Weil man sich mit kaum etwas so schön blamieren kann wie mit einem Blick in die Zukunft, hier zehn Prognosen für das Mediengeschäft 2010 – mehr aus dem internationalen als dem nationalen Blickwinkel gesehen. Mit der Gewissheit, dass vieles bestimmt mal wieder ganz anders kommen wird....
1. Paid Content wird viele Enttäuschungen bringen
"Information wants to be free" hieß bisher die Regel im Internet. Das soll sich 2010 bekanntermaßen ändern. Ich fürchte, dieser Plan wird ein ziemlicher Flop. Was für spezialisierte Wirtschaftszeitungen wie "Wall Street Journal" oder "Financial Times" oder auch für ganz starke Marken wie die "New York Times" gerade noch funktionieren dürfte, wird meiner Meinung nach bei der breiten Masse der redaktionellen Angebote grandios scheitern.
Das Thema Paid Content wird für mich viel zu sehr aus der Sicht der Verlagskasse gesehen und zu wenig durch die Augen der Konsumenten. Starke Angebote im Web, wie der "Guardian" in Großbritannien oder auch "Spiegel Online", wären schlecht beraten, wenn sie ihren Erfolg, der sich mittelfristig auch in der Kasse niederschlagen wird, jetzt mit einer PayWall aufs Spiel setzen würden.
Die Lösung für Verleger sollte eher heißen: bessere Websites mit unverwechselbarem Content machen. Solange die Webangebote der Verlage inhaltlich austauschbar sind, werden Pay-Modelle bis auf wenige Ausnahmen nicht funktionieren.
2. Markenartikel werden auf breiter Front ins Internet gehen
Wer von der Werbung lebt, wird froh sein, wenn 2009 zu Ende geht. Die Vorzeichen für 2010 stehen besser, auch wenn die Wirtschaft diesseits und jenseits des Atlantiks noch für manch unangenehme Überraschungen gut sein dürfte. In den USA wird es mit ziemlicher Sicherheit ein deutliches Plus bei den Werbespendings geben. Und auch in Deutschland müsste es nach dem guten 4.Quartal eigentlich wieder bergauf gehen...
Der große Winner wird auch 2010 das Internet sein. "Brand advertisers shift their advertising dollars from offline to online", heißt der Trend in der Madison Avenue in New York. Und das dürfte auch für Deutschland gelten. Die Werbung folgt also den Konsumenten, allerdings mit einigen Jahren Verspätung. Profitieren werden davon vor allem Sites, die ein für Markenartikel geeignetes Umfeld bieten. Premium Content ist also gefragt.
Vor allem Video Ads werden boomen. Zur Zeit schieben die Werbekunden noch ihre TV-Spots ins Internet. Aber das wird sich ändern. Im nächsten Jahr dürfte man vermehrt speziell fürs Web konzipierte Werbespots sehen, die interaktiv sind und sich klicken lassen.
3. Der ganz große Trend heißt Mobiles Internet
In den USA geht man davon aus, dass in wenigen Jahren mehr Leute "mobile" ins Internet gehen als über ein Standgerät. "Ramping Faster than Desktop Internet, the Mobile Internet Will Be Bigger than Most Think" lautet die Zusammenfassung eines aktuellen Reports von Morgan Stanley.
Dieser Trend wird vor allem von US-Companies wie Apple, Google und Amazon vorangetrieben. "Silicon Valley competitve juices show no signs of letting up". Begünstigt wird diese Entwicklung dadurch, dass die Preise für das "Surfen unterwegs" weltweit deutlich sinken, auch in Deutschland. Zu Beginn von 2009 lagen sie noch bei 19,80 Euro im Monat, heute sind sie auf 14,80 Euro gefallen, das hat der Bundesverband der Digitalen Wirtschaft (BVDW) ausgerechnet.
Auch Handywerbung wird immer interessanter werden. Der Vorteil: hier kann man seine Zielgruppen (vor allem Jugendliche) punktgenau erreichen. Das funktioniert aber nur mit Einwilligung des Empfängers, die man sich vorher mit finanziellen Vorteilen erkaufen muss. Die Aussichten dafür sind rosig: In wenigen Jahren soll "mobile advertising" in den USA ein Zehn-Milliarden-Dollar-Markt werden.
