Wir nutzen soziale Netzwerke, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben und neue Menschen kennenzulernen. Aber wie ist es um die breite Masse bestellt? Wer bevölkert Social Networks wie Lokalisten.de, Wer-kennt-wen.de oder die VZ-Netzwerke? Gehen sie einem geregelten Beruf nach oder machen sie eine Ausbildung? Haben Sie Abitur? Studien der AGOF und die ARD-ZDF-Online-Studie sprechen eine deutliche Sprache. Der überwiegende Anteil ist schlecht gebildet, aber berufstätig.
Wie sieht der typische User eines Social Networks aus? Dieser Frage ist der Data-Driven-Blog nachgegangen und haben die Ergebnisse der Studien AGOF Internet Facts 2010 und der ARD-ZDF-Online Studie 2000 – 2010 miteinander verglichen. Und kommt zu erstaunlichen Ergebnissen. So nutzen vergleichsweise wenig Jugendliche in Deutschland Facebook. Rund die der deutschen Facebook-User ist zwischen 18 und 34 Jahre alt. Das verwundert, wenn man einen Blick auf die Altersstruktur der Internetnutzer im Allgemeinen wirft: Die 40- bis 49-Jährigen sind mit einem Anteil von 23 Prozent die zahlenmäßig stärkste Gruppe in der Online-Nutzerschaft. 
Mit 23 Prozent Anteil unter den Onlinern gegenüber 19,5 Prozent in der Gesamtbevölkerung (14+ Jahre) sind sie darüber hinaus überproportional stark im Internet vertreten. Dies gilt auch für die zweitstärkste Altersgruppe, die 20- bis 29-Jährigen (19,2 Prozent Anteil in der Online-Nutzerschaft, 14,4 Prozent in der Gesamtbevölkerung). Knapp dahinter auf Platz 3 liegen die 30- bis 39-Jährigen (19,0 Prozent Anteil in der Online-Nutzerschaft, 14,9 Prozent in der Gesamtbevölkerung).
Berufstätig und schlecht gebildet
Die Studien geben Auskunft darüber, wer sich in den Netzwerken tummelt. Zumindest für die deutschen Netzwerke Lokalisten.de, Wer-kennt-wen.de und die VZ-Netzwerke. So ist der Großteil der User in allen drei Netzwerken berufstätig. Bei den Lokalisten befinden sich 25.7 Prozent noch in der Lehre, der Schule oder im Studium, 62,2 Prozent sind berufstätig und nur 12,1 Prozent sind Rentner oder nicht berufstätig. Die Zahlen für Wer-kennt-wen.de sprechen eine ähnliche Sprache. 20 Prozent sind in der Ausbildung, 67,1 Prozent gehen einem Beruf nach und 12,9 Prozent sind nicht berufstätig. Nur bei den VZ-Netzwerken mit dem SchülerVZ und dem StudiVZ verschieben sich die Verhältnisse ein wenig. Demnach sind dort 37,5 Prozent in der Ausbildung, nur 48,3 Prozent sind berufstätig und immerhin 14,2 Prozent sind nicht berufstätig.
Ein weiterer Fakt, der verblüffen dürfte: User von Social Networks sind überwiegend schlecht gebildet. Bei den Lokalisten haben 35,7 Prozent keinen Schulabschluss oder einen Hauptschulabschluss, 33,8 Prozent besuchen eine weiterführende Schule und 29,5 Prozent haben das Abitur, Fachabitur oder einen Fach- bzw. Hochschulabschluss. Noch deutlicher wird der Trend beim Netzwerk Wer-kennt-wen.de: 40 Prozent haben keinen Schulabschluss oder einen Hauptschulabschluss, 32,7 Prozent besuchen eine weiterführende Schule, 27,3 Prozent haben das Abitur, Fachabitur oder einen Fach- bzw. Hochschulabschluss. Bei den VZ-Netzwerken liegen die Verhältnisse verständlicherweise etwas anders. 30,3 Prozent haben keinen Schulabschluss oder einen Hauptschulabschluss, 37,6 Prozent besuchen eine weiterführende Schule und immerhin 32 Prozent haben das Abitur, Fachabitur oder einen Fach- bzw. Hochschulabschluss.
Was können uns die Zahlen trotzdem sagen? Laut den vorliegenden Statistiken ist Wer-kennt-wen.de der größte Ausreißer mit Fokus auf Bildung und Berufsstand. Seine Mitglieder sind am schlechtesten gebildet und sind gleichzeitig zu einem höheren Prozentsatz berufstätig - was prinzipiell darauf schließen lässt, dass sie vergleichsweise auch die größte Kaufkraft besitzen. Außerdem verfügt das Netzwerk über die größte Differenz zwischen weiblichen (55,8 Prozent) und männlichen Usern (44,2 Prozent). Zur Demographie der Facebook-User machen die Studien keine Aussagen.
Letzte Kommentare
12.11.10 20:11
Philipp Stelzer Web-Site
Hallo!
Ich bin der Autor des Original-Artikels auf DataDriven.de und möchte auch kurz Stellung dazu beziehen.
1. Social Network User sind KEINESWEGS schlecht gebildet. Das ist überhaupt nicht das Ergebnis meines Artikels. Es wurde lediglich festgestellt, dass es Unterschiede in der schulischen Herkunft der User gibt in den einzelnen Netzwerken. Gleiches gilt für den Berufsstand. Von schlecht oder gut kann sowieso keine rede sein.
