Immer wieder kam der Fruchtgummi-Hersteller Haribo mit seinen Produkten im Programm der Deutschen Welle vor. Ein Beitrag mutete gar an wie ein Werbeclip. Mit den Berichten könnte der deutsche Auslandssender gegen seine Werbe- und Sponsoringrichtlinie verstoßen haben, nach der die Erwähnung von Produkten nur zulässig ist, wenn dies zwingend erforderlich ist. Für die Verleihung eines Preises an den Haribo-Chef stellte die Deutsche Welle sogar Räumlichkeiten ihrer Zentrale in Bonn zur Verfügung.
Als öffentlich-rechtlicher und steuerfinanzierter Sender muss die Deutsche Welle (DW) strikte Neutralität wahren. Dennoch kam die Firma Haribo, deren Firmenzentrale nur etwa 1,5 Kilometer vom Hauptsitz der Deutschen Welle entfernt liegt, überraschend häufig im Programm der Deutsche Welle vor. Im September war ein Fall von Haribo-Schleichwerbung in einer SWR-Sportsendung bekannt geworden.
Die Deutsche Welle berichtete zuletzt Ende Oktober in der Radiosendung„Journal D“ über eine Tauschaktion der Haribo-Werke in Bonn, die ihren73. Geburtstag feierte. Die Ankündigung eines DW-Extras, das die Deutsche Welle zum 85.Geburtstag des Haribo-Goldbären im Radio sendete, enthielt einen Satz,der sich Wort für Wort mit einem Satz aus einem PR-Text deckt, denHaribo zum 85. Jubiläum des Haribo-Goldbären verbreitete. Auf Anfragekonnte man bei der Deutschen Welle hierfür keine Erklärung abliefern.Das DW-Extra wurde insgesamt fünf Mal wiederholt.
Der Anfang des DW-Extras mutete an wie ein Werbespot: Es wurden Personen zu Haribo-Goldbären befragt, die das Produkt unter anderem als „fruchtig“ und als „so lecker und fruchtig“ bezeichneten. Ein Mann behauptete, er esse „in der Woche ein bis zwei Tüten“ Haribo-Goldbären. Am Ende der Befragung wurde die bekannte Haribo-Werbemelodie „Haribo macht Kinder froh“ abgespielt. Eine nachfolgende Reportage aus den Haribo-Produktionshallen enthielt die Aussage, dass die „neuen“ Goldbären „noch etwas köstlicher“ seien. Einen werblichen Effekt sieht die Deutsche Welle in dem Beitrag nicht.
In beiden Fällen hielt es die Deutsche Welle nach eigener Auskunft für nicht zwingend erforderlich, über Haribo und sein Produkt „Goldbär“ zu berichten. Nach der Richtlinien der Deutschen Welle für Werbung und Sponsoring ist die Erwähnung oder Darstellung von Produkten aber nur zulässig, „wenn und soweit sie aus journalistischen oder künstlerischen Gründen, insbesondere zur Darstellung der realen Umwelt, zwingend erforderlich ist“. Soweit Produkte erwähnt oder dargestellt werden, ist darüber hinaus „durch die Art der Darstellung nach Möglichkeit die Förderung werblicher Interessen zu vermeiden“.
Die Liste der Erwähnungen von Haribo-Produkten im Programm der Deutschen Welle ist derweil lang: Unter anderem stellte die DW-Fernsehsendung „Euromaxx“ in einer Serie Erfindungen aus Deutschland vor und berichtete in einer Folge über den Haribo-Goldbären. Im Internetangebot der Deutsche Welle findet sich eine Fotoserie mit Fotos von Haribo-Produkten.
Beim Deutsch-Lernprogramm „Alltagsdeutsch“ der Deutschen Welle lautet eine von drei Verständnisfragen zu einem Text: „Woraus setzt sich der Markenname Haribo zusammen?“. Obwohl es in dem Beitrag um Produkte verschiedener Hersteller geht, wurde dieser im Internet mit einem Foto, auf dem Haribo-Goldbären zu sehen sind, bebildert.
Die jeweiligen redaktionellen Entscheidungen seien „nachvollziehbar und angemessen“, erklärte Berthold Stevens von der Unternehmenskommunikation der Deutschen Welle auf Anfrage. Einen Verstoß gegen die Werberichtlinie sieht man bei der Deutschen Welle in keinem der Fälle, in denen Haribo im DW-Programm vorkam.
