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Donnerstag 11. März 2010 15:01

Business Punk polarisiert auch bei Zahlen

In gut einem Monat kommt das neue G+J-Magazin Business Punk erneut auf den Markt und soll ab dann zwei Mal jährlich erscheinen. Keiner der drei One Shots, die das Medienhaus im Oktober 2009 launchte, polarisierte ähnlich wie der Wirtschaftstitel, der teilweise vernichtende Kritiken erntete: zu überdreht, zu schrill, zu sexistisch, lauteten die Vorwürfe. Demgegenüber vermeldete G+J zuletzt eine recht ordentliche Verkaufszahl: 42.000 Exemplare. Grosso-Zahlen von Wettbewerbern zeigen ein anderes Bild.

Verkaufszahlen und -schätzungen werden von allen Medienhäusern ständig auch für Konkurrenzprodukte eingeholt. Da diesen Werten allerdings zumeist Hochrechnungen aufgrund mehr oder weniger großer Stichproben von Verkaufsmeldungen zugrunde liegen, sind dies allerdings nur Näherungswerte, wenngleich sich alle Verlage um möglichst realitätsnahe Schätzungen bemühen.

Bei der Zahl des Grosso-Gesamtverkaufs von Business Punk, die das Erfassungssystem eines Wettbewerbers von Gruner + Jahr ausweist und die MEEDIA vorliegt, hätte das Magazin im Grosso lediglich 14.000 Exemplare verkauft und damit den mit Abstand schlechtesten Wert der drei One Shots erzielt. Hinzuzurechnen sind die Verkäufe im Bahnhofs- und Flughafenbuchhandel. Dort müsste die Zeitschrift dann geradezu sensationell performt haben, wenn die Gesamtzahl, die der Verlag angibt, erreicht werden soll. Erfahrungsgemäß schlägt man rund 10 Prozent des Grosso-Wertes für diese Verkaufsstellen obendrauf. Ein ranghoher Branchen-Insider gegenüber MEEDIA: "Nach allem, was wir wissen, sind die gemeldeten Verkaufszahlen schon erstaunlich."

Auf MEEDIA-Anfrage erklärt Jan Honsel, Verlagsleiter G+J-Wirtschaftsmedien die Verkaufsstatistik wie folgt: "Deutlich mehr als die Hälfte (der 42.000 Exemplare, die Red.) wurde im Zeitschriftenhandel und dort schwerpunktmäßig in großstädtischen Ballungsräumen abgesetzt. Dabei kommt den Verkaufsanteilen in Bahnhofsbuchhandlungen und Flughafenverkaufsstellen eine
überdurchschnittliche Bedeutung zu. Selbst nach dem Auslaufen des Angebotszeitraums erhalten wir aus diesem Vertriebskanal immer wieder neue Anfragen nach Heften. Der verbleibende Auflagen-Anteil entfällt auf Sonderverkäufe an jüngere, themen-affine Entscheider-Zielgruppen in attraktiven Berufsumfeldern sowie auf Online-Direktverkäufe."

Fazit des Verlagsleiters: "Die erste Ausgabe des neuen Business-Lifestyle-Magazins Business Punk hat unsere Erwartungen mit ihrem Verkaufserfolg mehr als erfüllt." Wer angesichts des publizistischen Gegenwinds, der Gruner + Jahr bei Start entgegenschlug, annimmt, dass das Magazin gar nicht scheitern durfte, liegt sicher falsch. Ebenso diejenigen, die sagen, dass der Business Punk den Markt so gar nicht rockt, was schon daran abzulesen sei, dass er lediglich zwei Mal im Jahr kommen soll. Objektiv überprüfbare Zahlen gibt es nicht, da Business Punk nicht IVW-gemeldet ist.

Bei Facebook spekulieren die noch recht raren Anhänger des aufmüpfigen Magazins, wer es im April als neuer Held aufs Cover schaffen wird und den Lesern in Richard Branson-Manier die Zunge rausstrecken darf: Hoch im Kurs der Punk-Fans steht aktuell Modeschöpfer Harald Glööckler.

