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Donnerstag 11. März 2010 15:37

Paid-Content-Strategie - Springers Bilanz

Auf dieses Projekt schaut eine ganze Branche: Vor rund drei Monaten traute sich Springer bei den regionalen Inhalten seiner beiden Mainstream-Angebote Abendblatt.de und Morgenpost.de, die Bezahlschranke runterzulassen. Mit der IVW-Auswertung des Februars lassen sich nun zum ersten Mal seriös die Traffic-Auswirkungen dieser Maßnahme auswerten. Das Ergebnis: Beide Portale verlieren Reichweite. Doch anders als von den meisten Beobachtern prognostiziert, sind die Besucherzahlen nicht ins Bodenlose gerauscht.

Im Februar zählten die IVW für die Webseite des Hamburger Abendblatts 6,05 Millionen Visits. Das bedeutet im Vergleich zum Januar ein Minus von 6,3 Prozent. Der Visit-Verlust sieht erst einmal Höher aus, als er tatsächlich ist. Denn ein gewisser Besucherschwund ist normal, weil der Februar weniger Tage hat als der Januar. Auch wenn man diesen Effekt berücksichtigt, zeigt sich jedoch, dass Abendblatt.de stärker als die Konkurrenz verloren hat. Keines der deutschen Top-20-News-Portale machte ein höheres Minus, als die Hamburger mit ihren 6,3 Prozent.

Bei der Berliner Morgenpost sieht die Tendenz ganz ähnlich aus. Im Februar zählt die Seite 2,46 Millionen Besuche. Das bedeutet in Minus von 7,9 Prozent. Auch dieser Verlust ist zwar überdurchschnittlich, ein massiver Traffic-Zusammenbruch sieht allerdings anders aus.

Möglich wurde dieses durchaus beachtliche Ergebnis durch einen Kunstkniff. Damit die beiden Springer-Portale nicht den lebenswichtigen Google-Traffic verlieren, bauten die Techniker die Systeme so um, dass jeder Nutzer, der von der Suchmaschine auf die beiden Seiten geschickt wird, pro Tag fünf – eigentlich kostenpflichtige – Artikel für lau lesen kann.

Mit dieser Lösung wird das Google-Minus gering gehalten, allerdings mit dem Nebeneffekt, dass Springer potentielle Einnahmen durch die Lappen gehen. Diesen Verlust nehmen die Verlagsmanager im Moment jedoch noch ganz bewusst in Kauf. Die von CEO Mathias Döpfner ausgegebene Direktive lautet, für einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel in den Köpfen der Konsumenten zu sorgen. Das kräftige Drehen an der Einnahmenschraube soll erst später folgen.

Den ersten Schritt in seiner Paid-Content-Strategie hat Springer erfolgreich hinter sich gebracht: Die ersten Verlagsangebote haben ohne massiven Traffic-Verlust ein funktionierendes Paid-Content-Modell implementiert. Die daraus generierten Einnahmen sind – wie man aus dem Verlagsumfeld hört – noch überschaubar. Heißt: Der nächste Schritt muss folglich die signifikante Steigerung der Einnahmen sein. An diesem Punkt, wird sich tatsächlich zeigen, ob es dem Hamburger Abendblatt und der Berliner Morgenpost gelungen ist, ein funktionierendes Geschäftsmodell für regionalen Online-Journalismus zu entwickeln und profitabel zu gestalten.

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Mittwoch 10. März 2010 12:49

Social-News: Der Yigg-Absturz

Das ambitionierte Social News-Portal Yigg kämpft ums Überleben. Innerhalb von zwei Monaten verloren die Münchener fast zwei Drittel ihres Traffics. Laut IVW rauschte Yigg.de von knapp über einer Millionen Visits auf nur noch 354.154 Besuche. Der Reichweiten-Zusammenbruch des Web 2.0-Start-ups muss aber kein Einzellfall bleiben, denn er basiert vor allem auf einer harten Bestrafung von Google. So wird einmal mehr deutlich, wie abhängig das deutsche Web von der US-Suchmaschine ist.

"Mit Bekanntgabe der IVW-Zahlen des Januar ist ersichtlich, dass wir Mitte Januar einen signifikanten Rückgang unserer Besucher haben hinnehmen müssen", schrieb Yigg-CEO Michael Reuter Anfang Februar in einem Posting an die Mitglieder. "Der Rückgang ist auf eine geringere Sichtbarkeit im Google Index zurückzuführen." Seitdem arbeiten die Techniker der Plattform fieberhaft daran, dass Google-Ranking wieder zu verbessern. Doch: "Google ist kein 'open book' ."

