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Dienstag 17. November 2009 16:40

Philipp Justus: Springers neuer Kronprinz

Eine Personalie mit Perspektive: Mit Philipp Justus präsentierte die Axel Springer AG nicht nur einen neuen Chef für ihre große Web-Hoffnung Zanox. Der ehemalige Ebay-Top-Manager ist die international wohl profilierteste deutsche Web-Führungskraft. 2006 wählte das World Economic Forum Justus zu einem der „Young Global Leader“. Wenn sich so ein Mann dazu entscheidet, von Kalifornien nach Berlin zu ziehen, dann sieht er eine echte Karriere-Perspektive. Zumindest ein Vorstandsamt dürfte er sich ausrechnen.

Mit diesen Ambitionen würde der neue Springer-Mann automatisch zu einem, der  sich Andreas Wiele (Vorstand "Bild"-Gruppe und Zeitschriften ) oder Peter Würtenberger (Chief Marketing Officer) ebenbürtig fühlt. Würtenberger dürfte sich als ehemaliger Yahoo-Deutschland-Chef sicherlich noch seinen damaligen Ebay-Kollegen erinnern. Beide Manager starteten in den wilden Jahren der New Economy karrieretechnisch so richtig durch.

Wie Würtenberger gehört Justus zu den wenigen einheimischen Managern, die bereits eine zehnjährige Internet-Erfahrung vorweisen können und nicht in diversen Start-ups arbeiteten, sondern in einem multinationalen und börsennotierten Konzern.

Im Gegensatz zu der ambitionierten deutschen Gründer-Riege um Stefan Uhrenbacher (Qype.com), Lars Hinrichs (Xing) oder Ibrahim Evsan (Sevenload), hat Justus bereits bewiesen, dass er nicht so schnell die Lust an einem Unternehmen verliert. Alle drei deutschen Star-Entrepreneure hatten innerhalb der vergangen zwölf Monate ihren Chefposten in den von ihnen aufgebauten Web-Companies nach nur wenigen Jahren der Aufbauarbeit verlassen, um sich neuen Projekten zu widmen.

Ein Konzern, wie die Axel Springer AG kann mit so viel persönlicher Individualität kaum etwas anfangen. In börsennotierten Unternehmen sind keine kreativen oder chaotischen Visionäre gefragt, sondern intelligente Offiziere, die es gewohnt sind zu führen, aber auch mit dem notwendigen Verwaltungsaufgaben zurecht kommen. Justus entspricht diesem Anforderungsprofil

Seit 2000 ist der ehemalige Boston-Consulting-Berater Justus innerhalb von Ebay immer weiter die Karriereleiter nach oben geklettert. Bis 2004 baute der 40-Jährige das Deutschland-Geschäft auf – eine Meisterleistung. In den Jahren der tiefen Post-New-Economie-Depression machte er aus der deutschen Auktionsplattform, die erfolgreichste Ländertochter außerhalb des US-Angebotes. Justus profitierte davon, dass sich in den Jahren ab 2000 der Geiz-ist-Geil-Trend immer mehr verstärkte. Wenn ein Online-Angebot aus den Deutschen ein Volk von Schnäppchenjägern gemacht hat, dann war es Ebay. Mit dieser Leistung dürfte sich Justus zumindest den Respekt des "Bild"-Managements sicher sein. Denn mit den unzähligen Volksprodukten beackern die Springer-Verkäufer ein ganz ähnliches Markt-Segment.

Während seiner Deuschland Regentschaft zeigt der Ebay-Manager eine weitere Fähigkeit, die zu Springer passt. Mit geschickten Zukäufen, etwa von Mobile.de, unterstützte Justus mit großem strategischen Geschick die Expansion des Marktplatzes. Mit den Akquisitionen von Digital Windows, Stepstone oder auch Zanox, agiert Mathias Döpfner ganz ähnlich.

Ab 2004 übernahm Justus das Europageschäft von Ebay. Sein Nachfolger wurde der heutige Xing-Chef Stefan Groß-Sellbeck. 2006 folgt der wohl größte Karriere-Schritt für Justus. Mit 37 Jahren wechselte er in die Konzerntentrale nach San Jose. Die damalige Ebay-Chefin holte ihren vertrauten EU-Mann direkt an ihre Seite. In den USA übernahm Justus als erster Europäer das US-Auktionsgeschäft – das Herz der Web-Company.

Mit dem Ausscheiden von Meg Whitman als Ebay-Chefin dürfte auch die Position von Justus schwieriger geworden sein. Denn 2008 gab ihn der neue CEO John Donahue den Posten als Senior Vice President Global Markets der Ebay-Tochter PayPal. Toller Titel, aber sicherlich mit wengier Einfluss als zuvor ausgestattet.

Es ist müßig zu spekulieren, ob sich die Karriere des Vorzeige-Managers bei Ebay in einer Sackgasse befand und er deshalb den Ruf der Axel Springer AG folgte. Denn selbst wenn Justus keine Lust mehr auf das Online-Auktionshaus hatte: Nur um einen Internet-Marketing-Spezialisten zu führen, geht solch ein dekorierter Unternehmens-Offizier nicht zurück nach Berlin.

