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Mittwoch 21. Oktober 2009 12:33

So blamiert Sonneborn die WDR-Moderatoren

Am Dienstag Nacht sendete der WDR zu sehr später Stunde um 0.15 Uhr die umstrittene "Zimmer frei!"-Folge mit dem ehemaligen "Titanic"-Chefredakteur Martin Sonneborn. Die Folge wollte der WDR zunächst nicht zeigen, weil sie angeblich "aus Sicht der Redaktion leider wenig zur Unterhaltung beizutragen wusste". Nach Ansicht der Sendung kann man diese Argumentation nicht nachvollziehen. Sonneborn war ironisch wie immer. Das Publikum im Studio hat viel gelacht. Nur die beiden Moderatoren Christine Westermann und Götz Alsmann sahen gar nicht gut aus.

Vor allem Christine Westermann hatte ganz offensichtlich Probleme mit Sonneborns Humor-Stil klarzukommen. Mehrfach merkte sie während der Sendung an, jetzt nicht zu wissen, ob er etwas ernst meine oder nicht. Bereits zu Beginn der Sendung verhaspelte sie sich und sprach Sonneborn auf die "Titanic"-Bestechungsaktion zur WM 2004 hin, was natürlich WM 2006 hätte heißen müssen. Eine Kleinigkeit, aber Sonneborn ließ sie auflaufen und ritt im weiteren Verlauf der Sendung mehrfach auf dem Versprecher herum. Im weiteren Verlauf konnte man den Eindruck gewinnen, Westermann und Alsmann hätte die laufende Sendung am liebsten abgebrochen. Das Unwohlsein der beiden im Gegenwart des wie stets in fadenscheiniges Polyester gewandeten Sonneborns war fast mit Händen zu greifen.

Das ist auch Sonneborn selbst nicht entgangen. Im Interview mit MEEDIA sagte der Satiriker, er würde nicht mehr zu "Zimmer frei!" gehen, weil er die Nerven von Frau Westermann nicht überstrapazieren wolle. Auch Götz Alsmann bekam von Sonneborn immer mal wieder eine mit. Diverse Spar-Witze von Alsmann wurden von dem penetrant Steak essenden Sonneborn trocken mit "sehr lustig" kommentiert. Sonneborns fragte mitten während der Sendung die beiden Moderatoren wer sie eigentlich seien, er bezeichnete Utensilien für Spiele einfach als "Dings", war also genauso, wie man ihn kennt. Einige schätzen diese Art von Humor, andere nicht. Zu letzterer Kategorie gehören offenbar auch Christine Westermann und Göz Alsmann. Das hätten die Macher von WDR aber auch schon wissen können, bevor sie Sonneborn eingeladen haben.

Der setzte sich während der Sendung auch nicht explizit für die Abschaffung der GEZ-Gebühren ein, wie es hieß. Auf Nachfrage der Moderatoren erzählte er lediglich über eine alte "Titanic"-Aktion, bei der 50 Euro unter Lesern verlost wurde, die die Rundfunkgebühren bei derGEZ mit der Begründung kündigten, Johannes B. Kerner sei als Moderator überbezahlt.

Weitaus besser mit dem speziellen Sonneborn-Humor kam neulich der "Spiegel"-Mann Matthias Matussek zurecht. In seiner Videokolumne lieferte sich Matussek mit Sonneborn im Vorfeld der Bundestagswahl ein inszeniertes Streitgespräch, bei dem ordentlich die Fetzen flogen, niemand irgendetwas ernst nahm und sich Sonneborn und Matussek am Ende sogar an die Gurgel gingen. Hätte Christine Westermann das "Streitgespräch" zu moderieren gehabt, hätte sie sicher mit entgleisten Gesichtszügen gefragt: "Meinen die das jetzt ironisch?" Neee, Frau Westermann. Die meinen das ernst. Ganz ehrlich.

Von der umstrittenen "Zimmer frei!"-Ausgabe mit Martin Sonneborn kann sich in der WDR-Mediathek mittlerweile jeder selbst ein Bild machen.

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Letzte Kommentare

Anzeige: 1 - 11 von 11

28.10.09 14:55

Nachname Vorname

Glücklicherweise war die Einstiegsfrage (Ironie/Intelligenz) für Sonneborn wahrscheinlich der Steilpass des Jahres. Gekonnt eingelocht.

