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Montag 01. März 2010 10:14

Stern vs. Bunte: Risiken und Nebenwirkungen

Die Spitzel-Enthüllungen des Stern über unseriöse Recherchemethoden einer von der Zeitschrift Bunte beauftragten Agentur von vergangener Woche beschäftigen nach wie vor die Medien-Branche. Die Stern-Geschichte hat eine unselige Dynamik in Gang gesetzt, bei der Medien gegenseitig mit dem Finger aufeinander zeigen. Eine bis dato beispiellose öffentliche Selbst-Zerfleischung der Branche könnte die Folge sein. Am Ende, so steht zu befürchten, wird die ganze Medienbranche an Glaubwürdigkeit einbüßen.

Die ersten Reaktionen des Hauses Burda auf die Stern-Veröffentlichung von vergangener Woche waren symptomatisch. Statt besonnen zu reagieren oder schuldbewusst die angeprangerten Stasi-Methoden zu verurteilen, wurde aus München die verbale Keule geschwungen und mit Klage gedroht. Der Stern wolle damit doch nur von der eigenen Erfolglosigkeit ablenken, hieß es. Burda-Vorstand Phillip Welte sprach gar vom "dümmlichen Blöken" der Hamburger Konkurrenz. So klingt keiner, der sich einer Schulddiskussion stellen würde. In einem aktuellen Interview in der Welt am Sonntag verteidigt Bunte-Chefredakteurin Patricia Riekel erneut ihre Methoden. "Journalismus fängt da an, wo die Pressekonferenz aufhört", sagte sie und klagt über Stern-Chefredakteur Thomas Osterkorn: "Er war nicht fair."

In diesem Satz liegt der Kern der aktuell zu beobachtenden Eskalation. Bei Bunte und Burda fühlen sie sich unfair behandelt. Der Stern hat mit seiner Veröffentlichung das Tabu gebrochen, wonach ein Medium nichts Negatives über ein anderes berichten sollte. Denn Leichen hat im Zweifel im Laufe der Jahre jeder in seinem Redaktionskeller liegen. Wahrscheinlich sogar der Stern. Ex-Bunte-Reporter und Klatsch-Ikone Michael Grater sagte den bemerkenswerten Satz: "Das ist das erste Mal, dass eine Krähe der anderen ein Auge aushackt." Ansonsten regt sich Graeter nur darüber auf, dass die Bunte solche Recherchen nicht selbst erledigt, sondern eine Agentur beauftragt hat. Er habe sowas früher immer alles selbst gemacht, brüstet sich Graeter stolz.

Es gibt da, so scheint es, ein grundlegendes Missverständnis zwischen zwei verschiedenen Generationen von Medienmachern. Hinter vorgehaltener Hand zuckt mancher gestandene Medienprofi angesichts der Stern-Geschichte mit den Achseln. "Na und, machen doch alle", ist das Credo. Andere, vor allem Jüngere, sind ehrlich entrüstet. Hier ist die herrschende Meinung: "So etwas darf man nicht, da wurde eine Grenze überschritten." Eine Diskussion darüber, was Medien dürfen und was nicht könnte ganz heilsam sein. Dass sie vor den Augen einer staunenden Öffentlichkeit nun aber mit einer gehörigen Portion Hysterie wird, kann der Branche insgesamt aber nicht gut tun. Die Gefahr droht, dass sich verschiedene Medien mit Enthüllungen über unsaubere Methoden der jeweils anderen gegenseitig überbieten.

Schon zeigt das Hamburger Abendblatt in seiner Medienkolumne mit dem Finger auf den Stern und schreibt entrüstet, der Stern-Informant wolle nur gegen Geld reden: "Eine Aufwandsentschädigung? Für das Beantworten von ein paar Fragen? Ein seltsamer Wunsch, der die Frage aufwirft, ob Walther für seine Informationen vom "Stern" bezahlt wurde." So seltsam ist der Wunsch des Informanten sicher nicht. Dass viele, gerade zwielichtige Figuren ihre Infos nur gegen Bares rausrücken ist in der Branche leider gang und gäbe. Es ist nicht die Frage, ob für Informationen gezahlt wird, sondern wieviel. Noch so ein Thema, über das normalerweise nicht geredet wird. In ihrer immer hektischer werdenden Suche nach Exklusiv-Informationen haben die Medien ihre eigene Branche entdeckt und beginnen nun eifrig, sich selbst zu zerfleischen.

