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Mittwoch 29. April 2009 21:21

Das iPhone und seine unwürdigen Nutzer

Das iPhone aus dem Hause Apple ist ohne Zweifel ein bewunderungswürdiges Gerät. Es hat ein klares Design und eine überlegene Nutzerführung sowie den mit Abstand besten mobilen Internet-Browser. Trotz händeringender Bemühungen schafft es die Konkurrenz nicht, dem iPhone etwas Gleichwertiges oder gar Besseres entgegenzusetzen. Trotzdem ist der Kult-Status des iPhone in Gefahr. Der Grund: Es verkauft sich zu gut. Apples Wunder-Telefon ist in der breiten Masse der Gewöhnlichkeit angekommen.



Mittlerweile hat Apple über 17 Millionen iPhones verkauft, alleine 3,8 Millionen im ersten Quartal. Die irre Erfolgsgeschichte des Telefons ist heute einer der wichtigsten Bausteine für Apples Erfolg trotz Krise. Aber der Mega-Erfolg und die steigende Verbreitung des iPhone könnten auch zu seinem Fluch werden.

Problem: Das iPhone ist gewöhnlich geworden.

Mittlerweile ist das Gerät derart weit verbreitet (selbst unter Studenten!), dass es beim besten Willen nicht mehr als Statussymbol herhalten kann. Manchmal muss man sich geradezu schämen. Zum Beispiel, wenn ein Vertriebs-Ochse in Kurzarm-Hemd und schriller Krawatte im Zug ein iPhone zückt. Bis vor kurzem hatten solche Typen alle noch einen Blackberry - was ist geschehen? Schuld ist natürlich die zweite Generation des iPhone-Betriebssystems, die das Telefon kompatibel mit Exchange-Servern und damit businesstauglich gemacht hat. Schön für die Verkaufszahlen - schlecht für den Kult-Status. Jetzt denkt jeder Schlipsträger aus Vertrieb und Mittel-Management, ein bisschen was von Glanz und Sexyness des iPhone abhaben zu können. No way. Das Gegenteil ist der Fall. Dadurch, dass diese Schnauzbartträger, Kurzarmhemden und blonde Damen auf hohen Hocken jetzt alle ein iPhone haben, machen sie den Mythos kaputt.

Wie schön war es, wenn man als in Technik- und Design-Dingen überlegener Apple-Nutzer mit MacBook und iPhone über die Heere der Unwissenden mit ihren Lenovo-Ziegelsteinen (inklusive jämmerlicher Funzel-Lampe im Deckel) und Blackberry-Sklaven lächeln konnte, während man selbst mit zwei möglichst fettfreien Fingern souverän das geliebte iPhone oder den iPod Touch streichelte. Vorbei. Das iPhone ist zur x-beliebigen Alltagsware verkommen. Ramsch.

Aber: Es gibt keine Alternative. Man will ja nicht im Ernst einen Blackberry Storm kaufen oder ein HTC Diamond mit notdürftig bemänteltem Windows Mobile Betriebssystem. Als Ausweis eine gewissen Techno-Schrulligkeit könnte man ein altes Nokia vom Dachboden räumen und bewusst mit der Retro-Handgurke die Fußgängerzone abschreiten. Aber das wäre nicht mehr als billige Ersatzbefriedigung. Bleibt nur die Hoffnung, dass Apple ein Einsehen hat und möglichst bald ein neues iPhone auf den Markt bringt, dass die Massen der 08/15-Nutzer wieder in die Flucht schlägt. Am besten irgendwas Wichtiges weglassen und saftig den Preis erhöhen. So wie beim MacBook Air. Dann wird‘s wieder was mit der Tech-Elite.

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Letzte Kommentare

Anzeige: 1 - 26 von 26

29.04.10 14:22

A. N.

Meiner Meinung nach ist jeder der sich ein Iphone kauft nur dumm, weil es vollkommen überteuert ist und die Tarife von T-Mobile dazu ebenso.

