Noch in diesem Jahr wird Axel Springer Geld für alle Verlags-Angebote für iPhone-Applikationen verlangen. Dies teilte Vorstand Andreas Wiele bei der Eröffnung der Medienwoche in Berlin mit. Wiele argumentierte dabei, dass die unbefriedigende Erlössituation der Medienhäuser im Internet auch hausgemacht sei, da vielfach Apps gratis zur Verfügung gestellt würden und der größte Teil der News überall im Web klickbar sei. Beim Eröffnungs-Panel war mit Vermarkter Stefan Tweraser auch Google vertreten.
Bei der Eröffnung des Kongresses der Medienwoche am Montag diskutierten Vertreter der verschiedenen Medienbranchen - Musik, TV, Film, Verlag, Internet - die aktuelle Situation am Medienstandort Deutschland. Die Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass die Konjunkturkrisen in diesem Jahrzehnt zur Beschleunigung des Strukturwandels geführt haben. Wichtig sei jetzt, mehr Geld in Inhalte und Development zu investieren. In Sachen Formatschutzrecht, Urheberrecht, Leistungsschutzrecht, Piraterieschutz und Werbevorgaben müssten die Rahmenbedingungen der neuen Medienwelt angepasst werden.
In der ersten Keynote des Tages forderte MTV-COO Marco de Ruiter eine Anpassung der Rechtesituation an die neuen Technologien und deren Nutzung. Bisher stehe beides noch in einem ungleichen Verhältnis. „Wir brauchen eine Welt, in der Leute nicht kriminalisiert werden, weil sie Medien anders konsumieren als bisher üblich." So befänden sich etwa junge Leute plötzlich im Konflikt mit dem Gesetzgeber allein für das Einstellen von Inhalten. Zu starke gesetzliche Restriktionen kämen einer Zensur gleich. Das müsse geändert werden.
Andreas Wiele, Vorstand Bild-Gruppe und Zeitschriften bei Axel Springer, stellte in seiner anschließenden Keynote „4 Thesen zum Medienstandort Deutschland aus der Sicht eines Verlagshauses" fest, Deutschland sei nach wie vor ein Printland. So würde der größere Teil des Umsatzes im Moment noch aus den analogen Feldern kommen, in zehn Jahren sollen 50 % der Erlöse im Online-Geschäft gewonnen werden. Deutschland könne zum Trendsetter für Bezahl-Inhalte im Netz werden. Wiele lud alle Medien branchenübergreifend dazu ein, sich gemeinsam dafür zu engagieren. Es sei nicht nachvollziehbar, dass man selbstverständlich für Klingeltöne bezahle, aber nicht für journalistische Inhalte.
Als Google-Gesandter hob Stefan Tweraser, Country Director Sales Google Germany, hervor, dank des technologischen Wandels werde so viel Inhalt produziert und verfügbar gemacht wie nie zuvor. Restriktive Regularien seien jedoch nicht geeignet, Kreativität und Gründergeist zu fördern. In Anspielung auf die Forderung nach einem neuen Leistungsschutzrecht stellte er fest: „Wenn man danach ruft, Anteil an den Google-Umsätzen zu haben", ist das so, als wollte Kodak Anteile an jedem digitalen Foto beanspruchen." Wer von Google nicht gefunden werden wolle, könne das unterbinden.
Letzte Kommentare
07.09.09 22:43
Udo Schewietzek
tja,
man soll es nicht glauben, ein Herr Wiele hat es immer noch nicht begriffen: Von den Klingeltönen hat der heutige User eben länger einen Nutzwert als von den Print- und Onlinenews...
07.09.09 22:01
Harald Mueller
"Es sei nicht nachvollziehbar, dass man selbstverständlich für Klingeltöne bezahle, aber nicht für journalistische Inhalte."
Tja, so etwas nennt sich "Markt" ...
Und wenn er sagt
"Noch in diesem Jahr werde Axel Springer alle Inhalte, die mittels Applikationen für das iPhone angeboten werden, kostenpflichtig machen. Apps für elektronische Fürze kosteten 79 Cent, doch Apps wie beispielsweise vom "stern" könne man sich umsonst herunterladen, so Wiele: "Sind wir denn bescheuert?" "
antworten wir:
Na ja, bei den Apps für das iPhone wird aber auch nur einmal für 79 Cent gefurzt und dann ist alles was da mitkommt für die Zukunft umsonst. Wenn es hier aber um Fürze für jeden Tag geht dann sind das in der tat Blähungen gegen die Menschen bekanntlich Mittel haben...
Wie auch immer, eine interessante Anal-ogie :-)
07.09.09 18:28
Peter Weber
Dann werde ich die Programme einfach löschen und gut ist es.