Der Stern will in dieser Woche nochmal nachlegen und weitere Details der Spitzel-Affäre auspacken. Der Tabubruch, dass ein Medium seinen Konkurrenten anschwärzt, egal ob berechtigt oder nicht, hat eine Dynamik in Gang gesetzt, in der alle gegenseitig aufeinander los gehen könnten. Am Ende wird die Branche insgesamt an Glaubwürdigkeit eingebüßt haben. Ob verdient oder nicht, steht auf einem anderen Blatt.

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Letzte Kommentare

Anzeige: 1 - 16 von 16

04.03.10 07:37

Stefan Winterbauer

Lieber treets77: So jung bin ich nun auch wieder nicht. Aber danke für die Blumen. Eine Meinung habe ich mir in der Tat aber auch schon früher geleistet.

04.03.10 02:23

treets 77

Hmmmm,

ich finde es eher etwas weltfremd, wenn man eine direkte Konkurrenz daraus ableitet, dass zwei Titel am gleichen Tag erscheinen. Dann wären ja auch Bild und FAZ Konkurrenten.
Nee, im Ernst: Stern und Bunte, das sind schon zwei sehr unterschiedliche Blätter.
Sagen Sie mal, Herr Winterbauer, ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen:

Als ich noch junger Redakteur war, da habe ich mich anfangs kaum getraut, Dinge zu kommentieren, die ich nicht wirklich beurteilen konnte. Ist das heute bei euch jungen Redakteuren anders?

02.03.10 14:12

Stefan Winterbauer

Liebes Mitglied der Alten Generation,

seien Sie versichert, dass ich keine Noten verteilen wollte und auch auf die eigene Schulter wollte ich mir nicht klopfen. Ich nehme für mich hier gar nichts in Anspruch. Wieso auch? Zu konstatieren, Bunte und Stern seien keine direkte Konkurrenz im Leser- und Anzeigenmarkt, ist allerdings dann doch ein bisschen weltfremd. Klar sind beide Titel unterschiedlich. Aber es sind beides aktuelle Wochentitel. Darum werden die ja auch in der Auflagenstatistik in einem Segment geführt. Sie erscheinen sogar am gleichen Tag.

In den Burda Mitteilungen ist übrigens von allem möglichen die Rede, aber nicht von einem Tabubruch.

Wieso schreiben Sie eigentlich alle Magazinnamen in Großbuchstaben? Sieht seltsam aus.

Beste Grüße
SW

02.03.10 12:54

Alte Generation

Was heisst hier zwei Generationen von Medienmachern? Wobei die alten Medienprofis laut Autor Winterbauer hinter vorgehaltener Hand so tun würden, als sei das Verhalten der BUNTEN sozusagen Alltagsgeschäft im Magazinjournalismus gewesen. Und erst mit den Jüngeren sei so etwas wie Moral in die Branche eingezogen, weil sie die BUNTE-Usancen als Grenzüberschreitungen wahrnehmen würden. Klopft sich Herr Winterbauer dabei selbst auf die Schulter?
Was für ein Unsinn, Noten für Berufsmoral auf jüngere und ältere Generationen zu verteilen.
Ich erinnere mich z.B. noch gut an die Affaire Waigel/Epple als viele der "alten Medienmacher" , besonders die vom STERN und SPIEGEL, von dem Verhältnis Waigels mit Irene Epple lange wussten und dies nicht publizierten.
Ebensolcher Mumpitz ist die Mär vom aus der bunten Welt behaupteten Tabubruch. Da hätte Autor Winterbauer statt der blossen Übernahme dieses Begriffs aus den BURDA-Mitteilungen ein wenig altmodische Recherche wie die von Herrn Niggemeier gut getan.

