Vor einigen Tagen veröffentlichte der BDZV aktuelle Zahlen über deutsche Zeitungs-Websites. 658 deutsche Zeitungen wären inzwischen im Netz vertreten. Doch welche der 658 Angebote sind die erfolgreichsten? MEEDIA hat es mit Hilfe von Googles Research-Tool Ad Planner nachgeprüft und präsentiert die Top 100 der deutschen Zeitungs-Websites. Positiv: Bereits 44 Angebote locken 100.000 und mehr Nutzer pro Monat an. Negativ: Die meisten liegen noch deutlich unter ihren Print-Reichweiten.
Als Ausgangspunkt für unsere Analyse diente die BDZV-Liste der 658 Zeitungs-Websites. Wir überprüften in allen Fällen, ob die Adressen noch aktuell sind, oder sich inzwischen geändert haben (was in ca. 10 Fällen der Fall war) und entfernten Mehrfach-Websites. Schließlich bieten viele Zeitungsverlage für ihre Blätter eine gemeinsame Website an und nicht für jede eine eigene. Bekanntestes Beispiel ist wohl DerWesten für die Titel der WAZ-Mediengruppe. So wurden aus den 658 Websites schließlich 310 Angebote mit eigener Domain. Diese 310 Domains überprüften wir schließlich in Googles Ad Planner. Gegenüber anderen Kennzahlen wie IVW oder AGOF hat der Ad Planner den Vorteil, dass keine Mitgliedschaft nötig ist, Google errechnet aus einer Vielzahl von Datenquellen für jede relevante Website eine Unique-Visitors-Zahl.
Zuerst eine relativ erschreckende Erkenntnis: 96 der 310 Zeitungs-Websites mit eigener Domain verfügten im Januar über eine Zahl von Unique Visitors, die so gering war, dass Google keine konkrete Zahl nennt. Das geschieht in der Regel dann, wenn keine 2.000 Unique Visitors zusammen kamen. 96 der Angebote sind also so unpopulär, dass nichtmal 2.000 Leute im Januar den Weg auf ihre Seiten fanden.
Positiver hört sich die zweite interessante Zahl an: Immerhin 44 der Websites verfügten im Januar über mindestens 100.000 Unique Visitors - nach MEEDIA-Recherchen fünf mehr als ein Jahr zuvor. 25 kamen sogar auf mehr als 200.000 Nutzer, 19 auf mehr als 300.000 und 11 auf mehr als 500.000 Nutzer. Doch die schönen Zahlen lenken etwas davon ab, dass damit die meisten Zeitungswebsites noch deutlich unter ihrem Potenzial liegen. So lesen laut aktueller MA täglich 2,23 Mio. eines der WAZ-Blätter, DerWesten kommt aber monatlich nur auf 0,83 Mio. Besucher. Nur eins von vielen Beispielen, die zeigen, dass sich die Internet-Reichweiten fast überall noch deutlich unter denen der Print-Ausgaben aufhalten.
Natürlich lassen sich tägliche Print-Zahlen nicht direkt mit monatlichen Internet-Zahlen vergleichen, doch weitaus positiver als bei so mancher Regionalzeitung sieht es bei einigen überregionalen Titeln aus. So lesen Die Welt und Welt kompakt laut MA 640.000 Leute, im Netz hat welt.de 2,90 Mio. Unique Visitors. Bei der Süddeutschen lautet das Verhältnis 1,16 Mio. zu 2,60 Mio., bei der F.A.Z. immerhin 0,89 Mio. zu 1,40 Mio. Die Nummer 1 bleibt wie schon im Printmarkt natürlich Bild. Das Internet-Beiboot Bild.de kam im Januar auf 6,10 Mio. Unique Visitors - und damit auf mehr als doppelt so viele wie der schärfste Verfolger Welt.de.
Die erste Regionalzeitungs-Website in unserem Ranking ist wie immer RP Online der Rheinischen Post: 1,30 Mio. Unique Visitors reichen für Platz 5. Die nächsten Regionalzeitungen folgen unterhalb der Mio.-Marke: das Hamburger Abendblatt, die WAZ-Titel, Der Tagesspiegel, der Express, die Berliner Morgenpost, die gemeinsame Website von Berliner Zeitung und Berliner Kurier, der Kölner Stadt-Anzeiger, die B.Z. und die Augsburger Allgemeine ergänzen die Top Ten der Regionalbranche.
Betrachtet man die einzelnen Bundesländer, so ergeben sich beim Blick auf die Regionalzeitungen folgende Sieger:
Berlin: tagesspiegel.de / 570.000 Unique Visitors
Brandenburg: maerkischeallgemeine.de / 200.000
Mecklenburg-Vorpommern: ostsee-zeitung.de / 84.000
Sachsen-Anhalt: mz-web.de / 150.000
Sachsen: sz-online.de / 170.000
Thüringen: thueringer-allgemeine.de / 64.000
Bremen: weser-kurier.de / 93.000
Hamburg: abendblatt.de / 830.000
Niedersachsen: haz.de / 110.000
Schleswig-Holstein: shz.de / 100.000
Nordrhein-Westfalen: rp-online.de / 1.300.000
Hessen: hna.de / 150.000
Rheinland-Pfalz: rhein-zeitung.de / 140.000
Saarland: saarbruecker-zeitung.de / 58.000
Baden-Württemberg: badische-zeitung.de / 240.000
Bayern: augsburger-allgemeine.de & merkur-online.de / 270.000
Kommen wir nun aber endlich zu unserer Top 100 - in voller Pracht:



Letzte Kommentare
23.02.10 22:33
Matthias Schumacher Web-Site
@Jens Schröder: Da hat doch einer gerundet!;)
23.02.10 13:20
Jens Schröder Web-Site
@Matthias Schumacher: Da Websites mit der gleichen Zahl von Unique Visitors auch den gleichen Platz belegen, gibt es u.a. vier 97. Plätze und keinen 98., 99., und 100. Platz.
23.02.10 13:17
Matthias Schumacher Web-Site
Warum hat die Top 100 nur 97 Plätze?
23.02.10 11:57
Florian Salge Web-Site
Sehr informative Auflistung über die Zugriffszahlen.
Mich würde interessieren, ob die Verlage es schaffen die Zugriffe auf die Online-Angebote gewinnbringend zu monetarisieren.
Ich bin mir sicher, dass die Zugriffe in Zukunft noch weiter zunehmen werden. Insbesondere junge Menschen wie ich, lesen heutzutage oftmals ausschließlich Nachrichten online.
22.02.10 17:35
Stefen Niemeyer Web-Site
"Uwe Seeler", die Sächsische Zeitung hat sich 2008 im Dresdner Presseclub gerühmt, keine Verluste zu machen und online kein Geld zu verbrennen. Frage mal nach, ob das noch heute gilt.