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Mario Rosendahl über sein Web-Projekt Radio Reeperbahn

"Die Idee kam mir auf der Hochzeitsreise"

Radio Reeperbahn, das "Urlaubsradio" aus Hamburg, ist seit Januar On Air. Im Interview mit MEEDIA erzählt Gründer Mario Rosendahl, wie er während seiner Hochzeitsreise zufällig auf die Idee zum "sündigsten Radiosender der Welt" stieß. Der neue Sender soll sich an alle Hamburg-Fans in der ganzen Welt richten. Die Musik und das Programm drehen sich um den Kiez und darum, was dort hinter den Kulissen passiert. Als Konkurrent zu den andern Stadtsendern sieht sich Radio Reeperbahn aber nicht.

Hinter Radio Reeperbahn steht laut Rosendahl ein "Kernteam" von zehn Personen, was sich einmal im Monat trifft. Daneben gebe es Kompetenzteams: eins für die Musik-Rotation, eins für die Technik, eins für die Redaktion und eins für die Moderation. Zu hören ist das Programm unter www.radio-reeperbahn.de. MEEDIA hat den Gründer in Hamburg getroffen.

Wie kam es zu "Radio Reeperbahn"?

Mario Rosendahl: Ich bin schon seit 1993 im Radio aktiv. Als ich damals die bunte Medienwelt entdeckte, habe ich immer gedacht, wenn ich mal groß bin, will ich auch einen eigenen Radiosender haben. Man braucht ein Programm, ein Namen, eine Marke, für die sich jeder interessieren könnte. Und danach war ich lange Jahre auf der Suche. Was könnte eigentlich einen Hörer interessieren? Nicht nur hier in Hamburg, sondern idealer Weise in ganz Deutschland oder sogar auf der ganzen Welt. Mir ist aber nie die zündende Idee gekommen, bis ich dann Jahrzehnte später, im August 2008, auf meiner Hochzeitsreise war. Dort bin ich abends mit einem Kioskbesitzer ins Plaudern gekommen, dieser wollte wissen, woher ich komme. "Hamburg, kenne ich. Da war ich jahrelang, besonders auf der Reeperbahn", meinte er dann. Da habe ich festgestellt, dass wir in einer Stadt leben, in der es eine Straße gibt, die weltbekannt ist, und jeder interessiert sich auch, was dort hinter den Kulissen passiert. Das, was dort passiert ist ja schließlich evolutionsbedingt. Die Fortpflanzung steckt uns nun mal in den Genen und deswegen will auch jeder wissen, was auf so einer sündigen Meile, wie der Reeperbahn passiert. So kam dann die Idee zu Radio Reeperbahn.

Wie finanziert sich der Sender?

Im Moment ist das so: dieser Sender ist eine Produktion der Agentur Eyecansee (Anmerkung der Red.: eine von Rosendahl geführte Werbeagentur). Wir finanzieren das zunächst erst mal aus eigener Tasche. Und haben da ein Refinanzierungskonzept vor Augen, das wir in den nächsten Jahren umsetzen wollen. Der Sender soll noch in diesem Jahr in eine eigenständige Radio-Company ausgegliedert werden. Werbepartner sind bis jetzt Peugeot, Expedia und Citroen. Für die nationale On-Air-Werbezeiten-Vermarktung schließen wir uns ab März der RMS (Radio Marketing Services) an. Und dann haben wir noch eine regionale Vermarktung mit einem eigenem Verkaufsleiter, der hier in Hamburg und Umgebung tätig ist.

Wie sieht das Programm aus?

Wir entwickeln wiederkehrende Formatblöcke. Momentan gibt es Veranstaltungstipps, Verlosungen und moderierte Sendungen. Aber alles nicht zu festen Zeiten. Bei den moderierten Wortbeiträge gibt es, wie bei anderen Sendern auch nicht, kein "Wetten, dass...???" im Radio oder so was. Unser Ziel ist es, 24 Stunden lang den Hörer zu unterhalten. Das ist letztendlich der Inhalt dieses Senders.