 

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Dienstag 02. März 2010 14:43

Die riskante PR-Strategie der Bunte-Chefin

Kein Schritt zurück scheint in der Bunte-Affäre die Parole der Stunde im Hause Burda zu sein. Nachdem Vorstand Philipp Welte den Stern-Bericht als "dümmliches Geblöke" eines Wettbewerbers abgekanzelt hat und Verleger Hubert Burda wie sein Erster Journalist schweigen, liegt das mediale Krisenmanagement in Händen von Bunte-Macherin Patricia Riekel. Doch die droht an der heiklen Mission zu scheitern: Die Chefredakteurin scheint gesellschaftliches Interesse mit dem Interesse eines Gesellschaftsblatts zu verwechseln.

Vorweg: Obwohl durch die bundesweite Medienberichterstattung gehörig in der Bredouille, steht Patricia Riekel nicht allein, zumindest nicht im eigenen Haus. Welte hatte sich früh und polternd solidarisiert, die PR-Experten im Umfeld von Hubert Burda schmiedeten eine Verteidigungsstrategie, die Anwaltskanzlei von Chefjurist Robert Schweizer lieferte Rechtsexpertisen. Es ist davon auszugehen, dass wesentliche Passagen im Brief an Renate Künast von Anwälten erarbeitet wurden. Keine Frage, was Patricia Riekel von sich gibt, ist die Linie, auf die sich der Konzern festgelegt hat.

Man fragt sich, warum, und auch: Wie lange kann das Haus diesen Kurs durchhalten, ohne das eigene Image und die Strahlkraft der über mehr als ein Jahrzehnt so erfolgreich wiederbelebten Marke Bunte zu beschädigen? Eine gegen alle – das ist eine Strategie, die in vierlei Hinsicht riskant scheint. Frau Riekel und wohl auch andere bei Burda verkennen, dass auch höchstrichterliche Entscheidungen immer am Einzelfall und dessen speziellen Bedingungen festzumachen sind. So mag es erlaubt sein, das Haus von Joschka Fischer von außen zu zeigen, aber gleichzeitig wäre es ein Rechtsverstoß, wenn durch Foto oder Text erkennbar wird, wie die genaue Adresse lautet.

Jeder erfahrene Blattmacher weiß, wie schmal der Grat zwischen Recht und Unrecht bisweilen sein kann. Wenn Riekel (oder Herr Schweizer) hier argumentiert, dass bei Prominenten alles berichtet werden darf, sofern "dies der Meinungsbildung zu Fragen von allgemeinem Interesse dienen kann", so zeigt schon diese Formulierung, wie gummiartig weich die Vorgabe ist. Was ist denn wirklich von allgemeinem Interesse? Darüber lässt sich streiten, vor Gericht und über Jahre. Gerade die Bunte hat diese Erfahrung oft genug gemacht. Das ist Branchen-Business as usual.

Die aktuelle Bunte-Affäre dagegen hat eine andere Dimension, die die Chefredakteurin nicht sieht oder sehen will. Je lauter sie die Pressefreiheit reklamiert, um so mehr verstrickt sie sich in einer vordergründigen Rechtfertigung in eigener Sache und vermittelt unfreiwillig den Eindruck, der Komplexität des Gegenstands am Ende nicht gewachsen zu sein. Sicher kam die Kanonade aus dem Haus Gruner + Jahr nicht nur für Riekel überraschend, viele bei Burda hatten dies nicht für möglich gehalten. Aber auch wenn sie das Vorgehen "nicht fair", findet, kommt die Chefredakteurin nun nicht umhin, das eigene Verhalten überzeugend zu rechtfertigen.

Offenbar sieht man bei Burda jede Form von Neubewertung als Zeichen der Schwäche. Oder ist man dort tatsächlich der Auffassung, dass eine monatelange Ausspähung des Liebeslebens von Franz Müntefering eine hinsichtlich der gewählten Mittel (und des zu erwartenden Erkenntnisgewinns, dass der Politiker nach dem Tod seiner Ehefrau neu liiert sein könnte) verhältnismäßige und gerechtfertigte Maßnahme war? Man möchte Frau Riekel zurufen: Das ist kein Fall für Bundesgerichte, dies ist eine Sache des Anstands, und hier urteilt die Öffentlichkeit selbst – im Zweifel gegen die Illustrierte, so darf man annehmen.

