Die WAZ-Journalisten Daniel Drepper und Niklas Schenck haben nach langem Hin- und Her die Olympia-Zielvereinbarungen des DOSB erhalten. Dabei sah es am Mittag noch danach aus, als würde das Bundesinnenministerium sich weiter quer stellen. Nun hat es den beiden Journalisten aber doch die geforderten Unterlagen übermittelt. Dem Vernehmen nach handelt es sich um mehrere Hundert Seiten. Die Medaillenziele sind bereits im Internet zu finden und zeigen: Die Vorgaben wurden deutlich verfehlt.
Durch die Hartnäckigkeit der beiden Journalisten kann nun genau verglichen werden, inwieweit die deutschen Sportler die von ihren Verbänden mit dem DOSB vereinbarten Ziele erreichen. Und es lässt sich feststellen: Fast alle Verbände bleiben unter den Vorgaben. Matthias Streitz, Chef vom Dienst bei Spiegel Online hat die Medaillenvorgaben offenbar weitergeleitet bekommen und sie auf GoogleDocs öffentlich gemacht. Der Inhalt wird wohl in den nächsten Tagen die Olympia-Berichterstattung noch prägen.
Bis kurz vor 15 Uhr hatte es noch so ausgesehen, als ob das Ministerium bei seiner Verzögerungs-Taktik bleibt, denn das Innenministerium hatte eine weitere Beschwerde eingelegt. Hintergrund: Weil das Innenministerium auch nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts die Vereinbarungen nicht offen legte, hatten die Journalisten ein Zwangsgeld beantragt. Das Verwaltungsgericht entschied, dass das Innenministerium bis zum heutigen Freitag, 15 Uhr, Zeit habe, die Dokumente freizugeben. Andernfalls sei eine Zahlung von 10.000 Euro fällig. Diese Frist galt weiterhin, unabhängig von der Beschwerde des Ministeriums gegen den ursprünglichen Verwaltungsgerichts-Entscheid und der damit verbundenen Weitergabe des Falls an das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg.
Als kurz vor 15 Uhr noch keine Dokumente bei Drepper und Schenck eingegangen waren, dafür aber der Hinweis des Verwaltungsgerichts, dass auch gegen das Zwangsgeld Beschwerde eingelegt wurde und dies aufschiebende Wirkung zur Folge habe, rechneten die Journalisten nicht mehr mit einer Offenlegung der Dokumente vor Ende der Olympischen Spiele. Dies veröffentlichten sie so auch im WAZ-Rechercheblog.
Kurze Zeit später dann die Wende: Um 14:44 Uhr schickte das Bundesinnenministerium die Zielvereinbarungen an die beiden Journalisten. Damit dürften auch die beiden Beschwerden, für die das Innenministerium die renommierte und aus der Wulff-Affäre bekannte Kanzlei Redeker Sellner Dahs beauftragt hatte, weitestgehend hinfällig sein.
Der Streit um die Medaillenvorgaben zieht sich nun schon seit mehreren Wochen intensiv. Besonders Innenminister Hans-Peter Friedrich wehrte sich gegen eine Offenlegung und wiederholte seine Kritik auch am Morgen noch im ZDF-Morgenmagazin. Dort sagte er, er wolle alle Rechtsmittel ausnutzen, sich aber an die Vorgaben der Gerichte halten.
Zuletzt forderten DJV und Vertreter aus der Politik die Offenlegung. Die erste Klage hatten Drepper und Schenk Anfang Juli eingereicht. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie bereits seit über einem Jahr versucht über das Informationsfreiheitsgesetz an die Informationen zu kommen. Die Zielvereinbarungen werden vom DOSB mit den jeweiligen Sportverbänden festgelegt. Sie haben entscheidenden Einfluss auf die Höhe der staatlichen Fördergelder, die in die jeweilige Sportart fließen.
Letzte Kommentare
08.11.12 09:50
Walter Keim Web-Site
In Schweden sollte die Antwort mit den gewünschten Dokumenten innerhalb
24 Stunden gegeben werden. 99 % der Antragsteller sind Journalisten. (
http://home.broadpark.no/%7Ewkeim/files/Broschard-Exkurs_schwedische_Verwaltungspraxis.html
) Norwegen operiert mit 1 bis 3 Tagen Antwortfrist. Nach 5 Arbeitstagen
kann wegen Untätigkeit beim (kostenlosen) Ombudsman geklagt werden.
13.08.12 12:17
Sebastian B. Web-Site
Nachdem es zu den Zielen keine Strafen für die Nichteinhaltung gibt, spielt es keine Rolle, wie viele Ziele im Vorfeld geplant werden.
Vergleicht man die Budgets, die Deutschland und England in die Sportförderung stecken, ist Deutschland ganz klar unterfinanziert.
Ich finde es schade, dass die Ziele in der Presse einen so negativen Beigeschmack hinterlassen haben.
10.08.12 18:24
optimistische Ziele
Mitten im Wettbewerb ist das so ungünstig wie über einen Wahlkampfkandidaten in der Samstagsausgabe vor der Wahl am Sonntag von seiner bisher unbekannten Zweitfamilie zu berichten.
Wenn jetzt die Kommentatoren mit der Strichliste danebenstehen und bei jedem Interview danach fragen nervt das vermutlich. Man hätte sich beispielsweise darauf einigen können, nur für abgelaufenen Wettbewerbe bzw. Sportarten die ihre Wettbewerbe fertig haben die Ziele zu veröffentlichen.
Sinnvoller fände ich frühzeitige automatische Veröffentlichung durch das Ministerium bzw. die Verbände. Wer öffentliche Steuergelder haben will, soll auch zugeben was er dafür leisten will. Siehe öffentliche Ausschreibungen.
Interessant wären jetzt natürlich auch abgelaufene Vorgaben früherer Jahre und Erreichung/Nicht-Erreichung und Förderverteilung. Evtl sind die Ziele immer optimistisch geschätzt. Vielleicht aber sind die Teilnehmerländer (wie auch bei Fußball EM und WM) deutlich dichter beisammen als früher so das für Deutschland nicht mehr so viele Erfolge bleiben weil mehr Länder einen Anteil vom Kuchen erarbeiten können.
Bei Formel 1 werden Gelder auch nach Punkten auf Teams verteilt. Wenn die Fördergelder also Vorauszahlungen sind und alle Vereine drunter liegen, tut sich vielleicht nicht so viel und die Verteilung bleibt untereinander halbwegs gleich und die absoluten Beträge vielleicht dann auch wenn eine Bronze-Medaille im Schnitt mehr Kosten verursacht als früher noch. Wer relativ aber underperformed muss dann kleinere Brötchen backen bis die zu viel gezahlte Vorauszahlung beglichen ist und wer überraschend Gold holt kriegt die nächsten 4 Jahre mehr Förderung. Danach klingen die Berichte aber nicht.