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Werben & Verkaufen soll Texte beisteuern

Süddeutsche startet Medienressort im Netz

Hans-Jürgen Jakobs startet auf sueddeutsche.de ein eigenes Ressort für die Branche: Von Montag an bündelt sein Team dort nicht nur die bisher in Kultur und Wirtschaft verteilten Fernsehkritiken und SZ-Recherchen zu Verlagen, Sendern und ihren Programmen. Jakobs verpasst dem Thema mit Christina-Maria Berr auch gleich eine eigene Chefin. Sie bekommt ein eigenes Budget und soll zudem die Recherchen des verlagseigenen Magazins Werben & Verkaufen in ihr Angebot integrieren.

„Ein gutes Medienressort gehört zur Tradition der Süddeutschen Zeitung“, sagte Jakobs zu MEEDIA. „Im Netz hat uns so etwas bisher leider gefehlt. Das habe ich als Defizit empfunden.“ Wie bisher auf sueddeutsche.de über die Branche berichtet wurde, das sei „eher unsystematisch“ gewesen: Zu den Unternehmen stand mal etwas in der Wirtschaft, zu ihren Inhalten hingegen etwas in der Kultur. „Das bündeln wir jetzt“, sagte Jakobs.

Jakobs ist vom Fach, er leitete einst selbst das Medienressort der gedruckten SZ und war Medienredakteur beim Spiegel. Jetzt, wo er das Thema als Chefredakteur von sueddeutsche.de auch im Netz groß aufzieht, stattet er die Medienberichterstattung mit eigenen Ressourcen aus: Mit Christina-Maria Berr bekommt das Ressort eine eigene Leiterin. Berr hatte bei der SZ volontiert, als Redakteurin für das Blatt unter anderem im Medienressort geschrieben und wechselte vor drei Jahren in die Online-Redaktion des Münchner Verlages.

Jakobs versorgt seine neue Ressortleiterin nach eigenen Angaben zudem mit einem „kleine Budget“, damit sie freie Autoren bezahlen kann. Die sollen vor allem Fernsehkritiken schreiben. Die würden „sowohl in der Nachbetrachtung als auch in der Vorschau bei uns gerne gelesen“. Jakobs schätzte, „dass wir etwa die Hälfte von Beckmann, Anne Will & Co. selbst besprechen werden - und für die andere Hälfte externe Mitarbeiter gewinnen“, wie er MEEDIA weiter sagte.

Für die Inhalte soll sich Berr vielfältig bedienen. Natürlich will Jakobs wie bisher Berichte aus der Zeitung ins Netz stellen, aber „bei Weitem nicht alles“. Außerdem sollen die Mitarbeiter von sueddeutsche.de aktuelle Entwicklungen und Beobachtungen selbst notieren – insgesamt 24 Redakteure und 15 sogenannte fest-freie Mitarbeiter beschäftigt Jakobs für sein gesamtes Portal. Kollegen des Print-Medienressorts erhielten ferner „nach wie vor die Möglichkeit, längere Versionen ihrer Recherchen ohne die übliche Enge des Blattes aufzuschreiben“.

Berr soll sich laut Jakobs außerdem beim Branchenmagazin Werben & Verkaufen bedienen, das ebenfalls zum Süddeutschen Verlag gehört. Jakobs: „Die Kollegen recherchieren nicht exklusiv für uns, sondern für ihr eigenes Heft und ihren eigenen Onlineauftritt. Wir übernehmen jene Stücke von W&V, von denen wir glauben, dass sie ein breiteres Publikum interessieren“. Jakobs wolle letztlich „kein B2B-Ressort“ aufbauen, sondern sich mit der Medienberichterstattung im Netz „insgesamt an ein breiteres Publikum“ richten. Insiderwissen will er trotzdem bieten. Jakobs: „Natürlich werden wir auch Entwicklungen in der Branche begleiten, wenn sie prominent genug sind.“

Zum Start am 1. Februar plant Jakobs zudem die SZ-Kooperation mit den Medienwissenschaftlern Leif Kramp und Stephan Weichert fortzusetzen. Nach einer Serie über die Zukunft der Zeitung im Jahr 2008 fragen die beiden jetzt in einer 20-teiligen Reihe: „Wozu noch Journalismus?“ Die Antworten werden unter anderem Ex-„Stern“-Chef Michael Jürgs, „Freitag“-Herausgeber Jakob Augstein und der Medienjournalist Stefan Niggemeier liefern.

Mit seinem neuen Ressort macht Jakobs unter anderem der FAZ Konkurrenz. Die versteckt ihre Rubrik „Medien“ auf FAZ.net im Feuilleton und bietet neben Übernahmen aus der Zeitung auch eigene aktuelle Fernsehkritiken. Print-Medienredakteur Michael Hanfeld fasst zudem ab und an Exklusives aus der Zeitung vorab im Netz zusammen. Auch oft mit Medienberichten, insbesondere mit raschen TV-Kritiken auf dem Publikumsmarkt präsent ist „Welt Online“, der aber wie der FAZ und allen anderen Titeln abseits der Wirtschaftspresse ein dezidiertes Medienressort fehlt, wie es Jakobs jetzt erstmals startet.

Jakobs kündigte an, dass das Medienressort künftig auch Teil der SZ-iPhone-Apps werden wird, die erst im Januar gestartet war und auf den besten Weg ist, ein voller Erfolg zu werden. Denn die Abrufrate der kostenpflichtigen App "SZ Gold" ist laut Jakobs gerade "am Fünfstelligen angekommen". Außerdem will er in Zukunft das ePaper der Zeitung in die App integrieren. Umfang und Aufbereitung der Zeitungsübernahme sei aber noch offen, sagte der Chefredakteur. Print- und Onlineredaktion würden zudem vor der Fußball-WM in diesem Sommer mit neuen Redaktionssystemen der Marken Hermes und Polopoly Web CMS versorgt, die den Austausch und die gemeinsame Arbeit an Texten beider Redaktionen erleichtern würden.

Daniel Bouhs

26.01.2010
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    Letzte Kommentare

    Anzeige: 1 - 2 von 2

    27.01.10 09:11

    Jan-Philipp Picard

    @Karl Fuchs

    Ich denke, dass die SZ ihre Print-Medienseite nicht aufgeben wird. Diese Diskussion ist vor ein paar Wochen gerade mit dem eindeutigen Bekenntnis zu dieser wichtigen Seite beendet worden. Außerdem kenne ich viele "normale" Leute, mich eingeschlossen, die nicht aus der Branche kommen, die diese Themen sehr wohl interessieren.

    Es handelt sich ja nicht um Intensivinformation wie auf Meedia und anderen Diensten, sondern auch um schöne Geschichten rund um die gedruckten Medien, schöne Geschichten rund um ihre Protagonisten, und eben auch TV-Kritiken. Eben jene will Herr Jakobs wohl verstärkt ins Onlineressort befördern, wenn ich diesen Artikel hier richtig verstanden habe.

    Ich möchte dann auf die gedruckte Medienseite in der SZ auf keinen Fall verzichten wollen.

    Beste Grüße
    JPP

    26.01.10 17:42

    Karl Fuchs

    Die SZ will laut Beschluss des Herausgeberrats 50 Mitarbeiter einsparen. Ob da die Print-Medienseite der SZ auch eingespart wird? Bei zehn Millionen Verlust wäre das konsequent. Und Online ist ein Medienressort ohnehin besser aufgehoben. Das interessiert ohnehin keine "normalen" Leser.

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