Hundertfache Alias-Namen, unter denen der Vorstand eines großen Medienhauses auf einem Journalisten-Blog kommentiert – die Vorstellung scheint verrückt. Der Medienautor Stefan Niggemeier hat in einem Artikel seinen Verdacht dargelegt, dass Konstantin Neven DuMont, eine der obersten Führungskräfte der Verlagsgruppe M. DuMont Schauberg, eine Vielzahl von eigentümlichen anonymen Postings auf seinem Blog hinterließ. Gegenüber MEEDIA äußerte sich der Zeitungsmanager auf Fragen zum Thema.
Auf die ausführlichen Vorhaltungen des Medienjournalisten, die zahlreichen Kommentare seien von der IP-Adresse des Vorstands versandt worden, erklärte DuMont, dass diese von zwei Personen aus seinem Umfeld abgegeben worden seien. Klingt abenteuerlich, ist aber faktisch schwer zu widerlegen. MEEDIA fragte nach – hier die Antworten von Konstantin Neven DuMont.
Können Sie für sich selbst ausschließen, dass Sie bei Stefan Niggemeier jemals unter Pseudonym Kommentare gepostet haben?
Ich habe noch nie anonyme Kommentare gepostet, weder bei Stefan Niggemeier noch sonst irgendwo. Im Gegenteil, jahrelang habe ich diverse Foren mit der Frage beschäftigt, endlich mit Echtnamen zu operieren. Anonyme Kommentare werden nicht ernst genommen.
Wie ist es Ihnen gelungen, die anonymen Kommentatoren zu überführen?
Dank Stefan Niggemeier ist mir das gelungen. Er hat mich auf dieses Problem aufmerksam gemacht.
Welche Konsequenzen haben Sie gegenüber den für die Einträge Verantwortlichen gezogen?
Ich habe sie darum gebeten, keine weiteren Einträge unter meiner Mailadresse zu veröffentlichen.
Wie konnten diese Personen unter Verwendung Ihrer IP-Adresse Kommentare im Blog von Stefan Niggemeier abgeben?
Sie hatten Zugang zu meinem Rechner. Im Nachhinein war das natürlich ein Fehler.
Erwägen Sie rechtliche Schritte?
Was sollte das bringen? Ich habe noch nie jemanden persönlich angezeigt. Nichtsdestotrotz finde ich die Methoden von Stefan Niggemeier bedenklich.
Letzte Kommentare
23.10.10 16:41
John Galt
Das Leben schreibt doch die abstrusesten Geschichten. Ein Manager eines großen Unternehmens hat offenbar genug Zeit, mit rund 100 nicks Einträge in einem Blog zu machen, diese auch Dialoge führen zu lassen und merkwürdige Statements abzulassen? (Man muß die mal lesen, um die Skurrilität dieser Sache zu erfassen!) Und dann hat der vermeintliche Verfasser auch noch die Chuzpe, zwei unbekannte Benutzer seines Rechners vorzuschieben? Krank genug ist diese Geschichte allemal - und auch wenn ich die Ansichten Herrn Niggemeiers im Allgemeinen nicht oft teile - warum sollte er das hinnehmen, daß vom Rechner einer bedeutenden Figur der Medienlandschaft sein Blog als Plattform gedeichselter Dialoge mißbraucht wird? Hat Herr Neven Dumont etwa nicht genug eigene Medien, derer er sich bedienen kann, um sich zu äußern?
22.10.10 13:24
Noch ein Versuch
Braucht man denn überhaupt IP-Adressen oder Email-Daten, um einen echten DuMont zu erkennen? Ich denke, es reicht der Stil inkl. gegenseitiger Bestätigungen der Nicks.
Das macht in den Kommentaren dieses Artikels schon mal zwei.
22.10.10 12:19
Mein Nachname
Im Grunde erkennt man einen DuMont auch ohne Informationen zu IP/Email. Der Stil und die gegenseitige Bestätigung reicht. In diesen Kommentaren z.B. gibt es zwei.
20.10.10 22:31
Thomas Berscheid Web-Site
Guten Abend zusammen.
Gerade bin ich über die Berichterstattung des WDR zu diesem Thema gestoßen und habe mich beim WDR auch im Gästebuch dazu geäußert.
Hier steht noch etwas mehr über die Reaktionen des Herrn DuMont.
Ich beschäftig mich seit 1989 mit Computern und seit 1998 betreibe ich Webseiten, mache Marketing etc. übers Internet. Ich bin es auch gewohnt, in übelster Art und Weise beschimpft und beleidigt zu werden. Nachzulesen bei www.georgien-nachrichten.de unter dem Rubrik Meinungen. Soviel zum Thema, falls jemand sagen sollte, dass ich keine Ahnung habe.
Seit 4 Jahre sitze ich nun in der IT-Abteilung eines Unternehmens mit rund 1.200 Mitarbeitern weltweit. Aus den Büros auf dem Flur höre ich ständig, was User mit ihren Rechnern anstellen.
Das Herr DuMont nun sagt, seine e-Mail Adresse und sein Rechner werden von anderen Leuten benutzt, halte ich entweder für eine Schutzbehauptung, oder ich frage mich, welche Erfahrung er mit Rechnern hat. Man lässt niemanden an seinen eigenen Rechner! In einer Firma gibt es dazu Mitarbeiter, die eine jahrelange Ausbildung haben, wenn es mal klemmt. Mitarbeiter, die innerhalb von Minuten gefeuert werden, wenn sie den e-Mail Account eines Managers einsehen.
Und beim Druckhaus Neven DuMont gibt es dann Menschen, die das einfach so dürfen?
Hm.
Da wird mir jetzt gerade etwas übel, wenn ich daran denke, dass ich einen Zugang zu Forum des Stadtanzeigers habe. Sind meine Daten da sicher?
Diese ganze Sache hinterlässt bei mir einen üblen Nachgeschmack.
20.10.10 19:21
Micha Bellinger
So wie ich die ganze Geschichte mitbekommen habe, spielt Herr Niggemeier ganz gut mit seiner Doppelmoral. Das disqualifiziert ihn - insbesondere als Urgestein der Blogosphäre - ziemlich als ernstzunehmenden Journalisten.
DuMont sollte außerdem wirklich die internen Abläufe gehörig waschen. Peinlich, wenn wir seiner Geschichte glauben wollen. Noch peinlicher, wenn er es selbst war.