19.07.09 14:45

voll trottel

Hohler Autor - so einen Artikel braucht kein Mensch. Zügel lieber dein Ego - solche Statussymbole sind was für Pfeifen... Hoffe du wirst nochmal glücklich.

29.05.09 11:16

Qmuc aus München

ohje, ich glaub ich verhökere mein iPhone 3G 16GB um mir ein "nicht-so-gewöhnliches" Vertu in Platin zu besorgen. OK, die Technik da drin und Menüführung aus den Urzeiten des Mobilfunks kann man noch verschmerzen wenn man weiß, dass es nur 100 Stück weltweit des eigenen Modells existieren... Ich liebe die Dekadenz, LOOOOL

Achtung: Satire - ich würde nie mein iPhone hergeben, es ist mein "mobile extended brain" ;-)

09.05.09 13:28

Mungo Leiche

Ein IPhone zu besitzen, im Café ein Powerbook aufzuklappen oder mit weißen Kopfhörern zu joggen ist wie einen Rover mini fahren.
Hat nicht jeder, ist ein wenig exclusiv, etwas unvernünftig, etwas teuer, technisch modern, nicht bieder wie ein Volkswagen und bringt bei Außenstehenden ein Oho hervor.
Doch wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, bemerkt man schnell: Jeder hat einen Mini, ein Skoda kann genauso exclusiv sein, Technik na ja, Oho gibts schon lange nicht mehr und durch die weite Verbreitung des Wagens setzt man sich nicht mehr von der Golf-Liga ab. Einzig das Wort "unvernünftig" bleibt stehen, denn es ist ein ziemlich teures Auto, das winzig aussieht, aber leider in Wirklichkeit zu groß für die Parklücken der Großstadt ist. Außen zu groß, Innenraum zu klein.
Irgendwann fragt man sich: Warum muss man sich das eigentlich antun?


Eine Stufe weiter als Apple ist die Outdoor-Marke "Jack Wolfskin" ... hier können die Apple-Manager mit ca. zwei Jahren Vorsprung sehen, was mit solchen "Lifestyle-Qualitätsmarken" passiert.

07.05.09 00:01

Stefan Winterbauer

Mannomann. Wenn ich hier so in meinem geliebten Berlin Mitte hocke und an meinem iPhone 3G (16 Gig mit weißer Rückseite natürlich, das alte iPhone hab ich längst bei eBay vertickt) rumdrücke, da muss ich mir schon überlegen, ob ich nicht was falsch mache, wenn ich das hier also so lese. Oh je.

06.05.09 22:35

Ingo Günther

Was Herr Winterbauer hier beschreibt, ist der so genannte Veblen-Effekt, benannt nach dem Ökonomen Thorstein Veblen, der das Modell erstmals in seiner "Theorie der feinen Leute" beschrieben hat. Die angesprochenen "feinen Leute" bewerten demnach ein bestimmtes Gut umso höher, je weniger andere es besitzen - denn nur dann kann man damit protzen und darstellen, wie reich oder auch, wie cool man ist.

Das trifft natürlich auf Mac-User ganz wunderbar zu. Sie sind ja ebenfalls offensichtlich bereit, für ein bestimmtes Gut mehr zu zahlen, nur weil es weniger verbreitet ist und sie damit öffentlichkeitswirksam zeigen können, dass sie weit über der breiten Masse stehen. Es ist ja kein Zufall, dass Mac-User stets die Überlegenheit, den Glanz, die "Sexyness" (blödes Wort) von Mac-Produkten betonen - was implizit bedeutet, dass alle, die keine Macs nutzen, vergleichsweise hohl in der Birne sind.

Dumm nur für die feinen Leute, wenn das passiert, was immer passiert bei solchen Kult-, oder besser gesagt, Snob-Produkten: Wenn der Preis ein wenig sinkt, hat's plötzlich jeder.