Justus sieht bei Springer offenbar eine Perspektive auf höhere Ämter. Dazu muss es dem ehemaligen Unternehmensberater allerdings gelingen, Zanox weiterhin auf Wachstumskurs zu halten und die schwierige Situation zu meistern, dass die drei Gründer das Start-up verlassen und sich deshalb auch die Unternehmenskultur ändern wird.

Exakt diese Herausforderung meisterte Justus bereits. Er stieg zu einem Zeitpunkt bei Ebay-Deutschland ein, als das US-Unternehmen gerade den einheimischen Konkurrenten Allando.de schluckte. Für 60 Millionen Mark wechselte die Plattform damals den Besitzer. Treibende Kraft hinter dem Verkauf waren junge Allando-Mitgründer Marc, Oliver und Alexander Samwer. Dieser Deal war ihr erstes großes Webgeschäft. Damals starteten zwei Karrieren: die, der drei Brüder und die des jungen Web-Managers Philipp Justus. Beide Karrieren scheinen noch lange nicht am Ende.

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Letzte Kommentare

Anzeige: 1 - 4 von 4

18.11.09 21:50

Alexander Becker Web-Site

@ Chris Lilienweihs, @Ute Moritz
Ihre Einwürfe sind falsch. Ich habe nicht die Leistung von Uhrenbacher, Hinrichs oder Evsan kritisiert. Der Punkt ist folgender: Alle drei sind Gründer/ Entrepreneure. Sie entwickeln Ideen, setzten diese um und ziehen dann zum nächsten Projekt. Philipp Justus dagegen ist ein Konzern-Manager. Ich sage: Springer braucht genau so einen Konzern-Manager. Deshalb sind Uhrenbacher, Hinrichs oder Evsan ungeeignet für den Zanox-Job.

In dem Text geht es nicht um die unternehmerische Leistung von einem der drei Gründer. Wenn das die Intension des Postings gewesen wäre, dann wäre es wirklich ein schlechter Text.

18.11.09 18:29

bernd bernd

Zu hinterfragen, ob sich ein Philipp Justus mit Peter Würtenberger ebenbürtig fühlt, halte ich für absolut nicht angebracht. Justus kann einfach deutlich mehr, das weiß sicherlich jeder, der mit beiden schon einmal zu tun hatte

18.11.09 18:22

Ute Moritz Web-Site

Schließe mich Christian an. Ich kenne alle 4 und habe unter 2 dieser Top-Leute arbeiten dürfen.

Großen Respekt, vor Stephan Uhrenbacher. Aus dem Nichts was zu machen, das ist KUNST!

Großen Respekt, auch vor Philipp: Er hatte eBay im Griff. Absolut und hat mit Besonnenheit & Cleverness das Geschäft gesteuert.

Großen Respekt auch vor Ibo & Lars. Beide ebenso in der Top-Liga!

Finde es wirklich sehr unüberlegt/unerfahren geschrieben. Vor allem dann, wenn man weder dort noch da mitgearbeitet hat und keine Ahnung hat, was jede Person hier an Leistung erbracht hat!

Jede Phase, braucht seine starken Leute! Alle 4 haben absolut erkannt, wo Ihre Stärken liegen und wie Sie diese am optimalsten einsetzen können! Davor ziehe ich den Hut!!!

18.11.09 18:14

Chris Lilienweihs Web-Site

Dieser Artikel ist ganz schlechter journalistischer Stil. Schade, dass dem Autor kein besseres Mittel zur Hervorhebung der beeindruckenden Karriere von Herrn Justus einfällt, als drei sehr erfolgreiche deutsche Startup-Gründer durch den Kakao zu ziehen.

Stefan Uhrenbacher, Lars Hinrichs und Ibrahim Evsan haben als Visionäre quasi aus dem Nichts sehr erfolgreiche Unternehmen gegründet, die aus dem heutigen Web nicht mehr wegzudenken sind. Das ist ohne Frage eine fantastische Leistung. Ein erfolgreiches Unternehmen zu gründen und es dann auf dem Erfolgsweg anderen zu übergeben, die es optimaler verwalten können, ist keine Frage von Lust haben oder chaotischem Wesen, sondern eine eine außerordentlich vernünftige unternehmerische und sicher keine einfache persönliche Entscheidung.

Ich ziehe vor allen Vieren - Justus, Uhrenbacher, Hinrichs und Evsan mit großem Respekt den Hut. Dasselbe sollte auch der Autor dieses Artikels tun.

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Alexander Becker lebt in Hamburg und arbeitet dort als freier Journalist. Seit fast zehn Jahren beschäftigt er sich mit dem World Wide Web und schreibt über die aktuellen Internet-Trends und neue Online- Entwicklungen. Bei MEEDIA betreut Alexander Becker die Rubrik „Web-Business“ und „Neue Sites“.

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