einstigen Traditionsteams wie BMW oder Toyota sucht man im Merian vergebens. Es geht einzig und allein in salbungsvollen Tönen um den Mythos Mercedes.



Jalag-Manager Rensmann verweist darauf, dass die Rückkehr Schumachers das beherrschende Thema der Formel 1 sei. Es sei sehr reizvoll für die Redaktion, ein solches Thema zu wählen. Schließlich sei "Die Rückkehr der Silberpfeile" so faszinierend, dass man sogar mehrere Ausgaben hätte bestücken können. "Dass Vertriebs- und Anzeigenerlöse für die Refinanzierung eines solchen aufwändiges Projektes unabdingbar sind, dürfte ebenfalls nachvollziehbar sein", sagte Rensmann gegenüber MEEDIA. Das mag alles sein. Aber dann hätte der Verlag auch auf den Titel deutlich draufschreiben müssen, um was es sich hier handelt, und nicht nur einen eher dezenten Hinweis im Editorial platzieren.

Eine Gefahr für den Ruf Merians als unabhängige Zeitschrift sieht Rensmann nicht, denn "schließlich haben wir uns das Heft selber ausgedacht und machen die Zusammenarbeit mit Mercedes ja sogar im Editorial ausführlich transparent." Nun, darüber kann man geteilter Meinung sein. Rensmann verweist noch darauf, dass derlei Kooperationen bei Merian eine lange Tradition haben. Bereits 1951 habe es ein Sonderheft über die Deutsche Post gegeben. Titel: "Wunderbare Postreise". Man muss gar nicht soweit zurückgehen.

Im Jahr 2004 veröffentlichte Merian ein Extraheft "Große Ferien". Auffällig dabei: Jedes, manchmal wie zufällig fotografierte, Auto in der Zeitschrift war ein Mercedes. Im Serviceteil fanden sich dann Freizeittipps, die einen Besuch im Mercedes-Museum nahe legten und es gab Bilder von Kindern mit einem Mercedes-Spielzeug Auto. Der Slogan damals: "Deutschland mit dem Auto entdecken". Mit einem ganz bestimmten Auto, hätte man hinzufügen können. Auch damals gab es eine, allerdings für den Leser weit weniger durchschaubare, Kooperation mit der Stuttgarter Automarke.

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Letzte Kommentare

Anzeige: 1 - 13 von 13

16.03.10 15:55

Barbara Goergen

Eine gelungene Ausgabe zum Themenkreis Formel 1, Schumacher und Mercedes. Auf das Zusammenwirken von Merian und Mercedes weist das Editorial deutlich hin. Ich verstehe die Kritik nicht. Merian ist doch kein politisches Magazin!? Und der Chefredakteur reist auch nicht mit Außenminister Westerwelle.

12.03.10 11:59

René Artois

Hallaschka hat aus einem Grundpfeiler des Reisejournalismus ein schwafellastiges Boulevardpostillchen gemacht, welches das Aufschlagen im Buchladen nicht lohnt. Ich versuche gerade mir ein Analogon vorzustellen. Wie wär's mit: Franz-Josef Wagner wird ChR der Zeit oder: Dieter Bohlen inszeniert Ibsen.

12.03.10 10:38

dot tilde dot

ich gebe den ergebnissen ihrer recherche recht. nehmen sie sich mal ein beliebiges anderes merian-heft und suchen sie nach ähnlichem. ich bin mir sicher, dass sie bei mindestens 80% die gleichen schlüsse ziehen werden. die anderen 20% brauchen einfach etwas mehr rechercheaufwand.

das merian-heft erscheint mir schon seit langem als reines pr-magazin. zugegeben: mit teilweise hervorragenden fotos und guten texten. der leser bekommt meist ein schönes reisemagazin mit geografischem schwerpunkt, kulturinfos und anregendem stimmungsbild, das er auf seiner reise wiederfindet. das gibt meist ein tolles produkt.

wie das am ende alles gefärbt scheint und welche marktteilnehmer der leser nach lektüre und betrachtung in positivem licht sehen mag, darüber kann diskutiert werden.

.~.

12.03.10 00:18

Raphael - Website

Ich finde daran eigentlich nur bescheuert, dass der Titel eben doch mehr erwarten lässt. Denn sicher würden nicht wenige Leser eben genau diesen Mythos im Merian kaufen und ein Magazin vorfinden, welches ihnen genau das gibt, was sie wollen. Details, gute Fotos, Einblicke.

Aber genau solches würde ich bei einem solchen Titel eben nicht nur von einem Team erwarten. Und da ist es mir auch egal, ob Schumi das Thema ist oder nicht.

11.03.10 21:24

Ben The Bear

Als ich 16 war, und bei Burger King diese komische Zeitung gelesen habe, die da immer ausliegt, da ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass da nie Verrisse drinstehen. Immer nur Lobhudeleien. Das war der Moment an dem mir klar wurde, dass es keinen Journalismus-Nicolausosterhasen gibt.

