20 Millionen Deutsche sind bei Facebook registriert. Dieses Riesen-Archiv an frei zugänglichen persönlichen Daten macht sich die Polizei jetzt zunutze: Wer geblitzt wird, muss damit rechnen, über das soziale Netzwerk ausfindig gemacht und zur Bußgeldzahlung gezwungen zu werden, berichtet die Hamburger Morgenpost. Gelingt der Abgleich mit den Blitzerfotos, haben Raser keine Chance mehr, um die Strafe herumzukommen. Auch wenn ein Gesetz das bisher ermöglichte.
Da es in Deutschland keine Kfz-Halterhaftung gibt, bestreiten viele Schnellfahrer, am Steuer gesessen zu haben. Vor allem wenn es ein Firmenwagen oder das Auto eines Bekannten war. Doch das schützt nicht, wenn man bei Facebook registriert ist, sagte Frank Häcker vom Deutschen Anwaltsverein zur Hamburger Mopo: "Wer Bilder mit Namen in sozialen Netzwerken hinterlegt, ist datenschutzrechtlich ausgeliefert."
Aufmerksam wurde die Mopo auf die neuen Recherchemethoden der Polizei durch einen konkreten Fall aus Nordrhein-Westfalen. Dort fuhr ein Geschäftsmann mit seinem BMW auf der Autobahn 1 bei Münster seinem Vordermann auf der Überholspur viel zu dicht auf. Die Polizei blitzte ihn. Doch der Beschuldigte bestritt, am Steuer gesessen zu haben und nahm sich einen Anwalt.
Mit dem Blitzerfoto konnten die Ermittler ihn aber schnell identifizieren: Sie fahndeten bei Facebook nach dem Namen des mutmaßlichen Rasers und erkannten ihn anhand des Profilbilds. Hamburgs Polizeisprecher Holger Vehren begründete das Vorgehen gegenüber der Mopo so: "Es handelt sich schließlich um offen zugängliche Daten." Dem Anwalt blieb da nur noch der Rückzug.
Letzte Kommentare
14.06.11 12:23
Hans Steiler
Die richtige Bezeichnung lautet Deutscher Anwaltverein nicht Deutscher Anwalt_s_verein.
12.06.11 11:26
Sven Weimar
Das ist interessant, aber alles andere als neu:
RTL.de vom 11. Mai:
http://www.rtl.de/medien/information/rtlaktuell/16292-b46cf-51ca-79/polizei-jagt-raser-via-facebook.html
10.06.11 19:26
Christian Röös
Kapier ich auch nicht ganz...in der Regel besorgen sich die ermittelnden Beamten die Fotos aller in Frage kommenden Fahrer/Nutzer vom Einwohnermeldeamt. Aber so spart es vielleicht etwas Aufwand und Steuergelder. Und es erwischt Raser ein, zwei Tage früher - gerechte Strafe dafür, seine Nase in Facebook o.ä. reinhalten zu müssen
10.06.11 18:42
Frank Didszuleit Web-Site
Was ist denn das für eine Meldung???
Wer behauptet nicht am Steuer gesessen zu sein, der darf dann bei der Polizei zum Abgleich mit dem Frontfoto antanzen. Im Zweifel -wenn man sich weigert, oder nicht hingeht- stehen die Freunde und Helfer auch ganz schnell selbst vor der eigenen Tür, und schauen sich im Zweifel alle Familienmitglieder an, bzw. fragen auch schon mal in der Nachbarschaft nach "der Person auf dem Foto" ... Was soll also der Quatsch mit Facebook? Vielleicht ersparen sich die Beamten dadurch ein bisschen Arbeit... Aber Social Media meiden und deswegen davon kommen? Blödsinn!