Ob in den TV-Nachrichten, auf den Web-Newsportalen oder in der Tagespresse: Die Schweinegrippe und die Angst vor einer Pandemie sind das Thema des Tages. Auch wenn die "Bild" sich gewohnt krawallig dem Thema nähert, versuchen doch alle Medien verhältnismäßig ruhig über die Seuche zu berichten. Anders Twitter. Nutzer des Zwitscher-Dienstes konnten in den vergangenen 36 Stunden durchaus den Eindruck gewinnen, dass die Menschheit es bereits mit einer globalen Katastrophe zu tun hätte.
Die Schweinegrippe, ob "Swine Flu" oder "#swineflu" geschrieben, ist das absolute Top-Thema bei Twitter. Im Sekundentakt gehen neuen Postings ein. Eine Auswahl von Einträgen, die innerhalb einer Minute online gingen: "World counting down to pandemic, says top virologist", schreibt NTARC. PhDenny twittert: "Apparently it's only a matter of time before swine flu reaches britain". Auch Nybs sieht schwarz: "Swine Flu outbreak is spreading :(".
Liest man nur die Seuchen-Postings wird schnell klar: Eine "leichte" Hysterie scheint den Zwitscher-Dienst ergriffen zu haben. Twiterfortune fasst das ganze passend zusammen: "Twitter selbst verbreitet das Schweinegrippen-Fieber."
Im Falle einer drohenden Pandemie zeigt sich, dass Twitter als News-Medium tatsächlich mit zwei grundlegenden Limitierungen zu kämpfen hat.
Erstens: 140 Zeichen sind zu wenig, um über einen solch komplizierten Sachverhalt wie eine sich ausbreitende Pandemie zu berichten. Jede extreme Verkürzung des Thema bekommt – fast schon automatisch – immer auch einen panischen Unterton. Ein gutes Beispiel liefert "Weltkompakt". Innerhalb weniger Minuten sendete die Redaktion diese zwei Tweets: "AP sagt: Schweinegrippe-Infektionen auch an New Yorker schule aufgetaucht #grippe" und "rund 100 Schüler im Stadtteil Queens klagen über Symptome wie Fieber, Halsschmerzen und Gliederschmerzen #grippe". Weitere Meldungen – ob ein Dementi oder eine Bestätigung – über den Zustand der Schüler fehlen.
Zweitens: Die kurze, schnelle Kommunikation der Twitter-Nutzer untereinander wirkt wie ein Beschleuniger. Meinungen und Einschätzungen können sich so sehr schnell verbreiten und verstärken. Bei Panik-anfälligen Themen keine gute Eigenschaft.
Trotzdem – und das ist ein wenig Paradox – eignet sich die Zwitscher-Plattform hervorragend, um schnell zu informieren. So haben bereits Samstagnacht die Mercury News aus dem Silicon Valley den Twitter-Channel "Swine Flu News" eingerichtet. In Echtzeit wollen die Redakteure so über die neuesten Entwicklungen berichten. Aber auch hier: Liest man alle Tweets hintereinader weg, stellt sich unweigerlich ein leichtes Panikgefühl ein.
Letzte Kommentare
28.04.09 08:17
Marco V Web-Site
Andere Medien wie TV und Zeitungen scheinen das Thema meiner Meinung nach auch nicht gerade ruhig angehen. Zunächst gehe ich davon aus, dass dies bei Twitter nicht anders sein dürfte.
Mir fällt auf:
Boulevard-Zeitungen bleiben ihrem Stil treu verbreiten bewusst eine gewisse Panik - ob auf Twitter, der Printausgabe oder auf ihrer Internetpräsenz.
Viele Nutzer machen sich über das Thema lustig. So bleibt es zwar am leben, aber von Panik kann ich nicht viel erkennen.
Schließlich scheint die Krankheit selbst auch alles andere als harmlos zu sein, da auch eher sachliche Accounts (Spiegel_Wissen) berichten, dass es zu einer weltweiten Ausbreitung kommen könne.