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Dienstag 16. Dezember 2008 10:24

„DotComTod 2.0 ist mein Privatvergnügen“

Der neue DCT-Macher Matthias Süß im Interview

Ist es wirklich wieder soweit: Brauchen wir wieder ein DotComTod 2.0?
Brauchen? Ich weiß es ehrlich nicht. War denn DCT überhaupt notwendig? Aber wenn die Frage in die Richtung zielt, ob wir wieder das Platzen einer Blase erleben, dann ist meine Antwort ein eindeutiges "Ja". Muss ich zur 15-Milliarden-Bewertung von Facebook noch etwas hinzufügen?

Ist die heutige Situation mit der von vor acht Jahren vergleichbar?

Wie war denn das Modell der .com-Unternehmungen? Eine Idee umsetzen, Investor finden, die Anteile verkaufen und damit schnell reich werden. Dafür wurde auch gerne an realistischen und soliden Unternehmenszielen gespart. Es fanden sich Leute, die in Projekte investierten, die ohne tragfähiges Konzept daher kamen. Wenn ich mir Twitter ansehe, was hier Geld verbrannt wird und nicht einmal eine vernünftige Idee im Raum steht, wie auch nur ein Teil der Betriebskosten hereinkommt, dann finde ich die Situationen durchaus vergleichbar.

Wie sieht das Konzept für DotComTod 2.0 aus?
Auch, DotComTod 2.0 ist eher mein Privatvergnügen, ein Blog in dem ich mir den Ärger über manche WebZwoNullen vom Herzen schreiben kann. Es haben sich zwar bereits Menschen als Co-Blogger angeboten, aber damit warte ich die Entwicklung ab.
Dazu muss man wissen, wie es zur Idee von DCT 2.0 kam: Mir stinken einfach manche Entwicklungen im WebZwo, beispielsweise die Ausbeutung von Praktikanten, die mit falschen Versprechen gelockt werden. Wenn Azubis dazu gedrängt werden, einen Teil des Lohnes in Optionen auf Unternehmensanteile zu akzeptieren oder Freiberufler Stundenhonorare um fünf Euro erhalten, dann muss ich das einfach von der Seele schreiben. Bisher habe ich dies auf meinem privaten Blog gemacht.
Den Einfall dotcomtod dafür zu verwenden hatte ich, als ich Bücher entstaubt und den Roman "Liquide" von Don Alphonso wieder entdeckt habe. Sowohl die COM- als auch die DE-Domain dümpelten als Parking-Site vor sich hin - einfach schade.

Setzten auch Sie massiv auf Tipps aus der Szene. Oder wollen sie das akutelle Geschehen eher von einer gewissen Distanz aus betrachten und Kommentieren?
Nein, ich setzte nicht auf Tipps aus der Szene. Es gibt wirklich genügend frei verfügbare Quellen, vielleicht noch ein paar Einblicke, die ich selber erhalte. Es gibt genügend frei zugängliche Quellen, mit denen man die WebZwo-Blase festmachen kann.

Wer steht hinter der Seite?
Wie ich bereits sagte und auch gleich zum Start klar gestellt habe: DCT 2.0 ist mein kleines, privates Vergnügen. Dahinter steht als nur meine Person, ich bin niemanden Rechenschaft schuldig und niemanden verpflichtet.

Was machen Sie sonst?
Wenn ich jetzt sage SEO, dann werden einige die Augen verdrehen. Ja, ich unterstütze hauptsächlich Unternehmen, die ihre Sichtbarkeit in den Suchmaschinen verbessern wollen. Da mache ich keine Geheimnisse daraus, ich schreibe seit Jahren darüber und gebe meine Erfahrungen auch in Seminaren weiter. Bevor sich noch jemand unnötig die Mühe einer Recherche macht: Ich besitze keine kommerzielle Projekte, was ich selbst im Web treibe ist reines Interesse oder Hobby.
Sind noch Köpfe der ersten DotComTod-Version mit dabei?
Nein, das würde auch nicht passen. Es gab mehrere Versuche das ursprüngleiche DCT wieder zu beleben. Boocompany von Lanu ist der offizielle Nachfolger des DCT, da tut sich aber auch nicht mehr viel. Exits und Internas dürfen gerne dort abgeladen werden.

Welche Start-ups werden in den nächsten Wochen –Ihrer Meinung – den DotComTod sterben?
An Spekulationen, welche Unternehmen das Weihnachtsfest nicht überleben, beteilige ich mich nicht. Bei dem ganzen Gejohle, wenn ein Unternehmen über den Jordan geht darf man nicht vergessen, dass es immer auch Unschuldige trifft, die ihren Arbeitsplatz verlieren. Nicht leid tut es mir um manche arrogante Gründer, die den Mund viel zu voll nehmen und während sie noch auf die Schnauze fallen schon die Schuld am Scheitern allen anderen zuweisen.

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Alexander Becker lebt in Hamburg und arbeitet dort als freier Journalist. Seit fast zehn Jahren beschäftigt er sich mit dem World Wide Web und schreibt über die aktuellen Internet-Trends und neue Online- Entwicklungen. Bei MEEDIA betreut Alexander Becker die Rubrik „Web-Business“ und „Neue Sites“.

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