Bei allem, was sich über die große und traditionsreiche Marke Burdas Positives sagen lässt: Die Bunte ist nicht der Spiegel, nicht der Stern, nicht die Süddeutsche Zeitung und nicht die FAZ und auch nicht der Focus, wenn es um das Renommee investigative Tugenden geht. Die sonst großartige Marke wird überstrapaziert, wenn daran eine Grundsatzdebatte über die Grenzen der journalistischen Recherche entzündet wird. Die Bunte ist zuallererst ein Gesellschaftsmagazin mit unterhaltendem Anspruch; wer glaubt, die Öffentlichkeit nehme sie als eine Zeitschrift der politischen Meinungsbildung wahr, irrt sich gründlich. Aber genau das ist die Grundlage der umfangreichen Replik Riekels auf den Künast-Brief. Für eine nachhaltige Lektion in Sachen Pressefreiheit ist es der falsche Hörsaal, da helfen auch die vielen Aktenzeichen und Anhänge nichts.

Unabhängig von den Entscheidungen der Gerichte hat die Gesellschaft, die ja auch Patricia Riekel selbst immer wieder bemüht, ein feines Gespür dafür, wann jemand den Bogen überspannt. Ob die Bunte-Chefredakteurin derzeit die Richtige ist, diese Strömungen in der öffentlichen Meinungsbildung unverzerrt zu empfangen, scheint fraglich. Schon im Interview mit der Welt am Sonntag gab sie sich in der Außenwirkung wenig glücklich und eine eine Spur zu unbedarft, sagte Sätze wie diesen: "Wenn etwas schief gelaufen ist, dann wussten wir nichts davon." Oder diesen in Anspielung auf angeblich von Agentur-Mitarbeitern geplante illegale Beschattungsmethoden: "Meines Wissens untersagt der Pressekodex weder sündige Gedanken noch aufgeregte Planerei." Wer als Verantwortlicher so redet, macht sich angreifbar, da nützen bisweilen auch exzellente Kontakte in die Spitzenpolitik wenig.

Nun trägt die Bunte-Chefin als Antwort auf die Forderung von Künast, sich von den angewendeten Methoden zu distanzieren, geradezu schulmeisternd vor: "Beziehungen, Partnerschaften, Trennung und Scheidung mögen privat sein, aber zur Intimssphäre ... gehören sie nicht." Schon klar, dass die Bunte – wie viele andere – mit solchem Klatsch Auflage und Gewinne macht. Und natürlich interessiert das alles viele Menschen, die Zeitschriften wie die Bunte eben deswegen lesen.

Brisant wird es aber, wenn sich die Bunte, wie in den Fällen Müntefering oder Lafontaine, eine überaus teure Recherche leistet, weil diese Geschichten bestens zum Beute-Schema des Magazins passen: reifer Mann an der Macht, junge attraktive Frau. Warum aber lesen wir keine Geschichte etwa über den Seitensprung eines schwulen Politikers, die die Bunte-Stammleser irritieren oder verschrecken könnte?

Auch so macht man Politik, ob gewollt oder nicht. Am Mittwoch wird der Stern einen weiteren Bericht in Sachen Bunte und Politiker-Beschattung bringen. Für Patricia Riekel bleibt noch viel zu tun, aber es gibt wohl wenig zu gewinnen.

 

 

 

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Donnerstag 25. Februar 2010 11:44

Burda gegen G+J: die Stunde der Hardliner

Im Streit um die vom Stern losgetretene "Bunte-Affäre" ist derzeit Säbelrasseln angesagt. Die Chefredaktion des Hamburger Nachrichtenmagazins bleibt trotz des Störfeuers aus München bei ihrer redaktionellen Stoßrichtung, Bunte-Macherin Riekel fühlt sich vom Wettbewerber gemobbt, und der Burda-Chefjurist schwingt die Prozesskeule. Wohin steuert der Konflikt? Die Gefahren für die Verlagsszene haben vermittelnde Kräfte auf den Plan gerufen. Doch die scheinen ratlos, noch schlägt die Stunde der Hardliner.

