Die vielgelobte Lernplattform Scoyo sucht einen neuen Investor: Die Geschäftsführung teilte den rund 60 Mitarbeitern in Hamburg am Freitag mit, dass der Medienkonzern Bertelsmann sich zurückziehen will. Scoyo bietet "Edutainment", spielerische Lernprogramme für Kinder, die sich am Unterrichtsstoff für Schulklassen 1 bis 7 orientieren. Grund für die strategische Entscheidung der Gütersloher: Die bisherige Geschäftsentwicklung erreichte nicht die ursprünglichen Erwartungen.
Bertelsmann, das im Bereich von Lernmitteln eine lange Tradition hat, soll in der Startphase bis zu 20 Millionen Euro investiert haben. Scoyo ist eine hundertprozentige Tochter des Medienkonzerns. Das 2007 gestartete Projekt ist seit Februar diesen Jahres als kostenpflichtiges Angebot online.
Die Scoyo-Geschäftsführung unterrichtete die Mitarbeiter auch darüber, dass der Konzern die Plattform weiterhin mit den notwendigen Mitteln ausstatte, bis ein Investor gefunden ist. Gespräche mit Interessenten laufen nach MEEDIA-Informationen bereits, eine kuzfristige Transaktion wird angestrebt.
Scoyo hat seit dem Start Anfang des Jahres über 4.000 Lernmodule online gestellt und für sein Programm mehrere Preise erhalten, zuletzt die Giga-Maus auf der Frankfurter Buchmesse.
Letzte Kommentare
04.11.09 09:31
in sider
tja, das war leider abzusehen.
Bereits im Juli 2008 haben wir immer wieder kontinuierlich auf das didaktisch dürftige Konzept hingewiesen... Drill & practice aus dem "programmierten Unterricht" der 60er hat leider einen größeren Anteil als konstruktivistische Erkenntnisgewinnung...
Unsere Autoren haben keinen Lohn mehr bekommen, sondern Schmerzensgeld - und bei Grundschule 3-4 haben wir auch Schadensbegrenzung betrieben soweit möglich.
Ich glaube nicht, dass Bezahlmodelle grundsätzlich nicht denkbar sind --- aber es müssen Gesamtkonzepte her, die den Vormittag mit dem Nachmittag sinnvoll verbinden...
02.11.09 12:26
Marc Traunstein
OMG, 20 Mio. zu verbrennen ist schon heavy. Denke da ist der ein oder andere nette Dienstwagen mit dabeigewesen.
Ein Großteil dürfte wohl für TV Werbung raugeschmissen wurden sein. Gerade für ein Unternehmen im Onlinebereich sehr peinlich, Werbung in Medien zu machen, wo man so ein extrem unscharfe Zielgruppe hat, zu extrem hohen Kosten.
Ganz klar, Fehler des Managements meiner Meinung nach. Die Angestellt haben halt wieder Pech.
01.11.09 16:23
Philipp Schuch Web-Site
Scoyo ist ein Armutszeugnis für Bertelsmann, neue Investoren werden sich weder von scoyo’s gewonnen Online-Preisen, noch vom Namen Bertelsmann blenden lassen. Stattdessen werden sie sich wundern, ob denn wirklich niemand bei Bertelsmann – inkl. Vorstand oder sonst der am Projekt beteiligten – auch nur einen blassen Schimmer von Themen wie Internet & Venture Capital hat.
31.10.09 18:30
Mike Giese Web-Site
Was hat Bertelsmann sich denn vorgestellt?
Das man in einem Jahr riesen Gewinne einfährt?
Es hat sich doch in letzter Zeit immer wieder gezeigt, daß große Plattformen mehrere Jahre brauchen, bis sie sich rentieren.
30.10.09 19:37
Ulrich Kortenkamp
Nun ja. So bitter finde ich das nicht - mich hat Scoyo nie begeistern können. Es war an vielen Stellen wirklich pädagogisch katastrophal. Und das Verhältnis zwischen idiotischen Animationen und Texten und wirklichem Lernen war eindeutig zu schlecht.