Die Verbindung zwischen der Deutschen Welle und Haribo geht über Programminhalte noch hinaus. Der Verein Bonner Medien Club (BMC) verleiht jedes Jahr den sogenannten „Bröckemänche Preis“. Im Jahr 2006 wurde der Chef der Firma Haribo, Hans Riegel, mit dem Preis ausgezeichnet. Für die Preisverleihung stellte die Deutsche Welle Räumlichkeiten ihrer Zentrale in Bonn zur Verfügung. Auf der Veranstaltung ließ sich der amtierende DW-Intendant Erik Bettermann neben dem Haribo-Chef fotografieren. Ob Bettermann auch eine Rede auf der Veranstaltung hielt, wollte weder die Deutsche Welle noch der BMC mitteilen. Man habe „in der Sache angemessen und umfassend geantwortet“, so Berthold Stevens von der Deutsche Welle. Sein Sender ist Partner des BMC beim Bröckemänche-Preis insofern, als dass „sie auf BMC-Anfrage hin Räumlichkeiten im Funkhaus“ für die Verleihung des Bröckemänche-Preises „zur Verfügung stellt“, so Stevens auf Nachfrage. Im selben Jahr, in dem auch die Preisverleihung stattfand, wurde der Haribo-Chef zudem von der portugiesischen Onlineredaktion der Deutschen Welle portraitiert, ein Jahr zuvor von der englischen Schwesterredaktion. Die Laudatio auf Riegel bei der Preisverleihung hielt der „Wetten, dass..“-Moderator Thomas Gottschalk. Den Entertainer erwähnte die Deutsche Welle sieben Monate zuvor in einem Beitrag zu Product Placement in den Medien mit den Worten: „Darf Thomas Gottschalk, der für Haribo und die Post wirbt, genau diese Produkte und Dienstleistungen in seine Samstagabendshow 'Wetten, dass …?' integrieren?“.
Veranstaltungen in der Deutschen Welle fallen in den Zuständigkeitsbereich der DW-Unternehmenskommunikation. Deren Leiter Johannes Hoffmann gehört in seiner Funktion als DW-Kommunikationschef wie der Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Haribo, Marco Alfter, dem Bonner Medien Club an, der Riegel den Preis verlieh. Ob hierfür von der Deutsche Welle Mitgliedsbeiträge an den privaten Verein fließen, wollte die Deutsche Welle auf Anfrage nicht mitteilen. Laut seiner Satzung ist der einzige Zweck des BMC die Pflege der Beziehungen seiner Mitglieder zu den lokalen Behörden, Institutionen und anderen Einrichtungen des öffentlichen Lebens“. Dies umfasst demnach auch die Pflege der Beziehungen des Haribo-PR-Chefs zur Deutschen Welle als öffentliche Einrichtung. Von Haribo war auf Anfrage keine Stellungnahme zu erhalten.
Letzte Kommentare
30.01.10 17:36
Marvin Oppong Web-Site
@ Michael Morgenstern:
Vielen Dank für Ihren Hinweis. Diesen habe ich überprüft. Dabei haben sich jedoch keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass bei der Deutschen Welle Personen untertariflich bezahlt werden. Auch dem Personalratsvorsitzenden der Deutschen Welle ist nichts derartiges bekannt. Worauf stützen Sie Ihre Behauptung?
22.01.10 11:40
Michael Morgenstern
"international zu vermitteln" ... ja ist gut, aber die Zuschauer sind nicht so dumm wie die Redakteure bei der Deutsche Welle denken... über guter Journalismus kann man die Welt zu verstehen geben, was für ein tolles Land Deutschland geworden ist, nicht über Schleichwerbung (übrigens, schaut mal ins DW-TV Wirtschaft rein... von wegen Schleichwerbung, hoffentlich kassiert jemanden bei der Deutsche Welle was dafür, sonst sind die richtig dumm). Und ein Sender, der seine auslaendische Mitarbeiter untertariflich bezahlt, vor allem die Araber, und nicht sieht, dass das Diskrimination ist, weiss wohl nicht, was Deutschland's Werte sind... hier liegt ein richtiger Skandal, falls jemanden von Meedia das untersuchen möchte...
12.01.10 18:02
Peter Bellinghausen
"Auf der Veranstaltung ließ sich der amtierende DW-Intendant Erik Bettermann neben dem Haribo-Chef fotografieren." Wow, das ist investigativer Journalismus vom Feinsten. Pulitzer here i come. Darauf einen Riesengoldbären!!
12.01.10 17:53
Jens Hartwig
Da sieht der Herr Oppong wohl mal wieder einen Skandal wo keiner ist!
12.01.10 11:46
Meinung S. Freiheit
Ach ja - das Rheinland: "Man kennt sich, man hilft sich". In weiter südlichen Landtsrichen der Republik wird's Vetterles- oder Spezlwirtschaft genannt.