Ich fand übrigens, dass sich Herr Sonneborn und Herr Alsmann recht gut verstanden haben.
Frau Westermann war unvorbereitet un irritiert.

Für mich alles sehr lustig.

23.10.09 14:01

Jack Beauregard

Also ich fand auch nicht, daß sich Hr. Sonneborn außerordentlich unfair verhalten hätte.
Sicherlich ostentativ reserviert und auf die (zu erwartende) Rolle als PARTEI-Vorsitzender bezogen, aber sicherlich nicht so offensiv feindselig wie Frau Westermann.
Die Reaktionen des Publikums sprechen auch eher dafür, daß seine Inszenierung ankam. Ganz in Gegensatz zu Alzmanns und bes. Westermanns Bemühungen, das ganze in gewohnte(!), leicht kontrollierbare Bahnen zu lenken.
Sog. Längen hat sicherlich nicht Sonneborn, sondern das unflexible und eingefahrene Konzept, auf das die Moderatoren sich ergeben verlassen, verursacht!

22.10.09 14:23

Vorname Nachname

Ich sah Zimmer frei zum ersten Mal komplett. Normalerweise ist man ja geneigt schnell umzuschalten, wenn Alsmann anfängt "witzig" zu sein. Und die Frau Wester...äh...mann nahm ich immer als nette und ein bisschen harmoniebedürftige Person wahr. Die Sendung mit Sonneborn drehte meinen Eindruck. Frau Dings war offensichtlich überfordert und nicht gerade souverän. Die Einstiegsfrage (Intelligenz/Ironie) war mehr als unglücklich gewählt, weil völlig banal.
Der Alsmann-Clown konnte meiner Meinung nach sogar noch besser mit der Situation umgehen, indem er rettete was aus WDR-Sicht zu retten war.
Immer wieder peinlich: die Maßregelungen von Frau Westermann an Herrn Sonneborn, er möge doch als Privatperson antworten. Kindergartenniveau und fast unverschämt. Prinzip der Sendung hin oder her.
Alles in allem höchst unterhaltsam, da Sonneborn ja auch verdient einige Lacher treffen konnte.
Die Sendung wird sicher eine Ausnahme gewesen sein. Leider.

22.10.09 12:58

karl kuketz

Sorry für die Mehrfachposts - es sah aus, als wären die Kommentare nicht durchgekommen.

22.10.09 12:54

karl kuketz

Wozu die Aufregung? Sonneborn war gar nicht so destruktiv. Da hat Helge Schneider Harald Schmidt schon viel übler auflaufen lassen. Und warum hat Westermann das Gespräch im Wahllokal abgebrochen? Da hat Sonneborn sehr fein den phrasendreschenden Politprofi gegeben.

22.10.09 09:53

Schlumbitum Schlummpatsch

Klar, Sonneborn ist den beiden Spaßnasen turmhoch überlegen. Die ersten zehn Minuten lang resultierte das in einem erfreulichen Abwatschen der sich selbst vorführenden Westermann. (Alsmann parierte da schon besser.)

Aber was zum Teufel geschah dann?

Mit seiner Würde legte Sonneborn beim Gips-Spielchen auch seinen Witz ab und verhielt sich den Rest der Sendung eben gar nicht "aufzeigend", sondern einfach nur unsouverän und leider ganz genau so, wie man es von einem enfant terrible im WDR erwartet: terrible und infantil.

Naja, schnell Schwamm drüber...

21.10.09 23:01

Or Schlurch

Christine und Götzi diesen beiden Schlaumeier-Darstellern des WDR wurde in der Sendung "Zimmer frei" von Ihrem Gast nicht wie in den 500 Sendung zuvor geschmeichelt und gehuldigt sondern äußerst heftig in die Suppe gespuckt. Das war einigen WDR-Oberen offenbar derart peinlich, dass sie die Sendung am liebsten hätten ganz verschwinden lassen wollen. Da machten sie die Rechnung allerdings ohne Sonneborn. Der lässt Westermann in der Kandidaten-Show derart auflaufen, gegen eine Wand mit undurchdringlicher satirischen Pfeilen bespickte Wand prallen dass diese irgendwann völlig die Contenance verliert und Sonneborn oberschulhaft und entnervt lauthals ins Wort fällt. Und Götz, der TV-Schlaumeier versucht sich selbst mit verzweifelt spassigen Wort- und Ablenkspielchen über die endlos erscheinende Sendezeit zu retten. Umsonst. Sonneborn setzt nach, kontert und seziert nun jede Äußerung, jeden noch so kleinen Einwand mit analytisch präzisen Schlägen, dass alle Versuche, das Gesicht zu wahren das Desaster nur verschlimmern und das Ausmaß selbstgefälliger Eitelkeit und intellektueller Anmaßung nur noch mehr entlarven. Das Publikum ist entsetzt und angewiedert zugleich. Es kann sich nicht entscheiden ob man das gut oder schlecht finden soll. Man hat nur das Gefühl, dass da irgend etwas anders war, als an anderen Fernseh-Abenden.

