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Donnerstag 25. November 2010 10:36

Radio-Apps - die große Austauschbarkeit

Die aktuelle Diskussion um die Ankündigung von Apple, keine Apps von einzelnen Radiostationen mehr zuzulassen, macht den großen Schwachpunkt der modernen Radiolandschaft augenfällig. Die Programme der allermeisten Sender sind austauschbar bis zur Unkenntlichkeit. Überall läuft die gleiche Musik, werden die gleichen Spiele gespielt und gibt es die gleichen flachen Sprüche von hyperaktiven Moderatoren. Über den Apple-Vergleich von Radio-Apps mit Furz-Apps regen sich viele Radioleute auf.

Allerdings hat der Hardware-Hersteller und App-Store-Hüter nur die ungeschminkte Wahrheit gesagt. Moderne Radioprogramme sind mittlerweile so etwas wie akustische Umweltverschmutzung. Das gilt für die allermeisten Privatradios und für sehr viele der so genannten Popwellen der großen öffentlich-rechtlichen Sender.

Der von Maschinen auf Durchhörbarkeit getrimmte 08/15-Mix der “größten Hits der 80er, 90er und dem Besten von Heute” ist immer der gleiche, egal ob man in Flensburg das Radio einschaltet oder in Niederbayern. Die Gewinnspiele, mit denen man vor allem in Zeiten der Erhebungswelle der Media Analyse Hörer mit Geld- und Sachgeschenken gewogen stimmen will, stammen in der Regel von Agenturen, die die gleichen Gewinnspiele für jedes Sendegebiet extra verticken. Teure Nachrichten-O-Töne werden meistens von einer Agentur übernommen.

Redaktionelle Inhalte gibt es kaum, außer infantilen Sprüchen und Witzchen, von Praktikanten getätigten Straßenumfragen und ebenfalls eingekauften Gag-Serien, deren Witz sich meist darauf beschränkt, dass “lustige” Geräusche untergemischt sind. Zu einer ähnlichen Diagnose kommt auch der Kolumnist Christoph Lemmer bei Radioszene.de. Er schlussfolgert: “Vielleicht wirkt der App-Schock am Ende sogar heilsam – wenn er nämlich in den Stationen die Frage aufwirft, wofür sie stehen und wie sie ihre Identität und Einmaligkeit finden.” Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

In gewisser Weise teilen Radios hier das Schicksal so mancher uninspirierter Lokal- und Regionalzeitung. So lange Inhalte auf eine begrenzte Region beschränkt blieben, fiel keinem auf, dass hier nur Dutzendware von der Stange geboten wird. Das Internet macht nun vieles transparent. Da gibt es zig Zeitungen, die die gleichen dpa-Texte auf ihre Titelseiten hieven und mit den gleichen Agentur-Fotos aufmachen. Und es gibt eben zig Radiosender mit den immergleichen Musik- und Moderationsmischungen des allerkleinsten gemeinsamen Nenners. Das reicht aber vielen Konsumenten heute nicht mehr.

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Letzte Kommentare

Anzeige: 1 - 15 von 15

25.11.10 23:01

Peter Entnervt

Ich schalte das Autoradio kaum noch an. Selbst die Öffentlich-Rechtlichen liefern 95 Prozent Schrott, obwohl sie sich anderes leisten könnten in Anbetracht der astronomischen Summen, die ihnen Quartal für Quartal zur Verfügung stehen. Inzwischen sind die auch so weit, die Gelder der Gebührenzahler über Ratespiele direkt unter die Hörer zu bringen ( so gehört bei JUMP, einem ÖR-Jugendsender ), damit die am Programm kleben und Quote liefern zur Mediaanalyse. Sie verhalten sich also genau wie Privatsender.
Der allgemeine Verfall von Rundfunk und Fernsehen beweist mir immer wieder: Aufmerksamkeit allein als Währung funktioniert nicht. Das bringt Einheitsbrei.