Das kann den Mac-Usern im Fall iPhone natürlich nicht recht sein, darum ärgert sich Herr Winterbauer ja auch so, und ich halte das keineswegs für Ironie. Denn je größer die Verbreitung des iPhone, umso geringer fällt der Nutzen aus, der nicht unerheblicherweise eben darin besteht, seinen Besitzer als jemand besonderes auszuzeichnen. Wenn aber, wie Herr Winterbauer so trefflich beobachtet hat, jeder schnauzbärtige Schlipsträger ein Iphone hat, ist der Effekt natürlich kaputt. Der Nutzen sinkt in der Tat mit jedem weiteren Iphone-Besitzer und geht bei einer kritischen Masse, also einer bestimmten Verteilung in der Bevölkerung, schließlich gegen null.

Und daran, ich sag's euch, geht Apple demnächst den Bach runter. Die ruinieren sich, indem sie mehr Geräte verkaufen. Irgendwie lustig.

05.05.09 00:27

pc windows

oh weh, oh weh...
ob das tatsächlich Ironie ist? Da bin ich mir nicht sicher...
Hört sich an wie der typische ich bin ein Berliner Apple User Mittemann...

04.05.09 12:33

H Kiefer

leider ist der artikel zwar als ironie gedacht
aber da liegt genau der fehler
ipods sind auch nur mp3 player und leben hauptsächlich von ihrem design
und kultstatus

und wenn ein ferrari für jeden erzwinglich wäre
wäre es auch kein ferrari mehr

-- ergo
ohne ironie
teures neues iphone am besten jenseits der 1.000 euro grenze und aber ! bitte megafunktionen die die anderen nicht besitzen
das wäre klasse

03.05.09 23:29

Frank Scheiner

Habe gerade den Artikel gelesen - puhh...Muss sagen,Herr Andreas Knopp hat mir mit seinem Kommentar das Wichtigste bereits vorweggenommen. Der Autor versucht mit allem Anschein nach ironisch gemeinter Ironie das üble Rumgeprolle (Tech-Elite - mein Gott...) zu verbergen. Wenn der Artikel nicht ernst zu nehmen ist - wie Dom Dom argumentiert, ist es dann nicht auch vollkommen überflüssig, Webspace für so was unwichtiges wie ein Iphone zu verschwenden? - Think about it...

02.05.09 22:59

Stefan Winterbauer

@Dom Dom Danke!

01.05.09 16:17

Dom Dom

Ich kann einfach überhaupt nicht fassen, dass es tatsächlich Menschen gibt, welche den Artikel nicht verstehen und total ernst nehmen.

Irgendwie traurig...

01.05.09 15:49

Andreas Knopp

Wie wärs damit: Statt iPhone und anderem Technokultklunker zur Abwechslung mal eigenes Hirn tragen. Gibts nirgendwo zu kaufen und kann deshalb auch nicht Massenware werden. Ist aber zugegeben etwas anstrengender in Schuss zu halten. Netzteil reicht nicht. Liegt es vielleicht daran, dass so viele lieber mit iPhone protzen/prollen? (Seltsam, wie ähnlich beides klingt...)

01.05.09 15:09

Philipp Schmid

Bin selber Student und Iphonebesitzer. Warum schließt deiner Meinung nach das eine das andere aus? Selber nicht studiert und nun Studentenhasser? "Breite Masse der Gewöhnlichkeit" trifft auf die Studentenschaft wohl auch eher in Minimalmaß zu. Wenn in der breiten Masse jeder studiert hätte, gäbe es den o.g. oft gesichteten "Vertriebs-Ochsen" wohl nicht. Bissigkeit ist nicht immer das Mittel der Wahl. In diesem Sinne.

30.04.09 17:29

Tim aucheiner

Solage in Deutschland das iPhone exklusiv von T-Mobile vertrieben wird, bleibt es beim besonderen Status. Welcher normale Mensch zeichnet denn freiwillig einen T-Mobile-Vertrag?