Zugegen ziemlich clever ist die von der BUNTEN in die Öffentlichkeit geworfene Behauptung, der STERN wolle doch nur der erfolgreicheren, direkten Konkurrenz eins auswischen. Neid und Missgunst als Motivation
ist sicher besonders von der BUNTE-Leserschaft gut nachvollziehbar.

Abgesehen davon, dass diese Behauptung nur vom eigenen Tabubruch ablenken soll, ist auch inhaltlich schlicht falsch.

Es kann ja sein, dass auch einige Leserbriefschreiber hier, die diese Annahme so übernommen haben, die BUNTE schon lange nicht mehr in der Hand hatten. Es liegen aber Welten zwischen den beiden Publikationen. Der Wunsch, dass beide in einer Liga spielen, ist wohl nur Wunschdenken in der BURDA-Welt.
Man kann ja von der Entwicklung des STERN in den letzten Jahren halten was man will. Aber ein reines Klatschblatt wie die BUNTE ist er ja nun wirklich nicht. Und deshalb natürlich auch keine direkte Konkurrenz.


02.03.10 10:25

Stefan Winterbauer

@treets77 Ich bezweifle aber, ob Medien selbst gegenseitig Aufklärungsarbeit leisten können. Zumindest Medien, die sich so ähnlich sind wie Stern und Bunte. Man wird sehen, wie das weitergeht.

Zur Diskussion um den nicht vorhandenen Nicht-Angriffspakt: Nachdem Stefan Niggemeier in beeindruckender Archiv-Arbeit dargelegt hat, dass Stern/Bunte/Focus/Spiegel sich sehr wohl gegenseitig angehen, habe ich nachgedacht, warum dieser spezielle Fall mir trotzdem anders erscheint. Ich gebe zu, die vielen von Niggemeier zitierten Fälle hatte ich nicht mehr im Kopf.

Ich glaube aber trotzdem, dass die aktuelle Geschichte eine neue Qualität hat, muss aber meine, laut Niggemeier "steile These", modifizieren. Ich denke, der Anstoß bei Burda wird deshalb genommen, weil es sich bei der aktuellen Stern-Enthüllung um eine gezielte, investigative Recherche handelt. Die meisten beschriebenen anderen Fälle der Berichterstattung sind Spitzen gegen die Konkurrenz, wo man sich aber bereits bekannte/veröffentlichte Sachverhalte bezogen hat. Hier aber ist der Stern Urheber eine extrem kritischen Geschichte über die direkte Konkurrenz, die dahin geht wo es weh tut: ins Selbstverständnis der Redaktion.

01.03.10 20:30

treets 77

@Joachim Graf:
"Hier lernt die druckende Zunft von ihren Online-Kollegen die Transparenz."

Soso. Warum in diesem Zusammenhang auf eine (welche?) Vorbildfunktion der Blogs hingewiesen wird, ist mir nicht transparent genug. ;-)

Es hat nie einen Nicht-Angriffspakt zwischen Stern und Bunte gegeben, lieber Herr Winterbauer. Lassen Sie sich nicht von dieser Riekelschen Nebelkerze verwirren. Riekel und Co plärren etwas von Tabu-Bruch, um so weitere Anti-Stern-Schreiber auf ihre Seite zu ziehen. Die "Welt" und andere Springer-Blätter stehen schon Gewehr bei Fuß.

Das Gejammer in München vom angeblich unmoralischen Stern ist von der Qualität ähnlich dem scheinheiligen Geheule der Schweizer Ganoven-Banken.

Und es kann doch nicht sein, dass solche Dinge nicht so berichtet werden, wie es der Stern macht. Das hat es zuvor auch schon so gegeben. Und natürlich muss ein Medium selbst nicht die Unschuld vom Lande sein, um auf solche Überwachungs-Exzesse hinweisen zu dürfen.

Und ist es völlig auszuschließen, dass die Gründe für die Überwachung auch im politischen und/oder persönlichen Bereich führender Burda-Leute zu finden wären?

