Das Computerspiel "Die Siedler 7" der Firma Ubisoft zieht den Ärger der Spielefans auf sich. Grund: Das Spiel setzt eine permanente Internet-Verbindung mit den Servern von Ubisoft voraus. Spieler fürchten Spionage und beklagen sich über unvorhergesehene Spielunterbrechungen. Der Protest der Nutzer findet vor allem beim Online-Händler Amazon statt. In hunderten negativer Kommentare wird zum Boykott des Spiel aufgerufen. Es ist nicht das erste Mal, dass Amazon als Protest-Plattform benutzt wird.
2008 sorgte das Spiel "Spore" des renommierten Herstellers Electronic Arts für Furore der negativen Art, weil der Kopierschutz des Spiel nur drei Installationen zuließ. Spieler fühlten sich gegängelt, überzogen Spore bei Amazon mit schlechten Kritiken und riefen zum Kaufverzicht auf. Auch Ubisoft hat bereits Erfahrung mit wütenden Nutzern. Bei seinem Spiel "Assassin's Creed 2" setzte die Firma bereits auf eine permanente Online-Verbindung und wurde schon einmal dafür gescholten. Ubisoft versuchte die Fans mit einem Gratis-Downloadspiel zu besänftigen, hielt aber an der umstrittenen Schutzmaßnahme fest.
Das Problem: Theoretisch hat Ubisoft dadurch jederzeit Zugriff auf die Computer der Spieler. Der Hersteller kann also herausfinden, ob mit offiziellen oder illegalen Versionen des Spiels gespielt wird. Der Vorteil für den Spieler soll sein, dass Online-Features genutzt werden und Erweiterungen problemlos aufgespielt werden können. Wer die mittlerweile knapp 600 Kommentare bei Amazon liest, wird schnell merken, dass an solchem "Service" kein Interesse besteht.
Neben dem Verdacht, das die Rechner ausspioniert werden könnten, wird vor allem kritisiert, dass das Spiel abrupt abbricht, sobald die Internet-Verbindung fehlt oder sogar die Server von Ubisoft abgeschaltet werden. Die geschah ausgerechnet kurz nach dem Verkaufsstart des Spiels während der Osterfeiertage. Von den knapp 600 Rezensionen bei Amazon.de haben über 500 die niedrigste Wertung: einen Stern. Mit den kundenunfreundliche Kopierschutzmaßnahmen versuchen die Spielehersteller den Schaden durch Raubkopien im Internet zu begrenzen. Bisher mit beschränktem Erfolg. Im Falle von "Spore" fanden geknackte Versionen des Spiels trotzdem ins Netz und die ehrlichen Käufer wurden verprellt. Wohl darum kam Ubisoft auf den Trick mit der permanenten Online-Verbindung.
Bei Spielen für Konsolen wie Playstation, Wii oder Xbox haben es die Hersteller leichter. Hier müssen meist erst die Konsolen selbst manipuliert werden, bevor Raubkopien laufen. Das ist zwar auch nicht sonderlich schwer, stellt für viele Konsolenkäufer aber eine Hürde oder Hemmschwelle dar. Das Handelsblatt zitiert Daten des Branchenverbandes Bitkom, laut denen der Markführer Electronic Arts seit 2008 deutlich mehr Spiel nur für Konsolen veröffentlicht hat. Der Trend dürfte in dieser Richtung weitergehen.
Letzte Kommentare
21.04.10 14:53
Michael Seitz
Die Verkaufscharts sagen relativ wenig aus. Es gibt eine Menge Rückläufer, die nicht erfaßt werden, und Kunden, die verärgert über das Gesamtprodukt sind und das Spiel nicht zurückgeben (in die Tonne treten o.ä.), werden zukünftig kein Ubisoft-Spiel mehr kaufen. Der Schuß von Ubisoft geht gewaltig nach hinten los. Meine Familie hat sich aktuell ca. 300€ an Ubisofttiteln gespart und Zeit und Geld in anderes investiert. Auch zukünftig werden wir kein Ubisoftprodukt, gleich welches (PC, Konsole), mehr erwerben.
15.04.10 11:30
Nicolas Agustini
Interesse besteht aber sehr wohl am Spiel. Denn dem Verkaufserfolg tut der Kopierschutz keinen Abbruch - oder ist er ihm gar förderlich, weil weniger raubkopiert wird? Aktuell belegt "Siedler 7" jedenfalls Platz zwei der Media-Control-Gamescharts - nach ebenfalls Platz zwei in der Vorwoche und Platz eins in der Woche davor...