30.04.09 14:33

Winfried Hanuschik

Mein lieber Herr Winterbauer,

einfach süß, Ihr Outing.
Dachten Sie wirklich Ihr Telefon macht Sie cooler?
Fühlten Sie sich anderen Menschen wirklich überlegen, weil Ihr Handtelefon anderen Modellen überlegen ist?
Ich habe auch ein iPhone und freu mich jeden Tag dran, weil´s einfach einfach ist und alles kann. Und ich bin heilfroh, daß ich´s endlich in die Hand nehmen kann ohne neidische Blicke auf mich zu ziehen oder von wildfremden Menschen angesprochen zu werden, die´s mal anfassen und mit mir fachsimpeln wollen. Oder tatsächlich meinen, ich hätt´s mir gekauft, weil ich mich für was Besseres halte.

30.04.09 13:55

Derk Sacklowski Website

Ich hoffe nicht alle Apple-Kunden teilen diese Meinung. Da vergieß ich doch glatt eine Träne auf mein gewöhnliches n95.

30.04.09 13:28

EL soNK

Es gibt eine Alternative.

Ein Mobiltelefon kaufen, mit dem man gerade mal telefonieren kann.

Früher war's mal alles witzig, vor 15 Jahren ein PowerBook Duo vielleicht - aber inzwischen sind iPhone & co nur noch Insignien einer neuen digitalen Unterschicht.

30.04.09 13:04

gerald angerer aka lokalreporter Website

handys & iPhones als statussymbole? -> es lebe der antiquierte mensch! #günther anders

30.04.09 12:52

Andreas Gräther

Schlimm ist doch nur, sich über so einen Blödsinn Gedanken zu machen. Da ist jeder Pixel, der für solch einen Artikel verschwendet wird zu schade. Es gibt bestimmt wichtigere Themen, oder?

30.04.09 12:44

Rainer Schuldt Website

Wer ist peinlicher: Der dicke Schnauzbärtige, der mit dem iPhone tatsächlich das ein oder andere reale Telefonat führt, oder die "Shaker und Mover", die das Ding in allen Meetings demonstrativ auf ihren Moleskine oder ihr Time System legen, um zu zeigen, dass auch sie shaken und moven. - Ich befürchte, die Meisten tendieren zum Erstgenannten. In diesem Sinne: Gute Besserung! (Der Artikel ist im Übrigen wirklich gut geschrieben)

30.04.09 09:11

max wieberneit

Im Artikel fehlt eigentlich nur noch ein direkter Zusammenhang zwischen dem iPhone Besitzer und seiner Intelligenz ggü. "Normalos" - Definition über seine Gadgets ist eine neue Form der Armut....

30.04.09 05:46

Peter Turi Website

Unterscheidung durch Handy - wie kindisch ist das denn? Stefan Winterbauer ist ja nur neidisch, weil sein karger Meedia-Etat nicht für ein iPhone reicht. ;-)

Der Artikel ist trotzdem großartig - und großartig daneben. Denn selbst wenn die ganze Welt ein iPhone hätte, es bliebe doch mein Lieblingsgerät. Weil es einfach gut/genial ist.

30.04.09 00:19

Michael Pleitgen Website

Wo lebt ihr denn? Im Zeitalter der Massenproduktion taugt doch dieser ganze Kram zur Differenzierung nicht mehr. Tiefergelegter Opel war schon immer peinlich und für Saab und Volvo gibts nur noch Abwrackprämie.

Mein treo 650 wurde mir neulich in London geklaut. Da war ich natürlich auch traurig.

29.04.09 22:09

Ulrike Langer Website

Sehr schön geschrieben.

Ein Unterscheidungsmerkmal von Mac-Usern und Techies gegenüber Normales gibt es aber doch: Ich habe als very early adopter noch ein iPhone der ersten Generation. Und das hat wirklich nicht jeder bierbäuchige Schnauzbart :-)

29.04.09 22:03

Bullshit Bullshit Website

29.04.09 21:47

Alex Schneider Website

Schöner Text und kann dieser Entwicklung nur zustimmen! Früher wurde über mein iPhone gestaunt, heute findet es jeder normal und ich habe nichts besonders mehr.

Hoffentlich kommt bald das neue und das alte verkaufe ich dann an die Normalos *g*

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Stefan Winterbauer ist Medienjournalist und schreibt für MEEDIA über Print, TV, Internet und den digitalen Wandel.

 

 


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