25.11.10 16:29

Thomas Andris

Auch ich empfehle dem Autor mal einen Tag lang Radio zu hören (von BR2 bis FM4, von KlassikRadio bis Mainstream), um die Vielfalt schätzen zu lernen und solche Pauschalurteile zu vermeiden. Sie schaden einer Gattung, die uns möglicherweise gerade wg. des Internet noch manches bieten wird, wenn andere hypes längst wieder verschwunden sein werden...
Es liegt an den Machern selbst die Initiative zu ergreifen, um z.B. mit Apps o.ä. Angeboten ihre Hörer bei der Stange zu halten. All zu plumpe Einflußnahme seitens Herstellern oder anderen kann man ja zur Not übers Rundfunkrecht verklagen.

25.11.10 16:04

Gerüchte Küche

es kursiert seit 2009 das Gerücht, dass Apple an einer eigenen Radio FM-App strickt die "terrestrisch" Radiowellen empfangen kann und eine Schnittstelle zu itunes hat, wo ich direkt die abgespielten Songs kaufen kann
Vielleicht kommt die bald....

25.11.10 15:47

Peter Steiner

über die inhaltliche ausgestaltung der radiosender und die damit verbundene ähnlichkeit der apps lässt sich sicherlich diskutieren, viel wichtiger finde ich aber den unerwähnten aspekt von "zensur" im app-store. soll nicht der nutzer selber entscheiden? stellt apple nicht eine (unwesentliche) verbreitungsform für medieninhalte zur verfügung? da schliesst sich mir die frage an, brauche in 1000e von nachrichten apps? sind doch eh immer die gleichen nachrichten.
brauche ich 1000e preisvergleich, barcode, navigation apps? die funktionen sind immer gleich.

ich vermute vielmehr, dass itunes demnächst mit einem kostenpflichtigen? streamingangebot in appstore startet und dann die radio-sender genötigt werden ihre programme dort zu integrieren.

ferner verursacht radiostreaming bei den (exklusiven) telefonprovidern enorme traffic-kosten, die oft die flatrates nicht mehr lohnend machen.. und die treten apple auch auf die füsse.

25.11.10 15:19

Thomas Ewald

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit und Absolutheit der Autor ein Urteil über die "Mainstream-Radiosender" abgibt. Da wird der eigene Geschmack zur Messlatte guten Geschmacks erhoben und schon ist fast die gesamte deutsche Radiolandschaft abgewatscht. So einfach ist das.

Nein, das ist es nicht. Weil hier das zentrale Thema nicht die Qualität der Radiosender ist, sondern die Medienmacht von Apple. Ich könnte mir gut vorstellen, wie derselbe Autor Zeter und Mordio schreit, wenn Apps der Zensur von Apple zum Opfer fallen, die der Autor persönlich schätzt. Wäre das Votum das Gleiche, wenn beispielsweise die SPIEGEL-App nicht mehr zugelassen würde ?

25.11.10 14:40

Ralf Thomas Müller

Der Beitrag wird der Radiolandschaft in Deutschland überhaupt nicht gerecht. Es gibt viele Angebote, bei denen es nicht nur um den "Musikteppich" geht. Ich nenne nur Funkhaus Europa, Deutschlandradio Kultur oder auch Nordwestradio.

25.11.10 14:33

J N

Naja... zu viele solcher Radiosender gibt es doch aus dem gleichen Grund, der den Erfolg von BILD oder RTL ermöglicht: Mainstream, Massenmarkt, Hauptsache einfach gestrickt, sodass es auch jeder versteht. Die Masse hört nun mal so nen Mist und klatscht auch noch.