Marco Janck kommentiert in seinem Blog Seonauten.com: "Hier kann man deutlich sehen, was Google von Yigg hält, nämlich gar nichts oder zu mindest kaum was."

Die Gründe, warum die Suchmaschine Yigg derart abstrafte, lassen sich nicht abschließend benennen. Denn Google rechtfertigt sich in solchen Fällen nicht. Die meisten Penalties (Strafen) spricht die US-Company immer dann aus, wenn sie der Meinung ist, dass eine Webseite versucht sich mit – für Google unzulässigen Methoden – Vorteile zu verschaffen.

Yigg.de ist die älteste deutsche Social-News-Community und – wie fast alle einheimischen Web-2.0-Dienste – der Klon eines US-Angebotes. Vorbild für das 2005 gestartete Yigg war die amerikanische Nachrichten-Plattform Digg.com. Wie der US-Pate will auch Yigg eine "basisdemokratische" News-Community schaffen, bei der keine Redaktion und kein Algorithmus (wie bei Google-News), sondern die Mitglieder selbst die Relevanz einer Nachricht bewerten. Als Reporter fungieren die User, indem sie interessante Meldungen, die sie im Web finden, den anderen Mitgliedern präsentieren. Diese bewerten dann die Relevanz der Amateur-Fundstücke. Je positiver das Echo, desto prominenter ist die News auf der Startseite zu sehen.

Der Yigg-Niedergang begann nicht erst Ende 2009, sondern bereits Mitte 2008. Ein missratener Relaunch kostete das Angebot damals weit über eine Millionen Portalbesuche. Im Juni 2008 erreicht Yigg noch 2,3 Millionen Visits. Bis September brachen die Visits jedoch auf 697.196 zusammen. Schon damals ist die Zahl der aktiven User stark zurückgegangen. Wie der neuerliche Traffic-Rückgang nun beweist, sind in der Community nicht mehr so viele Mitglieder aktiv, denn dann wäre das Portal nicht derart von Google-Besuchern abhängig.

Die allgemeinen Probleme der deutschen Social News Angebote wie Yigg oder Webnews fasst Maxwell in einem Kommentar unter dem Seonauten-Post treffend zusammen: "Das Problem liegt in der begrenzten Quellenlage. Während die großen Seiten wie Reddit oder Digg aus einem internationalen Pool englischsprachiger Quellen schöpfen können, beschränkt es sich hier auf einige wenige Länder, und da zählt Deutschland schon zu den dicken Fischen im Teich."

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Dienstag 09. März 2010 09:47

WestDeal: WAZ startet Groupon-Klon

Die WAZ mausert sich zum neuen E-Commerce-Anbieter. Der Essener Zeitungskonzern nutzt seine tiefe regionale Verwurzelung und startet mit Westdeal.de einen eigenen Groupon-Klon für NRW. Damit bekommen erfolgsverwöhnte Web-Investoren wie die Samwer-Brüder oder Stefan Glänzer ungewöhnlich früh Konkurrenz aus der Verlagswelt. Bislang haben die Medienhäuser mit eigenen Projekten immer erst so lange gewartet, bis sie sich nur noch für teures Geld in viele Start-ups einkaufen konnten.

Der Claim des neuen Angebots lautet "Gemeinsam sind wir Schnäppchen". Auf der Seite von Westdeal wird verraten, wann der westdeutsche Groupon-Klon an den Start geht: "Ab dem 15. März 2010 werden hier regelmäßig ganz besondere Angebote aus unterschiedlichen Bereichen wie z.B. Lifestyle, Gastronomie, Wellness, Beauty, Sport, Events, Dienstleistung oder Handel Ihrer Stadt in Nordrhein-Westfahlen vorgestellt!"

Von der Funktionsweise hält sich das Portal streng an den aktuellen Modus Operandi aller Groupon- Angebote: "Westdeal ist eine Plattform, die Gutscheine für tolle Schnäppchen in ihrer Stadt oder Region zu einem einmaligen Schnäppchenpreis anbietet." 