01.03.10 19:13

Stefan Winterbauer

In der Sache mit Joop und der Caroline-Geschichte scheint es aber eher darum zu gehen, dass der Stern über die Aktionen Dritter gegen Bunte berichtet. Im ersten Fall ist es Wolfgang Joop, der sich gegen Bunte äußert, im zweiten ist es der offene Brief in der FAZ, der thematisiert wird. Im Dritten Fall geht es weniger gegen Bunte als mehr gegen Markwort. Um das wirklich beurteilen zu können, müsste man die Artikel aber gewiss komplett lesen. Aber vielleicht werden ja gleich noch die Scans gepostet. ;-)

Ich bleibe bei meiner Einschätzung, dass die aktuelle Stern Geschichte eine bisher neue Qualität in die publizistische Auseinandersetzung zwischen den Verlagen bringt. Die Reaktionen der Beteiligten legen das nahe. Die alten Geschichten hatten meines Wissens nicht solche Reaktionen hervorgerufen. Aber ich lasse mich durch weitere Archiv-Auszüge gerne eines Besseren belehren.

01.03.10 18:29

Stefan Niggemeier Website

"Stern", 28.8.97: "SAGEN SIE MAL, HERR JOOP... ...wollen Sie die 'Bunte' zensieren? / Die Berichte der 'Bunten' zum Mord an Gianni Versace haben Modemacher Wolfgang Joop so verärgert, daß er nicht mehr in Zeitschriften des Burda-Verlags inserieren will. Nach eigenen Angaben geht es um einen Etat von etwa fünf Millionen Mark im Jahr."

"Stern", 2.7.98: "Jetzt wird's zu bunt. Die Prinzessin, die Presse und Prozesse Klagen über Klagen: Caroline von Monaco und Welfen-Prinz Ernst August wehren sich gegen Falschmeldungen. (...) Für 52800 Mark kauften Caroline von Monaco und Ernst August von Hannover eine Seite in der 'Frankfurter Allgemeinen'. um ihren 'Offenen Brief an Hubert Burda' abdrucken zu lassen. Darin beschwerten sich am Dienstag vergangener Woche die Adligen bei dem Münchner Verleger über 'unseriösen Journalismus' der Burda-Zeitschrift 'Bunte'.
Das Blatt war wegen der Titelgeschichte 'Von Linz nach Paris/Caroline/Sonderflug mit einem Toten' zur Gegendarstellung auf dem Titel verurteilt worden. Caroline und Ernst August beklagten, die 'Bunte« habe den Anlaß benutzt, 'sich erneut mit der Geschichte des Toten zu bereichern'.
Tags darauf antwortete 'Bunte'-Chefin Patricia Riekel, die sich auch in professionellen Fragen gern von ihrem Lebensgefährten Helmut Markwort, 'Focus'-Chef und 'Erster Journalist' des Hauses Burda, beraten läßt, Ernst August - ebenfalls mit einem 'Offenen Brief' in der 'FAZ'."

"Stern", 28.6.2001: "Für die 'Bunte' ist die Welt des Tommy Haas so rein wie frisch gewaschene Tennisshorts. Vor einem Turnier, berichtet das Blatt, verzichtet der 'Mädchenschwarm Nr. 1' auf Sex. Drogen sind natürlichtabu. Als 'Symbol des Erfolgs' posiert der 'beste und schönste deutsche Tennisspieler' mit seinem Porsche Cabriolet vor dem erst kürzlich erworbenen Penthouse auf Mallorca und erklärt seine Liebe zu Deutschland: 'Die Autos, die Disziplin, die Zuverlässigkeit der Menschen.'
Menschen wie 'Focus'-Chefredakteur Helmut Markwort. Der Lebensgefährte von 'Bunte'-Chefredakteurin Patricia Riekel, als Zeitschriften-Vorstand des Burda-Verlags erster Journalist im Hause, ist - als Privatmann - einer von 15 'sportbegeisterten Mäzenen' ('Focus'), die bis 1995 mit insgesamt 750000 Mark die Ausbildung von Tommy Haas in Florida finanzierten und schriftlich zusicherten, sich 'für ein positives Image von Herrn Thomas Haas' einzusetzen. Auch darin ist der Burda-Mann ein Vorbild an Zuverlässigkeit. 'Eine Geldanlage', heißt es über Tommy Haas in 'Bunte', die dessen Vermögen inzwischen auf 25 Millionen Mark schätzt: 'Mit Tommys Erfolgen fließen die Gewinne zurück.'"