Problem Nummer eins: Die reale Faktenlage ist zu unübersichtlich, um konstruktiv tätig zu werden, und das gilt für beide Seiten. Zwar zeigt der Stern-Artikel recht deutlich, was allem Anschein nach bei der Bespitzelung der Politiker geschah und geplant war. Offen ist hier aber die Frage, ob es sich um das eigenmächtige Verhalten freier Mitarbeiter oder im Umfeld der Agentur zumindest gebilligte Methoden gehandelt hat.

Egal, was der CMK-Geschäftsführer nun öffentlich kundtut: Das Ausspähen der Politiker dementiert er nicht, und wer mit Leuten, die so etwas professionell anbieten, schon mal zu tun hatte weiß auch: Diese Typen sind immer halbseiden und mit ernstzunehmenden Journalisten wohl hinsichtlich des Recherche-Eifers, nicht aber in punkto moralischen Urteilsvermögens vergleichbar. Und allzu oft verschwimmen im Jagdfieber die Maßstäbe. Vergessen wollen wir ja auch nicht, dass der Auftrag an die Fotografen mehr oder weniger lautet, einen Politiker in einer privaten Situation mit der Kamera "abzuschießen", um eine Affäre oder Beziehung zu dokumentieren. Selbst wenn dabei kein Recht verletzt wird, so gelten hier auch andere Gesetze, etwa die des Anstands. Eben dieser Anstand wird nun auch in München ins Feld geführt, wenn auch in anderer Hinsicht: Es gezieme sich nicht, einen direkten Wettbewerber in dieser Weise anzugreifen, heißt es dort. In der Tat ist dies ungewöhnlich und wird abseits der Fakten- und Paragraphen-Bewertung auf beiden Seiten für Diskussionen sorgen.

Problem Nummer zwei: Die justitiable Situation ist verworren. Verleumdung ist ein Tatbestand, der unterstellt, dass die Stern-Redaktion die Berufskollegen von der Bunten bewusst in einen direkten Zusammenhang mit den enthüllten Praktiken der Agenturmitarbeiter gebracht hat. Wer den Artikel genau liest, ist diesbezüglich skeptisch. Noch unberechenbarer wäre eine Schadenersatzklage. Man stelle sich vor, wie in einer öffentlichen Verhandlung vor Gericht Arbeitsweisen bei der Promi-Recherche ausgebreitet würden, wie Verlage gar offenlegen müssten, wie viel  sie an solchen Exklusivgeschichten verdienen. Ist die Klageandrohung etwa nur Wortgeklingel? Man ahnt, dass der juristische Konflikt am Ende keinen Sieger haben könnte.

Problem Nummer drei: Angesichts der weitverbreiteten Praktiken fragt man sich, ob es für den Einsatz eigener wie beauftragter Rechercheure und Beschatter nicht einen Kodex der Premium-Verlage braucht. Gruner + Jahr verlegt die Gala und vermarktet das Klambt-Magazin In. Sind die dort gedruckten Stories und Fotos etwa alle sauber? Hier scheint es eine Grauzone zu geben, in der mehr oder weniger seriöse Agenturen das Privatleben von VIPs für die People-Presse sehr profan ausspähen. Hier muss es Grenzen geben, die zu definieren sind.

Angesichts der Untiefen und Verwicklungen spricht viel dafür, dass der Konflikt entschärft wird, auch um Imageschäden am Magazinjournalismus abzuwenden. Immerhin haben die Verlage Burda und Gruner + Jahr zudem eine ganze Reihe gemeinsamer Anliegen, die nun Gefahr laufen, im Zuge einer aufziehenden Eiszeit  gleich mit "schockgefroren" zu werden. Gibt es diskrete Moderatoren auf beiden Seiten? Auch da sind wir gespannt.

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Mittwoch 24. Februar 2010 15:20

Promi-Klatsch: Der Scheck heiligt die Mittel

Zwischen Watergate und Berlin liegen Welten. Steht das eine für die berühmteste Leistung des investigativen Journalismus, so sind die Motive der Bunten in der Beschattungsaffäre um Politpromis kritisch zu hinterfragen: Schlüssellochgucker, die nur auf Privates aus sind, das sich auflagenträchtig skandalisieren lässt, agieren in einer anderen Liga als Enthüller krimineller Machenschaften. Soweit zum Ethos der Methodik. Dass die Bunte eine Klage gegen den Stern erwägt, zeigt: Burda und G+J droht eine Eiszeit.

