Es ist nur eine Sekunde. Nicht einmal. Doch die kann den Unterschied machen. Im viel gehypten neuen, eine Minute langen TV-Spot von Vodafone ist es die Sekunde 24: Ein Mann mit einer Irokesen-Frisur sitzt, eingerahmt von zwei anderen Fahrgästen, in einem Bus, hält ein weißes Smartphone gegen das Ohr, offenbar das Android-fähige HTC Magic, und spricht mehr denn er singt, zu den Klängen von David Bowies "Heroes" die vier Worte "We can beat them".
Das war's. Und doch brodelt die Blogo- und Twittersphäre. Warum? Der Mann ist niemand anderer als Deutschlands Vorzeige-Blogger Sascha Lobo, der eigentliche Star der neuen Vodafone-Kampagne "Es ist Deine Zeit". Und Lobo hat gleich seine Buddies mitgebracht: Robert Basic, lange Zeit mit "Basic Thinking" einer der meistgelesen Blogger der Nation, sitzt hinter Lobo – Markus Angermeier alias "Kosmar" direkt davor. Die Bloggerin Ute Hammelmann ("Schnutinger") ist gar mit einer Film-Tochter Sekunden zuvor im Gras zu sehen.
Was bedeutet die neue Vodafone-Kampagne, weltweit mit einem Volumen von über 200 Millionen Euro immerhin die teuerste der Unternehmensgeschichte, nun für das Web 2.0 im Allgemeinen und die Blogosphäre im Besonderen?
"Blogger sind im Mainstream angekommen, der Ausverkauf der Blogosphäre hat begonnen, Vodafone dient sich bei den Digital Natives an, Sascha Lobo kann nicht singen", wirft dagegen das Horizont-Blog "off the record" als mögliche Interpretationsversuche ein.
Thomas Knüwer beobachtet unterdessen kritisch die zahlreichen Kommenare, die bei bei der Übertragung der Konferenz via Facebook einflossen: "Übrigens beeindruckend, wie viele Kommentare hier auflaufen. Und wie wenig die bei der PK Anwesenden davon mitbekommen. Und wie so überhaupt keiner der Redner darauf eingehen. Was beweist: Vodafone hat nicht begriffen, dass es nicht um eine "Generation Upload" sondern eine Generation Kommunikation geht."
"Ich glaube, dass Vodafone hier einen sehr mutigen Schritt gemacht hat", beurteilt Blogwerk-Gründer Peter Hogenkamp die Kampagne erst einmal positiv. Der als "Don Alphonso" bekannte Blogger Rainer Meyer hält voll dagegen: "Vodafone wird kotzen, und das mit besten Gründen. Die beteiligten Blogger werden sich gern wieder anbieten. Und die Medien werden natürlich weiter behaupten, dieser Lobo sei sowas wie das Gesicht des neuen Internets, ein Vorzeigeblogger, und er wird das vermutlich weiter ausnützen", geht Meyer mit seinem Branchenkollegen hart ins Gericht.
Auch die Web-Gemeinde diskutiert aufgeregt über die Rolle des Alpha-Bloggers, dem heimlichen Star der Kampagne. "Man hätte im Zuge der neuen Kampagne #Vodafone auch gleich in #Lobofone umnennen können", findet etwa die Hamburger Twitterin Tina Pickhardt, die Twitter-Lesungen veranstaltet.
Dass sich Sascha Lobo mit seinem Auftritt keinen Gefallen getan hat, finden die User einer ersten Twitter-Umfrage: 49 Prozent der abstimmenden Twitterer sind der Meinung, dass die Vodafone-Werbung dem Ansehen Lobos in der Blogosphäre schadet – nur 18 Prozent sind explizit nicht dieser Meinung. Den viel zitierten Alpha-Blogger lässt die Aufregung bislang völlig kalt. Der vorerst letzte Tweet des 34-Jährigen erschien Minuten vor der Pressekonferenz – mit einem Hinweis auf das eigene Print-Testimonial.
09.07.09 17:52
marc langer
Freunde der Blasmusik,
worüber regt Ihr Euch denn so auf. Dass der gute Sascha auch Geld zum Leben braucht ist doch wohl klar. Auch wenn er nicht so ausschaut, Kapitalismus scheint auch ihm zu gefallen.
Bleibt cool
Natas
09.07.09 17:33
m k
Sascha Lobo - der Oliver Pocher und Franz Beckenbauer in Personalunion aus der Bloggerszene. Man kann ihm nicht mehr entkommen und dabei hat er wirklich nichts Elementares zu sagen. So wie die beiden oben Genannten eben auch.
09.07.09 17:32
Andreas Gräther
Sorry, aber nur ein ganz kleiner teil der "szene" kennt überhaupt die web 2.0 buddies im spot. Web 2.0 ist noch lange nicht in der masse angekommen. Durch die diskussion erhöhen die vorzeige web 2.0er nur ihren mark wert und reduzieren ihre glaubwürdigkeit. Andererseits: Nur durch bloggen kann keiner leben.
08.07.09 22:24
Ben Bohmann
Ich finde ja, Vodafone hat in der Sascha Lobo Angelegenheit das Maximum erreicht. Mal ehrlich, Freudenstürme sind bei Ansprüchen, die bei so großen Kampagnen mitschwingen sowieso nie zu erwarten gewesen.
Was wäre nun, wenn Lobo nicht im Spot gewesen wäre? Keiner würde darüber sprechen. Wie hier geschrieben wird, "brodelt" es aber gehörig im Netz. Manche Lobo Freunde, viele Gegner "rebellieren" über Twitter. (seinen Followerzahlen hat es nebenbei nicht geschadet)
Dazu finde ich, wird sich viel mehr über die Szenen aufgereht in denen Lobo nicht zu sehen ist... also auch wenn weniger euphorisches dabei heraus kommt, provoziert hat Vodafone recht erfolgreich recht viele Leute.
08.07.09 21:31
K. Wegschaffel Web-Site
Ein grandios gescheiterter Versuch der Vodafone-PR-Brigade, sich in die „Social Community“ zu schleimen. Als Vergleich fällt mit altem Agnostiker ausgerechnet die Kirche ein: Wer betet, bloß weil er mal gehört hat, dass das im Jenseits Punkte gibt, darf sich nicht wundern wenns dort dunkel bleibt. Mein Upload an Vodafone: Gebete müssen von Herzen kommen, nicht aus dem Maul.
08.07.09 21:10
heiko hebig Web-Site
Und im Bus hinter Sascha Lobo sitzt von Julia Knolle von www.lesmads.de - aber sie ist in diesem gewählten Screenshot quasi unsichtbar.

Nils Jacobsen
ist Wirtschaftsjournalist und Internetexperte in Hamburg. Der studierte Germanist und Medienwissenschaftler berichtet seit mehr als einem Jahrzehnt über die Entwicklung der Aktienmärkte und Internet-Wirtschaft - u.a als Chefredakteur der Portale clickfish.com, US FINANCE.de und YEALD.de. In dieser Tradition schreibt, analysiert und bloggt Jacobsen für MEEDIA über das Beste der beiden Welten Internet und Wirtschaft.
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12.07.09 21:14
Nico Lumma Web-Site
@Violetta: das Baby ist in der Tat gecastet, denn das Kind von Ute Hamelmann ist noch zu jung für die Kamera. Da gibt es strenge Auflagen, die bei einem Dreh einzuhalten sind.