Der Name Groupon ist ein Wortspiel, das sich aus den Worten 'group' (Gruppe) und 'coupon' (Rabattschein) zusammensetzt. Auf den jeweiligen Plattformen gibt es tägliche regionale Angebote, für die immer dann sehr hohe Rabatte eingeräumt werden, wenn sich eine entsprechend große Gruppe von Menschen findet, die bereit ist, für den angegebenen Preis zu kaufen. Beispiel: Eine Kinokarte wird um 50 Prozent günstiger, wenn sich 15 Personen finden, die bereit sind, den Rabattpreis zu zahlen. Mittlerweile hat fast jede deutsche Großstadt mindestens ein Groupon-Start-up.

Die beiden größten Anbieter sind aktuell Dailydeal.de und Citydeal.de. Dailydeal wird vom Last.fm-Gründer Stefan Glänzer finanziert und Mycitydeal.de von den Samwer-Brüdern und ihrer Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet. Die Investoren wittern in den Groupon-Plattformen das große Geschäft, denn wie Glänzer gegenüber MEEDIA erklärte, ist "das zugrunde liegende Modell von bestechender Klarheit und bietet Vorteile für alle Beteiligten." Glänzer führt weiter aus: "Der Anbieter investiert zu Grenzkosten und bekommt neben sofortigem cash flow eine Vielzahl von neuen Kunden, die er für sich gewinnen kann. Der Käufer hat Spass und macht ein Schnäppchen in seiner Region. Auch wenn es verdammt abgedroschen ist, ein Win-Win halt. Auch für regionale Medienpartner, für die wir Module entwickeln."

Bereits am letzten Tag des vergangen Jahres hatte der E-Commerce-Experte Jochen Krisch gebloggt: "Im Grunde wartet man ja nur darauf, dass das ein oder andere regionale Verlagshaus ein entsprechendes Angebot aufzieht bzw. bei dem ein oder anderen bestehenden Team einsteigt." 

Genau diese Erwartung wurde nun von der WAZ nun erfüllt. Wie schnell sich ein großes Medienhaus jedoch dazu aufraffte, ein eigenes Angebot zu starten, überrascht. Aufgrund ihrer tiefen regionalen Verwurzelung, den guten Kontakten zu mittelständischen Unternehmen und der eigenen Media-Power haben die Essener jetzt beste Chancen in ihrer dicht bevölkerten Stamm-Region vom ersten Tag an zum Marktführer aufzusteigen.

 

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Montag 01. März 2010 15:11

Mundpropaganda schlägt klassische Werbung

Einer der großen Krisengewinner der Werbebranche ist trnd. Die Dienstleistung des Start-ups ist der Verkauf von Mundpropaganda. Vor allem Konsumgüterhersteller leiden unter den Streuverlusten klassischer Werbung "und genau dieses Problem können wir lösen", verspricht CEO Torsten Wohlrab. "Wir bieten Unternehmen den wohl effektivsten Weg, mit neuen Produkten genau ihre Zielgruppe zu erreichen". Das Konzept funktioniert so gut, dass die europäische Expansion nun forciert wird.

Herzstück von trnd, die Buchstaben stehen für "The Real Network Dialog", ist eine Online-Community mit begeisterungsfähigen Konsumenten, die Lust darauf haben neue Produkte vor ihrer Markteinführung zu testen und darüber mit Freunden oder Kollegen zu sprechen. Das Netzwerk hat "in Deutschland, Österreich und der Schweiz bereits 250.000 Mitglieder", erzählt Wohlrab. "Zudem konnte unsere spanische Plattform bereits über 20.000 trnd-Partner finden." Das erstaunliche: Alle Community-Mitglieder haben sich freiwillig angemeldet.

Neben ihrer klassischen Datenbank haben die Bayern mit bopki.com zudem noch eine zweite, reine Frauen-Plattform aufgebaut.

Dieses riesige Reservoir an potentiellen Marken-Fans und -Evangelisten ist der wahre Besitz der Firma. Mit ehrlicher und möglichst offener Kommunikation gelingt es den Münchnern tatsächlich, die meisten Mitglieder bei der Stange zu halten.

Wohlrab hat die Community innerhalb von fünf Jahren zusammen mit Co-Gründer Rob Nikowitsch aufgebaut. Später kam noch Word of Mouth-Experte Martin Ötting dazu. "Angefangen haben wir 2005. Die ersten 20.000 Mitglieder haben wir gewonnen, indem wir unter anderem Apple-Fans mit einem kleinen
Gewinnspiel auf die trnd-Plattform aufmerksam gemacht haben." Seit Anfang 2005 wurden über 100 Kampagnen für Kunden wie P&G, Wrigley, Henkel, GSK, Bosch, Unilever, L'ORÉAL, Dr. Oetker, Philips, smart, Sixt und Microsoft realisiert.