25.11.10 14:25

Dieter Thomas Heck

Lieber Herr Winterbauer,
.
ich find Ihr Stück ein bisschen dünn für einen Mediendienst. Ein Gerücht und ein paar Ressentiments zusammengerührt - fertig ist der Beitrag.
.
Kein Wort von den Strukturen der deutschen Radiolandschaft, die den Run auf die immergleiche Massenzielgruppe der deutschen Radiohörer präjudizieren.
.
Und nicht mal im Web geschaut, woher das Thema "Radio-Apps werden aus dem App-Store gebannt" eigentlich kommt und was wirklich dran ist.
.
Hier mal zur Sache:
.
Die entsprechenden Meldungen berufen sich in der Mehrzahl auf einen Artikel des US-amerikanischen Fachportals „RadioMagOnline.com“ vom 22. November, in dem Jim Barcus, President des Radio-App-Entwicklers „DJB Radio Apps“ von einem Gespräch mit Apple berichtet.
.
Zuvor hatte Apple auf einen Schlag zehn Radio Apps aus dem Hause „DJB“ die Integration in den Apple App Store verweigert.
.
Das ist die ganze Story.
.
Alle abgelehnten Radio Apps stammen von „DJB Radio Apps“ und es handelt sich bei diesen Applikationen jedes Mal um eine identische App mit lediglich unterschiedlichem Senderlogo und -stream. DJB bietet Sendern Apps zum Schnäppchenpreis von 199,99 Dollar an.
.
Am Nachmittag des 24. November bestätigte Apple schließlich gegenüber yourtechlife.com, dass es so etwas wie einen grundsätzlichen Bann von Apps einzelner Radiostationen definitiv nicht gibt: „There is no ‘ban’ on Single station Apps.“ Radio Apps einzelner Radiosender würden auch in Zukunft weiterhin für den App Store zugelassen.
.
Thats it.

25.11.10 14:17

Rolf Klein

Dieser Beitrag trifft's – die deutsche Radiolandschaft ist tatsächlich ein einziges Info- und Geschmacks-Steppengebiet: immer die gleiche Sorte Popmusik, chronisch launige Moderationen, mit Ballermann-Rhythmen unterlegte Katastrophen-Nachrichten – offenbar bin ich doch nicht der einzige, der die ganze Ödnis nicht mehr ertragen kann.
Die USA haben's da einfach besser: Für jeden Musikgeschmack gibt's einen eigenen Sender. Lieben Sie Blues, Hardrock der frühen 70er oder irgendeine abseitige Jazz-Spielart? Die Amerikaner haben für alles die passende Radiostation.
So lange sich das nicht ändert, kann man eigentlich nur auf den Deutschlandfunk ausweichen. Da kommen doch tatsächlichlich noch Wortbeiträge – lasset uns knien, dies seltene Glück zu preisen!

25.11.10 14:03

david wieland

Dem Artikel ist nichts hinzu zu fügen.

25.11.10 13:44

Martin Siemer

Ich kann dem Beitrag nur beipflicht. Wenn ein großer öffentlich-rechtlicher Sender im Norden am Tag nach Karfreitag, dem Tag, als in Afghanistan drei deutsche Soldaten umgekommen sind, nacheinander die Titel "In the Army now" und "The Great Comandment" spielt, fehlt jegliches journalistisches Gespür. Und wenn ich von eben diesem Sender am Tag zigfach mit denselben Poptiteln bedudelt werde und alle halbe Stunde die gleichen Nachrichten zu hören bekomme, dann frage ich mich, wo die Qualität des Radios in den vergangenen Jahren geblieben ist.

25.11.10 13:21

Peter Leitner

Es mag bei nicht wenigen Radios so sein wie im Artikel beschrieben. Aber darum geht es in diesem Fall doch gar nicht.
Apple-Chef Jobbs schwingt sich in nie dagewesener Deutlichkeit zum großen Internet-Zensor auf. Die Radios und viele Hörer werden es verkraften können, aber es sagt etwas aus über den missionarischen Antrieb des Apple-Gründers. Das ist bei der Macht, über die er nun mal verfügt, nicht unproblematisch.

25.11.10 13:13

Christian Bethge

Also dieser "Verlust" tut jetzt wirklich niemandem weh.

Die Radio FM4 Applikation dürfte jedoch gerne erhalten bleiben.

Und wie vermisse ich John Peel.

25.11.10 13:12

Martin Eiser

Was für ein dämlicher Beitrag. Es gibt sehr wohl auch sehr gute Radio-Sender. In Berlin-Brandenburg etwa Radio und Fritz, aber auch Motor FM und Inforadio liefern für ihre Zielgruppen sehr gute Inhalte.

25.11.10 11:16

Bodo Schiefer

Danke!

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Stefan Winterbauer ist Medienjournalist und schreibt für MEEDIA über Print, TV, Internet und den digitalen Wandel.

 

 

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