Die WAZ mausert sich zum neuen E-Commerce-Anbieter. Der Essener Zeitungskonzern nutzt seine tiefe regionale Verwurzelung und startet mit Westdeal.de einen eigenen Groupon-Klon für NRW. Damit bekommen erfolgsverwöhnte Web-Investoren wie die Samwer-Brüder oder Stefan Glänzer ungewöhnlich früh Konkurrenz aus der Verlagswelt. Bislang haben die Medienhäuser mit eigenen Projekten immer erst so lange gewartet, bis sie sich nur noch für teures Geld in viele Start-ups einkaufen konnten.
Der Claim des neuen Angebots lautet "Gemeinsam sind wir Schnäppchen". Auf der Seite von Westdeal wird verraten, wann der westdeutsche Groupon-Klon an den Start geht: "Ab dem 15. März 2010 werden hier regelmäßig ganz besondere Angebote aus unterschiedlichen Bereichen wie z.B. Lifestyle, Gastronomie, Wellness, Beauty, Sport, Events, Dienstleistung oder Handel Ihrer Stadt in Nordrhein-Westfahlen vorgestellt!"
Von der Funktionsweise hält sich das Portal streng an den aktuellen Modus Operandi aller Groupon- Angebote: "Westdeal ist eine Plattform, die Gutscheine für tolle Schnäppchen in ihrer Stadt oder Region zu einem einmaligen Schnäppchenpreis anbietet."
Der Name Groupon ist ein Wortspiel, das sich aus den Worten 'group' (Gruppe) und 'coupon' (Rabattschein) zusammensetzt. Auf den jeweiligen Plattformen gibt es tägliche regionale Angebote, für die immer dann sehr hohe Rabatte eingeräumt werden, wenn sich eine entsprechend große Gruppe von Menschen findet, die bereit ist, für den angegebenen Preis zu kaufen. Beispiel: Eine Kinokarte wird um 50 Prozent günstiger, wenn sich 15 Personen finden, die bereit sind, den Rabattpreis zu zahlen. Mittlerweile hat fast jede deutsche Großstadt mindestens ein Groupon-Start-up.
Die beiden größten Anbieter sind aktuell Dailydeal.de und Citydeal.de. Dailydeal wird vom Last.fm-Gründer Stefan Glänzer finanziert und Mycitydeal.de von den Samwer-Brüdern und ihrer Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet. Die Investoren wittern in den Groupon-Plattformen das große Geschäft, denn wie Glänzer gegenüber MEEDIA erklärte, ist "das zugrunde liegende Modell von bestechender Klarheit und bietet Vorteile für alle Beteiligten." Glänzer führt weiter aus: "Der Anbieter investiert zu Grenzkosten und bekommt neben sofortigem cash flow eine Vielzahl von neuen Kunden, die er für sich gewinnen kann. Der Käufer hat Spass und macht ein Schnäppchen in seiner Region. Auch wenn es verdammt abgedroschen ist, ein Win-Win halt. Auch für regionale Medienpartner, für die wir Module entwickeln."
Bereits am letzten Tag des vergangen Jahres hatte der E-Commerce-Experte Jochen Krisch gebloggt: "Im Grunde wartet man ja nur darauf, dass das ein oder andere regionale Verlagshaus ein entsprechendes Angebot aufzieht bzw. bei dem ein oder anderen bestehenden Team einsteigt."
Genau diese Erwartung wurde nun von der WAZ nun erfüllt. Wie schnell sich ein großes Medienhaus jedoch dazu aufraffte, ein eigenes Angebot zu starten, überrascht. Aufgrund ihrer tiefen regionalen Verwurzelung, den guten Kontakten zu mittelständischen Unternehmen und der eigenen Media-Power haben die Essener jetzt beste Chancen in ihrer dicht bevölkerten Stamm-Region vom ersten Tag an zum Marktführer aufzusteigen.
09.03.10 18:08
Dennis K Website
Ich finde den Schritt richtig und konsequent. Die WAZ verfügt (a) über eine Anzeigenabteilung mit Kontakten zu Händlern und (b) einer Bekanntheit bei Endkunden.
Wenn sie jetzt noch ein wenig Marketing-Geld in die Hand nehmen, dann kann das m.E. etwas werden.
Ich möchte fast wetten, dass weitere Verlage ("PRINZ"?) nachziehen ...
09.03.10 14:01
El Tom
Hört sich in der Tat erstmal vielversprechend an. Bin gespannt, wie die WAZ das mit Leben (=Angeboten) füllen wird.
Übrigens: Das ist anscheinend von einer auf Auktionen spezialisierten Firma namens "banghaus" für die WAZ entwickelt worden und wird laut AGB auch mit dieser zusammen betrieben.
11.03.10 16:01
Sepp Völkel
Gratulation, endlich gehen die Prints an den Groupon Start... Wurde aber auch Zeit. Langsam wrden Aggregate wie www.tagesangebote.de unentbehrlich.
Schöne Tag noch