Zu geschickten Lockangeboten greifen die Münchner aber selbst heute noch. So wurde der Grundstein für die neue spanische Tochter mit klassischem E-Mail-Marketing erreicht. Ähnlich wie in Deutschland scheint sich das Geschäft auf der iberischen Halbinsel prächtig zu entwickeln: "Die intensive Aktivität auf trnd.es hat uns besonders überrascht. Anfangs waren wir nicht ganz sicher, ob sich die Konsumenten in Spanien genauso stark wie die deutschen Mitglieder beteiligen würden – zu unserer Überraschung war die Aktivität jedoch noch höher: Im Internet sind die Spanier teilweise deutlich aktiver als die Deutschen und lieben es, ihre Erfahrungen im Netz und in sozialen Netzen zu verbreiten“, sagt Juan Pistone, Leiter des Kampagnenmanagements in Spanien.


Nach dem sich die trnd-Dependance in Barcelona so prächtig anlässt, starten die Bayer in Spanien nun auch eine eigene Version ihrer Frauen-Community bobki.es.
Die iberische Halbinsel ist nicht die einzige Auslandsdependance der Bayern. Auch in Holland gibt es bereits ein Büro. Der Markteintritt in Italien und Frankreich soll bereits in wenigen Monaten folgen.

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Montag 22. Februar 2010 22:04

Burda-Portal: 100 Tage Finanzen100

Vor hundert Tagen schraubte Burda das Beta-Schild von seinem Wirtschafts- und Anleger-Dienst Finanzen100. Seitdem entwickelt sich die Site prächtig: "Wir haben unsere Planung bislang übertroffen",  wie Chef Oliver Eckert MEEDIA verrät. Ihrem Ziel in zwei Jahren zu den Top drei der unabhängigen Finanzportale zu gehören, sind die Kölner bereits näher gerückt. Spätestens dann würde Burda richtig Kasse machen. Denn im Vergleich zur Konkurrenz funktioniert Finanzen100 als Aggregator, der kaum teure Manpower braucht.

Kernelement von Finanzen100 ist eine automatische Nachrichten-Suchmaschine, die auf über 12.500 Web-Quellen zurückgreift. Sie durchsucht sowohl klassische Nachrichten-Seiten, wie auch Foren, Blogs oder die Investor Relations-Seiten kleinerer Aktienfirmen. "Vor allem für Nebenwerte ist dies ein spannendes Angebot. Denn die meiste mediale Berichterstattung konzentriert sich noch immer auf die Blue Chips", erklärt Eckert.

Die Form von Business-Suchergebnissen scheint immer mehr Nutzer zu überzeugen. "Im Januar haben wir bereits mehr als 500.000 Visits und 1,6 Millionen Page Impressions erreicht", sagt Eckert.  "Zum Vergleich: Im ersten Monat unserer Beta-Phase kamen wir auf 50.000 Visits. Seit Start wachsen wir kontinuierlich von Woche zu Woche."

Allerdings ist die Konkurrenz noch weit weg. OnVista erreichte beispielsweise im Januar 12.1 Millionen Visits und Wallstreet Online kam auf 4,8 Millionen Visits.

Zweites Service-Standbein der Plattform sind die Wertpapier- und Themen-Dossiers. "Die gefallen Nutzern besonders gut", verrät Eckert. Doch nicht nur die User stehen auf die automatisch erstellten monothematischen Informationspakete. Auch Google honoriert die einfach strukturierten Service-Angebote mit einem immer größeren Besucherstrom, den die Suchmaschine zu Finanzen100 weiterleitet.

Allerdings stößt so eine softwaregestützte Zusammenstellung von Content-Bündeln bereits jetzt schon an ihre Grenzen. Deshalb muss langfristig wohl doch wieder humanoide Hilfe eingreifen. "Zurzeit arbeiten wir am Ausbau unserer Dossiers. Dazu verfeinern wir unsere Algorithmen und gehen Content-Partnerschaften ein. Sehen wir zu bestimmten Finanzthemen zusätzlichen Informationsbedarf, binden wir über ein Netzwerk freier Journalisten weitere Beiträge an."

Obwohl der Businessplan – laut Eckert –  für das Jahr 2010 noch keine nennenswerten Vermarktungserlöse vorsieht, muss auch der Geschäftsführer zugeben, über Paid Services nachzudenken. "Das könnten zum Beispiel attraktive Realtime-Angebote für Heavy Trader sein."