Wie sieht die Verbundenheit mit dem Kiez aus? Ist das reine PR für die Kneipen und Bars?

Wir wollen die Themen, die Personen und die Kiez-Größen beleuchten. Mit Werbung wird man kein Programm füllen können. Ein Geschäftsführer eines Unternehmens, hat natürlich nur ein einziges Interesse: 24 Stunden am Tag, ohne Unterbrechung, Werbung senden. Das Problem ist nur: kein Mensch würde einen solchen Sender einschalten. Das heißt, es muss wirklich eine gesunde Mischung werden. Für uns steht der redaktionelle Content absolut im Vordergrund. Die Werbung ist sozusagen das notwendige Übel, weil wir keinerlei GEZ-Gebühren oder Sonstiges bekommen.

Wer ist die Zielgruppe?

Wir wollen die Stimmung, die die Menschen mit der Reeperbahn verbinden aufrechterhalten und weiter transportieren. Für die, die schon da waren. Das ist ein bisschen vergleichbar, wie ein Urlaubsradio. Und die Hamburg-Fans, die noch nicht in Hamburg waren, aber immer davon träumen, da mal hin zu kommen, sollen ein Gefühl dafür bekommen, wie Hamburg und die Reeperbahn so ticken. Das ist erst mal Maßgabe und Vorgabe genug. Wir wollen unterhalten und ein Hamburg-Gefühl weiter transportieren. Trotz Rotlicht wollen wir nicht unter die Gürtellinie gehen. Das haben wir schon bei der Konzeption gesagt. Wir wollen die Themen, die Personen und die Kiez-Größen beleuchten. Wenn die was Zweideutiges sagen, ist das in Ordnung. Das ist deren Welt und deren Leben. Aber wir selbst wollen niemals unter die Gürtellinie gehen. Das hat den Vorteil, dass wir eine junge Zielgruppe ansprechen können

Was für Musik spielt Radio Reeperbahn?

Es gibt mindestens einmal die Stunde die sogenannten Reeperbahn-Klassiker. Dazu gehört natürlich Udo Lindenberg, Jan Delay, Fettes Brot und alles was so Hamburger Bands und Größen sind, die wir mit der Stadt und der Reeperbahn verbinden. Lotto King Karl darf da logischerweise nicht fehlen. Was aber auch dabei ist, sind solche Titel, die man üblicherweise in Radios gar nicht hört. Zum Beispiel der "Time Warp" aus der Rocky Horror Picture Show. Das ist ein Partykracher, den die DJs bei Veranstaltungen auflegen. Dann haben wir auch Musik aus den Stage-Musicals, wie "Mamma Mia" und "Cats" im Programm. Wir haben auch zusätzlich noch deutsche Interpreten sehr stark im Programm. Deutschsprache Künstler sind für uns als deutschsprachiger Sender eine Selbstverständlichkeit. Aber wir wollen auch den Hamburger Nachwuchskünstlern eine Plattform geben, die sie wo anders nicht bekommen. Die meisten Radiosender warten bei neuen Songs, ob sie erfolgreich werden oder nicht. Wir wollen nicht warten, wir wollen dazu beitragen, dass ein Künstler erfolgreich wird. Das schafft er natürlich nur, wenn er irgendwo gespielt wird.

Radio Reeperbahn ist zur Zeit nur ein Web-Radio. Wollen sie eine UKW-Lizenz?

Ich glaube nicht, dass wir auf das sinkende Schiff UKW setzten werden, sondern wenn dann werden wir bei dem neuen Sendeweg DAB Plus mit dabei sein.

Sehen Sie sich als Konkurrent zu den anderen Hamburger Sendern?

Wir sehen uns gar nicht in Konkurrenz zu den Stadtsendern hier in Hamburg. Idealer Weise hören uns die Leute, die nach Hamburg wollen oder schon mal in Hamburg waren und die Erinnerung einfach behalten oder auffrischen wollen.

 

 

Interview: Philipp Busse

02.02.2012
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