21.10.09 19:48

Frau Wester ... ääh ... mann

Ich war war multipel überfordert.
Das mag wohl auch der Grund für die anfängliche Selbstzensur des WDR gewesen sein: Mitarbeiterschutz.
Kann man mich nicht verstehen ;-)?
Wer sich( noch dazu offensichtlich uninformiert) in den Sonneborn begibt, kommt darin um...
Und umgekommen bin ich auch fast, war ich froh, als alles vorbei war.
Wer, außer mir, war so naiv zu glauben, mit Sonneborn eine wie üblich harmoniebesoffene Sendung im 08/15 Format routiniert abzuspulen?
Ich gelobe Besserung!
Eure
Frau Wester ... ääh ... mann

21.10.09 16:27

Meinung S. Freiheit

In der Tat - so hilflos hat man Alsmann und vor allem Westermann selten gesehen. Hat die Redaktion die nicht auf den Knaben vorbereitet? Haben die sich nicht über eine 'Partei'- oder Titanic-Aktion im Vorfeld informiert?

Ansonsten, Marc-Nicolas Oerke, muß ich widersprechen: Der Besuch Sonneborns war für mich Anlaß, die Sendung seit langem mal wieder zu schauen. Ansonsten fesselt mich da seit Jahren nix mehr - komische Elemente wie 'Frau Hülchrath' oder die Schalte in die WG gibt's nicht mehr, die Gäste sind oft zweite oder dritte Garnitur. Und über die Jahre sind aus den Spielen tumbe Rituale geworden. Und zudem möchte ich auch keinem dicklichen Friseur dabei zusehen, wie er in den Wohnungen sog. Prominenter stöbert...

21.10.09 15:36

gerald angerer Website

war doch ganz amüsant. schön auch, das sprachironische urmuster [verklemmtheit] des herrn sonneborn: siehe bilderrätsel. eigentlich haben die beiden den extitanicer ganzgut vorgeführt, ein wenig ungelenk vielleicht, dass frau westermann daseineoderanderemal nicht ein wenig unbekümmerter über ihren schatten springen konnte..

21.10.09 14:47

Marc-Nicolas Oerke Website

Sehe ich ganz genauso. Insbesondere die sonst so charmante Frau Westermann war seltsam unsouverän. Scheinbar kannte sie Martin Sonneborn nicht und hatte wohl auch noch nie eine Titanic in der Hand. So oder so muss ein Moderator aber moderieren und darf nicht persönlich beleidigt sein, es war schon etwas peinlich, wie das Gespräch in der Wahlkabine abgebrochen wurde.

Immerhin wollte Götz Alsmann die Kastanien aus dem Feuer holen: lustig wie er den 2004-Versprecher ebenfalls aufs Korn nahm und die süffisante Stille mehrfach durch lebendige Übergänge zu brechen versuchte. Leider waren die Spiele diesmal dem Gast nicht angemessen. Einem Satiriker/Politiker hätte man schon etwas passendere Spiele gönnen können.

Für alle Interessierten lohnt sich auch noch das Radio-Interview mit Martin Sonneborn auf der WDR-Seite. Auch hier kommen die Verantwortlichen nicht gut rüber, wohingegen Sonneborn sich sehr gut "verteidigt" und trotzdem in seiner Rolle bleibt.

Nichtsdestotrotz gehört Zimmer-frei mit Sicherheit zu den besseren TV-Formaten. Und so ein bisschen PR-Trubel tut der Show bestimmt gut.

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Stefan Winterbauer schreibt über gute und schlechte Zeitschriften und seine Erlebnisse mit dem gar nicht so alten Medium Papier.

 

 


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