Die DLD13 war an Höhepunkten etwas ärmer als sonst. Die Abschlussrede von Investor Peter Thiel versöhnte mit klugen und provokativen Beobachtungen. Thiel widmete sich der Frage, wie schnell technologischer Fortschritt in den Erstweltländern derzeit ablaufe. Seine These: Die IT-Branche entwickelt sich weiterhin rasend, andere Branchen hätten aber nur einen sehr geringen Innovationsgrad. Beispiele: Gesundheit, Energie, Verkehr. Aber: "Wir müssen neue Dinge tun". Sonst drohe nicht Stillstand, sondern Rückschritt.
Entwicklungs- und Schwellenländer wie China kopierten bisher die Dinge, die in der entwickelten Welt funktionierten. Den Westen stelle das vor die Frage: Wie kommen wir voran? Der gebürtige Deutsche Thiel konstatierte einen Pessimismus gegenüber Technologie. Die Computertechnologie sei einer der wenigen Sektoren, in dem weiterhin sehr schnelle Fortschritte erzielt würden. Diese Innovationsgeschwindigkeit müsse auf jeden Fall beibehalten werden. Gleichzeitig müssten sich die Felder ausweiten: Google arbeite an dem computergesteuerten Auto, Thiel nannte auch das Feld der Bioinformatik. Bezogen auf das Internet habe das Modell Facebook gegen das Modell MySpace gewonnen. Also: Plattformen, auf denen sich Menschen mit ihrer "realen" Identität austauschten, hätten die Plattformen, auf denen sich "fiktive" Personen bewegten, aus dem Feld geschlagen. Thiel sieht neue Möglichkeiten vor allem in Projekten, die die virtuelle mit der realen Welt verbänden.
Doch wer denkt sich in welchen Unternehmen oder Institutionen solche Modelle aus? Da gebe es verschiedene Herausforderungen, so Thiel. "Großen Unternehmern fehlt das Imitationsgen" sagten seine Kollegen bei PayPal, in das Thiel u.a. investiert hat. Voraussetzung sei also: eine herausragende Gründerpersönlichkeit. Das Bildungssystem müsse solche Charaktere hervorbringen. Und die Story des Unternehmens müsse stimmen. "Alle großartigen Unternehmen haben eine einzigartige Story", so Thiel. "Aber die Story ist nie die wirtschaftliche Story. Man muss tun, was sonst niemand tut." Eine Alternative zum radikalen Fortschritts- und Wachstumsdenken sieht Thiel nicht. Denn ohne Fortschritt drohte nicht Stillstand, sondern sogar der Rückschritt. Die Lebensqualität der Menschen würde sich verschlechtern.
Entsprechend lauten zwei Kernfragen, die Thiel beispielsweise in Bewerbungsgesprächen und Pitches stelle: "Bei welcher wichtigen Wahrheit teilen nur wenig andere Menschen ihre Meinung?" Und: "Am Aufbau welches wertvollen Unternehmens arbeitet gerade niemand?" Thiel landete zahlreiche Volltreffer mit seinen Investments, zu denen u.a. Facebook gehörte. In seinem DLD-Vortrag rief er zu mehr Optimismus auf. "Eine optimistische Weltsicht ist nicht auf Menschen im Alter von 20 Jahren beschränkt." Das Sprichwort, man solle jeden Tag so leben, als wenn es der letzte wäre, sei viel zu pessimistisch. Stattdessen solle man so tun, als lebe man ewig. Erst dann könne man nachhaltige Entscheidungen treffen.
Mit Thiels Aufruf zu mehr Fortschrittsdenken endete die DLD13.
Letzte Kommentare
22.01.13 18:39
Innovatoren leben nicht immer gut
Durchgriffshaftung auf Geschäftsführer oder geplante (IPRED2, davor ACTA usw.) strafrechtliche Verfolgung von Patenten oder Geschäftsideen motivieren eher zu einem Jura- oder BWL-Studium. Wer fährt denn die Luxus-Autos im Unternehmen und ist Freitags auf dem Golfplatz ? Die Programmierer oder die BWLer, Juristen und Aufsichtsräte steueroptimierter subventions-untersützter Holding-Ketten ?
Siehe beispielsweise das Startup "Veoh" (findet man bei Wikipedia) oder die Firma die roboterbasiert DVDs in Player steckt und dann zum Abrufer streamed.
Während Politiker und Firmenbosse tägliche Pressespiegel auf den Tisch kriegen, soll Google News (kostenloser Pressespiegel fürs Volk) bezahlen oder abschalten.
Es gibt zig triviale verbessernde Ideen die gar keinen Investor bräuchten weil man sie von zu Hause programmieren könnte. Aber es gibt genug, die dagegen sind und ihre Möglichkeiten nutzen.
Musste meinbus nach dem gewonnenen Urteils-Spruch und Gesetzes-Änderung warten bis sie ihre Fernbus-Linien anbieten durften ? Oder hatten die eine Sonder-Genehmigung ? Die anderen Fernbus-Linien-Anbieter sind ja erst dieses Jahr gestartet.
Der Gründer von MySQL bekam ca. 16 Mio. ($ oder Euro) also 1.6 Prozent des Verkaufs-Preises. Denn die Firma wurde für 1 Mrd. an Oracle verkauft.
Zuckerberg hingegen hat m.W. 54% seiner Firma bzw. der Stimmrechts-Aktien.
Usw. Da gibt es zig weitere Beispiele die sich dank Internet (oder wohl z.B. auf Quora) gut nachlesen lassen.