Man kann die Archive durchforsten und wird nicht fündig werden: Wer den Versuch unternimmt, in den 17 Jahren der rivalisierenden Koexistenz zwischen Spiegel und Focus einen vergleichbaren Fall von Enthüllungsartikel über die Praktiken des Konkurrenten zu finden, wird leer ausgehen. Viele Branchenbeobachter spekulierten angesichts dieses Umstandes wohl zu Recht über einen Burgfrieden zwischen den langjährigen Chefredakteuren Stefan Aust und Helmut Markwort.

Diese Rücksicht nimmt der Stern nun nicht, und es wäre geradezu ein Treppenwitz, wenn der Auslöser der Recherche für einen sechsseitigen Artikel zu Lasten des Wettbewerbers eine Textpassage in einem Focus-Artikel war, wie jetzt berichtet wird. Wichtiger erscheinen allerdings die Motive, die der Skandalstory zugrunde liegen. Bei Burda, wo viele den Stern-Bericht als äußerst unfreundlichen Akt und geradezu als "Nestbeschmutzung" empfinden, war die Stoßrichtung schnell klar: Der Bericht sei vom Willen getrieben, einen erfolgreichen Wettbewerber zu beschädigen. Diese Version der Dirty Tricks ist schnell gesagt, aber schwer zu belegen. In jedem Fall steht nun der Verdacht einer mutwilligen Rufschädigung im Raum, wobei das juristische Geplänkel dabei fast nebensächlich erscheint. Maßgeblich ist die Frage der Umgangskultur: Was bedeutet der Vorgang im bilateralen Verhältnis der Verlage? Und: Ist dies nur die erste Eskalationsstufe eines öffentlich ausgetragenen Konflikts beider Magazine?

Im Umfeld des Münchener Medienhauses ist man darum bemüht, die Rolle der Bunten in der Observations-Geschichte herunterzuspielen. Es gebe schließlich viele Agenturen, mit denen Magazine zusammenarbeiten, und wenn es tatsächlich bei den Recherchen zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein sollte, habe man davon nichts gewusst, geschweige denn, solche Praktiken in Auftrag gegeben. Mit der Klageankündigung macht die Bunte klar, dass man in München bereit ist, "Hardball" zu spielen.

Das Thema ist komplex: Nicht die Methode ist das eigentliche Problem, sondern der Grund, aus welchem diese angewandt wird. Eine neue Freundin, der vermutete Seitensprung am Zweitwohnsitz, das uneheliche Kind – sind dies wirklich die Verdachtsmomente, für die ein People-Magazin akribische Nachforschungen in Auftrag geben sollte? Dies ist eine Frage, die im Interesse des Journalismus ethisch und nicht nur rechtlich diskutiert werden muss. Auch hier liegen die Standpunkte weit auseinander: Darf ein konservativer Politiker sein angeblich intaktes Familienleben öffentlich zur Schau stellen und gleichzeitig ungestraft in der Hauptstadt ein Doppelleben mit der jungen Geliebten führen? Wie politisch ist das Private hier?

Noch heute ist es allerdings auch ein Standard in der Redakteursausbildung aller Journalistenschulen, den Konflikt im Fall Barschel zu thematisieren: Hätten die Stern-Reporter, die den bereits von allen Ämtern zurückgetretenen Politiker vom Urlaubsort nach Genf verfolgten, um schließlich in sein Hotelzimmer einzudringen und die Leiche zu fotografieren, dies wirklich tun dürfen? Meist wird diese Frage vor allem von Medienpraktikern mit Ja beantwortet, und sie zeigt, wie dünn der Grat bei Einzelfallentscheidungen sein kann. Das Bild vom toten Barschel in der Wanne ging um die Welt und ist längst Zeitdokument. Gilt dies auch für einen Politiker, der in Berlin eine Babykarre schiebt?