01.03.10 18:19

Stefan Winterbauer

@Stefan Niggemeier Die Auflistung ist in der Tat beeindruckend. Offenbar gab es keinen Nicht-Angriffspakt zwischen Spiegel und Focus. Spiegel und Focus haben sich also schon immer die Köpfe eingehauen, okay. Aber bei Burda wird die Stern Geschichte tatsächlich als Tabubruch empfunden.

01.03.10 17:41

Stefan Niggemeier Website

(Fortsetzung...)

"Focus", 5.7.1999: "Wer stoppt die Talfahrt? Rausschmiß des Kurzzeit-Chefredakteurs, Auflagen- und Imageschwund: Der 'stern' rutscht immer tiefer in die Krise"

"Focus", 7.11.2005: "Oberaufsicht für Aust.
'Der Spiegel' quält sich mit Qualitätsmängeln. Herausgeber sollen den Chefredakteur kontrollieren."

"Focus", 19.11.2007: "Hamburger Chaostag. Die Mitarbeiter KG demontiert den Chefredakteur.Der 'Spiegel' sucht seine Zukunft ohne Stefan Aust"

"Focus", 17.12.2007: "Wünsch dir einen Chef! Es weihnachtet im Spiegel-Verlag, doch ist Friede so wenig in Sicht wie ein neuer Chefredakteur"

"Focus", 23.6.2008: "Der Killer von der SPD. Wie die Partei nach der Macht im 'Spiegel' griff. Oder auch nicht. Und wie der Ex-Chefredakteur den Kronzeugen dafür macht. Oder nicht"

01.03.10 17:35

Stefan Niggemeier Website

@Stefan Winterbauer:

"Es gibt, bzw. gab dieses Tabu, zumindest was die großen Magazine untereinander betrifft. Focus und Spiegel haben nichts Großes über die jeweils andere Seite berichtet und bisher auch nicht Bunte oder Stern."

Das ist ja mal eine steile Behauptung.

"Spiegel", 14.2.1994: "Lehrling in Not. Ärzte und Juristen wollen der Illustrierten Focus verbieten, Bestenlisten über ihre Berufsstände zu verbreiten."

"Spiegel", 25.7.1994: "Helmut Markwort verärgerte den Elysee-Palast"

"Spiegel", 23.10.1995: "Grob fahrlässig. Ein Focus-Bericht brachte die Mody Bank in Schwierigkeiten. Muß das Magazin den Schaden ersetzen?"

"Spiegel", 21.7.1997: "Mitleidige Anrufe. Noch nie drohte einem deutschen Blatt ein so hoher Schadensersatz: Ein Gericht verurteilte FOCUS wegen eines Berichts über die Mody Bank."

"Spiegel", 25.6.2000: "Aktien, Aktien, Aktien.
'Focus' im Zwielicht: Der für Geldanlagen zuständige Redakteur Marian von Korff war anderthalb Jahre lang auch Chef einer Investmentfirma und arbeitete nebenbei monatelang als Berater eines Luxemburger Aktienfonds. Im März 1999 verließ er die Redaktion - deutlich wohlhabender als zuvor."

etc. pp.

01.03.10 13:39

Staunender Leser

Die Moral von dieser Meedia-Geschichte ist mir nicht klar - kann ja eigentlich nur heißen: Über so was berichtet man nicht. Das mag der medienjournalistische Ansatz eines Branchendienstes wie "meedia" sein, kann doch aber allen Ernstes nicht für "richtige" Magazine gelten.
Das Aufheulen im Hause Burda belegt übrigens, wie nötig diese Veröffentlichung war. Vielleicht öffnet sie dem einen oder anderen Politiker doch ein bisschen die Augen, mit wem man sich einlassen sollte und mit wem nicht.

