Nach den Zeitungen der WAZ- Gruppe hat nun auch deren Online-Portal den Vertrag mit der Deutschen Presseagentur (dpa) gekündigt. Seit dem 1. Januar verwendet DerWesten.de kein Material der wichtigsten Nachrichtenagentur Deutschlands mehr. Doch woraus speist ein Nachrichten-Portal ohne eigenes internationales Korrespondentennetz seine aktuelle Berichterstattung? Wird DerWesten sich künftig ganz auf lokale Nachrichten konzentrieren müssen?
Das Ende der Zusammenarbeit haben laut dem Ruhrgebiet-Blog ruhrbarone.de sowohl die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ) als auch die dpa bestätigt. Die entsprechenden Verträge liefen Ende 2008 aus.
Als im November Spekulationen über ein Ende der Zusammenarbeit von "WAZ" und dpa kursierten, deuteten viele diese Möglichkeit als bloße Drohgebärde der größten deutschen Regionalzeitung für die bevorstehenden Vertragsverhandlungen. Die WAZ-Regionalblätter machen 2008 insgesamt mehr als 10 Millionen Euro Verlust, der Verlag war zu Einsparungen gezwungen.
Doch Anfang Dezember erwies sich, dass Chefredakteur Ulrich Reitz es ernst gemeint hatte: dpa-Meldungen waren aus den vier Blättern der WAZ-Gruppe verbannt. Stattdessen schrieben die Redaktionen ihre Meldungen selbst oder griffen auf Material von DDP oder AFP zurück. Chefredakteur Ulrich Reitz kommentierte erste Erfahrungen mit den Worten: "Die 'WAZ' versteht sich schließlich als Autorenzeitung. Wir haben weiterhin jede Menge gute und exklusive Geschichten im Blatt, dabei kann uns auch keine Agentur helfen".
Ausgenommen von der dpa-Abstinenz blieb allerdings das "WAZ"-eigene große Online-Portal DerWesten. Dessen Verzicht auf Meldungen, Zitate und Bilder der dpa kommt nun völlig überraschend. Für die aktuelle Berichterstattung kann ein Internetmedium nicht viel Zeit für eigene Recherchen aufwenden. Bislang war DerWesten auf den schnellen Zugriff auf Agenturmeldungen angewiesen.
Auf die wird das Portal auch weiterhin nicht ganz verzichten müssen. Mit Associated Press, Agence France Press oder ddp steht für DerWesten auch weiterhin ausreichendes Agenturmaterial zur Verfügung. Ein erster Eindruck weist darüber hinaus darauf hin, dass die angekündigte stärkere Vernetzung der einzelnen "WAZ"-Redaktionen auch hier Früchte trägt.
Diese Vernetzung dürfte ein ausschlaggebender Grund für die endgültige Trennung der "WAZ" von der dpa sein: Wenn sowohl Online- als auch Print-Redaktionen Teil eines gemeinsamen "Newsdesks" sind, müssen sie ihre Quellen teilen können um effizient zu arbeiten. In dieser Situation wäre es nicht praktikabel, den Zeitungen Material vorzuenthalten, über das DerWesten verfügt.
Letzte Kommentare
09.01.09 20:40
tommy voss
Es war nach dér dpa-Kündigung durch die WAZ-Mediengruppe mit WAZ/NRZ/WP/WR sowie das Online-Portal der WAZ www.westen.de abzusehen, das weitere Medien aus Sparzwängen den Vertrag mit der dpa kündigen und somit verstärkt auf ddp setzen.
Und dies waren meines Erachtens nicht die letzten Print-Online-medien, die aufgrund der hohen Kosten dann lieber ganz auf dpa verzichten und auf die nicht schlechte ddp-Nachrichtenagentur mit
ddp-Landesdienste, der ddp-Basisdienst und der ddp-Bilderdienst, verstärkt und wesentlich preisgünstiger zugreifen.Dies ist meine persönliche Meinung zu dpa und ddp.
09.01.09 19:34
robby ugo
Wenn man die Medien-Meldungen im Internet verfolgt, so hat auch M.DuMont Schauberg mit der Nachrichtenagentur ddp Deutscher Depeschendienst einen langfristigen Rahmenvertrag für die kommenden vier Jahre vereinbart für die Zeitungen Kölner Stadt-Anzeiger, Express, Mitteldeutsche Zeitung sowie Frankfurter Rundschau.Hier kommen die ddp-Landesdienste, der ddp-Basisdienst und der ddp-Bilderdienst zum Einsatz und dies wesentlich günstiger als von der dpa.
Somit ist eindeutig festzustellen, dass die Verlage nun lieber auf die günstigere ddp bauen als auf die teure dpa.
Und ich finde ddp gar nicht so schlecht.Die ddp hat nun die Chance weitere Kunden zu gewinnen.
Ist auch gut so.
05.01.09 20:03
Heinz West
Mein Gott, wie naiv. Es ist doch hinlänglich bekannt, dass dpa-infocom seine Inhalte zu Vorzugspreisen an Kunden abgibt. Klar ist auch, dass die Agentur kein Interesse daran haben kann, den Westen subventioniert zu beliefern, die Mutterschiffe aber nicht. Deshalb auch neue (unattraktive) Konditionen, deshalb die Kündigung. So einfach ist das.
05.01.09 16:56
David Zwadlo Web-Site
Aus User-Sicht sehe ich mit dem dpa-Verzicht keinerlei Nachteile. dpa-Meldungen lesen die meisten Internet-User ohnehin jeden Tag auf Spiegel Online, Stern.de und anderen News-Zeitungen. Da ist es eher wohltuend, wenn man sich auf DerWesten nicht auch noch durch die immer gleichen Meldungen durchwühlen muss.