Im Deutschen Fernsehen war es um exakt 5:01 Uhr soweit. John McCain war geschlagen und Barack Obama der neue Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. In den Stunden davor lieferten sich fast alle TV-Sender einen Schlagabtausch um die beste Berichterstattung. Das ZDF protzte mit großen Studio und Riesenbildschirm. Die ARD setzte auf Monica Lierhaus und Tom Buhrow und RTL auf seinen Nachrichten-Star Peter Kloeppel. Und sorgten zwischenzeitlich für ein absolutes Zahlen-Wirrwarr. Lesen Sie das Fernseh-Protokoll einer langen Wahl-Nacht.
21.45 Uhr
- Das ZDF macht den Auftakt und schaltet quer durch Amerika zu den Korrespondenten. Claus Kleber moderiert vor dem Weißen Haus. Christian Sievers steht stattdessen in Berlin vor einer riesigen interaktiven Leinwand mit allen US-Bundesstaaten.
- ZDF-Mann Kleber ist für Beitrag unterwegs in Washington. Das Thema: Glauben alle Afroamerikaner an Obama? Die Wirtschaftstudentin Tatjana Baxter antwortet auf die Frage: „Wir setzen zu viel Vertrauen in Obama, weil er schwarz ist. Er ist aber auch nur ein Kandidat der Demokratischen Partei.“
22.19 Uhr
- Die ZDF-Vorabsendung ist fertig. Kleber hat sich oft versprochen, setzt das Mikro zu früh ab und dreht sich gekünstelt gen Weißes Haus. Insgesamt wirkt der Start mit der heißen Nadel produziert.
22.22 Uhr
- Die ARD geht auf Sendung. Tom Buhrow moderiert mit Jörg Schönenborn aus Washington, Klaus Scherer ist in Chicago. Erster Höhepunkt in einem Beitrag über die Konseuenzen der verschiedenen Wahlprogramme für den Haushalt: „Weder schwarz noch weiß spielen eine Rolle. Sondern grün, die Farbe des Geldes.“
- Die ARD bietet die gleichen Zahlenspiele wie das ZDF, nur optisch weniger aufwändig erklärt.
22.53 Uhr
- ZDF: Kerner talkt diesmal aus Berlin und erklärt zum mittlerweile dritten Mal an diesem Abend, dass Florida einer der „Swing States“ ist. Danke, Johannes. Talkgäste sind die Kabarettisten Gayle Tuft und John Doyle und Poliktik-Beraterin Kerstin Plehwe, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit Ilona Christensen aufweißt. Das Studiopublikum schwenkt Obama-Flyer.
- Zeitgleich in der ARD: Sportreporterin Monica Lierhaus interviewt Eric Braeden (deutscher Hollywoodschauspieler, Haudegen, Dandy), der wirkt, als würde er Monica gleich schnappen und in die nächste Bar schleppen wollen.
- Zurück zu Kerner. Der spricht mittlerweile mit Ex-US-Außenminister Henry Kissinger per Live-Schaltung: Seine Antworten sind ohne Aussage. Publikum horcht in Demut. Es folgen Distanzprobleme. Immer wenn Kerner zur Frage ansetzt, legt Kissinger wieder los. Ein Klassiker.
- Im Ersten spricht jetzt Sandra Maischberger an der frischen Luft mit Alt-Korrespondent Gerd Ruge, dem ehemaligen Innenminister Otto Schily, Oscar-Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck und Dr. Cerue Diggs (Germanistikprofessorin). Donnersmarck spitzt die Ohren, hat anscheinend vergessen, dass Ruge etwas undeutlicher spricht.
23.42 Uhr
- Erstes Fazit: Das ZDF spielt Internet-Clips und thematisiert den medialen Wahlkampf, ARD gibt sich sehr viel seriöser.
- Klebers ZDF-Studio sieht aus wie ein Durchgangszimmer in einer Jugendherberge, sehr lieblos. Zitat: „McCain ist der, der von hinten kommt.“ Huiuiui, Herr Kleber.
23.57 Uhr
- Das ZDF protzt mit Riesenbildschirm, auf dem sechs Korrespondenten quer über das Land verteilt sind.
00.07 Uhr
- Im Ersten interviewt Monica Lierhaus Tom Buhrow und Wolfgang Fierek. Was sucht der ehemalige "Bayer auf Rügen" in Washington?
- Im Vergleich zum Berliner ZDF-Studiopalast ist das ARD-Studio winzig
- Carsten Hädler ist als N24-Korrespondent in Phoenix.
00.32 Uhr
- Auch RTL schaltet quer durch die USA. Viele Korrespondenten vermuten, dass Obama gewinnen wird.
01:00 Uhr
- Die ARD präsentiert die ersten Zahlen. Es steht 8:3 für McCain.
01:24 Uhr
- Auf allen Kanälen dreht sich alles um Wirtschaft und Finanzen. Alle stellen dieselbe Frage: Kommt jetzt der Aufschwung?
01.30 Uhr
- Sat.1 startet mit Peter Limbourg in Washington. Im gemeinsamen Studio von N24 und Sat.1 sitzen Melinda Crane und Dieter Kronzucker.
01.55 Uhr
- Neue Zahlen liegen vor. Das ZDF sendet aber lieber ein Portrait über McCain anstatt die Zahlen zu korrigieren
- ARD: Lierhaus talkt, anstatt die Zahlen zu korrigieren
02.00 Uhr
- Während die ARD noch alte Zahlen bringt, aktualisiert das ZDF endlich die Ergebnisse.
02.37 Uhr
- Markus Koch kommentiert jetzt für RTL das Geschehen an der Börse und die Finanzkrise.
02.47 Uhr
Die erste richtige Panne des Abends: Claus Kleber will via Skype ein Interview mit Constanze Kurz vom Chaos Computer Club führen. Leider wird kurz Klebers Accountname angezeigt. Die Folge: Klingeln, Lärm und Geschreibe ohne Ende.
03:00 Uhr
- Die Privaten hängen hinterher. Das ZDF hat wieder am schnellsten die neuen Zahlen.
- Die nächste Kleber-Panne. Der angekündigte Zeit Online-Chefredakteur Wolfang Blau ist nicht zu sehen.
03.27 Uhr
- Entschuldigung für die größeren Pausen. Aber die Kräfte lassen nach. Währenddessen: Obama holt Ohio. Nun sieht das ZDF ihn als Sieger der US-Wahl. Die anderen Sender halten sich noch zurück.
- Sat.1 zeigt einen Amerikaner, der für McCain singt. Das Ohio-Ergebnis scheint nicht zu interessieren. Dabei ist fast alles entschieden.
03.47 Uhr
- ARD: Lierhaus talkt immer noch zu eher privaten Themen. Ihre Dauerfrage: Was mögen Sie an den USA?
03.49 Uhr
- Wirre Zahlenspiele bei allen Sendern: ARD listet Obama mit 200, McCain mit 119 Wahlmännern. Das ZDF gibt Obama 195, McCain 76 und Sat.1 schenkt Obama 199 Wahlmänner, McCain 78.
04.43 Uhr
- Die dpa meldet: Obama gewinnt Virginia. Das kann das ZDF aber noch nicht bestätigen
05.01 Uhr
- Obama gilt nun als Gewinner der Wahl und kommender Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika .