90% aller neuen Medien-Projekte scheitern. Murdochs iPad-Zeitung "The Daily", die in den USA gestern gestartet ist, dürfte es nicht besser ergehen. Optisch ist sie ein grandioses Multimedia-Erlebnis. Es gibt tolle 360 Grad Fotos, interaktive Infographiken und schöne Videos. Das macht viel Spaß. Inhaltlich ist die "Zeitung der Zukunft" aber leider schwach, inaktuell und oberflächlich. Echte Nachrichten sucht man auf den 100 iPad-Seiten vergeblich. Eine Medien-Revolution sieht anders aus.
"Neue Zeiten verlangen einen neuen Journalismus", hat der 79jährige Rupert Murdoch gestern bei der Präsentation seiner iPad-Zeitung "The Daily" in New York gesagt. Ein erster Klick in die App scheint das zu bestätigen. Die "Zeitung der Zukunft" ist anders aufgebaut als man das erwartet hätte. Die Kapitel heißen News, Gossip, Opinion, Art & Life, Apps & Games, Sports.
Klatsch an zweiter Stelle, das ist typisch Murdoch. Schließlich ist er Verleger der "New York Post" und "The Sun". Aber dafür keine Business-Section? Und Sport an letzter Stelle, hinter Apps & Games? Das überrascht und zeigt, "The Daily" will anders sein. Es signalisiert aber auch, journalistischen Anspruch sollte man bei diesem "Großversuch zur Rettung der Zeitung" besser nicht erwarten.
"The inaugural issue" macht mit dem Thema Ägypten auf: "Mubarak: I’ll step down – eventually". Die "Topstory" ist keine 100 Zeilen lang und bringt nichts, was man nicht schon am Vortag im Internet hätte lesen können. Dafür ist der Artikel aber mit schönen, großen Fotos aufgemacht und beinhaltet auch ein kurzes Video.
Wenn man sich dann von Story zu Story wischt, wiederholt sich die Machart. Überall findet man nur kurze Texte, aber viele Fotos und einige Videos. Häufig hat man das Gefühl, die Optik dominiert, der Text ist nur Beigabe.
Toll ist das 360 Grad-Foto von Venedig, schön die interaktiven Infographiken wie "Traffic Signs" oder auch der Wetterbericht. Das wirkt alles sehr modern, sehr iPad gerecht. Und macht Spaß. Bei einer Zeitschrift würde man sagen, man hat ein tolles Blätter-Erlebnis. Beim iPad muß man wohl von einem Wisch-Erlebnis sprechen.
Im Meinungsteil wird man mit dem Editorial begrüßt: "The message is the medium." Und hier man erfährt, wo die Macher den USP ihres Multimedia-Projektes sehen: "Modern technology has given us more ways to tell stories than ever before – words, pictures, audio, video and interactive graphics. The Daily will deliver them all".
Man muss dem Team um Herausgeber Craig Daily ein großes Kompliment machen: Sie reizen die Möglichkeiten des iPads perfekt aus. Man spürt, dass die Macher von Apple im Hintergrund Regie geführt haben. "The Daily" ist ein grandioses Zusammenspiel von Text, Fotos, Videos und interaktiven Graphiken – so muss die Zeitung der Zukunft aussehen.
Innovativ ist der "Visual Browser", toll die Navigation über das "Carousel", die einen an CoverFlow-Effekt bei iTunes erinnert, perfekt die Verknüpfung mit Facebook und Twitter. Angenehm ist auch, dass man sich die Stories auf Knopfdruck vorlesen lassen kann. Das erinnert an die phantastische App vom "The Economist".
Das ganze Projekt hat nur eine Schwachstelle: in dieser Zeitung steht praktisch nichts drin! Die Stories sind alt und oberflächlich, es fehlen journalistische Schwerpunkte, alles plätschert so dahin. Am Ende bleibt der User ratlos und frustriert zurück.