2. Jugendliche sind sehr wohl die am häufigsten vertretene Gruppe bei Facebook. Da hat meedia.de wohl etwas übersehen.
3. Facebook gibt keine Daten über Bildung und Beruf oder Einkommen preis. Demnach ist es leider nicht möglich diese Daten mit hinzuzunehmen.
Ich würde euch empfehlen den Original Text zu lesen. Die Zusammenfassung auf meedia.de ist leider nicht gelungen.
Grüße
Philipp
12.11.10 10:25
Ulli P.
Ich beschäftige mich als Journalist beruflich seit einiger Zeit mit dem Social Web und den Möglichkeiten, Gefahren und Chancen, die es bietet und birgt. Meine Schwerpunktthemen sind, das sollte ich in diesem Kontext noch erwähnen, sind Personalthemen.
Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Studien zu diesem und ähnlichen Themen. Viel mehr als man denkt. Die Einen entsprechen statistischen Voraussetzungen, um repräsentativ zu sein, die Anderen nicht. Ist aber auch egal. Denn im Grunde genommen zeigen die Diskussionen um diese Themen m.E. lediglich, dass wir alle uns erhebliche Gedanken darüber machen, was denn da gerade passiert. Es ist neu, teilweise unbekannt, hochdynamisch und revolutionär. Alles ist anders nichts wird mehr so sein, wie es war, wenn man die unglaublichen Potenziale hebt, die Social Media und das Internet bieten. Ich bin nicht unbedingt ein uneingeschränkter Befürworter von all dem.
Zur Studie bzw. den Studien: Natürlich kann man das Thema Bildung an konventionellen Kriterien wie dem Schulabschluss festmachen. Das ist irgendwie legitim. Dann muss man aber auch dazu sagen, dass das Schulsystem nicht nur viele Ungleichheiten schafft und die Begabungen der Menschen nicht immer so fördern kann, wie es wünschenswert wäre. Letztlich ist - das haben (wiederum) umfassende Studien des Psychologen Seymour Epstein bewiesen, nicht maßgeblich für den Erfolg im Leben, wie "intelligent" jemand nach konventionellen Maßstäben ist, sondern wie hoch seine emotionale Intelligenz ist. Schulen versagen bisher allerdings kläglich, wenn es um die Förderung emotionaler Intelligenz geht.
Deshalb ist es heute m.E. nicht korrekt beispielsweise die Nutzer von Sozialen Netzwerken (natürlich gibt´s noch Facebook, aber dort sind die Mitglieder auch nicht intelligenter oder weniger intelligent als in anderen Netzen!) auf Basis eines Schulsystems zu bewerten, das heute komplett überholt und reformbedürftiger denn je ist. Gerade über Soziale Netzwerke und das Internet haben Menschen viel mehr die Möglichkeit, ihren Interessen besser nachzugehen als über irgendein anderes Medium zuvor. Dort können sie sich Wissen aneignen (wenn sie wollen), können in Gruppen bestimmte - wenn auch manchmal fragwürdige - Themen diskutieren, können zu einem Konsens kommen und so weiter. Hier ist alles offen. Und das bietet jedem - und deshalb herrscht dort mehr Gleichheit und gleiche Chancen als irgendwo anders in der realen Welt - die Möglichkeit, seinen Interessen nachzugehen.
Deshalb finde ich diesen etwas faden Beigeschmack "Social Network User sind doof" (im übertragenen Sinn) nicht in Ordnung. Vielleicht sind sie ja viel intelligenter als man glaubt. Nur eben nicht nach schulischen Kriterien. Wie viele Menschen arbeiten heute in Jobs, in die sie als Quereinsteiger eingestiegen sind und für die sie nach konventionellen Kriterien gar keine Qualifikation haben? Klar, das Bildungssystem schafft das nicht, ok. Dennoch - die starren Strukturen von damals sind passé. Es geht in eine ganz andere Welt in der auch völlig andere Maßstäbe gelten.
Deshalb würde ich Aussagen wie in dieser Studie einen gar nicht so großen Wert beimessen.
up
12.11.10 09:15
Olaf Amm
leider ist so eine Studie - wie schon David Harnasch schreibt - ohne die Einbeziehung von Facebook als bedeutendstem Marktteilnehmer nicht wirklich aussagekräftig.
12.11.10 03:51
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11.11.10 22:43
Heinz Müller
Das ist nicht nur eine auf den ersten Blick irritierende, sondern bei näherem Hinsehen lustige Auswertung. Nicht nur, dass der Autor ein Problem mit Leuten zu haben scheint, die "schlecht gebildet" sind (viermalige Verwendung des Ausdrucks), er weiß gar nicht, was das ist, und hat selbst grammatikalische Fehler in seinem Text. Wenn 29,5 Prozent der Lokalisten-User Abitur haben, aber in der deutschstämmigen Gesamtbevölkerung nur 18 Prozent laut Stat. Bundesamt (Welt, 7.10.2008) - bei Migranten übrigens 20 Prozent -, dann lässt sie nicht mehr leicht von schlechter Bildung der User sprechen. Und dass User berufstätig - also einer legalen Erwerbstätigkeit nachgehen - erscheint in einer negativen Konnotation. Wovon bitte lebt der Autor? Sollte ich mir Sorgen um ihn machen? Etwas Vorsicht im Umgang mit einer Statistik, die man nicht selbst gefälscht hat, schiene doch sehr angeraten.