Seither gehe ich bei allem Gedruckten, bei allen Medien, die in der Herstellung viel, viel Geld kosten, immer, immer immer zuerst davon aus, dass es selbstverständlich einen Zusammenhang und einen Einfluss von Werbenden auf Redaktionen gibt. Vom Gegenteil lasse ich mich nur mühsam überzeugen.

Und erst jetzt wird mir klar, dass ich deswegen vielleicht inzwischen lieber die Blogs meiner Freunde lese, als publizistische Produkte.

11.03.10 21:06

Flitzfritz Raser

Die Ankündigung des Heftes auf der MerianShop Seite ist aber auch recht gelungen. In diesem Jahr finden Rennen sogar auf allen 5 Kontinenten statt. Zitat : "Auf 140 Seiten werden rechtzeitig zum ersten Rennen der Saison im März alle 19 Grand-Prix-Ziele auf allen fünf Kontinenten ausführlich vorgestellt." Das ist ein echter journalistischer Coup. Nicht einmal die FIA weiß davon und plant deshalb nur Rennen in Asien, Australien, Amerika und Europa. Ein guter Journalist weiß eben immer mehr als andere.

11.03.10 19:18

Jannis Kucharz Website

Das scheint schon länger das Geschäftsmodell von Merian extra zu sein, so wurde auch die Ausgabe mit dem Titel "Traumstraßen der Welt" vom Presserat gerügt, dafür, dass auf jeder Traumstraße zufällig gerade ein nagelneuer Audi verkehrte.

11.03.10 15:38

Marc-Nicolas Oerke Website

Ich finde solche Kooperationen eigentlich gut. Das damalige Placement im "Große Ferien"-Heft ist mir als unbedarfter Leser auch sofort aufgefallen. Trotz der MB-Präsenz hat mir das Heft gefallen.

Ich denke, ein "Mercedes-Benz" vorm Titel-"extra" und alles wäre hier ok gewesen. Dann wäre klar, dass nichts verschwimmt, sondern MB und Schumi gefeiert werden sollen.

LG
Marc

11.03.10 14:34

Andreas Vogel Website

Leider ist bei allen Medien heute ständig Aufmerksamkeit angesagt, nicht nur bei der Publikumspresse.
Im Zeitschriftenbereich kennt man das sonst bei einer Reihe von Sonderheften. Beispiele der letzten Jahre wären "fotolife spezial" 1-08 (Canon), "PC Magazin Edition" 1/05 (HP), "PCGo Learnline" 1/07 (Cornelsen), "Naviconnect Sonderheft" 1/10 (TomTom).
Zumeist steht hier aber zumindest ein unauffälliges "Powered by [Werbetreibender]" auf dem Cover. Das nimmt aber wahrscheinlich in der Praxis kaum ein Käufer vor dem Kauf auch wahr.

11.03.10 14:20

Matthias Anders

Auch wenn's schon "tausendmal in den Medien" war, wie der fleißig lesende Vor-Kommentator meint: Auch beim 1001. Mal noch eine gute Geschichte. Danke, und weiter so!

11.03.10 13:43

Marco Urban Website

Jetzt habt Ihr jetzt den Nagel auf den Kopf getroffen! Auch der Hinweise auf "Große Ferien" ist natürlich ein Volltreffer. Gefällt mir - weitermachen!
Und an Herrn Rensmann: Das ist peinlich, peinlich, peinlich, wenn man den Unterschied zwischen Journalismus und PR schon gar nicht mehr kennt.

11.03.10 13:33

Dr. osophilia

MERIAN "Osnabrück und das Osnabrücker Land" (Titelzeile: "Wo die Seele Ferien macht"): aufgrund dieses Heftes vor einigen Jahren habe ich mein Abo damals gekündigt. Ich zahle doch kein Geld für ein Corporate-Publishing-Magazin, das für mich genau so aussieht, als wäre es im Auftrag und mit dem Geld eines Fremdenverkehrsvereins gemacht worden.

Insofern wundert mich dieses MERIAN "Mercedes" nicht wirklich.

11.03.10 12:08

Rainer Barg

> Eine Gefahr für den Ruf Merians als unabhängige
> Zeitschrift sieht Rensmann nicht

Sehe ich auch nicht, diesen Ruf hatte Merian nämlich noch nie. Bei vielen Merian-Regional-Heften läuft es ja nicht anders, war schon tausendmal in den Medien.

Wenn ich mich wirklich über Regionen informieren will, würde ich niemals Merian kaufen. Dieselbe PR-Soße kriegt man beim Fremdenverkehrsamt nämlich gratis.

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Stefan Winterbauer ist Medienjournalist und schreibt für MEEDIA über Print, TV, Internet und den digitalen Wandel.

 

 


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