"Does Google make us stoopid?", fragte das "The Atlantic" im letzten Jahr und brachte dazu eine ausführliche Cover-Geschichte. Kurze Zeit später zog der "Spiegel" mit dieser Headline nach: "Macht das Internet dumm?" Damals fiel die freundliche Titel-Übernahme rasch auf, da die Cover-Gestaltung frappierende Ähnlichkeiten aufwies.
Diese Woche dürfte der "Spiegel" erneut ins Gerede geraten. Denn der Titel "Das verlorene Jahrzehnt" gleicht der "Time"-Idee der Vorwoche ("The decade from hell") doch deutlich. Zwar ist die optische Aufmachung grundverschieden, aber es erscheint wenig plausibel, dass man beim deutschen Nachrichtenmagazin Nr. 1 ganz ohne Blick auf die ernüchternde Analyse der US-Kollegen auf das Titelthema kam.
Erstaunlicher Weise ist es auch so, dass der "Spiegel" trotz einer so epochalen Aussage die Titelstory in der Hausmitteilung, dem Äquivalent des landläufigen Editorials, mit keiner Silbe erwähnt wird – Sprachlosigkeit der Welterklärer in der Chefredaktion. Auch das spricht für einen Verlegenheitstitel oder eine halbherzige Lösung. Man lässt sich offenbar auch beim "Spiegel" gern inspirieren...
08.12.09 03:20
m aternus Website
Der Herr Altrogge hat "fast zwei Jahrzehnte Erfahrung im Print-Business", wie unter seinem Konterfei zu lesen steht? Nun, dann weiß er, daß die Vorlaufzeiten für umfängliche Berichte, Artikel und Reportagen wie die angesprochenen ein wenig länger währen als drei oder fünf Tage und solche Geschichten nicht Knall auf Fall in ein Blatt gehoben werden, bloß weil ein anderes mal ein tolles Cover hatte. Was ist das denn für eine alberne Effekthascherei, die uns hier als raunende Enthüllung verkauft werden soll?
Kindergarten, das.
07.12.09 17:23
Philipp V.
Ich finde die Kritik holprig und spekulativ. Die Recherche und Erstellung einer Spiegel-Titel-Geschichte wird wohl länger dauern als ein paar wenige Tage, die zwischen den Erscheinungsterminen der beiden Magazine lagen.
Zudem liegt die Wahl dieses Themas am Ende einer (solchen) Dekade ziemlich auf der Hand. Da bedarf es keiner großen Inspiration.
07.12.09 15:19
Meinung S. Freiheit
Och - Newsweek- oder Time-Geschichten abkupfern konnten die Spiegel-Jungs auch schon früher. Wenn man sich aber nur bei der (Titel-)Themenwahl von anderen Medien inspirieren läßt, finde ich das nicht automatisch verwerflich. Gewisse Geschichten liegen einfach in der Luft - und irgendwie war ja (fast) alles schon mal da...
07.12.09 09:40
Christoph Seeger
... von der Abkupferung abgsehen fühlt es sich für mich irgendwie unrichtig an, wenn sich der SPIEGEL mir erzählt "was die Welt (...) lernen muss". Ich finde das anmaßend.
07.12.09 09:12
Jens Jenatschke
Ich empfehle die Lektüre des SPIEGEL-Titelstücks. Um Klassen besser als "Time". Und lassen wir uns nicht alle mal irgendwo inspirieren?
08.12.09 09:13
Wolfgang Hertz
Meine Zustimmung für Philipp V. und m aternus. Dieser Blog-Beitrag ist einfach nur peinlich.