Und das wird auch der Grund sein, warum das Projekt trotz innovativer Machart scheitern dürfte. Auch wenn sich die iPad-Zeitung offensichtlich an eine eher anspruchslose, jugendliche Zielgruppe wendet: Einem Vergleich mit der "New York Times", "Washington Post" oder auch nur "USA Today" hält "The Daily" noch nicht mal ansatzweise stand.
Einmal mehr zeigt sich, dass es praktisch unmöglich ist, eine Tageszeitung von Null aufzubauen. Es ist einfach zu schwierig, für ein solch ambitioniertes Projekt genügend gute Journalisten zu bekommen. "The Daily" ist deshalb chancenlos - auch wenn Murdoch aus Imagegründen bestimmt lange an seinem neuen Vorzeigeprojekt festhalten wird.
Ohnehin muss man sich fragen, ob eine Zeitung nur fürs iPad nicht eine etwas seltsame Idee ist. Der weltweite Trend geht ja dahin, dass Medienmarken heute alle Distributionskanäle nutzen: Papier, Internet sowie Apps fürs iPhone, Android und iPad. Und daraus ihre Stärke beziehen.
In Zeiten der Omnipräsenz ist "The Daily" eher ein Rückschritt.
6 Kommentare
Kategorie:
Der britische The Economist ist für mich die beste Zeitschrift der Welt. Intelligent, frech, international. Viel besser als die US-Magazine Time oder Newsweek, die in Zeiten des Internets so dünn geworden sind, dass man das Gefühl hat, sie gehen morgen pleite. Auch im Vergleich zu deutschen Magazinen, denen bei aller handwerklicher Perfektion ein Schuss Genialität fehlt, ist sie spannender. Jetzt sind die Engländer noch ein Stück besser geworden. Seit kurzem gibt es eine Audio-Edition für iPad und iPhone.
Das neue Angebot liest die gesamte Ausgabe vor. Das ist natürlich ein idealer Service für alle, die viel unterwegs sind. Man lädt sich den Content auf sein Handy und hört sich die Zeitschrift im Auto an. What a treat!
Abonnenten der Print-Ausgabe erhalten den iPad/iPhone/Audio-Download kostenlos angeboten. Einen solchen Service hätte ich auch gerne von Spiegel oder Zeit. Letztere bietet zwar jede Woche "bis zu 16 vertonte Artikel" der Wocheneitung an, dies ist aber nicht Bestandteil des normalen Abos. Und warum nur 16 Artikel? (Ohnehin muss ich sagen, dass ich mit der iPad-App der Zeit so meine Probleme habe. So vorbildlich Zeit Online auf dem iPad funktioniert, die Tablet-Version der Zeitung selbst steckt noch voller Probleme. Schade.)
The Economist ist in vieler Hinsicht einzigartig. Das 166 Jahre alte Nachrichten-Magazin, das sich selbst Zeitung nennt, kommt zwar aus England, verkauft aber 80% seiner Auflage von knapp 1,5 Mio. Exemplaren weltweit. Hauptmarkt mit 800.000 Verkäufen ist die USA - was aber auch daran liegt, dass Time und Newsweek keine Antwort aufs Internet gefunden haben...
Was einem auffällt: Wenn man eine Zeitschrift wie The Economist auf dem iPad oder auch per Audio nutzt, dann bleibt die Printausgabe liegen. Die jüngste Studie vom renommierten Reynolds Institute "iPad App kannibalisiert Print" trifft den Punkt. Das ist wohl der Grund, warum man die iPad-Ausgabe vom The Economist nur im Paket samt gedrucktem Heft bekommt.
So faszinierend ein Audio-Angebot für die Leser auch ist, für den Verlag wirft es mittelfristig ein Problem auf: Die Anzeigen im Printprodukt werden immer weniger beachtet. Hoffentlich kommt niemand so bald auf die Idee, man könne sie ja auch vorlesen....
4 Kommentare
Kategorie:
Den USA geht es nicht gut dieser Tage. Die Obama-Regierung kriegt die Arbeitslosigkeit nicht in den Griff, und die Staatsverschuldung steigt und steigt. Immer mehr Amerikanern dämmert, dass China sie in ein paar Jahren als Wirtschaftsmacht Nummer eins ablösen wird. Die Folge: von New York bis Los Angeles macht sich eine spürbare Verunsicherung breit.
In Sachen Fernsehen und Internet sind die USA dagegen noch immer ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten – und Europäern und Asiaten um Einiges voraus. High Definition TV mit Hunderten von Kanälen ist hier längst eine Selbstverständlichkeit. Und über Apple TV, Amazons Video on Demand oder Netflix kann man per Knopfdruck tausende von Spielfilmen in gestochen scharfer Qualität auf den Bildschirm laden. Für TV- und Filmfans ist die USA wirklich ein Schlaraffenland.
Ganz neu dieser Tage ist Google TV, eine Gemeinschaftsentwicklung von Google, Intel, Sony und Logitech, die auf dem Mobilbetriebssystem Android und dem hauseigenen Browser Chrome basiert. Es ist mal wieder ein Versuch, das Internet auf den Fernseher zu bringen. Bisher sind alle ähnlichen Bemühungen gescheitert, aber jetzt probiert es ein Konzern, der nicht aufs Geld achten muß. Google-Chef Eric Schmidt: „Wir haben für Google TV keinerlei Business-Modell“. Das erinnert etwas an seinen Einstieg bei YouTube...
Wer Google TV in den USA haben will, muss sich entweder einen neuen Fernseher von Sony (Preise: zwischen 600 und 1.400 Dollar), einen Sony Blu-ray Player (299 Dollar) oder eine Set-Top-Box von Logitech (zwischen 299 und 180 Dollar) kaufen. Da wir mit unseren Fernsehern ganz zufrieden sind und einen DVD-Player angesichts der vielen Filmkanäle in HDTV nun wirklich nicht brauchen, entscheiden uns für die kleine Box.
Im Gegensatz zum iPad, bei dem es anfangs große Lieferschwierigkeiten gab, kommt das Logitech-Paket postwendend. Allzu groß scheint die Nachfrage nicht zu sein. In der Fedex-Sendung finde ich nicht nur eine kleine schwarze Box, sondern auch eine drahtlose Tastatur, die als „ intuitive companion keyboard controller“ gepriesen wird. Sie sieht so aus.
Das Anschließen ist kein Problem. Ein paar Stecker verbinden, das TV-Signal mit der Box synchronisieren und sein Gmail-Account eingeben. Das war’s.
Aber wenn man sich dann mit dem Keyboard erwartungsvoll vor den Fernseher setzt, wird man schnell enttäuscht. Eine "TV Revolution" hatte ich mir anders vorgestellt.
Zunächst fällt auf, dass die Nutzerführung alles andere als intuitiv ist, sie ist eher chaotisch. Man startet – typisch Google – auf einer schlichten Oberfläche. Auf der linken Seite vom Bildschirm findet man eine vertikale Navigation mit den Punkten "Bookmarks", "Applications", "Spotlight", "Most viewed" "Queue", "What’s on" und "Amazon Video", wobei sich mir auch nach einer halben Stunde nicht erschließt, wie sich genau die einzelnen Begriffe unterscheiden. Besonders verwirrend: Amazon Video gibt es einerseits als eigenen Navigationspunkt, aber dann findet man es voreingestellt auch unter "Bookmarks" und "Applications".
Ich klicke auf "Spotlight", da werden per Icon 17 Videokanäle angeboten. Darunter bekannte Namen wie "YouTube", "CNN", "New York Times" oder "USA Today", aber auch völlig unbekannte Anbieter wie "KQED", "MeeGenius" und "mSpot" oder "Sidereel".
Wenn man auf die "New York Times" geht, findet man die ziemlich langweiligen Videos der Webseite wieder. Bei CNN gibt es Einzelbeiträge der letzte Stunde, KQED ist so etwas wie Bürger-TV für Kalifornien. Bei MeeGenius werden Kinderbücher vorgelesen, bei mSpot und Sidereel kann man preiswert Spielfilme ansehen. So richtig interessieren tut mich das alles nicht. Selbst der vielversprechende Sender "Adult Swim" entpuppt sich als Enttäuschung. Es ist ein zweitklassiges Comedy-Programm.
Dann entdecke ich, wie ich ins Internet komme: man muss auf Applications gehen und dort unter den Apps "Chrome" auswählen. Aha! Warum man den "Chrome"-Browser nicht auf die erste Navigationsebene gelegt hat, bleibt mir ein Rätsel.
Internet auf dem Fernseh-Schirm ist eine ungewohnte Erfahrung. Irgendwie fühlt man sich zu weit weg, die Schrift ist verdammt klein und das Klicken mühsam. Ich gehe auf ein paar Webseiten, lese bei "Spiegel Online" über die jüngsten Wikileaks-Veröffentlichungen, gebe aber ziemlich schnell wieder auf. Internet auf dem Fernsehen macht keinen Spass. Danach hat man das Gefühl, man müsse sich beim Augenarzt anmelden.
Wo immer ich in der nächsten Stunde noch hinklicke, ich finde nichts, was mich wirklich interessiert. Die Software ist chaotisch aufgebaut, die Inhalte langweilig. Kurz, Google TV sucks! Was für eine Enttäuschung!
Ob der Branchenprimus noch die Kurve kriegt? Langfristig sehe ich für Google TV nur noch zwei Chancen:
• Wenn man sich so die Beiträge der Mediatheken der großen TV-Sender auf den Bildschirm holen kann. Das war ja einer der Pläne der Google-Macher, der aber nicht aufzugehen scheint. Nach ABC, CBS, NBC hat gerade auch die Fox-Kette eigene Online-Inhalte für Google TV gesperrt. Die US-Sender sind zu schlau, um sich ihr eigenes Grab zu schaufeln. (Nebenbei: bei den Mediatheken von ARD und ZDF ging es mir nicht besser. Ich bin zwar auf deren Seiten gekommen, hab dort aber kein Video starten können).
• Wenn es eines Tages nützliche Apps geben sollte, die speziell für den Fernseh-Schirm optimiert sind. Internet-Seiten wirken auf dem Bildschirm überladen und zu kleinteilig. Sie müssen wie beim iPad vereinfacht und angepasst werden. Aber die App-Entwickler werden sich nur die Mühe machen, wenn sie erwarten, dass Google TV sich im Markt auch durchsetzen wird. Und davon würde ich momentan nicht ausgehen.
Die Chancen für Google TV sind deshalb schlecht. Wer beim Fernsehen unbedingt surfen, twittern oder emailen will, ist mit einem Notebook auf dem Schoß ohnehin viel besser bedient.
3 Kommentare
Kategorie:
Die Diffamierungs-Kampagnen der rechten Medien in den USA zeigen erstaunliche Wirkung: 20% der Amerikaner sind inzwischen überzeugt, ihr Präsident sei ein verkappter Muslim. Die Hetze und Verleumdungen der Talkshow-Stars Bill O’Reilly, Glenn Beck und Sean Hannity werden für Barack Obama zu einem immer größeren, fast unlösbaren Problem. Der Murdoch-Sender Fox News ist längst zur Propaganda-Maschine der Konservativen geworden. Amerika steht vor einem heißen Herbst.
"Ein Netzwerk von Fehlinformationen" sei Schuld daran, dass offenbar immer mehr Amerikaner an der Religionszugehörigkeit ihres Präsidenten zweifeln, sagte ein sichtlich müder Barack Obama am Wochenende dem NBC-Anchorman Brian Williams. "Ich kann schließlich nicht den ganzen Tag mit meiner Geburtsurkunde auf der Stirn herumlaufen."

Am Wochenende: Obama bei NBC "Nightly News"
Wen Obama für den Urheber der „Fehlinformation“ hält, dürfte jedem klar sein: den Murdoch-Sender Fox News, der gegen die Obama-Regierung einen regelrechten "Medienkrieg" führt. Dem "Nachrichtenkanal" gelingt es immer häufiger, den Präsidenten mit übler Nachrede in Misskredit zu bringen. Mal heißt es, Obama sei Rassist. Dann, er wäre ein schlechter Patriot. Und natürlich sei er als Kind auf eine Koranschule gegangen.
Die letzten Tage müssen für Fox News ein Freudenfest gewesen sein. In Washington demonstrierten 300.000 konservative Amerikaner für die "Rückbesinnung auf religiöse Werte". Veranstalter des Massenauflaufs zur „Wiederherstellung der amerikanischen Ehre“ war Glenn Beck, jener zornige Talkshow-Host, der auf Fox News jeden Nachmittag zwei Millionen Amerikaner mit seiner Sendung "Bold-Brash-Beck" in seinen Bann zieht.
Dort nennt er Obama „einen notorischen Hasser der weißen Hauptfarbe“, wettert gegen "illegal aliens" und sieht die USA auf den Weg zum Sozialismus. Gerne bricht er auch vor laufender Kamera in Tränen aus, weil er Amerika so lieben und jetzt unter Obama alles den Bach runtergehen würde. Der 46jährige alte Beck, ein ehemaliger Alkoholiker, ist inzwischen der "Obereinpeitscher" der Konservativen geworden. Time Magazine hat ihm eine Titelstory gewidmet. Die Headline: "Mad Man".

Gestern: Beck sagt in seiner Sendung „Thank you“
Genauso wortreich ist sein Kollege Bill O’Reilly, dessen "O’Reilly Factor" seit über 10 Jahren das Flagschiff von Fox News ist. Während Beck um 17 Uhr auf Sendung geht, darf O’Reilly zur Prime Time ran. Manche nennen ihn das "Alphamännchen der polemischen Debattenkultur", andere "Americas biggest Asshole". Interview-Gegnern ruft er schon mal "Shut up" entgegen, und wenn das nicht hilft, dann weist er die Fox-Regie an: "cut his mic".

Gestern: O’Reilly hat – welch Überraschung – Beck als Gast
Neben Beck und O’Reilly haben sich bei Fox News noch die Moderatoren Sean Hannity and Greta van Susteren einen Namen gemacht. Auch sie haben täglich ihre einstündige Sendung, deren Hauptanliegen darin zu bestehen scheint, bei jeder Gelegenheit gegen Obama zu wettern. Assistiert werden sie dabei von den "Fox-Kommentatoren" Sarah Palin, der ehemaligen Gouverneurin von Alaska, sowie von Karl Rove, dem früheren Chefstrategen von Georg W. Bush.
Was sich auf Fox News 24 Stunden am Tag abspielt, ist ein bizarres Schauspiel. Unter dem Sendermotto "Fair & Balanced" wird vor allem krakeelt, gepöbelt und gelogen. Aber selbst die Gegner aus dem Regierungslager müssen einräumen: die Fox-Formel hat einen hohen Unterhaltungswert. CNN oder die linksliberale Konkurrenz von MSNBC verblassen dagegen deutlich.
Man ist versucht, die Riege um Beck, O’Reilly & Co. als Spinner abzutun. Aber damit wird man ihnen nicht gerecht. Ihr Einfluss in den USA ist erheblich. Während Obamas Umfragewerte kontinuierlich sinken, steigen die Quoten von Fox News. So erschreckend das ist: Ein Fernsehsender ist auf dem besten Weg, den mächtigsten Mann der Welt aus dem Amt zu jagen.