Dass sich im Fall Lafontaine zuletzt sogar der Spiegel vorhalten lassen musste, sich ungebührlich in die Privatsphäre des Politikers einzumischen, lehrt zudem, dass diese Debatte prinzipiell jedes Magazin treffen kann. Dass die Geschmacksdiskussion im Fall des Spiegels rasch abebbte, liegt vor allem daran, dass der sonst klagefreudige Lafontaine darauf verzichtete, gegen die Hamburger rechtlich vorzugehen.

Sex sells, je verbotener, umso auflagenträchtiger: Dieser Automatismus im medialen People-Business gilt auch für die Politiker und erzeugt in den dafür zuständigen Ressorts einen hohen Wettbewerbsdruck. Die einschlägigen Blätter, auch die von Gruner + Jahr betreuten wie Gala oder In, sind voll von Fotos, die von deutschen oder internationalen Agenturen stammen, die ähnlich arbeiten wie der Berliner Anbieter CMK. Dennoch macht es einen großen Unterschied, ob Fotorechte zum Zweitdruck erworben werden, oder ob eine Agentur mit einem exklusiven Auftrag betraut wird. Für in diesem Zusammenhang begangene Indiskretionen oder Grenzüberschreitungen haftet – zumindest imagemäßig – der Auftraggeber mit. Der Hinweis, dass man hier mit einem Subunternehmer zusammengearbeitet habe, entlässt ein großes Magazin wie die Bunte nicht aus der Pflicht, auch dessen Vorgehensweise genau zu überprüfen. Der großzügige Scheck heiligt eben nicht die Mittel. Und irgendwie ist es doch ein Unterschied, ob es um Tiger Woods geht oder um Oskar Lafontaine. Gerade in der politischen Umgangskultur werfen die Tabus auf die Berichterstattung einen weiten Schatten.

Wie zu hören ist, hat man bei Burda den CMK-Geschäftsführer nach Bekanntwerden der Stern-Recherche am Wochenende einbestellt und in München gründlich befragt. Seine Versicherung, die angewandten Methoden seien "sauber" gewesen, werden nun zu prüfen sein. Genauso die Frage, ob bei der Bunten die Sorgfaltspflicht bei der Betreuung des externen Dienstleisters eingehalten wurde. Es wäre nicht überraschend, wenn auch hier personelle Konsequenzen gezogen würden: Ganz astrein steht Bunte in der Angelegenheit trotz aller Beteuerungen aus München nicht da. Hier gilt es abzuwarten, wie die Politik auf den Stern-Artikel reagiert.

Das Medienhaus Burda, vor allem auch Patricia Riekel, sind für beste Kontakte zu Regierungskreisen bekannt. Es ist davon auszugehen, dass viel dafür getan wird, eine offene Moral-Debatte in der Hauptstadt über die Methoden der Bunten zu vermeiden. Die Chancen stehen nicht schlecht: Kanzlerin Angela Merkel hatte erst kürzlich Hubert Burda an seinem 70. Geburtstag mit ihrer Anwesenheit beehrt. Zu diesem Anlass war übrigens auch Gruner + Jahr-Vorstandschef Bernd Buchholz aus Hamburg angereist. Es ist davon auszugehen, dass es in nächster Zeit auch zwischen Verleger und Vorstandschef viel zu bereden geben könnte.

 

 

 

 

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Montag 22. Februar 2010 09:30

Eklat um Brender: Wo steht das ZDF?

Nikolaus Brender hat dem Spiegel ein Interview gegeben. Man könnte auch sagen, er hat geradezu rausgehauen, was sich über ein Jahr in ihm aufgestaut hat. Wer ernsthaft glaubte, der ZDF-Chefredakteur würde zum Abschied leise Servus sagen, hat sich getäuscht oder verkalkuliert. Ob Brender mit seinem Stasi-Vergleich gut beraten war, ist zweifelhaft. Die überaus kühle Replik seines langjährigen Förderers Markus Schächter spricht für sich. Doch die entscheidende Frage bleibt: Wo steht das ZDF?

Die Bild-Zeitung, sonst leidenschaftlicher Kämpfer für die Pressefreiheit, titelte am Montag recht einseitig: "Nikolaus Brender beschimpft Kollegen als Stasi-Spitzel". Unterschlagen wird, dass dieser im Interview seinen Sender, die große Mehrzahl der Mitarbeiter und auch Intendant Schächter positiv gewürdigt hatte. Demgegenüber gebe es jedoch einige, die er so beschrieb: "Inoffizielle Mitarbeiter, wirklich vergleichbar mit den IM der DDR, die sich die großen Parteien in einem Sender wie dem ZDF halten."