4.Das iPhone wird weltweit Smartphone Nr. 1 – trotz Google
Fasten your Seatbelts, 2010 kommt es zur "Mutter aller Kämpfe": Apple vs. Google. Vermutlich schon im Januar wird Google sein eigenes Smartphone "Nexus One" anbieten, das eine Reihe von neuartigen Features bringt und der einzig ernsthafte Konkurrent für Apples iPhone werden dürfte.
Das iPhone hat in den USA mittlerweile einen Anteil von über 30 Prozent am Markt der Smartphones, nur der Blackberry liegt mit 40 Prozent noch besser. Aber alles spricht dafür, daß Apple im nächsten Jahr die Nr. 1 wird. Vor allem die vielen Apps geben dem iPhone einen enormen Wettbewerbsvorteil. Wenn Apple 2010 dann in den USA seinen Exklusivvertrag mit AT&T kündigt und zusätzlich über Verizon vertreibt, wie man es ähnlich bereits in Frankreich und England gemacht hat, dann wartet allein in den Staaten ein neuer Markt von 85 Mio. Kunden auf das iPhone.
Der Verlierer im Kampf dieser Giganten steht heute schon fest: es ist Nokia, mit 37 Prozent Marktanteil noch der führende Handy-Hersteller der Welt. Aber die Betonung liegt auf "noch". Gegen Apple & Google dürfte Nokia chancenlos sein. In den USA heißen die Nokia-Handies inzwischen "Dumb-Phones". Und die Nokia-Flagship Stores in New York und Chicago werden gerade geschlossen...
5. Das Print-Sterben wird auch 2010 weitergehen
Wenn man in den USA eine Zeitschrift in die Hand nimmt, überkommt einem das Mitleid. Die Wochenblätter "Time" oder "Newsweek" haben in der Regel nur noch 60 bis 70 Seiten Umfang. In diesem Jahr wurden rund 400 Zeitschriften eingestellt, darunter einige Titel, die offiziell zuletzt noch immer um die eine Mio. Exemplare verkauft (oder muss man sagen: verschenkt) haben.
Kein Deut besser sieht es bei Tageszeitungen aus. Von der "New York Times" hört man eine "bad News" nach der anderen, die "Los Angeles Times" ist so gut wie tot, viele große Städte in den USA haben inzwischen keine eigene Zeitung mehr. 15.000 Leute, schätzt die "Huffington Post" haben 2009 ihren Job in der Zeitungs-Industrie verloren. Die Printbranche wird mal "dead man walking", mal "dead tree industrie" genannt. Aber immer ist das Wort "dead" enthalten.
Dagegen ist Deutschland (noch) ein Print-Paradies, auch wenn die Branche stöhnt und spart. Bei "Stern" und "Spiegel" dürfte der Gewinn um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen sein, aber die Blätter schreiben immerhin noch schwarze Zahlen. Bei der Mehrheit der Zeitschriften weltweit dürfte das nicht mehr allzu lange der Fall sein.
Gibt es einen Grund, warum das Printsterben 2010 aufhören sollte? Ich wüsste leider keinen...
6.Verlage konzentrieren sich auf Internet-Only-Produkte
Was 2010 der Klambt Verlag mit "Look" wagt, dürfte weltweit eine der großen Ausnahmen sein. Neustarts mit einem Investitionsvolumen über zehn Mio. Euro gibt es im Print praktisch nicht mehr. Die Erfolgschancen sind einfach zu gering.
Die neuen Abenteuer der Verlage werden digital stattfinden. Ein Stichwort heißt da "Internet Only"-Produkte, also Websites, die ähnlich aufgebaut sind wie eine Zeitschrift oder eine Zeitung. Besonders erfolgsversprechend erscheinen dabei Kooperationen mit großen Portalen. Etwa so, wie es Springer mit United Internet bei Top.de vormacht.
Und auch dann gilt, das Konzept muß stimmen: Me-too ist chancenlos. Neue Produkte müssen eine echte Marktlücke füllen und den Konsumenten überzeugen. Eine Marke im endlosen Word Wide Web aufzubauen ist verdammt schwer. Die Idee zählt, nicht die Marktmacht. Das sind gute Zeiten für Kreative...
7. Digitale Lesegeräte schaffen 2010 den Durchbruch
In den USA tobt ein Kampf der digitalen Lesegeräte. Den Kindle gibt es inzwischen in der zweiten Generation, Sony und die Buchhandelskette Barnes & Noble haben Konkurrenzprodukte herausgebracht. Aber was man dabei schnell übersieht: Die effektiven Absatzzahlen dieser Geräte sind noch gering, ihre Preisen von 199 bis 489 Dollar zu teuer. Hinzu kommt, dass die Lesegeräte noch technische Macken haben. Massenprodukte sehen eigentlich anders aus.
Aber das kann sich ändern, wenn im April Apple nach vier Jahren Entwicklungszeit mit seinem Tablet PC herauskommt. Speziell für dieses Gerät haben die US-Verlage Condé Nast, Hearst, Meredith, News Corp. und Time Inc ein gemeinsames Unternehmen gegründet, das eine Art digitalen Kiosk betreiben soll. Wie der Tablet PC funktioniert und die Zeitschrift der Zukunft aussehen soll, kann man hier sehen.
Auf den Tablet PC werden Kindle & Co reagieren müssen. Die Preise werden fallen, die Technik dürfte besser werden. Und ein farbiger Bildschirm wäre auch nicht schlecht 2010 könnte das Jahr der digitalen Lesegeräte werden...
8. Der Widerstand gegen Google dürfte stärker werden
Während die großen Medienkonzerne von Jahr zu Jahr schlechtere Ergebnisse machen und immer häufiger mit roten Zahlen kämpfen, fährt Google ein Traumergebnis nach dem anderen ein. Allein in einem Quartal macht der "größte Datensammler der Menschheit" mal eben schnell 1,5 Milliarden Dollar Gewinn und kommt dabei auf eine Umsatzrendite von über 25 Prozent!
Aber das reicht Google anscheinend nicht. Der Konzern wird immer expansiver, immer aggressiver. In atemberaubender Geschwindigkeit bringt Google eine Innovation nach der anderen. Jüngste Beispiele sind das Google-Phone "Nexus One", oder die Handysoftware Google Goggles. Google ist in den vergangenen Monaten eine echte Innovationsmaschine geworden. Der Konsument hechelt hinterher und man fragt sich: Warum plötzlich dieses Tempo?
Ganze Industrien werden mittlerweile "ge-googelt" und an den Rand des Ruins gedrückt. Dabei lautet das Motto des Konzerns mit dem harmlosen Logo in Legostein-Farben eigentlich doch "Dont’t be evil". Wenn Google nicht irgendwann einen Gang zurück schaltet, wird der Ruf nach Zerschlagung und Regulierung größer werden. So kann es eigentlich nicht weitergehen...
9. Echtzeitsuche wird keine große Rolle spielen
"What is happening right now?" Nachdem Microsofts neue Suchmaschine Bing vor einigen Monaten begann, Twitter in Echtzeit zu durchsuchen, ist nun auch beim englischsprachigen Google das Durchsuchen von Real Time Information möglich. In Deutschland wird dieser Service im ersten Quartal 2010 eingeführt.
Zu einem Suchbegriff kann sich der User dann die "Latest results" angezeigt lassen. Das sieht dann so aus. Für diesen neuen Service hat Google nicht nur eine Vereinbarung mit Twitter geschlossen, sondern auch mit Facebook und MySpace. Google sagt, dass man am Tag über eine Milliarde Echtzeit-Dokumente durchsuchen werde.
Ich glaube, die breite Masse wird diesen Service nicht annehmen. Wer bitte kann und will diese Informationsmengen verarbeiten? Eigentlich müsste der Weg genau andersrum sein: Die Suchmaschinen sollten nicht mehr, sondern bessere Informationen liefern. Das wäre doch mal eine Innovation.
10. Noch ein Winner für 2010: Foursquare
Noch nie etwas von Foursquare gehört? Vieles spricht dafür, dass sich das 2010 ändern wird. Manche meinen sogar davon, dieses neue ortsbasierte Network wäre "the next big thing".
Foursquare arbeitet nach dem Motto: "Check in, Find your Friends, Unlock your city". Hier können Mitglieder unterwegs Freunde entdecken oder gute Adressen austauschen. Es sei das neue Twitter für die iPhone Generation, meint Kollege Nils Jacobsen. Und er muss es wissen.
Das sind also die neuen Zeiten: Jugendliche lesen weder Zeitschrift noch Zeitung, kaufen auch kaum noch Bücher oder sehen TV, weil sie dafür einfach keine Zeit haben. Dafür bearbeiten sie stundenlang ihr Facebook-Account, simsen, twittern oder sind bei Foursquare – und denken im Traum nicht daran, für Musik- oder Verlagsprodukte etwas zu zahlen.
Welcome to the new World!
20.01.10 01:44
Cone Tanriverdio Website
Ein gut gelungenes Artikel Herr Manthey!
Also die Sache mit der Echtzeitsuche interessiert mich am meisten! Was würde das für Internetagenturen (SEO-Agenturen) bedeuten, wenn Google sein "organisches Index" (obwohl man es so nicht mehr Bezeichnen kann, weil Wikipedia und Co. aus welchem Grund auch immer mit jedem Artikel unter der Top 5 gelistet werden) gegen Echtzeitsuche tauscht oder es zumindest ergänzt. Ich denke dass Nachrichten-Portale und Social Media Kanäle - also Websites, die sehr aktuell sind und kontinuierlich neue Inhalte anbieten, davon profitieren werden. Heute schon kann man es sehr schön betrachten, wie aktuelle Inhalte (Videos, Nachrichten oder Produkte) von großen Portalen in unterschiedlichen Intervallen im Index auftauchen und kurzer Zeit später wieder verschwinden.
Na dann lassen wir uns mal überraschen.
23.12.09 08:07
Roman Zenner Website
Gut gelungene Auflistung, bin lediglich skeptisch was die iPhone- und Realtime-Prognose angeht.
22.12.09 12:00
F. B.
Nachtrag:
Für mich wird 2010 auch der schleichende Tod des klassischen Pay-TVs. Pay TV per Internetstream ist einfach gerechter, günstiger, praktischer und flexibler. Die derzeitigen Probleme von Sky Deutschland sprechen für sich. Es fehlt in der Breite und in der Spitze einfach an guten legalen Stream Angeboten wie hulu.com oder myspass.de . Ausserdem hat Fussball im Internet ein Riesen Potential und das klassische Pay TV , bei dem man einen Fernseher, einen Kabelreceiver und einen Pay TV Receiver braucht, ist für viele potentielle Zielgruppen wie Alleinstehende, Singles und Studenten vollkommen unpraktisch und viel zu teuer.
Pay TV lohnt sich nur für Großfamilien, Fussballjunkies und Kneipen, oder für besondere HD Angebote, die es bei anderen Sendern noch nicht gibt. Angebote mit einfachen Bezahlmöglichkeiten bei der man einen fairen Pauschalpreis für ein Spiel, einen Spieltag oder eine Konferenzschaltung für Bundesliga oder CL mit guter Streamqualität zahlen kann (z.b. 5€ bis 10 €) gibt es einfach nicht.
22.12.09 10:37
Harry Völker
Korrekte Analyse.
Kein Mensch wird paid content privat abonnieren, solange es nicht extrem billig ist. In Anbetracht der Tatsache, daß dieselben Verantwortlichen schon mit pay-TV bitter gescheitert sind, weil sie sich etwas vorgemacht haben, fragt man sich, was dieses Vorhaben soll. Kein Mensch wird für Inhalte bezahlen, die er vorher umsonst bekommen hat, und die er sich in Zukunft umsonst beschaffen, oder ggf. auf sie verzichten kann.
Und verzichten können wird man wohl auf 99% des contents, der in Zukunft gegen Geld angeboten wird, da diese Informationen vollkommen austauschbar sind.
22.12.09 09:29
Joern Brien Website
Vielen Dank für die interessante Vorschau, mal sehen, welche Punkte ihr Prognosen sich in einem Jahr erfüllt haben und über welche Sie/wir dann lächeln oder gar den Kopf schütteln.
In punkto Paid Content und Printsterben gebe ich Ihnen Recht. Die Kritik auf die Ankündigung von Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost, Bezahlinhalte anzubieten, spricht Bände. Obwohl es vielleicht durch die Beschränkung auf regionale/lokale Inhalte doch funktionieren könnte.
Dass digitale Lesegeräte schon im kommenden Jahr den Durchbruch schaffen, glaube ich persönlich nicht. So schnell werden die Geräte-Preise nicht sinken. Und so lange etwa Amazon für seinen Kindle nicht auch deutsche E-Books anbieten kann bzw. die deutschen Verlage die E-Book-Preise drastisch senken, sehe ich da keine Chance für den Massenmarkt - aber hier wie überall gilt, wer weiß. Lassen wir uns überraschen!
22.12.09 02:18
F. B.
Zu meinen Einschätzungen:
1.Paid Content wird tatsächlich nicht funktionieren.Im Internet Zeitalter gibt es keine Informationsmonopole mehr, und jede für mich relevante Nachricht wird mich schon irgendwie erreichen, entweder über news Portale, oder über soziale netzwerke (twitter, facebook, e-mail). Funktioniert nur für bestimmte Angebote mit exclusiven Inhalten: z.b. Stiftung Warentest, oder Portalen für spezifische Branchen
2. kann ich wenig zu sagen, aber ich kann nur sagen, dass Rezensionsplattformen und objektive Testartikel immer wichtiger werden, und Werbung langfristig an Bedeutung verliert, insbesondere bei Elektronikartikeln,Finanzprodukte,Reisen etc. Für Dinge des täglichen Bedarfs (Lebensmittel, Drogerieartikel, Mode) ist Werbung weiterhin wirkungsvoll.
3. Mobiles Internet: wird ein Riesentrend, und immer mehr Leute haben Smartphones, auch Leute, die sich kein iphone bisher leisten konnten, werden dann vielleicht ein Android haben. Da ist sehr viel Bewegung momentan.Es gibt unzählige neue Betriebssysteme (iPhone, Android, Win mobile, Maeno, Symbian, Palme Web OS, Bada).Nächstes Jahr kommt dann auch LTE als UMTS Nachfolger und dann werden auch Videos auf dem Handy total selbstverständlich.
4.iPhone verliert leicht, da Android besser ist, da Open Source, die Telephone billiger, die Hardwarebandbreite größer, indvidueller konfigurierbar, und es immer mehr Android Apps gibt. Ausserdem will Google das VOIP Telefonieren über sein Smartphone einführen, und dann braucht man nur noch eine Datenflatrate.
5.Print stirbt aus, v.a. Tageszeitungen
Wochenblätter (Spiegel, Die Zeit)können sich sogar vielleicht leicht verbessern oder stabilisieren, da sie durch ihre Papierform und Ihren Wochenrythmus und die Länge Ihrer Artikel dem Leser ein bewusst entschleunigtes Lesen anbieten als Gegensatz zum Tabbed Browsing und elektronischen Gerät.
6. kann gut sein, Verlage müssen Alternativangebote erarbeiten zum Rückgang Ihrer Printauflagen. Vielen Verlagen fehlt aber immer noch eine gekoppelte Online-Offline Strategie bei der sie beide Angebote aufeinander abstimmen.
7. schaffen nicht den Durchbruch, da 1. zu teuer 2. keine einheitlichen Dateistandards 3.Rechtslage unklar, wem dann das gekaufte Buch gehört (siehe Amazon Löschung eines Buchtitels)4. viele Leute das haptische Gefühl eines Buches weiterhin mehr schätzen als ein Lesegerät
8. Google bleibt weiterhin so bedeutend , da es trotz seiner Größe die weiterhin innovativste Marke im Internet ist, und sein Geschäftsmodell seine Produkte kostenlos anzubieten und indirekt durch Werbung zu verdienen bisher am konsequentesten umgesetzt hat. Ausserdem sind die Dienste sehr einfach zu bedienen: 1 Google Account ermöglicht Zugang zu allen Diensten -> keine Verzettelung, viele Dienste wie Android, Chromium OS, Google Wave kommen erst richtig raus.
9.Echtzeitsuche wird nicht so wichtig wie prognostiziert, erst bei Naturkatastrophen, dem Tod bekannter Persönlichkeiten, oder bei Großereignissen wird es so richtig in den Blickpunkt kommen
10.Foursquare wird vielleicht eine der wichtigsten Anwendungen des mobilen Internets und geobasierter Dienste sein, aber leider nur eine von vielen Anwendungen neben Augmented Reality (Layar, Wikitude) und bisher noch unbekannten. Bei jeder Anwendung bei der wir Menschen noch mehr über uns preisgeben (aktuelle geogr. Position) wird es eine wachsende Kluft von Menschen geben, die sich aus Datenschutz- und privaten gründen gegen den Einsatz eines solchen Dienstes entscheiden. Deshalb ist das Wachstum sehr begrenzt.
21.12.09 23:13
Stefan Baumgartner
- Punkte 1-4: leider nichts neues
- Punkt 5: Vgl. mit dem US-Vertriebsmarkt passt ja wohl wirklich nicht als Argumentation für Europa und insb. Deutschland
- Punkt 6: wirklich???
- Punkte 7-9: leider nichts neues
- Punkt 10: gibts schon ähnliche Angebote seit 2 Jahren
21.12.09 22:18
Kay Broegger
Ausgezeichnete Vorschau,stimme in allen Punkten zu!
21.12.09 21:25
klaus hartwig
Liest sich alles sehr einleuchtend und kompetent. Ein Fragezeichen gibt es für mich nur bei Nr. 9 "Echtzeitsuche". Das sehe ich anders. Aber alle anderen Prognosen dürften eintreten.
21.12.09 14:32
Karin Walte
Sehr informativ.
21.12.09 12:51
frank krings
sehr gute, nachvollziehbare vorschau. muss aber ebenfalls bzgl. der echtzeitsuche widersprechen. wer sich regelmäßig in social media netzwerken infortmiert, wird diese suchfunktion als relevant empfinden. und eine einschätzung zum thema formspring hätte mich auch noch interessiert. ansonsten aber : sehr informativ!
21.12.09 12:18
Jan Schmidt
Was?
Also 1 und 2 sind vor 4 Jahren eingetreten. Wozu dieser Blogeintrag?
3 ist spätestens seit 01/2009 eingetreten, wer ist denn mobil noch offline? CatropRauxel vllt.
4 ist absurd, albern...ja, werberglaube der in krassem widerspruch zur AppsEntwicklung steht (siehe JvM Bleigiessen)
..danach habb ich wegen dem pseudoprophetentum schon gar nicht mehr weitergelesen. diese erkenntnisse wird mein Vater zu weihnachten als große weisheiten verkünden.
Interessant wäre, ob 2010 Layar eine googleähnliche Wichtigkeit beim augmentedrealitysearch haben wird.
Oder ob es noch telefongebühren geben wird, wenn man mit Android grundsätzlich via Internet miteinander telefoniert und wie Apple das ausgleichen will bei den miesen Verträgen mit AT&T.
21.12.09 12:04
Jan S.
Hallo und guten Tag,
vielen Dank für die Zusammenfassung aktueller Medienthemen. Ich teile jedoch nicht alle Thesen und würde mich auch auf die ein oder andere Wette einlassen.
1. Paid Content - Entäuschungen ja, aber eine zielgruppenorientierte Informationsaufbereitung werden sich bald auch viele Nutzer etwas kosten lassen, da die Flut an Informationen besser kanalisiert werden muss um (noch) effizienter arbeiten zu können.
2. Markenartikler + Internet= Ja!!
Wobei ich glaube, dass es eine gesunde Koexistenz verschiedener Medien für die Markenartikler geben muss, da sich die Kunden ansonsten einer medialer (Internet-)überforderung gegenüber stehen sehen.
3. Mobiles Internet wird Informationsträger Nr. 1
Jetzt gilt es nur noch den richtigen Mix an Informationsaufbereitung zu finden. (Werde alsbald meine lokale Tageszeitung abbestellen und sehen selbst die ehemalige Institution Tagesschau nur noch sehr selten, da diese Informationen durch das iPhone leider schon beim Anschauen veraltet sind.
4. iPhone ist und bleibt das Non Plus Ultra!!
5. Printsterben geht weiter
Schwieriges Thema! Da ich selber im Printbereich tätig bin und wir trotz großer Abhängigkeit von der Werbeindustrie im Krisenjahr unseren Plan übertroffen haben, glaube ich auch, dass mit Kreativität im Printbereich Zusatzgeschäfte zu generieren sind.
6. Internet - Only
Das wird ein großer Fehler sein! Ich glaube es wird auch den Internetnutzer eine Sättigung erreichen...quasi ein Burn-Out-Bildschirm Syndrom!
7. Digitale Lesegeräte
Warum sollte das passieren? Ich habe mein Handy und lese dort schon genug Texte. Hinzu kommt eine tägliche Arbeit am lokalen Rechner. Warum sollten wir uns abends mit einem weiteren elektronischen Gerät bei Rotwein vor das Kaminfeuer setzen? Mal abgesehen von dem fehlenden Geruch eines gedruckten Buches! Es wird genauso ein Nischenmarkt bleiben, wie das Hörbuch und oder der Digitaldruck zum Offsetdruck.
Darauf wette ich....
8. Google Widerstand
Beängstigend in was für einem Tempo Google seine Macht ausbaut. Der Widerstand bleibt bisweilen aus...Bill Gates/Microsoft dürfte dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten, da er die Sündenbockrolle los wäre...aber auch ich kann mich gegen kostenlose und gut gemachte Emailaccounts schlecht wehren.
9. Echtzeitsuche
Nimmt eine immer größere Bedeutung an, da bei informationsträchtigen (Boulevard)Geschehnissen (Bsp. Absturz des Flugzeugs in den Hudson River) die Ungeduld der Newsjunkies von den Standardnews-Seiten nicht mehr befriedigt werden kann. Alles bitte immer schneller und Hauptsache ich weiß als Erster etwas Neues
10. Foursquare
Für mich das einzig Neue. Da kann ich aber noch nichts zu sagen, da ich es noch nicht getestet habe.
Wünsche allen ein gesegnetes, ein bischen medienfreies Weihnachten und ein gesundes Jahr 2010.
Achja: feedback gerne auf allesinbutter@gmail.com
21.12.09 11:59
Marcus Bösch Website
Nach einigen Wochen der intensiven Nutzung von Foursquare glaube ich nicht mehr an den riesigen Erfolg. Der Dienst ist zweifelsohne sehr reizvoll und macht am Anfang sogar fast abhängig. Das liegt an der vollkommen neuen Qualität der Informationen und des Umgangs mit location awareness, die es so schick, so schnell und unkompliziert noch nie gab (Sorry aka-aki).
Trotzdem kann Foursquare nur eine Zwischenstufe der Entwicklung im Bereich Location-based-Services sein. Warum? Es fehlt noch zuviel. Ich kann nicht mit Bekannten interagieren. Ich kann keine Videos, Fotos, Audios von egal welchem Ort absetzen und diesen so "personalisieren" und der Anreiz im Sankt Oberholz umsonst Kaffee zu kriegen ist erstens zu klein und zweitens recht schnell erschöpft. Möglich sein müsste das Hinterlegen von eigenen Badges, Aufgaben, Goodies an verschiedenen Orten der Stadt. Vielleicht mit Qr-Code-Stickern?! Keine Ahnung.
In genau einem Jahr wissen wir mehr. Das kein Weg mehr an Location-based-Services vorbei führt, das dürfte allerdings als gesichert gelten.
21.12.09 11:12
Ulrike Langer Website
Gute Überlegungen, ich glaube davon wird vieles zutreffen. Mit Ihrer Skepsis gegenüber dem Trend Echtzeitsuche (Nr. 9) stimme ich allerdings nicht überein. Die gleichen Gegenargumente gab es bereits um die Jahrtausendwende als Google die Websuche revolutionierte. Wer braucht schon 1 Million Suchergebnisse, hieß es damals. Die Antwort lautete damals wie sie auch heute beim Echtzeitweb lautet: Niemand. Aber wenn der Echtzeit-Algoritmus 1 Million Seiten durchsucht und es schafft, die relevantesten Seiten in den ersten zehn Ergebnissen anzuzeigen, dann wird das die Suche in der Tat revolutionieren. Auch Nutzer, die heute vom Echtzeitweb noch nie gehört haben, werden dann ganz selbstverständlich erwarten, dass Suchergebnisse in Echtzeit angezeigt werden.
zu Punkt 4) Nokia = "dumbphone" ? :-)
21.12.09 10:52
Thomas Tolp
Exzellente Vorschau, wobei ich wetten möchte, daß Sie mit der Echtzeit-Suche verkehrt liegen. Man muß sich ja nur den Erfolg von Twitter ansehen.
11.02.10 11:55
Sandro Mattioli Website
Sie schreiben, sie wüssten keinen Grund, warum das Zeitungs-Sterben in diesem Jahr enden sollte. Ehrlich gesagt, ich weiß auch keinen Grund, hoffe aber, dass sich der folgende Gedanke in der Diskussion zu diesem Thema endlich einmal breit macht.
Bisher wird meist von einem gleichwertigen Lesen ausgegangen bei der Print-Online-Diskussion. Aber seien wir doch mal ehrlich: Wenn man vergleicht, was man liest, wenn man eine Tageszeitung wie die Süddeutsche abonniert hat, unterscheidet sich doch sehr stark von dem, was man online aufnimmt. Zum einen natürlich deshalb, weil viele Medien - wie auch die Süddeutsche - ihre Online-Seite nicht als Klon des Print-Produkts sehen, sondern als eigenständiges Produkt. Aber selbst wenn dem so wäre, würde ich mir wünschen, dass der Aspekt der Darreichungsform stärker berücksichtigt wird, denn er ist für mich von zentraler Bedeutung. Ich habe das schon im Eigenversuch getestet: Print bietet einfach ein sehr viel höheres Informationsangebot in kürzerer Zeit. Von der kleinen Polizeimeldung bis zum großen Aufmacher-Text kann ich alles in wenigen Sekunden scannen.Die Auswahl ist größer, die Lesefreundlichkeit höher. Und die Werbung weniger nervig und leichter zu ignorieren.
Natürlich gibt es Internet-Cracks, die immer genau wissen, in welchen Blogs topaktuelle Neuigkeiten zu holen sind, welche Blogger gerade meinungsprägend sind und wo man die am besten aufbereiteten Informationen aus Timbuktu oder so bekommt. Das ist schön, und dagegen spricht auch gar nichts, aber ich glaube, dass der Durchschnittskonsument anders ist. Und indem man ihnen einredet, dass Print tot ist oder bald sein wird, zieht man ein immer noch konkurrenzfähiges Produkt in den Abgrund.
Vielleicht wäre die Diskussion schon sehr viel ehrlicher, wenn man trennen würde zwischen Werbeerlösen, die sich gewinnen lassen, auf der einen Seite und Nutzernutzen auf der anderen. Man käme vielleicht zu dem Ergebnis, dass Print nur halbtot ist. Und das wäre ein Fortschritt. Und wer weiß, wenn man die vorherrschenden Printapokalyptiker bremsen würde, vielleicht würden dann auch die Werbeetats peu a peu wieder umgeschichtet. Und vielleicht müsste man auch einmal betrachten, dass das eigentliche Problem eventuell gar nicht darin besteht, dass die Leute vom Print ins Internet wechseln, sondern dass sie schlicht und einfach das Interesse am Zeitungslesen verlieren. Die Online-Angebote geben da eine gute Entschuldigung ab: "Ich kann ja alles online lesen".
Nein, das kann man nicht.