7 Kommentare
Kategorie:
Sie heißen „EveryBlock“, „Patch“, „Outside.in“ und „Placeblogger“ - und sie haben eins gemeinsam. Sie geben Antwort auf die Frage: „What is happening in your neighborhood?“. Hyperlocals, heißt es, sollen die Zukunft des Lokaljournalismus sein. AOL investiert gerade 50 Mio. Dollar und will seine Online-Community Patch von momentan 100 auf 500 Ableger ausbauen. Journalisten können sich freuen, aber das Geschäftsmodell der Hyperlocals erscheint fraglich.
Vor einigen Tagen konnte man in der US-Branchenpresse lesen, dass das Boulevardblatt „Newsday“ in Long Island 34 Journalisten einstellen will – um seine Lokalberichterstattung auszubauen. Manch einer wird sich da verwundert die Augen gerieben haben. Neue Arbeitsplätze für Journalisten in Zeiten der Zeitungskrise?
In den nächsten Monaten kommt es noch besser. AOL sucht mehr als 500 Journalisten, um seine Online-Community Patch von jetzt 100 auf 500 Ableger zu erweitern. 50 Mio. Dollar hat AOL-Chef Tim Armstrong für diese Expansion bereitgestellt. Im Blickfeld hat er vor allem Gemeinden mit 15.000-75.000 Einwohnern. Jeder Patch-Seite wird von einem fest angestellten Redakteur betreut, der bis zu 10 freie Mitarbeiter beschäftigen darf.
Zusammen mit Yahoo plant die Kaffeekette Starbucks, für jeden seiner 6.800 Kaffeeshops eine eigene Webseite zu kreieren, die auf lokalem Content basiert. Diese Seite bekommt der Kunde dann zuerst zu sehen, wenn er bei Cappuccino oder Tazo Tea ins Internet gehen will. „Because we know what store you're in, we can give you hyperlocal news. We can provide you with something of value they can't get anywhere else“, sagt Adam Brotnam, Vice President von Starbucks gegenüber der Los Angeles Times.
Lokalberichterstattung liegt in den USA im Trend. Aus „All news is local“ wird im Internetzeitalter „Community first“. Grund für Time Magazine zu fragen: „Are Hyperlocal News Sites replacing Newspapers?“
Die Community-Websites funktionieren für die User denkbar einfach: man tippt seine Stadt und Straße ein und erfährt dann, wie aus einer Zeitung, ob um die Ecke ein neues Restaurant eröffnet hat, ob es einen Einbruch in der Nachbarschaft gegeben hat oder welche neuen Bauprojekte geplant sind. „A news feed for your block“ nennen die Macher diesen Service und reichern ihren meist kargen Inhalt mit Flickr-Fotos und YouTube-Videos an.
Der Vorreiter der Hyperlocals ist EveryBlock, vor 3 Jahren in Chicago gegründet, seit einem Jahr im Besitz von MSNBC. 16 Städte deckt EveryBlock inzwischen ab.
„No one claims EveryBlock represents the new face of local news in its entirety. But five minutes is enough to convince you it's a critical part.“, schreibt die Website „Straight Dope Chicago“. Und die Chicago Magazine meint: „So far, the site seems to be beating local newspapers in finding an innovative way to give citizens timely, relevant, hyperlocal information with relatively light manpower.“
Ein anderes interessantes Lokal-Projekt ist Outside.in, das sich als „leading hyperlocal content platform“ bezeichnet und angeblich 50.000 US-Communities erreicht. Unter den Investoren, die 7,5 Mio. Dollar aufgebracht haben, befindet sich die bekannte Venture Capital-Firma Union Square Ventures sowie CNN. Allerdings veröffentlich Outside.in keinen eigenen Content, sondern sammelt lediglich lokale Artikel und Blogeinträge und scannt sie nach Orten.
Ansehen sollten sich deutsche Medieninteressierte auch einmal TwitZip, eine Art „Hyperlocal Twitter“. Das Unternehmen ist gerade mit Outside.In eine Kooperation eingegangen.
