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Durchbruch für Apples Alleskönner

Welterfolg: iPhone überholt den Blackberry

Es klang ein bisschen nach Größenwahn. "This is gonna change everything", ließ Apple zum Start des iPhones in einem Werbespot verbreiten. 15 Monate nach der Einführung ist exakt das Realität geworden. Das iPhone ist nicht weniger als eine technologische Revolution – es ist ein Gamechanger, der die Branche aufmischt. Wie sehr, muss nun auch der einstige Platzhirsch RIM erkennen, der mit seinem Blackberry erstmals in einem Quartal das Nachsehen hatte.

Die Freude hätte größer kaum sein können: "Apple hat gerade eines der besten Quartale der Firmengeschichte bekanntgegeben", erklärte Steve Jobs gestern - "mit einem geradezu unglaublichen Ergebnis beim iPhone". So ließ es sich der legendäre Apple-CEO dann auch nicht nehmen, die beeindruckenden Verkäufe im anschließenden Conference Call entgegen der Tradition persönlich zu verkünden. Buchstäblich unglaubliche 6.892.000 Geräte wurden im dritten Quartal, das im Apple-Geschäftsjahr bereits das vierte ist, abgesetzt – und das, obwohl die zweite Generation 3G ab Mitte Juli nur unzureichend ausgeliefert wurde.

Die Superlative häufen sich nun: Unglaubliche 39 Prozent der Umsätze wurden im abgelaufenen Quartal bereits mit dem iPhone erzielt. Fast im Vorbeigehen wurde der bisherige Smartphone-Platzhirsch Research in Motion, der Ende Juni an der Börse noch mit 85 Milliarden Dollar bewertet wurde, im überhaupt erst fünften Geschäftsquartal deutlich geschlagen. "Wir haben mehr Mobiltelefone verkauft als RIM", konnte Steve Jobs seine Freude dann auch nicht verhehlen. Gleich 800.000 Einheiten mehr waren es gegenüber den besten Blackberry-Absätzen aller Zeit. Und ganz nebenbei ist Apple auf dem US-Markt damit bereits zum drittgrößten Mobilfunkanbieter hinter Nokia und Samsung aufgestiegen – Motorola, SonyEricsson und LG sind bereits distanziert.  

Geheimnis des Erfolges: Das iPhone stößt in die Lücke zwischen Elite und Kommerz

Dem Apple-CEO ist damit binnen 15 Monaten etwas gelungen, was noch vor zwei  Jahren kaum einer für möglich gehalten hätte. Nach der Revolution der Computer- und Musikindustrie hat Jobs nun auch noch die Mobilfunkbranche umgekrempelt. Nach einem schier unendlich langen Jahrzehnt der UMTS-Versprechungen ist das mobile Internet dank des iPhones nun greifbar geworden. 20- bis 30-mal mehr als andere Handynutzer browsen iPhone-Kunden im mobilen Internet.

Warum, wird schnell klar. Wirklich zum ersten Mal ist das Surfen im Web keine Qual mehr wie bei allen anderen pixeligen, langsamen Vorgängergeräten, die nur unerträglich abgespeckte Fassungen des WWWs anbieten konnten. Vor allem das intuitive Zusammenspiel mit dem langjährig gewachsenen Betriebssystem Mac OS ist der unschlagbare Vorteil des iPhones gegenüber anderen Smartphones, die die Softwarenutzung mit komplizierten, umständlichen und vor allem zum PC eher unkompatiblen Applikationen vielmehr zum Frust- denn zum Lusterlebnis machen.

Am Ende des Tages – und das war immer Apples ganz großer Trumpf – ist das iPhone das wahrscheinlich greifbarste Kultobjekt in der Geschichte der Technologiebranche. iMacs und MacBooks sind sexy, aber noch immer verhältnismäßig elitär, der iPod dagegen längst Standard und für jedermann erwerblich. Das iPhone dagegen stößt in die Lücke zwischen Elite und Kommerz: Mit dem Einstiegspreis von 199 Euro / Dollar ist das ultimative Musthave-Gadget unserer Zeit nun inzwischen auch für den Massenmarkt erschwinglich geworden. Und das ist nur der Anfang.

Der lange Marsch: iPhone-Launch in China und Indien steht noch bevor

Der weltweite Launch des Kultprodukts hat gerade erst begonnen – in  den Mega-Märkten Indien und China ist das iPhone noch überhaupt nicht erschienen; in Russland gerade erst seit ein paar Wochen. 7 Millionen Käufer in einem Quartal können nicht irren: Das iPhone ist auf dem besten Wege, zum begehrtesten Mobilfunktelefon unserer Zeit zu werden.  

Und es ist gleichermaßen Apples Fels in der Brandung der kommenden Rezession, die hart und schmerzhaft werden könnte – und auch vor dem Premium-Hersteller nicht Halt machen dürfte, wie ein Blick in die Vergangenheit beweist. 2000 etwa brachen Gewinn und Umsatz des Silicon Valley-Veterans nach dem Platzen der Dot.com-Blase kurzfristig dramatisch ein.

Diese Geschichte wird sich dank des iPhones nicht wiederholen. Zumindest zwei bis drei Jahre dürfte Apple vor sich haben, ehe das Wachstums-Momentum einer technologischen Innovation wie des iPhones abzuebben beginnt. Bis dahin kann Steve Jobs von Keynote zur Keynote die vermutlich coolste Geheimwaffe gegen die Rezession runderneuern – in neuen bunten Farben gegen die Krisenstimmung in der Konjunktur.   

Nils Jacobsen

22.10.2008
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