Wer Nikolaus Brender vor zwei Wochen bei der Verleihung des Deutschen Medienpreises an Kanzlerin Angela Merkel begegnete, traf auf einen tief entspannt wirkenden Menschen, der von einer gut überstandenen Herzoperation erzählte, von Hobbys und Zukunftsplänen. Er wirkte ausgeruht und zufrieden. Nur für das, was ihm als Chefredakteur in den vergangenen Monaten widerfahren war, hatte er eine einzige, unfeine Vokabel.

Dass er, nachdem die Schlacht um seinen Kopf ausschließlich über seinen Kopf hinweg geschlagen worden war, nicht ohne Groll aus dem Amt scheiden würde, ist kaum überraschend. Dass er sich nun nicht still verabschiedet, wie es sich mancher wohl gewünscht hat, ist eben seine Art. Man kann seine Wortwahl kritisieren und vielleicht auch verurteilen, aber man sollte ihm das Recht zugestehen, seine Version seiner ZDF-Geschichte publik zu machen. Wenn Nikolaus Brender sich an den journalistischen Ansprüchen misst, die er anderen abfordert, dann durfte er das Geschehene nicht unkommentiert lassen.

Wer hier eine Stildiskussion vom Zaun brechen will, der soll sich fragen, ob er dies auch getan hat, als Politiker wie Roland Koch in überaus ehrabschneidender Weise über Brender öffentlich hergezogen sind, seinen Führungsstil und die Leistung seiner zehnjährigen Amtszeit in Misskredit gebracht haben. Das ist war rufschädigend, und es wurde schlimmer, indem man dem Chefredakteur nicht einmal eine Redezeit im Verwaltungsrat einräumte.

Um einem Missverständnis vorzubeugen: Es geht hier nicht um die Frage, ob Nikolaus Brender ein guter oder der richtige Chefredakteur aus Sicht des ZDF ist. Dies wurde lange kontrovers diskutiert und ist nun Geschichte. Die über die Ära Brender hinaus maßgebliche Dimension ist die der tatsächlichen Einflussnahme der Parteien, speziell der Union, auf die Fernsehjournalisten. Stimmt es, wie der Chefredakteur sagt, dass Regierungssprecher sich regelmäßig in die Berichterstattung eingemischt haben? Was ist an dieser brisanten Behauptung Brenders dran: "Bevor ich hier anfing, landeten die Telefonproteste von Politikern direkt in der Aktuell-Redaktion. Das habe ich abgestellt."

Wenn ein solches Gezerre tatsächlich Alltag beim Zweiten wäre, so läge hier der tatsächliche Skandal. Denn dies würde bedeuten, dass die Politik den Kernauftrag, den der öffentlich-rechtliche Rundfunk verfassungsmäßig hat, mutwillig torpediert. Dass sie sich quasi als Gebührenbeschaffer die Rolle eines großen Anzeigenkunden anmaßt, der mit einem Kampagnen-Storno droht, wenn die Berichterstattung seinen Interessen zuwider läuft. Das ist nicht die feine Art, es trifft sicher nicht für alle zu, aber es ist im Medienbusiness auch nicht realitätsfern. Sollte sich die Lage beim ZDF tatsächlich so darstellen?

Markus Schächter widerspricht vehement, aber auch bei seinem Dementi sind Zweifel angebracht. Wie nah ist der Intendant dran am redaktionellen Geschehen? War die Art und Weise, wie Koch & Co. mit seinem Chefredakteur Schlitten gefahren sind, nicht auch für ihn ein Warnsignal? Hätte er nicht seinen Posten in die Waagschale werfen müssen, um eine klare Grenze zu ziehen? Hier Licht ins Dunkel zu bringen, kann nur gelingen, wenn sich weitere Führungskräfte äußern und Stellung beziehen. Aber wie wahrscheinlich ist das im öffentlich-rechtlichen Geflecht?

