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Dienstag 16. Dezember 2008 07:22

„Offshore Reporting“: der neue US-Spartrend

Wenn man über die Zukunft der Zeitungen spricht, fällt in den USA häufig der Name „PasadenaNow“. Und dann zucken viele Journalisten ängstlich zusammen... 

„PasadenaNow“ ist eine Art Zeitung, die es nur im Web gibt. „Newspaperless“ nennt sie Verleger James Macpherson. Sie wurde 2005 gegründet und ist ein Beispiel dafür, wie in ein paar Jahren vermutlich viele Lokal-Zeitungen aussehen werden. Nämlich „paperless“... 

Macpherson gegenüber der „New York Times“: „Many newspapers are dead men walking. They are going to be replaced by smaller, nimbler, multiple Internet-centric kinds of things such as what I’m pioneering“. 

Aber das Besondere an diesem „Community Newspaper“ im Norden von Los Angeles ist gar nicht so sehr die Tatsache, dass sie nur digital im Internet erscheint. Das Besondere ist, dass deren Journalisten auf der anderen Seite der Erde sitzen – nämlich in Indien.  

Dort zahlt man als Verleger für Schreiber nur 7,50 Dollar für 1000 Worte - und das ist schon ein toller Deal. Früher musste Macpherson zwischen 600-800 Dollar berappen, wohlgemerkt pro Journalist und Woche. Aber diese Zeiten sind vorbei und Macpherson nutzt clever die Tatsache, dass viele Inder nicht nur perfekt Englisch sprechen, sondern auch schreiben. „Offshore Reporting“ nennt er dieses „Outscourcing“. 

Macpherson, 53, war früher in der Textil- und Bekleidungsbranche tätig. Dort hat er erfahren, dass vielen Waren in Vietnam und Indien hergestellt werde. Und hat nicht gezögert, diese Erkenntnis auf die Verlagsbranche umzusetzen. Seine „handful reporters“ hat er über Anzeigen in der indischen Ausgabe der „Craigslist“ gefunden. 

Macpherson: „Whether you’re at a desk in Pasadena or at a desk in Mumbai, you’re still a phone call or e-mail away from the interview“. Kritiker werden einwenden, das sieht seinem PasadenaNow auch an. Die Site würde im Wesentlichen aus umgeschriebenen PR-Meldungen bestehen... 

Was die kleine Geschichte zeigt: im Internet-Zeitalter gibt es für Verlage noch einige bisher kaum angedachte Rationalisierungsmöglichkeiten, auch und gerade im Bereich der Redaktionen. Man sollte also nicht denken, dass die jetzt viel beschworenen Zentralredaktionen das Ende aller Grausamkeiten sein müssen.  

Wenigstens gut, dass Inder kein Deutsch sprechen...  

PS. Mir fällt gerade ein, dass John von der „LA Times“, der mir gestern das Angebot machte, die Zeitung für 1 Dollar im Monat zu abonnieren, vielleicht auch aus einem Callcenter aus Indien angerufen hat. Und das ist vermutlich noch nicht einmal ein Witz...

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Letzte Kommentare

Anzeige: 1 - 3 von 3

16.12.08 15:59

Michael Friedrich

Werden die $ 7,50 für 1000 recherchefreie Worte zu teuer, findet sich auch schon ein Weg, um zu diesem Tarif gleich 1000 Zeilen zu bekommen: Die Inder werden durch Kinderjournalisten in Burkina Faso ersetzt.

Die würde keiner verstehen? Wo ist das Problem - das will auch kein Mensch lesen.

Michael Friedrich





16.12.08 13:55

Sarah Meyer

...Teile vom "Stern" könnte doch mühelos in den Ostblock ausgesourct werden. Dort gibt es doch mit Sicherheit einige deutsch-sprechende Journalisten.

16.12.08 13:14

Thomas Mrazek

"Kritiker werden einwenden, das sieht [man] seinem PasadenaNow auch an. Die Site würde im Wesentlichen aus umgeschriebenen PR-Meldungen bestehen..."

Bitte nicht nur Pünktchen, Pünktchen, Herr Manthey.

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Dirk Manthey
ist Herausgeber von MEEDIA. Er hat früher die Verlagsgruppe Milchstraße ("TV Spielfilm", "MAX", "Fit for Fun") gegründet und lebt heute in Kalifornien.

 

 


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