Unabhängig von dem Aufbau neuer kostenpflichtiger Dienste ist die Zielrichtung bis zum Ende des Jahres klar: "Das Jahr 2010 steht voll und ganz im Zeichen des weiteren Reichweitenaufbaus." Geht das Wachstum in einer ähnlichen Geschwindigkeit weiter, wird beim ersten Geburtstag bereits die Millionen-Visits-Marke geknackt sein.

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Montag 15. Februar 2010 16:16

Wie Facebook die deutsche Zentrale versteckt

In Millionen deutsche Computer ist Facebook längst eingezogen. Nun folgt das Web-Unternehmen auch offline und eröffnet das erste Büro in Deutschland – so teilte es der Weltkonzern zumindest mit. Doch wo die zehn Milliarden Dollar-Company sich tatsächlich niederlässt, ist gar nicht so einfach herauszufinden. Facebook selbst nennt nur eine vage Ortsbestimmung "in Hamburg beim Rödingsmarkt". MEEDIA hat sich vor Ort umgesehen, Facebook tatsächlich gefunden – und war überrascht.

Um die unpräzise Ortangabe der deutschen Dependance des US-Konzerns noch verwirrender zu machen, nennt der Firmeneintrag beim Amtsgericht eine ganz andere Adresse: am Rathausmarkt 5.

Der Türschild-Test brachte ein eindeutiges Ergebnis: Am Rathausmarkt 5 gibt es tatsächlich – wie die taz berichtete - viele freie Klingelschilder, aber keines, dass auf Facebook schließen lässt. Anders beim Rödingsmarkt: In der Nähe der U-Bahnstation und gleich ein paar Häuser neben Starbucks hängt das gesuchte Klingelschild.


Wer allerdings glaubt, der globale Web-Konzern, der mit über 400 Millionen Mitgliedern das größte Social Network des Planten betreibt, präsentiert nach außen entsprechend standesgemäß, irrt. Statt imposantem Weltmarktführer-Schild klebt an der Eingangstür zu dem schicken und funktionalen Bürogebäude nur ein kleiner handgeschriebener Zettel: "Facebook 2 OG Rechts".

 

Ein ähnliches Bild gibt die frisch angemietete Fläche ab. Anstatt repräsentativer Nobel-Büros befindet sich die Hanse-Filiale noch im Aufbau. Das gilt ganz praktisch für die Schreibtische, die noch zusammengebaut werden müssen, wie auch für die Telefone, die noch nicht angeschlossen sind. Trotz des typischen Einzugschaos ist jetzt schon zu sehen: Beim Rödingsmarkt entstehen keine Arbeitsplätze mit dem Ambiente eine Spielplatzes, wie man sie von Google kennt, sondern zweckdienliche Büros für das Sales- und Management-Team, das hierzulande vor allem einen Job hat: Werbeplätze zu verkaufen.

Bei dieser Aufgabe stört allerdings zuviel Publikumsverkehr. Deshalb hält sich auch standhaft das Gerücht, dass es der US-Company ganz recht ist, wenn die Hamburger Adresse nicht zu schnell bekannt wird. Denn die Folgen sind offensichtlich: Mögliche Klagen lassen sich dann weit einfacher zustellen und einige Nutzer werden es sich nicht nehmen lassen, zu Fuß bei Facebook vorbei zu schauen und die Empfangsdamen mit lästigen Detail-Fragen zur Plattform-Nutzung und den AGBs zu entnerven.

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Alexander Becker lebt in Hamburg und arbeitet dort als freier Journalist. Seit fast zehn Jahren beschäftigt er sich mit dem World Wide Web und schreibt über die aktuellen Internet-Trends und neue Online- Entwicklungen. Bei MEEDIA betreut Alexander Becker die Rubrik „Web-Business“ und „Neue Sites“.


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Alexander Becker:
@Kai Pahl Ich finde das durchaus legitim. Denn Abebendblatt.de und auch die Morgenpost sind noch [...] Zum Artikel dieses Kommentars
Kai Pahl:
Zur Erinnerung: das Abendblatt hat *nur* den Lokalbereich verriegelt. Alles andere – Politik, Wirtschaft, [...] Zum Artikel dieses Kommentars
Stefan Petersen:
ist ja auch klar. visits werden da auch nicht stark fallen. eigentlich nur die PIs. aber die werden [...] Zum Artikel dieses Kommentars

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