01.03.10 13:37

Stefan Winterbauer

@Wolfgang Michal Es gibt, bzw. gab dieses Tabu, zumindest was die großen Magazine untereinander betrifft. Focus und Spiegel haben nichts Großes über die jeweils andere Seite berichtet und bisher auch nicht Bunte oder Stern. Das rührt natürlich auch daher, dass sich viele der Handelnden Personen gut kennen und viel übereinander wissen. Es gab da zumindest dieses unausgesprochene Agreement, dass man nichts Negatives über den anderen schreibt. Weil es "sich nicht gehört", weil man "im selben Boot sitzt" oder selbst im Zweifel auch etwas in der Hand hat. Dieses Agreement hat der Stern mit seiner Geschichte gebrochen.

Es ist eine gute Geschichte, kein Zweifel. Aber bisher war etwas in dieser Richtung undenkbar. Darum ist auch der Aufschrei bei Burda jetzt so groß. Eine andere Rolle spielen Tageszeitungen oder Mediendienste. Wobei die auch letztlich alle eine gewisse Rücksicht nehmen. Für eine Zeitschrift wie Bunte spielt es schon eine Rolle, ob Kritik in einem Mediendienst geäußert wird, in einem Weblog oder auf sechs Seiten im Stern. Das hat hier eine ganz neue Dimension.

01.03.10 13:20

Wolfgang Michal Website

"Der Stern hat mit seiner Veröffentlichung das Tabu gebrochen, wonach ein Medium nichts Negatives über ein anderes berichten sollte."

Welches Tabu? Medienkritik gab's doch schon immer. Und gedruckt oder gesendet oder gepostet wurde diese Kritik in Medien. Und das ist gut so.

01.03.10 11:50

Michel Löneberga

Es ist eine verlogene Debatte. Wenn sich Riekel selbst als Journalistin bezeichnet, ist das lächerlich. Wenn Journalisten Riekel immer noch ale Kollegin bezeichnen, löst das bei mir nur Kopfschütteln aus. Riekel hat sich längst mir einer Sache gemein gemacht, nämlich mit der Society. Befreundet mit Christiansen hier, ganz eng mit Barbara Becker dort. Wie sonst erklärt sich die journalistische Sensation, Barbara Beckers Hochzeit auf einem Dutzend Seiten in der Bunte zu zelebrieren? Wer ist Frau Becker und was hat sie überhaupt geleistet? Legt schützend die Hand über ihre Lieblinge (oder bringt die Bunte jetzt den wahren Hintergrund der Ehe Ralf Schumacher?). Manch einer wäre gut beraten, in den Spiegel (den an der Wand) zu schauen und zu sagen: Ich bin kein Journalist, sondern nur ein mieser Schreiberling. Das würde sog. Qualitätsjournalisten zur Daseinsberechtigung verhelfen und Journalismus wieder zu dem zu machen, was er ist: Eine wichtige Chronistenrolle, ein solides Handwerk und unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesellschaft.

01.03.10 10:58

Joachim Graf Website

"Am Ende wird die Branche insgesamt an Glaubwürdigkeit eingebüßt haben"? Im Gegenteil, Herr Kollege! Hier lernt die druckende Zunft von ihren Online-Kollegen die Transparenz.

Bisher war die Selbstregulierung der Presse ("Presserat") ein schlechter Witz und doch gab es eine schweigende Selbstverpflichtung, die Exzesse a la SUN in Deutschland weitgehend verhindert haben. Wenn die Bunte hier unappetitlicher Weise ein Tabu bricht und ein einflussreiches Medium dies anprangert - nur weiter so!

Nur so können Schweigespiralen und Selbstzensur aufgebrochen werden. Auf lange Sicht dient so etwas dem, das alle immer so lautstark im Munde führen (allen voran der BUNTE-Verleger): Dem Qualitätsjournalismus.

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Stefan Winterbauer ist Medienjournalist und schreibt für MEEDIA über Print, TV, Internet und den digitalen Wandel.

 

 


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