Bei aller Euphorie nach "Hyperlocalnews" bleibt die Frage aller Fragen: kann man damit Geld verdienen? Laut Businessmagazin „Fast Company“ wartet auf diese Sites in den USA angeblich ein lokaler 100 Milliarden-Anzeigenmarkt.
Alle diese Startups träumen von „precision targeted advertising for small businesses“, aber es dürfte ein langer Weg sein, bis man den Blumenhändler um die Ecke davon überzeugen kann, Werbung auf Hyperlocal-Seiten im Internet zu machen.
“When you slice further and further down, you get smaller and smaller audiences,” sagt Analyst Greg Sterling. “Advertisers want that kind of targeting, but they also want to reach more people, so there's a paradox.”
Die eigentliche Frage dürfte sein: schaffen es die Hyperlocals, auf Dauer einen so interessanten Inhalt zu bieten, dass die User diesen Service wirklich annehmen? Ich bin da skeptisch.
5 Kommentare
Kategorie:
Seit 3 Monaten hab ich nun ein iPad. Hier in den USA ist der Hype um das neue Gerät nach wie vor ungebrochen. Der Tablet-Computer ist praktisch ausverkauft. In den meisten Apple-Stores ist er noch immer vergriffen, und bei Bestellungen im Internet muß man Wochen warten, bis das iPad schließlich ankommt.
Anfangs war ich von meinem iPad begeistert. Es ist schon toll, wie leicht man mit dem Finger navigieren kann und wie schnell sich die Internet-Seiten aufbauen.
Aber inzwischen fällt mir auf, dass ich mein iPad kaum nutze. Warum? Das neue Wundergerät hat für mich eine große Schwachstelle: ich kann darauf nicht schnell genug tippen. Wer in der Lage ist, flott auf einem herkömmlichen Computer zu schreiben, der verfällt auf dem iPad zurück ins Schneckentempo. Klar, man könnte eine externe Tastatur anschließen, aber dann verliert das iPad seinen Sex.
Der große Bruder vom iPod ist für mich ein reines Lesegerät. So etwas wie ein besserer Kindle. Oder wie ein kleiner flacher Fernseher, den man überall mitnehmen kann. Aber zum Schreiben ist das iPad ungeeignet. E-Mails zu beantworten, dauert mir viel zu lange. Und wenn ich meine Mails dann weiterhin am Notebook schreibe, dann wechsele ich nicht das Gerät, um ins Internet zu gehen. Die Folge: mein iPad setzt Staub an.
Wenn es anderen auch so geht, dann könnte das ein Rückschlag für die Medien-Industrie bedeuten. Denn die Verlage werden mit dem iPad nur ein Geschäft machen, wenn er auch intensiv genutzt wird. Meine Prognose: Leute, die beruflich viel am Computer sitzen, werden das iPad nur wenig nutzen.
PS: Ich kenne jemand, für fast täglich zum iPad greift: meine Mutter, die die letzten Monate bei uns in Kalifornien zu Besuch war. Sie guckt sich auf dem iPad stundenlang unsere Familienfotos an und hat auch angefangen, darauf Zeitungen zu lesen. Aber mit ihren über 80 Jahren ist sie nicht unbedingt die Traumzielgruppe der Medienindustrie...
11 Kommentare
Kategorie:

Dirk Manthey
ist Herausgeber von MEEDIA. Er hat früher die Verlagsgruppe Milchstraße ("TV Spielfilm", "MAX", "Fit for Fun") gegründet und lebt heute in Kalifornien.
Februar (1)
Dezember (1)
November (1)
August (2)
Juni (1)
April (2)
März (1)
Dezember (2)
Oktober (2)
September (1)
August (1)
Juli (6)
Juni (3)
Mai (3)
April (5)
März (10)
Februar (11)
Januar (8)
Dezember (16)
November (21)
Oktober (20)
September (11)