Geradezu euphorisch erzählt Springer-Boss Mathias Döpfner derzeit immer wieder, dass Paid-Content-Modelle dank iPhone und iPad endlich funktionieren würden. Die ePaper der verlagseigenen Print-Objekte kann er damit nicht meinen. Denn: Aktuelle Zahlen der IVW zeigen, wie schwach sich Bild, Welt, BamS & Co. auf elektronischem Wege derzeit verkaufen. Alle Springer-Zeitungen und -Zeitschriften verfügen als ePaper demnach nur über dreistellige Abonnentenzahlen.
Erstmals hat die Axel Springer AG im vierten Quartal 2010 Verkaufszahlen einiger ePaper-Ausgaben an die IVW gemeldet. Für Bild, Bild am Sonntag, Welt & Welt kompakt, Computer Bild, Sport Bild und Auto Bild liegen so Daten vor. Interessant sind hier vor allem die Zahlen in der Kategorie Abonnements, denn hier zeigt sich, wie viele Nutzer bisher u.a. über die Springer-eigene iPad-App iKiosk bereit waren, einen der Titel für einen festen Obolus zu bestellen - z.B. die Bild für 30 Tage zum Preis von 12,99 Euro. Das Ergebnis sieht überraschend ernüchternd aus. So verfügte das Bild-ePaper im vierten Quartal 2010 über ganze 785 Abonnenten.
Zwar liegen die Gesamtverkäufe der elektronischen Bild bei 18.786, doch 17.983 dieser Exemplare stammen aus der Kategorie Sonstiger Verkauf, sind also stark rabattierte Angebote. Laut Springer sind diese Verkäufe zwar gute, weil im Vergleich zu normalen sonstigen Verkäufen überdurchschnittlich gut bezahlte Verkäufe, doch an die Mindestanforderungen der IVW-Abonnement-Kategorie kamen sie offenbar nicht heran. Inwiefern hier beispielsweise die iPhone-Abos des ePapers für monatlich 3,99 Euro mitgerechnet werden - oder die Testphasen, in denen iPhone-Käufer der 79-Cent-App für 30 Tage auch das ePaper lesen können, ist leider nicht bekannt.
Deutlich unter den Bild-Zahlen liegen die anderen gemeldeten Titel. Die Auto Bild verfügt demnach über 544 ePaper-Abonnenten, das Duo Welt und Welt kompakt über 383 (und 1.536 sonstige Verkäufe), die Computer Bild über 322, die Sport Bild über 202 und die Bild am Sonntag, deren ePaper nur per iPad-iKiosk abonniert werden kann, über ganze 160 Abonnenten und 491 sonstige Verkäufe. Zur Klarstellung: Die Zahlen beziehen sich nur auf reine ePaper-Ausgaben schon vorhandener Print-Produkte. Multimedial aufbereitete Produkte wie die kostenpflichtigen iPad-HD-Apps von Bild und Welt werden hier nicht mitgerechnet - ebenso wenig wie z.B. die Bild-iPhone-App, wenn vom Kunden kein ePaper mitbestellt wird.
Zwar sind diese reinen ePaper-Ausgaben daher natürlich nur ein kleiner Teil von Springers Paid-Content-Strategie, die nun veröffentlichten Zahlen zeigen aber dennoch, dass es auch auf modernen Geräten wie dem iPad ziemlich schwer ist, Inhalte direkt an den Leser zu verkaufen, wenn sie nicht zumindest adäquat für das Medium angepasst oder sogar eigens dafür prodzuiert wurden. Für Mathias Döpfner bleibt zu hoffen, dass das Interesse an den anderen kostenpflichtigen Springer-Apps höher ist als das an den ePaper-Abos der Print-Titel. Seine Aussagen im Hinblick auf die sechsstelligen Verkaufszahlen der iPhone-Apps lassen dies ja zumindest vermuten.
Letzte Kommentare
25.01.11 11:02
Martin Spezial
Soweit ich weiß gibt Apple die Zahlen (und Zahlungen) erst 45 Tage nach Ablauf des Monats weiter.
Sprich: Die Novemberzahlen gibt es Mitte Januar, die Dezemberzahlen Mitte Februar usw.
Passend dazu ist das 4.Applequartal bei uns das dritte, und das Quartal Oktober bis DEzember bei Apple das erste.....
Unter diesem Gesichtspunkten: Könnten die Zahlen auch von Juli-September sein?
25.01.11 09:05
Kasulja A
Neben den o.g. möglichen Problemen, könnte es auch einfach an der Tatsache liegen, dass das Bildklientel sich für ePaper nicht interessiert und die, die sich interessieren, nicht für die Bild.
25.01.11 00:47
Schlauer Verkauf
Die Zahlen sagen doch letztendlich folgendes: Wie leicht es ein Konzern wie apple gelingt - Firmen und Journalisten - Stories und Geschäftsmöglichkeiten zu suggerieren, wo jeder Dödel, der etwas von Betriebswirtschaft versteht, klar erkennt, das diese nicht nachhaltig sein können, außer für apple. Des Weiteren würde ich media.de umtaufen in apple-media.de... die sind ja das größte apple Propagande Sprachrohr im ganzen Internet...
24.01.11 18:28
Franka McDoul
Mich wundert es nicht.
1. wenn man sich auf das iPhone oder das iPad festlegt, erreicht man alle Android-Nutzer nicht
2. Ich möchte als Beispiel immer neben der App oder anstatt der App ein pdf der Pringausgabe
3. die einzelnen Abos sind zu teuer und zwar deutlich zu teuer. In den USA gehen die Zeitungen einen klügeren Weg und machen mehr Masse. Wenn Magazine hier teilweise 2-8 Euro günstiger sind - dann greifen die Nutzer nicht zu.
Seit dem es die pdf's gibt lese ich mehr Zeitung oder überhaupt Zeitung, aber nicht für diese idiotischen Preise. Anscheinend begreift niemand, dass hier eine neue Gruppe Leser gefunden werden kann, die die Blätter schon vor viele Jahren verloren hatten und das die Deutschen in anderen Ländern angesprochen werden können als ganz neue Gruppe... aber nicht dümmlich auf einer einzigen Plattform
24.01.11 18:01
Paule P
Viel interessanter als die hier zitierten ePaper sind doch die iPhone-Apps für BILD & Co., die hier gar nicht eingerechnet sind. Steht ja sogar versteckt im dritten Absatz hier im Artikel. Soweit ich weiß, gibt es ePaper bei Springer schon lange und die liefen noch nie gut. Deshalb ist der Meedia-Artikel bzw. die IVW-Zahlen leider ohne wirkliche Aussagekraft was die Zahlmoral bei Digitalprodukten angeht. Der Vortext ist schon fast irreführend, weil ich nämlich auch erst das gleiche wie zB Martin Hubert hier dachte ...