Viel spricht dafür, dass man am Mainzer Lerchenberg den Fall Brender abgehakt hat, ohne die Lehren daraus zu ziehen. So liegt es im Interesse der großen Parteien und, wie jetzt zu vermuten ist, auch in dem des Intendanten. Die Aufgeregtheit über die Wortwahl des am System verbitterten leitenden Angestellten Nikolaus Brender wird sich legen, der machtpolitische Mechanismus beim Sender bleibt – wenn dies das Endergebnis der Brender-Debatte ist, gibt es zwei Verlierer: den Chefredakteur und das ZDF.

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Mittwoch 10. Februar 2010 07:57

No, Grazia: Die Rivalen schweigen im Kartell

Zunächst klang alles ganz easy. Klar bin ich dabei, versicherten eine Reihe von Entscheidern im People- und Frauen-Fach auf unsere Anfrage. Die Idee von MEEDIA war, dass namhafte Experten und Manager von Konkurrenzverlagen das neue Frauenmagazin von Klambt einordnen und dessen Potenzial bewerten. Kommt ja in diesen Zeiten nicht oft vor, dass ein Verlagshaus 15 bis 20 Millionen Euro anfasst, um ein Weekly wie Grazia in den Markt zu drücken. Doch als es soweit war, hagelte es von den Experten Rückzieher.

Man hätte meinen können, dass auf den vormals Umfrage-Willigen ein Fluch lastete. Zwei mussten passen, weil sie ausgerechnet am Donnerstag überstürzt zu einer unvorhergesehenen Geschäftsreise aufbrechen sollten. Ein anderer hatte ein Meeting nach dem anderen und leider keine Zeit: "Ein anderes Mal gern." Wieder andere waren angeblich im Verkehr stecken geblieben und deshalb im Terminplan hoffnungslos zurück. Und einer war trotz Zusage einfach nicht erreichbar. Es schien wie verhext.

Das Ganze wäre auch anders zu lösen gewesen, etwa indem man MEEDIA mitteilt: "Ich habe mir das Heft angesehen und mich entschieden, dass ich das Konzept zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren möchte." Solche Statements gab es nicht. Das Kartell des öffentlichen Ignorierens von Grazia durch die Konkurrenzverlage erklärt ein langjähriger Insider so: "Wenn sich plötzlich alle nicht äußern (wollen), dann ist es ein Indiz dafür, dass Grazia den zementierten Markt der Frauen-Magazine aufmischen kann." Auch Schweigen kann aussagekräftig sein.

Und nun die gute Nachricht. Einer hat dann doch geantwortet, und deshalb verdient seine Meinung eine besondere Aufmerksamkeit. Hier die Antworten von Burda Style Group-Geschäftsführer Henning Ecker auf unsere Fragen:

Was halten Sie von Konzept  und Ausführung der neuen Grazia?
Wenn man das italienische Konzept kennt, ist die deutsche Gazia keine Überraschung, allerdings glaube ich, dass ein wöchentliches Frauenmagazin, das sehr mode- und beautylastig ist, bei den deutschen Leserinnen keinen wirklichen Anklang finden wird. Der People-Teil ist allzu oberflächlich abgehandelt und bringt keine wirklich neuen Geschichten.

Hat der Titel mittelfristig Chancen,  sich bei Leserinnen und Anzeigenkunden zu etablieren?
Mittelfristig hat der Titel nur eine Chance, wenn er sich erkennbar aus dem Segment hervorhebt und seine eigene Linie findet. Dass das schwierig ist, hat man ja auch schon bei Vanity Fair gesehen.

Wird Grazia das Segment  verändern?
Da sich Grazia in keines der Segmente klassisch einordnen lässt, bleibt abzuwarten, wie der Titel sich verändern wird, um erfolgreich zu werden.

 

 

 

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Georg Altrogge ist Chefredakteur von MEEDIA und sammelte in leitenden Funktionen fast zwei Jahrzehnte Erfahrung im Print-Business, unter anderem als Chefredakteur von „Tomorrow“. Hier beschreibt er Außen- und Innenansichten einer Branche im Nahkampf mit den digitalen Medien.


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Die Logik der Bunten ist so neu nicht: In einem gesellschaftskritischen Politbericht zur Hochzeit von [...] Zum Artikel dieses Kommentars
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